Dieser Mini-Prototyp ist eine geballte Ladung an Knowhow, Ideen und Mut. Bereits Anfang März dieses Jahres sorgte die "Arkema 3" auf einer Messe der kunststoffverarbeitenden Industrie in Paris für Schlagzeilen, jedoch aus Gründen, die in Anbetracht der sonstigen Ideenvielfalt des Teams eher nebensächlich erscheinen. Der Rumpf ist aus Kohlefaser gebaut, als Harz wurde Elium verwendet, vom Chemiekonzern Arkema hergestellt. Das Thermoplast soll es ermöglichen, bei späterem Recycling Teile des Bootes in neue Formen zu pressen, im einfachsten Falle Blumentöpfe, oder das Granulat als Zuschlagsstoff weiterzuverarbeiten. Doch wer mag bei diesem Boot gleich an Recycling denken? Erst einmal soll es segeln, denn es verspricht einige nahezu bahnbrechende neue Entwicklungen.

Die "Arkema 3": Hochklappbare Ruder, Flügelrigg, dreh- und ausfahrbare Foils, drehbarer Neigekiel, verschiebbares Vorstag, rotierbarer Gennakerbaum – und wiederverwertbar

Die "Arkema 3": Hochklappbare Ruder, Flügelrigg, dreh- und ausfahrbare Foils, drehbarer Neigekiel, verschiebbares Vorstag, rotierbarer Gennakerbaum – und wiederverwertbar



Reffbarer Flügelmast
Die "Arkema 3" ist mit einem Flügelrigg ausgestattet, ähnlich denen, die beim America’s Cup oder den Class-C-Katamaranen zum Einsatz kommen. Es besteht aus zwei Teilen, zwischen denen ein Spalt gelassen werden muss, um zu frühe Strömungsabrisse zu vermeiden. Das Profil wird durch Kohlefaserstreben gehalten, die auf dem Mast senkrecht gleiten. So soll der Flügel von unten reffbar sein. Da in der Class Mini als Segeltuch nur Dacron erlaubt ist, wurde der Flügel damit bespannt. Eine der Herausforderungen war, dies faltenfrei hinzubekommen, was, wie die Fotos der ersten Testfahrt zeigen, schon recht gut gelungen ist.

Verschiebbares Vorstag
Der Mast selbst ist zwischen Kiel und Deck eingespannt und seitlich selbsttragend. In Längsrichtung wird er durch Backstagen und ein Vorstag gehalten. Die besondere Rumpfgeometrie lässt dabei eine Neuheit zu. Es wurde auf ein Scow-ähnliches Design zurückgegriffen, das wegen des breiten Buges auch eine breite Wasserlinie vorn ermöglicht, die viel Formstabilität liefert. Wegen des breiten Decks im Bugbereich war es möglich, dort eine Travellerschiene quer anzubringen. Auf dieser Schiene ist ein Ring als Beschlag für den Gennakerbaum montiert und darüber der Anschlagpunkt für das Vorstag. So lässt sich nicht nur der Gennakerbaum nach Luv oder Lee rotieren, sondern zugleich auch das Vorstag. Das eröffnet völlig neue Trimmöglichkeiten, vor allem bei tieferen Kursen kann die Genua nach Luv aus dem Einflussbereich des Großsegels geholt werden.

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Traveler vorne: Profilschiene und Travelerwagen ganz vorn. Ungewohnt, aber innovativ.



Drehbare Foils

Tragflächen, Hydrofoils, sind auch bei Einrumpfern nichts Neues mehr. So ist die neue Generation der Open 60 mit ihnen ausgerüstet. Es gab auch schon Mini 6.50 mit Tragflächen, nur war deren Einsatz bisher durch das Regelwerk eingeschränkt. Kein Ausrüstungsteil, einschließlich der Anhänge, durfte die Gesamtbreite von drei Meter übersteigen, weshalb die Foils nur nach unten ausgefahren werden konnten. Eine Regeländerung erlaubt jetzt eine Maximalbreite von 6,50 Metern, jedoch erst im Rennen. Im Hafen müssen die Boote weiterhin maximal drei Meter breit sein. So konnten ähnliche Foils wie bei den Open 60 installiert werden, die seitlich ausfahrbar sind. Nach dem Überqueren der Startlinie können sie ausgefahren werden.
Bei der "Arkema 3" ging man aber noch einen Schritt weiter. Die Foils sind zudem drehbar, ähnlich wie schon seit längerem der Kiel dieser Boote. Bei den Open 60 ist das durch das Regelwerk untersagt, bei den Minis nicht. So kann der Auftrieb und Widerstand der Foils viel feiner dosiert werden als bei den Open 60.

Ausfahrbar und drehbar: Raffinierter Foilmechanismus, der sich in der Praxis aber erst bewähren muss.

Ausfahrbar und drehbar: Raffinierter Foilmechanismus, der sich in der Praxis aber erst bewähren muss.



Der Prototyp ist noch eine Testplattform, vor allem, was den Flügelmast betrifft. Sollte das Design, an dem der Franzose Lalou Roucayrol, Skipper des Trimarans des Arkema-Teams entscheidend mitgearbeitet hat, halten, was es verspricht, wird die "Arkema 3" am Minitransat 2017 teilnehmen.

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Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung der AYacht logo Europas größtem Segelmagazin

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