Die Briten haben per Volksentscheid gesprochen: Raus aus der EU. Es íst eine Entscheidung von großer Tragweite, die weltweit mit Sorge zur Kenntnis genommen wurde. Der Wechselkurs des Pfund Sterling brach ein, die Börsen reagierten nervös, die Politiker sind ratlos. Und weil es keinen Präzedenzfall für einen Austritt aus der Europäischen union gibt, kann niemand vorhersagen, wohin diese Entwicklung führt, bzw. wie sie sich auf die bisher engen und einträglichen Handelsbeziehungen zwischen Großbritannien und Deutschland auswirken wird.

Der Brexit kommt, was nun? Foto.YACHT/N. Günter

Der Brexit kommt, was nun? Foto.YACHT/N. Günter



Auch der Wassersportbranche könnten unübersichtliche Zeiten bevorstehen. Die ist zwar nur ein vergleichsweise kleiner Wirtschaftszweig, doch für die betroffenen Unternehmen – Werften, Ausrüster und Dienstleister – geht es hier wie dort um viel. 2015 wurden nach Angaben des Bundesverbands Wassersportwirtschaft (BVWW) 352 Boote und Yachten im Wert von rund 18,8 Millionen Euro von der Insel nach Deutschland geliefert. Umgekehrt verkauften hiesige Werften 271 Yachten im Wert von rund 23,2 Millionen Euro nach England. So zählt England auch zu den wichtigsten Märkten der Hanse Yachts AG, die ja mit Sealine und Moody zwei bekannte englische Werften übernommen hatte.

Der Anteil der Einfuhren aus England liegt gemessen an den gesamten Bootsimporten hierzulande zwar nur bei 15 Prozent und der Anteil der Ausfuhren am Gesamtexportvolumen der deutschen Sportbootwerften bei nur rund zehn Prozent. Doch auch diese zehn Prozent würden den Betrieben wehtun, fielen sie etwa sich drastisch verschlechternden Wechselkursverhältnissen, Strafzöllen oder ähnlichen Abschottungsmaßnahmen ganz oder teilweise zum Opfer.

Englische Boote wie der knuffige Cornish Shrimper 21 könnten durch Einfuhrzölle  auf dem Kontinent in Zukunft teurer werden.  Foto: YACHT/N. Günter

Englische Boote wie der knuffige Cornish Shrimper 21 könnten durch Einfuhrzölle auf dem Kontinent in Zukunft teurer werden. Foto: YACHT/N. Günter



Jürgen Tracht, Geschäftsführer des BVWW, übte sich kürzlich gegenüber der YACHT noch in Zweckoptimismus: "Fest steht, dass die britische Wirtschaft weitaus stärker betroffen wäre als die der übrigen EU-Mitgliedsstaaten. Dies macht einen Brexit nicht sehr wahrscheinlich." Relativ gelassen sieht die Yachtcharterbranche dem Votum entgegen – wenn auch aus anderem Grund: Großbritannien als Segelurlaubsregion spielt für deutsche Vercharterer beziehungsweise deutsche Charteragenturen so gut wie keine Rolle.

"Insofern wird es nach einem Brexit keine unmittelbaren Veränderungen geben, auf die wir uns einstellen müssten", sagt Catharina Falk, Geschäftsführerin der Vereinigung Deutscher Yacht-Charterunternehmen. Problematisch würde es allerdings, so Falk, wenn für den Chartermarkt wichtigere Länder wie Griechenland oder Spanien sich an England ein Beispiel nehmen und sich ebenfalls aus der EU verabschieden würden.

Charterfreuden und Bürokratie: Törns nach England, hier Fowey in Cornwall, könnten künftig #mehr Papierkram erfordern. Foto: YACHT/ Nils Günter

Charterfreuden und Bürokratie: Törns nach England, hier Fowey in Cornwall, könnten künftig #mehr Papierkram erfordern. Foto: YACHT/ N. Günter



Für Fahrtensegler, die in Zukunft Kurs auf Großbritannien nehmen wollen, bleibt der Brexit wohl nicht ohne Folgen. "Bislang brauchen Crews aus EU-Ländern in England nicht ein- oder auszuklarieren", erklärt Jürgen Feyerabend, Chef der Kreuzer-Abteilung des Deutschen Segler-Verbands. Genau damit könnte es in Zukunft aber vorbei sein. Jeder Törn nach London, Schottland oder Südengland wäre dann mit aufwendigen Behördengängen und Papierkram verbunden.

Auch Bootskäufer könnten das Nachsehen haben. Wer dieser Tage mit einer Yacht made in Great Britain liebäugelt, sollte gegebenenfalls damit rechnen, dass er bald schon tiefer in die Tasche greifen muss. Sei es, weil infolge des Brexits eine drastisch steigende Inflation das allgemeine Preisniveau in England in die Höhe schnellen lassen könnte. Oder weil weil die EU künftig Importe aus England mit hohen Zöllen belegen könnte.

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Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung der AYacht logo Europas größtem Segelmagazin. Es handelt sich dabei um eine modifizierte Version der ursprünglichen Fassung, die am 23.6. erschienen war.

 

 

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