Die Schlacht ist geschlagen, die Hanseboot 2016 hat ihre Tore geschlossen. Es wurden 520 Aussteller aus 20 Nationen gezählt, die 450 Boote zeigten, dazu Zubehör und Dienstleistungen, sowohl am Land in den Messehallen als auch im Wasser im Sandtorhafen. Die Veranstalter waren bemüht, mit neuen Öffnungszeiten, den Schwerpunkten Ausrüstung, Zubehör und Funsport sowie der für Hamburg neuen Veranstaltung der Boatfit zum Thema Restaurierung dem seit Jahren herrschenden Publikumsschwund Herr zu werden, doch das Ergebnis von etwa 68.000 Besuchern lag nochmals einige Prozentpunkte unter dem des Vorjahres. Damit fällt die größte Wassersportmesse des Nordens weiter gegenüber der boot in Düsseldorf und der Interboot in Friedrichshafen zurück.

Hanseboot in den Messehallen

Hanseboot in den Messehallen. Foto Dieter Loibner



Woran das lag, lässt sich so kurz nach Ende der Veranstaltung nicht eindeutig klären, doch die Abwesenheit wichtiger Marken wie Hallberg-Rassy, Bavaria oder X-Yachts hat der Messe, die traditionell eher Segler anspricht, wohl nicht sonderlich geholfen. „Es zeigt sich ein differenziertes Bild“, lautet die Stellungnahme von Projektleiter der Hanseboot, Heiko Zimmermann. „Gerade die Aussteller aus den Bereichen Ausrüstung, Zubehör und Funsport sind mit dem Messeverlauf sehr zufrieden. Die Bootsaussteller bekommen die Marktsituation in Teilen zu spüren. Wir sehen das auch als Auftrag, vor allem mehr junge Menschen für den Wassersport zu begeistern. Das wird in unseren Überlegungen für die kommende Hanseboot noch mehr Raum einnehmen.“

Besucher am Toplicht-Stand

Besucher am Toplicht-Stand. Foto Dieter Loibner



Positive Signale kamen vom Bente-Stand, wo sich die Menschen um eine "Bio-Bente" drängten, die laut Werft nachhaltig hergestellte Schwester der originalen Bente 24. Diese neue Version wurde zu einem Grundpreis von 68,000 Euro angepriesen, der sich mit ein paar sinnvollen Optionen auch locker verdoppeln kann, womit das grüne Vergnügen gleich ein sehr exklusives wird.Der Grund: Die Materialwahl. Statt Glasfasern und Schaumkern kommen beim Sandwichlaminat für Rumpf und Deck Flachs und Kork zum Einsatz und ein “Bio-Harz”, das Leinölbasis hergestellt wird. Neu sind solche Anwandlungen beim Bootsbau ja nicht, das wurde schon vor einigen Jahren vom kanadischen Motorbootwerft Campion probiert. Warum also das Ganze? Wie Campion beruft sich Bente auf die angeblich bessere CO2-Bilanz und die Tatsache, dass man ja mit erneuerbaren Naturstoffen arbeite, die weniger Energie bei der Herstellung erfordern.

Die neue Grüne Bente Foto YACHT/Reineke

Die neue Grüne Bente. Foto YACHT/Reineke



Gleich nebenan zeigte Mittelmanns aus Kappeln mit der Cruze 970 und der Pulse 600 zwei Produkte des vietnamesischen Trimaranherstellers Corsair, den die Werft an der Schlei nun in Norddeutschland repräsentiert. Die Cruze ist der Nachfolger des Dauerbrenners Corsair 31, doch mit mehr Rumpfvolumen und zeitgemäßerem Innenausbau, wie auf dem Video unserer Modellvorstellung zu sehen. Die Pulse 600 hingegen ist ein sportliches Fahrzeug, das familientauglich ist und das von Hobie Cat popularisierte Genre des unkomplizierten Spaßsegelns nun auf drei Rümpfe ausdehnt. Lesen Sie unseren ausführlichen Test.

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Corsair Cruze 970 (l.) und Pulse 600 am Stand der Mittelmanns Werft. Foto Dieter Loibner



Die Hanse-Group hatte, wie angekündigt, eine Hanse 315 E-Motion am Stand, die mit einem ins Ruderblatt integrierten Elektroantrieb ausgerüstet ist, der gemeinsam mit Torqeedo entwickelt wurde. CEO Jens Gerhardt zeigte sich zufrieden mit dem Geschäftsgang. “Bisher haben wir kein Boot unter 40 Fuß verkauft” sagte er am Donnerstag gegenüber boats.com. Trotz der mächtigen Konkurrenz der Eröffnung der Elbphilhamonie herrschte vor allem in den Hallen, wo Dienstleistungen und Zubehör angeboten wurden, am zweiten Messewochenende guter Publikumsverkehr.

Hanse's neuer E-Motion-Antrieb. Foto Dieter Loibner

Hanses neuer E-Motion-Antrieb. Foto Dieter Loibner



Traditionalisten interessierten sich dabei für die Saare 46 SC, die hier Premiere feierte. Es handelt sich dabei um eine Mittelcockpityacht aus Estland, die im traditionellen skandinavischen Stil gehalten ist, wobei die Werft zahlreiche Varianten für die individuelle Gestaltung bietet. Ebenfalls zu sehen war die Azuree 33 C, das Modell, das eine Größe unter der von uns getesteten Azuree 46 liegt. Es ist die Erstlingsyacht der türkischen Werft Sirena Marine, die nun in Deutschland von Nordic Yachting vertrieben wird mit dem einprägsamem Styling und punktuell aktualisierten Details imponiert, inklusive ablenkbarem Cockpittisch und kardanisch aufgehängtem Kaffeekocher. Wer möchte, kann das Boot nun mit offenem Vorschiff bestellen, hat dabei wenig Privatsphäre, aber ein großzügiges Raumgefühl. Ebenfalls am Nordic Yachting-Stand wurden die Elektro-Außenborder des chinesischen Herstellers E-Propulsion gezeigt, der mit zwei Modellen von 1 und 6 KW dem Branchenprimus Torqeedo Konkurrenz machen will.

Die Azuree 33 mit aufwändigem Tischmechanismus. Foto Dieter Loibner

Die Azuree 33 mit aufwändigem Tischmechanismus. Foto Dieter Loibner



„Ich bin zufrieden, die Leute, die uns finden wollten, kamen auch vorbei“, sagte Sven Haushahn vom Diamond Yachts GmbH in Laboe, der eine Moody 45 DS im Sandtorhafen zeigte, das ist das Schwesterschiff der großen Moody 54 DS. Sie war Teil des recht überschaubaren Angebots der In-Water-Show, die mittels Shuttlebus von den Messehallen angesteuert werden konnte. Man habe sich Termine mit Interessenten vereinbart und auch Zeit für Gespräche mit existenten Kunden nehmen können, so Haushahn. Gleich nebenan lagen eine für Langfahrt konzipierte Bestevaer 45, die bei KM Yachtbuilders in Holland aus Alu gebaut wird und für die Langfahrt konzipiert ist, und eine dunkelblaue Oyster 825, die mit mehr als 25 Metern Länge das größte Boot der Messe war. Und wer die Kultmarke Najad liebt, wurde ebenfalls am Hafen fündig, denn dort zeigte die schwedische Traditionswerft, die schon mehrmals vor dem Aus gestanden hatte, mit der Najad 450 CC eine von der 440 abgeleiteten Neuentwicklung der Mittelcockpityacht mit moderneren Linien, zeitgemäßem Styling mehr Volumen und einem praktischeren Rigg. Auf Wunsch kann vorne noch eine dritte Kajüte installiert werden mit Kojen in Stockbettanordnung.

Hanseboot 2016 In-Water im Sandtorhafen. Eine Bestaever 45 (g.l.) und eine Moody 45 DS (M.) liegen neben zwei Traditionsseglern. Foto Dieter Loibner

Hanseboot 2016 In-Water im Sandtorhafen. Eine Bestaever 45 (g.l.) und eine Moody 45 DS (M.) liegen neben zwei Traditionsseglern. Foto Dieter Loibner



Bei den Motorbooten neueren Datums, die aber schon auf einigen Messen präsentiert wurden, gab es auf der Hanseboot in der Klasse der Steuerhaus-Motoryachten um sieben Meter neben der finnischen Bella 700 RAID und die Beneteau Antares 8 OB, die mit Außenbordern bis 147 kW (200 PS) angetrieben werden. Außerdem die knapp neun Meter lange Jeanneau Merry Fisher 795, die mit bis zu zwei mal 129 kW (175 PS) motorisierbar ist. Aus dem gleichen Segment wurde auch die etwas größere Quicksilver Activ 855 Weekend AB gezeigt, die Außenborder mit bis zu 294 kW (400 PS) Motorleistung verträgt.

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Der neue Anbieter ePropulsion am Stand von Nordic Yachting. Foto Dieter Loibner



Beeindruckende Neuheiten gab es auch bei den seegängigen Yachten über 30 Fuß zu bestaunen, die für längere Bordaufenthalte konzipiert sind. Das Flaggschiff der Messe war ohne Zweifel die knapp 20 Meter lange Elling E6. Der niederländische Werftbau ist für Fahrten auf hoher See konzipiert, verfügt also über eine Zulassung in der CE-Kategorie A. Das Überqueren von Ozeanen - ansonsten bei Motoryachten eher ungewöhnlich - ist mit der Elling E6 also kein Problem. Ebenfalls ungewöhnlich bei einer niederländischen Fahrtenyacht dieser Größe: Sie ist aus GFK laminiert und teilweise mit Aramidfasern verstärkt, auch bekannt unter der Markenbezeichnung Kevlar und unter anderem bei schusssichern Westen verwendet.

Elling E 6. Foto: Dieter Wanke

Elling E 6. Foto: Dieter Wanke



Ungewöhnlich auch der Antrieb. Für den Schub sorgt ein einzelner Volvo Penta D13. Für Notfälle ist dann noch ein Volvo Penta D2 eingebaut, der sogar über einen zweiten Tank gespeist wird. Das Hauptreservoir fass 5000 Liter und soll selbst für Atlantiküberquerungen mit gemäßigter Fahrt ausreichen. Da die Wellen hier für kräftige Schaukelbewegungen sorgen würden, können auf Wunsch auch Stabilisatoren eingebaut werden. Bei großer Fahrt sicher kein Luxus. Knapp zwei Millionen Euro sollten aber angespart sein, um sich den Traum erfüllen zu können.

Pollard Silence 40 Sedan Foto: Dieter Wanke

Pollard Silence 40 Sedan Foto: Dieter Wanke



Ebenfalls aus den Niederlanden stammt die neue 12 Meter lange und vier Meter breite Pollard Silence 40 Sedan - new style. In dem 14 Tonnen schweren Multiknickspanter warten zwei Doppelkabinen auf Gäste, die sich mit der Stahlkonstruktion wohl vorwiegend in Binnenrevieren tummeln dürften. Angetrieben wird die Yacht von einem Vetus Deutz DT 44 Selbstzünder mit 84 kW (114 PS), der seine Kraft über eine Wellenanlage ins Wasser bringt.

Zu den Premieren gehörte auch die polnische Delphia Escape 1150 Voyage, die durch ihr sehr großzügiges Deckshaus beeindruckt, das Steuerstand und Salon vereint. Zwei Kabinen mit Doppelkojen sowie zwei Nasszellen erlauben die komfortable Übernachtung für vier Personen. Angetrieben wird der sieben Tonnen schwere und nach CE-Kategorie B zertifizierte GFK-Verdränger von einem sparsamen Nanni-Diesel mit 37 kW (50 PS), der seine Leistung über ein V-Getriebe ins Wasser bringt.

Marex 310 C Foto: Dieter Wanke

Marex 310 Sun Cruiser Foto: Dieter Wanke



Reese Marin zeigte die neue Marex 310 Sun Cruiser auf der Hanseboot. Die Yacht, ein kleinerer Cousin der Marex 375 wird zwar seit 1988 gebaut, aber die neue Version soll in allen Bereichen deutliche Verbesserungen zeigen. Die 9,45 Meter lange Yacht kann mit einem Volvo Penta D4-300 oder mit einem D6-370 bestellt werden. Ein 440-Liter-Tank versorgt die Selbstzünder mit Diesel. Die große Sitzgruppe im Cockpit soll gesellige Runden mit bis zu 10 Personen ermöglichen. In zwei Kabinen können bis zu vier Personen übernachten.

Komplett neu ist auch die Targa 30.1 der finnischen Werft Botnia Marin Ab Oy. Die 10-Meter-Yacht im Trawler-Style wird grundsätzlich mit Selbstzündern von Volvo Penta angeboten. Zur Wahl stehen Einzelanlagen der D-6-Linie ab 243 kW (330 PS) oder Doppelanlagen mit der D-4-Range bis zwei mal 221 kW (300 PS), die ihre Leistung grundsätzlich mit Z-Antrieben ins Wasser bringen. Ein ordentlich dimensionierter 600-Liter-Tank soll dabei für akzeptable Reichweiten sorgen.

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