Nachdem der EU-Beitritt Kroatiens und damit die Nachversteuerung vieler Schiffe für die meisten Eigner 2014 günstig über die Bühne gegangen war, machen die Behörden nun Ernst: Seit ein paar Wochen ziehen Zollfahnder von Marina zu Marina und legen alle Boote still, für die noch kein Zoll-Status amtlich vorliegt. Die Eigner finden dann an ihren Schiffen einen offiziellen Aufkleber, der ihnen sogar verbietet, ihr eigenes Boot auch nur zu betreten. Der YACHT sind eine ganze Reihe von Fällen aus dem Raum Murter, Porec und Novigrad bekannt; der See-Pannendienst Sea Help berichtet auf seiner Webseite von den gleichen Vorgängen auf der Insel Krk.

Kroatische Zollfahnder  legen alle Boote still, für die noch kein Zoll-Status amtlich vorliegt. Foto: YACHT/ L. Bolle

Kroatische Zollfahnder legen alle Boote still, für die noch kein Zoll-Status amtlich vorliegt. Foto: YACHT/ L. Bolle



Per Post wird dann über eine Kooperation mit dem deutschen Zoll den Eignern in Deutschland ein Schreiben auf Deutsch und Kroatisch zugestellt, in dem sie aufgefordert werden, ihr Schiff nachzuversteuern oder gegen den Bescheid Einspruch einzulegen. Der Zeitwert des Schiffes wird in dem Schreiben vom Zoll festgelegt, zu zahlen seien 25 Prozent Steuer darauf sowie zusätzlich 1,7 Prozent Zoll-Gebühren. Das Brisante daran ist, dass nur eine Frist von fünf Tagen eingeräumt wird. In Deutschland sind für solche Fälle 30 Tage die Regel.

Von diesem Vorgehen werden jetzt vor allem Eigner überrascht, die ältere Schiffe besitzen, die zum Zeitpunkt des EU-Beitritts schon acht Jahre im Revier waren. Diese Boote sind von der Nachversteuerung freigestellt. Deshalb haben sich die Eigentümer oft nicht um die Nachversteuerung gekümmert. Doch die kroatischen Behörden vertreten den Standpunkt, dass die Eigner dennoch eine komplette Zoll-Deklaration in Kroatien vornehmen müssen. Selbst international gültige EU-Papiere, das sogenannte T2L-Dokument, das etwa vom deutschen Zoll ausgestellt werden kann, reicht den Kroaten nicht.

Für Karl-Heinz Beständig, Autor des Revier-Standardwerkes "888 Häfen und Buchten", ist das eindeutig nicht EU-konform: "Es gibt Eigner, die haben sich von ihrem Zollamt in Deutschland, nachdem sie schriftlich belegt haben, dass ihr Boot versteuert ist, das europäische Dokument besorgt, das extra von der EU als Steuernachweis eingeführt wurde. Das sollte den kroatischen Behörden reichen, andere Staaten akzeptieren es ja auch!"

Der Deutsche rät den Eignern, auf jeden Fall sofort gegen den Bescheid Einspruch einzulegen, so ihr Schiff denn älter als acht Jahre und bereits versteuert ist. "Der Einspruch kann auch in deutscher Sprache verfasst werden und muss zum kroatischen Hauptzollamt gesendet werden, von dem das Schreiben ursprünglich stammte. Ist die Fünf-Tage-Frist überschritten, würde ich es dennoch versuchen. Es gibt diverse Umstände, die eine Fristverlängerung zulassen."

Wer sich nicht selber direkt mit den Beamten auseinandersetzen will, kann auch Agenten einschalten, die die Behördengänge übernehmen, sich allerdings auch entsprechend bezahlen lassen. Zwischen 200 bis 800 Euro nehmen Anbieter für die Steuerformalitäten. Misko Milosavljevic von Yacht-Pool Kroatien erklärt, warum diese Dienste kostspielig sind: "Der Zoll verlangt eine ganze Reihe von Papieren, neben Registereintrag und Marinaverträgen auch Fotos vom Schiff, den Motornummern, Kopien von Marinaverträgen." Das Erstellen der Papiere und die Behördengänge würden eben Zeit kosten. Nach Erfahrung der Gutachter setzt der Zoll für den Fall einer Nachversteuerung den Wert der Yacht per Schwacke-Liste an.

 

Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung der AYacht logo Europas größtem Segelmagazin

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