Segeln über der Wasseroberfläche wird im Fachjargon “Foiling” genannt und ist seit dem America’s Cup 2013 in aller Munde. Damals zogen die rasend schnellen und pervers teuren AC72-Kats im Live-TV ihre spektakuläre Show auf der San Francisco Bay abzogen. Neu ist diese Kunst beileibe nicht, Versuche damit gab es seit den 1960ern immer wieder. Man erinnert sich vielleicht an den riesigen Foiler-Trimaran L’Hydroptere aus Frankreich, der mal den Geschwindigkeitsweltrekord für Segelfahrzeuge am Wasser innehatte. Auch die verschiedenen Experimente in der Schweiz, mit Kats und sogar “rumpflosen” Monohulls wie Mirabaud auf Foils zu segeln sind noch präsent. Doch in den beiden letzten Jahren wurde das einst exklusive Tüfteln mit Wings, Winglets und Trimmklappen zu einer neuen Sparte des Sports. Und für die gilt: Vom Laser bis zum Fahrtenkat, wer Bock aufs Foilen hat und über das nötige Kleingeld verfügt, dem stehen heute etliche Optionen offen.




Gunboat G4 im Foiling Modus

Gunboat G4 im Foiling-Modus


Gunboat G4
Mehr als 30 Knoten und das auf einem cruisingtauglichen Katamaran? Irgendwie geht das nicht mit rechten Dingen zu, denkt man. Auf der anderen Seite: Die Entwicklung schreitet so rasend schnell fort, da überraschen solche Nachrichten auch nicht. Wie die G4-Premiere in der Karibik zeigte, gehört Foiling heute tatsächlich zum guten Ton im Segelsport. Extreme Leichtbauweise in Kohlefaser-Nomex-Honeycomb mit Vakuum-Infusion, Kohlefaserspieren, speziell geformte Foiling-Schwerter und Ruderblätter produzieren gmeinsam mit der üppigen Segelfläche Geschwindigkeiten, die man bis vor Kurzem auf Serienbooten für unmöglich gehalten hatte. Mit nur 2,7 Tonnen Verdrängung und fast 130 qm Segelfläche ist die Gunboat G4 eher eine Rennmaschine denn ein Fahrtenboot. Dennoch, so sagt die Werft, sei diese Yacht auch fürs Segeln mit Freunden und Familie geeignet, die dabei sogar so etwas wie Komfort und Stehhöhe im Toilettraum geboten bekommen. So viel Vielseitigkeit darf dann auch etwas kosten: Ab einer Million ist man dabei.




GC32

GC32


GC32
Wer den America’s Cup 2013 verfolgt hat, wird die Ähnlichkeit des GC32 zu den AC72-Kats sofort erkennen. Es handelt sich dabei um eine geschrumpfte und vereinfachte Version dieser Monster-Foilingkats. Der GC 32 ist mit Tuchsegeln ausgestattet und kann für den Trailertransport leicht zerlegt werden. Mittlerweile wurde auch eine eigene Regattaklasse etabliert und die Boote werden ab 2016 die veralteten konventionellen 40-Füßer der Extreme-Sailing-Serie ersetzen. Der Erfindergeist hinter dieser Konstruktion heißt Dr. Martin Fischer, der als Designer zahlreiche erfolgreiche Projekte betreute, und u.a. für Luna Rossa arbeitete und an den verschiedenen Groupama-Projekten von Frankreichs Supersegler Franck Cammas mitwirkte.




Flying Phantom

Flying Phantom


Flying Phantom
Dieser 5,52 Meter lange und 155 kg leichte Strandkat ging aus der Entwicklung des Groupama C-Klasse-Kats hervor, der mit Franck Cammas 2013 den Little America’s Cup gewonnen hatte. Der Flying Phantom ist als Einheitsklasse ausgelegt und wurde alsbald für eine internationale Regattaserie auserkoren, deren erklärtes Ziel es ist, Nachwuchssegler mit der Handhabung von schnellen Foiling-Kats vertraut zu machen und sie so für größere Aufgaben in den professionellen Multihull-Regattaserien auszubilden. Wir haben das Boot 2014 vorgestellt.




International Moth im Vorwärtsgang. Foto: boats.com/Dieter Loibner

International Moth im Vorwärtsgang. Foto: boats.com/Dieter Loibner


International Moth
Wenn man von Foilen spricht, muss natürlich auch der Urgroßvater dieser Art des Segelns erwähnt werden: Der Australier Dr. Ian Ward, der 1999 erstmals Foils an Schwert und Ruder einer International Moth schraubte, die das Boot bei ausreichend Geschwindigkeit automatisch aus dem Wasser katapultierten. Im folgenden Jahr kamen die Illett-Gebrüder John und Garth daher und ersannen das geniale und einfache System, das mit Hilfe eines Sensorstabs den Anstellwinkel der Foils und auch die optimale „Flughöhe” regelt, wenn das Ding mal über Wasser fährt/foilt. Im Jahr 2004 war die Revolution dann nicht mehr aufzuhalten, als der Australier Rohan Veal mit einem derartigen Boot die WM mit lauter ersten Wettfahrtplätzen gewann und in einem Lauf den Zweiten, der nicht foilen konnte, um 10 MINUTEN abhängte. Der aktuelle Geschwindigkeitsrekord einer foilenden Motte liegt bei 37,6 Knoten, nicht schlecht wenn man bedenkt, dass diese Boote nur 3.35 m lang sind. Doch mit einer maximalen Breite von 2,25 m, einem Nettogewicht von weniger als 30 kg (inkl. Segel) und einer Segelfläche von 8 qm sind diese Miniatur-Renner Extremkonstruktionen für extreme Fahrleistungen. Extrem auch der Preis, der für eine neues Boot 15,000 Euro betragen kann.




Laser in ungewohnter Schwimmlage

Laser in ungewohnter Schwimmlage


Laser Foiling Kit
Wer gern alleine und schnell segelt und eine Moth zu teuer oder zu extrem findet, hat eine billige und stabilere Alternative: Für weniger als fünf Tausender wird eine (angeblich) modifikationsfreie Nachrüstung des Lasers zum Foiling Dingi angeboten, mit der dieses beliebte, wenn auch in die Jahre gekommene Einhanddingi raumschots bei idealen Bedingungen an die 18 Knoten schaffen soll. Bravo! Doch wie verhält es sich mit den Amwind-Eigenschaften dieser Foils?




Quant 23. Foto: YACHT/T. Störkle

Quant 23. Foto: YACHT/T. Störkle


Quant 23
Am Schluss noch ein einzigartiges Foiling-Gerät, das aus der Schweiz stammt, wo in diesem Bereich schon seit Jahren viel Entwicklungsarbeit geleistet wird. Die Quant 23 ist nämlich das erste Kielboot (!) weltweit, das sich mittels Horizontalschwerter aus dem Wasser hebt und somit nicht nur kentersicher, sondern auch aufregend schnell ist. Logischerweise wurde das Boot auch für die Wahl zur European Yacht of the Year 2016 nominiert.

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