Selten hat man die sonst eher beherrschten Neuseeländer nach einem Sieg in der Louis-Vuitton- America's-Cup-Weltserie so laut lachen, jubeln und schreien gehört wie nach dem entscheidenden dritten und letzten Rennen. Man musste als Zuschauer unwillkürlich mitlachen, weil der Verlauf der eben zu Ende gegangenen Wettfahrt (und der beendeten Regatta) kaum zu fassen war: In Winden, die binnen Sekunden von zwei auf 25 Knoten und wieder zurück wechselten, dazu starker Strömung, in der die Rennkatamarane teilweise hilflos über die verbotenen Kursgrenzen getrieben wurden und entsprechende Penalties absolvieren mussten, hatten die Kiwis nach verpatztem Start ins Finalrennen zunächst lange im Mittelfeld gelegen, während sich das Oracle Team USA und Land Rover BAR ein spannendes Spitzenduell um den Gesamtsieg vor New York lieferten.

Louis Vuitton America’s Cup World Series 2016 - New York

Meistens matt: Wechselhafte Bedingungen machten das Segeln in New York mehr zum Lotteriespiel denn zum Spektakel. Foto: BMW/ Carlo Borlenghi and Stefano Gattini



Zwischenzeitlich hatte sich im Strom-Poker überraschend das SoftBank Team Japan vor die Titelverteidiger und die britischen Herausforderer geschoben. Doch auch Dean Barkers Führung sollte nicht lange halten. Während die Mehrheit der Flotte auf dem Weg zum letzten Gate in Windlöchern steckenblieb und erneut Penalties für das Überschreiten der Kursgrenze verteilt wurden, preschte plötzlich über die Mitte des Kurses – wie von Zauberhand gelenkt – das Emirates Team New Zealand mit einer gewaltigen Bö in rasendem Tempo an der gesamten Flotte vorbei in Richtung Gate 4 und dem kurz dahinter liegenden Ziel. Die unfassbare Szenerie endete mit dem Triumph der Neuseeländer, die noch zwei Minuten zuvor abgeschlagen schienen, die Ziellinie aber mit 19 Sekunden vor dem Oracle Team USA kreuzten. Es folgten das SoftBank Team Japan, die Franzosen, Sir Ben Ainslies Team Land Rover BAR und Artemis Racing aus Schweden.

In der Gesamtwertung mussten Jimmy Spithills siegeshungrige Männer mit Platz zwei hinter den Neuseeländern um Skipper Peter Burling und vor Franck Cammas' Groupama Team France zufrieden sein, waren es aber nicht. Noch enttäuschter beendete Sir Ben Ainslies Team Land Rover BAR die zweitägige Serie, dessen Auftakttag von einer hartnäckigen Flaute lahmgelegt worden war. Die Briten belegten hinter dem SoftBank Team Japan und vor dem schwedischen Team Artemis Racing nach drei atemlosen Rennen nur Platz fünf, obwohl auch für sie der Gesamtsieg bis wenige Minuten vor dem letzten Zieldurchgang noch in greifbarer Nähe lag. Doch zwei Penalties in Folge von Überschreitungen der Kursgrenzen waren auch von Ainslies Männern nicht mehr auszugleichen.

Und tschüss: Dei Neuseeländer (l.) nehmen an Oracle Rascing ein bisschen Revanche für ihre peinliche und schmerzhafte Niederlage beim letzten America's Cup in San Francisco. Foto:  ACEA 2016 / Ricardo Pinto

Und tschüss: Dei Neuseeländer (l.) nehmen an Oracle Rascing ein bisschen Revanche für ihre schmerzhafte Niederlage beim letzten America's Cup in San Francisco. Foto: ACEA 2016 / Ricardo Pinto



Die zehn bis rund 20 Minuten kurzen Rennen auf dem launischen Hudson River boten Abwechslung und Spektakel wie noch nie bei einer ACWS-Regatta. Wie eng es zwischen den Teams zuging, zeigte der Sieg von Artemis Racing im ersten Rennen des Tages. Die Mannschaft um Skipper und 49er-Olympiasieger Nathan Outteridge kam nach drei Rennen trotzdem nicht über den letzten Platz hinaus. Es darf auch festgehalten werden, dass die teilweise völlig unvorhersehbar einfallenden Böen und die sich in krass schneller Folge abwechselnden Wind- und Strombedingungen dem Segelspiel vor New York einen deutlich höheren Glücksfaktor beschieden haben als sonst bei Regatten üblich. Siehe Gelächter und Geschrei an Bord der Kiwis nach dem letzten Zieldurchgang: Peter Burlings Männer konnten das soeben Geschehene und ihr Glück selbst kaum fassen. In der Gesamtwertung der Louis-Vuitton-America's-Cup-Weltserie haben sie ihre Führung vor dem Oracle Team USA und dem Team Land Rover BAR ausgebaut.

Hudson river und Manhattan: Nett zum Segeln, nur wo bleibt der Wind? Foto: ACEA 2016 / Ricardo Pinto

Hudson River und Manhattan: Nett zum Segeln, nur wo bleibt der Wind? Foto: ACEA 2016 / Ricardo Pinto



Endstand ACWS New York
1. Emirates Team New Zealand (52 Punkte)
2. Oracle Team USA (50 Punkte)
3. Groupama Team France (44 Punkte)
4. SoftBank Team Japan (42 Punkte)
5. Land Rover BAR (42 Punkte)
6. Artemis Racing (40 Punkte)

Gesamtstand nach 5 Regatten
1. Emirates Team New Zealand (244 Punkte)
2. Oracle Team USA (236 Punkte)
3. Land Rover BAR (227 Punkte)
4. SoftBank Team Japan (203 Punkte)
5. Artemis Racing (201 Punkte)
6. Groupama Team France (194 Punkte)

Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung der AYacht logo Europas größtem Segelmagazin

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