Dr. Jens Gerhardt ist studierter Physiker, promovierte aber in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Vor seiner Bestellung zum Vertriebsvorstand und Sprecher des Vorstandes der Hanse Group war er u.a. in der Kommunikationsbranche und als Berater für McKinsey tätig. Als leidenschaftlicher Freizeit-Surfer und -segler ist er seit 2012 maßgeblich an der Gestaltung der Unternehmenspolitik beteiligt.

Hanse hat das Markensortiment erweitert, Multihulls, wie sie von der Konkurrenz angeboten werden, fehlen jedoch. Warum?
Wir sind selbst jetzt noch nicht in allen Segmenten vertreten, wobei wir finden, dass es bei Motorbooten noch weitere Nischen gibt, die zu besetzen wären.

Doch Multihulls sind beliebt bei Charterfirmen und Privateignern, entgeht Ihnen da nicht etwas?
Von den Fahrtenkats werden weltweit jährlich so um die 400 Stück verkauft, die in einer sehr ähnlichen Preisklasse liegen wie Flybridge-Motoryachten zwischen 50 und 55 Fuß, wovon pro Jahr etwa 250 Stück verkauft werden. Wir sind ja schon auf dem Motorbootmarkt tätig und dies ist ein neuer Bereich für uns, in dem wir mit der Sealine 530 F vertreten sind.

drjensgerhardt copy

Nachdem Sie die Varianta 18 nicht mehr produzieren, ist die Einstiegsdroge die Hanse 315, ein Schiff, das fast 10 Meter lang ist. Ist das nicht ein bisschen groß?
Also da muss ich Sie korrigieren: Die kleinsten Fahrtenschiffe des Mitbewerbs sind gleich lang oder länger als die 315. Und wir sehen sie aber weniger als Einstiegsmodell, denn als Yacht, die Segler interessiert, die Kleineres wollen.

Welches Modell halten Sie ideal für den Anfang?
Das geht heute so bei 45 Fuß los, also jenseits von 200,000 Euro. Doch wenn man sich die Preise für Immobilien mit Meerblick ansieht, ist das vergleichsweise günstig. Und das entspricht dem generellen Trend: Boote werden größer. Sie sind dabei aber einfacher zu segeln und auch luxuriöser ausgestattet. Auf der letzten Hanseboot-Messe zum Beispiel haben sich Schiffe von mindestens 40 Fuß Länge am besten verkauft. Aber auch in der Größenordnung darüber haben wir Erfolg, von der Hanse 575 haben wir seit Markteinführung gut 200 Stück abgesetzt.

Muss man da nicht Liegeplatzprobleme befürchten?
Nein, im Gegenteil. Ich gucke mir in den Marinas die Friedhöfe an mit vielen alten und kleineren Yachten, die da an Land stehen, diese „Schätzchen”, von denen viele wohl nie mehr auslaufen werden. In dem Maß, in dem kleine Schiffe seltener werden, werden Wasserliegeplätze den wachsenden Bootsgrößen angepasst.

Deshalb also das Produktionsende für die kleine Varianta?
Nein. Die Varianta 18 gibt es ja weiterhin, weil sie ein gutes Produkt ist mit einer ausgeprägten Klassenkultur. Nur wird sie nicht mehr von Hanse gebaut, denn ein kleines Boot „ohne Küche und Klo”, wenn Sie so wollen, passt nicht zu unseren Fertigungsprozessen.

Hanse kommt aus dem Segelsport, hat sich aber über Akquisitionen mit zwei sehr unterschiedlichen Motorbootmarken etabliert. Welche Käufer bedienen Sie damit?
Mit der starken Formensprache spricht Fjord eine Zielgruppe an, die sich mit Statussymbolen umgibt, Porsche oder Porsche plus. Bei der Sealine liegt der Fokus eher auf Funktionalität, mit Küche, Bar und Meerblick. Wir sehen diese Marke als hochwertiger als die Marktmitte an, oberhalb der anderen Großwerften.

Fjord 48

Spass- und Statussymbol: Fjord 48 vor der Küste Mallorcas



Welche technische Innovation wird in den kommenden Jahren für Hanse wichtig?
Ich denke, dass Elektroantriebe stärker kommen werden, deshalb auch der Schritt mit der Hanse 315 E-Motion. Der Automarkt gibt da den Takt vor, da wird im Moment viel Druck gemacht, was auch heißt, dass Batterien besser und billiger werden.

Gibt es eine Marke oder einen Bootstypus, der für Hanse derzeit besonders interessant wäre?
Ich meine, wir bleiben bei unseren Leisten und schauen, in welchen Bereichen wir noch nicht vertreten sind. Da gäbe es ja noch einiges. Fischen zum Beispiel. Oder Explorer-Boote. Auch ein sportliches 50-Fuß Motorboot könnte interessant werden.

Zum Werftporträt

Anzeige