"Klein, aber fein" – das beschreibt die Bootsmesse in der Hauptstadt Frankreichs wohl am besten. Denn in Paris präsentieren die Werften nicht ihre gesamte Produktpalette, sondern konzentrieren sich lieber auf das Neueste, Beste und Innovativste. Auch zur 56. Nautic bekamen die Besucher einmal mehr das aktuelle "Best of" des Yachtbaus mitsamt Weltpremieren zu sehen, von der Einmannjolle bis zur luxuriösen 51-Fuß-Langfahrtyacht.

Rüssel-Renner VX Evo. Foto: YACHT/ Y. Kethers

Rüssel-Renner VX Evo. Foto: YACHT/ Y. Kethers


VX Evo


Mit einer Länge von 4,78 Metern war die VX Evo die kleinste Weltpremiere in Paris, doch Rumpfdesign, das breite Heck mit Chines, Carbonrigg und ein 11-Quadratmeter-Gennaker kündigen schon an Land ganz großes Segeln an. Der kleine One-Design-Racer wird von der britischen Werft Ovington gebaut und soll sich in der Inshore-Regattaszene in den nächsten Jahren durchsetzen. Die VX Evo wird auch auf der kommenden boot Düsseldorf zu sehen sein.

Sense 51


Am anderen Ende des Spektrums, bei den Yachten, setzte Beneteau ein Highlight. Der Weltmarktführer zeigte erstmals die neue Sense 51, dem kleineren Schwesternschiff der Sense 55 bei der auf knapp 15 Meter Länge besonders der Wohn- und Reisekomfort im Vordergrund steht. Hier ist das allgemeine Raumkonzept eines Fahrtenkatamarans auf nur einen Rumpf übertragen worden: Das Cockpit fällt besonders breit aus, an Steuerbord befindet sich ein großzügiger Sitzbereich, der um den elektrisch höhenverstellbaren Tisch U-förmig angeordnet ist. Auf der Backbordseite gibt es weitere Sitzmöglichkeiten mit einem zweiten einklappbaren Cockpittisch.

Mono- mit Multihull-Einflüssen: die neue Sense 51 mit faltbarem Bimini. Foto: YACHT/Y. Kethers

Mono- mit Multihull-Einflüssen: die neue Sense 51 mit faltbarem Bimini. Foto: YACHT/Y. Kethers



Die fest montierte Biminikonstruktion aus GFK mit dem beweglichen Stoffverdeck schließt den gesamten Außenbereich achtern auf Wunsch ab. Das macht die Sense nun auch für kühlere Reviere interessant, weil mit den optionalen Seitenverkleidungen eine riesige Kuchenbude entsteht.
Über lediglich drei Stufen erreicht man den Innenraum, der mehr an das häusliche Wohnzimmer erinnert – oder eben an einen Katamaran. Rundum gibt es viel Licht, reichlich Sitzplatzangebot mit kleinem Tischchen und einen Fernseher in der Mittelkonsole. Thomas Gaillard, Produktionschef bei Beneteau, bestätigt, dass an Bord der Sense-Yachten das Wohlfühlen auf Langfahrt an oberster Stelle stehen soll. Das Konzept scheint bei den Kunden gut anzukommen: Allein am ersten Messetag wurden drei Yachten verkauft.

Elan GT 5


Schnelles und komfortables Blauwassersegeln stand auch bei der neuen Elan GT5 im Lastenheft, die auf der Nautic Paris ihre Weltpremiere feierte. Sie basiert auf dem leistungsfähigen 40-Fuß-Rumpf der Elan E5, bietet aber einen reichhaltigeren und helleren Ausbau. Das neuste Modell der slowenischen Werft wird im Vakuum-Infusionsverfahren gebaut und überzeugt mit sauberen Holzarbeiten und diversen Komfort-Details, die der sportlicheren E5 abgehen. So lassen sich etwa die Außenflügel der zwei Cockpittische jeweils absenken, um eine ununterbrochene Liegefläche zu bilden. Werden die Innen- und Außenflügel ausgeklappt, entsteht ein großer Tisch, der fast die gesamte Breite des Cockpits einnimmt.

Wandelbares Cockpit und viele andere Komfort-Extras unterscheiden die GT5 von der E5. Foto: YACHT/Y. Kethers

Wandelbares Cockpit und viele andere Komfort-Extras unterscheiden die GT5 von der E5. Foto: YACHT/Y. Kethers



Fallen und Schoten werden durch Tunnel allesamt nach achtern direkt zum Rudergänger geführt. Somit gibt es auch keine Fallwinschen auf dem Kajütdach, und der Sitzbereich im Cockpit kann komplett von Leinen freigehalten werden. Besonders interessant ist das Raumkonzept unter Deck mit dem "inverted saloon layout": Um den eigentlichen Wohnbereich komfortabler zu gestalten, wurden Esstisch und Sitzpartie an der breitesten Stelle des Bootes, also direkt vor dem Niedergang, platziert, während die Pantry mit Spüle an Steuerbord weiter vorn im bereits schmaleren Bereich des Rumpfes eingebaut wurde. Ein kleiner Kartentisch kann durch Umklappen einer Sitzfläche hergerichtet werden.

Tofinou 10.c


Außergewöhnliche Detaillösungen zeigt auch die Tofinou 10.c – die große Neuheit von Latitude 46, die auf der Messe enthüllt wurde. Die Backskisten sind besonders durchdacht, damit alles Notwendige seinen festen Platz hat und auch noch bei Lage während des Segeln an Ort und Stelle bleibt: Für die Fender gibt es der Größe entsprechend spezielle Einfassungen, für die Festmacher passende Halterungen. Der Cockpittisch ist komplett im Boden eingelassen und stört somit nicht während der Fahrt. Navigationsdisplays können in kleinen Schapps versteckt werden. Die erste Tofinou aus der neuen Serie "Küstenkreuzer" bleibt ansonsten der Werftlinie treu – mit vielen Teakflächen und sauber lackierten Holzflächen. Auf der Messe wurde daneben die neue Sportvariante der Tofinou 9.5 präsentiert. Ausnahmsweise kein Teakdeck, dafür sind auf der neuen 9.5 S viele Holzflächen durch Carbon ersetzt worden. Die Folge: eine Gewichtseinsparung von über 270 Kilogramm.

Innen wie außen todschick: Tofinous neue 10.c will mehr Fahrtenboot als Daysailer sein. Foto: YACGT/Y. Kethers

Innen wie außen todschick: Tofinous neue 10.c will mehr Fahrtenboot als Daysailer sein. Foto: YACGT/Y. Kethers


Figaro Beneteau 3


In 3D, aber nicht in Originalgröße präsentierte Beneteau auf der Nautic-Messe die neue Figaro Beneteau 3. Als Miniaturmodell zeigte die Werft die weltweit erste Großserienyacht mit Foils. Deren Prototyp solle im Sommer kommenden Jahres zu Wasser gehen, damit bei Tests die letzten Details wie das Großschotttraveller-System, den Niedergangs oder die exakte Anordnung der Winschen an Deck festgelegt werden können, erklärte Yoann Richomme, Gewinner der letzten Soltaire Le Figaro – jener Wettfahrtserie, der das Boot seinen Namen verdankt. Auch wenn die Geschwindigkeitsprognosen für das neue Modell keine Offenbarung verheißen – gespannt sein darf man auf das Debüt der Figaro 3 allemal.

Vorerst nur als Modell zu sehen, aber kommenden Sommer schon auf See: Figaro 3 von Beneteau. Foto: YACHT/Y. Kethers

Vorerst nur als Modell zu sehen, aber kommenden Sommer schon auf See: Figaro Beneteau 3 Foto: YACHT/Y. Kethers


Flying Phantom Essentiel


Nicht schneller, sondern beherrschbarer soll die neue Version des foilenden Sportkats Flying Phantom sein. Bei dem Boot mit dem Namenszusatz "Essentiel" steht einfacheres Handling und Sicherheit im Vordergrund, um einem größeren Publikum das Foilen näherzubringen. Die Tragflügel an den Ruderblättern sind hier in "L"-förmig nach innen abgewinkelt, um das Verletzungsrisiko beim Überbordfallen zu minimieren. Außerdem ist der Mast mit 9,10 Meter einen halben Meter kürzer, die Segelfläche dadurch auch kleiner, was im Endeffekt die allgemeine Handhabung erleichtert. Für Geschwindigkeiten von über 25 Knoten soll der "Essentiel" dennoch gut sein.

Entschärft, aber immer noch scharf: Flying Phantom Essentiel. Foto: YACHT/Y. Kethers

Entschärft, aber immer noch scharf: Flying Phantom Essentiel. Foto: YACHT/Y. Kethers



 

Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung der AYacht logo Europas größtem Segelmagazin

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