Die Marke Brig steht für eine für die solide Arbeit eines Herstellers aus Kharkiv in der Ukraine. Nach dem Zerfall der Sowjetunion tat sich dort ein Gruppe von Luftfahrt- und Rüstungstechnikern zusammen, die ihren Lebensunterhalt künftig mit Schlauchbooten statt mit der Entwicklung von Kampfflugzeugen verdienen wollten. Die Angebotspalette umfasst mittlerweile acht Baureihen mit Booten von zwei bis knapp acht Metern Länge.




Locker und leicht: Durch das geringe Gewicht zeigt die Falcon Rider F570L auch mit weniger starken Motoren gute Fahrleistungen. Foto: Dieter Wanke

Locker und leicht: Durch das geringe Gewicht zeigt die Falcon Rider F570L auch mit weniger starken Motoren gute Fahrleistungen. Foto: Dieter Wanke


Von der Falcon-Rider-Linie gibt es vier Modelle, wobei die von uns getestete Topmodell F570 in drei Ausstattungsvarianten angeboten wird: Das Basisboot entspricht dem Wortsinn und wird ohne Konsole oder Sitzbänke geliefert. Der Zusatz „L“ wie beim Testboot steht für die Luxusversion mit Zentralkonsole und einem dahinter befindlichen Stehsitz für zwei Personen. Das Kürzel „S“ zeichnet das Sportmodell aus, das mit Konsole und zwei Tandemsitzen ausgestattet ist.


Nicht nur das Nötigste
Die Brig Falcon Rider F570L ist ein RIB (Rigid Bottom Inflatable) mit fünf separaten Luftkammern und einem gut verarbeiteten V-Rumpf aus GFK. Beim Material der Schläuche hat der Kunde die Wahl zwischen PVC mit der Markenbezeichnung Mirasol oder dem hochwertigeren Hypalon. Das für diese Größe geräumige Boot bringt ohne Motor 420 Kilogramm auf die Waage, wobei das zulässige Motorgewicht für einen Langschaftaußenborder von maximal  220 Kilogramm noch zu addieren ist. Heißt, das Boot eignet sich auch zum Trailertransport mit PKWs. Ebenfalls positiv: Die reichhaltige Standardausrüstung mit Einbautank, Tankanzeige, selbstlenzendem Cockpit, Antirutschbelag, Zugösen und verstärkter Scheuerleiste, zwei Paddeln samt Halterungen, sowie eine Fußpumpe und Reparaturkit.




Steuern und stauen: Mittelkonsole mit Doppelsitz und Niro-Bügel. Foto: Dieter Wanke

Steuern und stauen: Mittelkonsole mit Doppelsitz und Niro-Bügel. Foto: Dieter Wanke


Das Testboot, das sei hier vorausgeschickt, wich in einigen Punkten vom Standard ab: Es war mit einer leicht modifizierten Konsole ausgestattet und anstelle des Stehsitzes war eine Doppelsitzbank mit Rückenlehne montiert. Zudem gab es unter der Sitzfläche zusätzlichen Stauraum. An der Vorderseite der Konsole ist eine weitere Sitzfläche mit Staufach integriert, eine kleine Windschutzscheibe sorgt für etwas Schutz vor dem Fahrtwind und ein stabiler Edelstahl-Bügel bietet sicheren Halt, besonders bei ruppiger Fahrt.




Praktisch: Staukästen im Bug plus Ankerplattform. Foto: Dieter Wanke

Praktisch: Staukästen im Bug plus Ankerplattform. Foto: Dieter Wanke


Zu den empfehlenswerten Extras gehört das GFK-Bugspriet mit Ankerrolle, das das Ankern erleichtert und auch als praktische Trittfläche beim Einstieg über den Bug dient. Ankergeschirr, Leinen und weiteres Zubehör lassen sich in einlaminierten Staukästen unterbringen, die außerdem als Sitzflächen dienen. Ein passendes Polster ist auf Wunsch und gegen Aufpreis erhältlich, wie auch der Edelstahl-Geräteträger die Navigationsbeleuchtung und ein Bimini-Verdeck. Das für die Küstenfahrt nach CE-Kategorie C zugelassene Boot darf maximal 11 Personen befördern. Ferien, Fischen, Familie oder Freunde: So viel Kapazität bietet eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten. Wer allerdings im Bug oder im Cockpit keinen Sitzplatz bekommt, muss auf den Seitenschläuchen Platz nehmen und sich dort an den Sicherheitsseilen festhalten.


Großer Sport mit kleinem Motor
Für den Antrieb der Brig Falcon Rider F570 empfiehlt die Werft Motoren von 55,2 kW (75 PS) bis 89 kW (120 PS) liegt. Der am Testboot eingesetzte Mercury F 80 EFI  ELPT, ein neues Modell des US Herstellers, lag mit seinen 58,8 kW (80 PS) nur knapp über der empfohlenen Mindestmotorisierung. Mit nur drei Personen war das Boot bei den Fahrtmessungen auch leicht beladen, die Gleitfahrt war deshalb schon nach 3,5 Sekunden bei 2500 Umdrehungen und 10,8 Knoten erreicht, die Höchstgeschwindigkeit von 33,3 Knoten nach 17 Sekunden. Für eine Motorisierung auf Einstiegsniveau sind das gute Werte, die allerdings bei voller Auslastung der Passagierkapazität anders aussehen würden. Wer also oft mit hoher Zuladung fährt, wäre mit einem kräftigeren Antrieb wohl besser beraten.




Klein aber fein: Der 80-PS Mercury brachte die leicht beladenen Brig Falcon Rider F570L auf mehr als 30 Knoten Topspeed. Foto: Dieter Wanke

Klein aber fein: Der 80-PS Mercury brachte die leicht beladene Brig Falcon Rider F570L auf mehr als 30 Knoten Topspeed. Foto: Dieter Wanke


Der neue Mercury zeigte sich im Test als Leisetreter. Bei Standgas kaum zu hören, war die Geräuschemission auch in den unteren Drehzahlbereichen moderat. Erst mit steigenden Umdrehungen legte auch die Lautstärke dieses 2,1-Liter-Vierzylinders zu. Auffällig war beim Test die Kavitation des Propellers, die zwischen 4560 und 4950 Umdrehungen auftrat. Möglicherweise handelte es sich dabei um ein Problem bei der Abstimmung, das sich durch eine andere Propellerwahl und/oder Feinjustierung lösen lassen sollte. Unterwegs waren an der Brig Falcon rider F570L keine Mängel feststellbar: Der tiefe V-Rumpf ging weich durch die Wellen, ließ sich auch in enger Kurvenfahrt nicht irritieren und vermittelte bei allen Manövern stets einen sicheren Eindruck. Die Seilzuglenkung machte aus den Lenkkräften kein Geheimnis, das Einleiten der Kurvenfahrt war dennoch leicht zu bewerkstelligen.




Manierlich: Trotz Seilzuglenkung ließ sich das Boot willig in die Kurven steuern. Foto: Dieter Wanke

Manierlich: Trotz Seilzuglenkung ließ sich das Boot willig in die Kurven steuern. Foto: Dieter Wanke


Leicht und leistbar
Ohne Motor ist die Brig Falcon Rider F570L in der Grundausstattung für 13.485 Euro wohlfeil. Wer sich für die robusteren Hypalonschläuche entscheidet, muss noch knapp drei Tausender drauflegen. Aber es ist eine Investition, die sich auszahlt, besonders wenn das Boot intensiv genutzt werden soll. Der Mercury F 80 EFI steht mit 10.710 Euro zu Buche, heißt, dass dieses RIB mit Motor und passendem Anhänger für weniger als 30,000 Euro zu haben ist. Dafür erhält der Kunde ein ordentlich verarbeitetes Boot, das eine hohe Transportkapazität besitzt, universell einsetzbar und auf der Straße einfach zu transportieren ist.


Technische Daten: Brig Falcon Rider F570L
Länge: 5,70 m
Breite: 2,30 m
Tiefgang: keine Angabe
Leergewicht: 420 kg (ohne Motor)
Luftkammern: 5
Schlauchdurchmesser: 50 cm
Baumaterial: Mirasol/Hypalon und GFK
Vorgesehene CE-Kategorie: C
Zulässige Personenzahl: 11
Treibstoff: 95 l
Motorisierung: Außenborder mit Langschaft, Leistung ab 55,2 kW (75 PS) bis 89 kW (120 PS)
Grundpreis Brig Falcon Rider F570L ohne Motor: 13.485 Euro
Preis der Testmotorisierung, Mercury F 80 EFI ELPT: 10.710 Euro

Motor im Testboot: F 80 EFI ELPT, Leistung 58,8 kW (80 PS), Zylinderzahl: 4 in Reihe, Hubraum: 2064 cm3, Nenndrehzahl: 4500 - 5500 min-1

Messung Schall + Fahrt 

Bildschirmfoto 2015-04-03 um 10.37.54 AM


Revier: Bodensee vor Friedrichshafen, Deutschland, Crew 3, Messung: GPS, Wasser 22° C, Luft; 23° C, Wind: 1 Bft, See 0-1, Benzin: 71 l (75%)


Hersteller
Brig Ltd
Novgorodskaya 3b
Kharkiv 61145
Ukraine


Importeur
Hollenbach GmbH & Co. KG
Schiffs- und Industriemotoren
Am Winterhafen 1
39114 Magdeburg


Händler
Wassersport-Center Stockmann GmbH
Ludwigslusterstraße 10d
19303 Dömitz

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