Egal welches Boot vom Cigarette Racing Team in Florida gewassert wird, eine dazu passende Legende lässt nicht lange auf sich warten. So auch im Fall der Cigarette 41'SD GT3, einem besonderen Geschoss, das sich bewusst und deutlich and den Mercedes-AMG GT3 anlehnt. Die Inspiration schneller Boote von schnellen Autos ist ja nicht neu, so machen Mercedes und Cigarette schon seit gut 10 Jahren gemeinsame Sache. Erfolg findet Nachahmer, so auch bei diesen PS-Partnerschaften, die es mittlerweile auch  zwischen Aston Martin und Quintessence Yachts gibt, zwischen Lexus und Marquis-Carver, Bugatti und PalmerJohnson, Abarth und Riva oder Porsche und Dynamiq.

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Unverkennbar, unüberhörbar. Die Cigarette 41'SD GT3 am Rhein. Foto: boats.com/Wanke



Doch zurück zur Legende der Cigarettes: Als Don Aronow, ein Sprössling russischer Einwanderer, die Marke gründete, hatte er bereits reichlich Erfahrung mit dem Bau von Rennbooten und dem Brechen von Rekorden auf dem Wasser. Aronow wurde Ende der 1950er Jahre in der Baubranche relativ jung reich, sodass er sich sein teures Hobby, die Teilnahme an Motorbootrennen, gut leisten konnte. Doch aus Spaß wurde schnell ein Business, als er begann, seine eigenen Boote zu bauen.

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Markant: Das Hardtop dieser Cigarette, die mit der Topmotorisierung "nur" knapp 90 Knoten Höchstgeschwindigkeit läuft. Foto: boats.com/Wanke



Zunächst gründete er 1962 Formula Marine, die er nach ersten Erfolgen schnell verkaufte, um 1964 Donzi Marine zu gründen. Nur ein Jahr später war auch diese erfolgreiche Werft veräußert und in dem Stil ging es weiter. Zum Beispiel mit Magnum Marine, für die er zwei Weltmeistertitel einfahren konnte. Die Käufer verankerten vertraglich, dass Aronow nicht sofort wieder Boote bauen dürfe, was den aber nicht scherte. Denn ein Geschäftsmann namens Elton Carry stellte Aronow zur Tarnung seine Hallen in Miami Beach und seinen Namen zur Verfügung unter dem bald die erste Cigarette aus der Taufe gehoben wurde. Aronow holte weitere Titel und gründete 1970, als er offiziell wieder Boote bauen durfte, das Cigarette Racing Team. Auch hier folgten Eigentümerwechsel, doch Aronow hatte stets seine Hände im Spiel. legendär auch der Deal, mit der US-Zollbehörde, die von ihm Rennkatamarane kaufte, mit denen dann Jagd gemacht wurde auf Koksschmuggler, die oft auch mit Cigarette-Booten unterwegs waren. Die Tatsache, dass Aronow beide Seiten belieferte, wurde ihm später zum Verhängnis: Am 3. Februar 1987 wurde er in Miami von Kriminellen erschossen. Auch das ist Teil der Legende der Cigarette-Boote, die sich weiterhin der Publikumsgunst erfreuen.

Bieder an Deck


Die geballte Kraft, die in ihr steckt, sieht man dem Boot nicht auf den ersten Blick an, denn von außen zeigt die Cigarette 41'SD GT3 zwar schnittige Linien, wirkt deshalb aber nicht wie ein reinrassiger Renner. Im Grunde ist sie das auch nicht – zumindest nicht nur. Diskret wäre das falsche Wort, denn der omnipräsente AMG-Schriftzug weist doch sehr deutlich auf die geballte Ladung von Pferdestärken hin, die unter der Motorhaube stecken. Das Boot ist in dieser Form ein Einzelstück, lässt sich aber mit gleicher Ausstattung und Motorisierung und weniger auffälliger Lackierung ordern, sofern der Käufer über ein Spaßbudget in siebenstelliger Höhe verfügt.

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Kommunikativ: Das Layout der beiden Sitzbänke, wobei unterwegs wohl kaum an ein Gespräch mit dem Gegenüber zu denken ist. Foto: boats.com/Wanke



An Bord gelangt man durch ein praktisches Tor an der Steuerbordseite, das direkt auf das massive Teakdeck führt. Zentral montiert im Cockpit fist eine Sitzbank mit fünf Plätzen, drei nach vorne und zwei nach achtern ausgerichtet. Im Heckbereich ist dazu noch eine große Sonnenliege mit Sitzbank platziert, deren Polster den Motorraum derart unauffällig abdecken, sodass sich kaum ahnen lässt, welche Spitzentechnologie darunter verbaut ist. Bestenfalls die markanten seitlichen Lüftungsschlitze deuten darauf hin, dass zwei großvolumige Benziner hier Frischluft tanken und Wärme abgeben, um die Aggregate auf der optimalen Betriebstemperatur zu halten. Seitlich an der Sonnenliege vorbei führen breite Durchgänge zum Heck, auf dem man jedoch vergeblich nach Badeplattform oder Badeleiter sucht, denn bei aller Freundschaft, eine Cigarette will nicht Badeboot sein.

Rastplatz: Sitz- und Liegegelegenheiten sind im Bug der Cigarette reichlich vorhanden. Foto: boats.com/Wanke

Rastplatz: Sitz- und Liegegelegenheiten sind im Bug der Cigarette reichlich vorhanden. Foto: boats.com/Wanke



Unter dem auffälligen Hardtop befindet sich die Kommandozentrale mit drei wohlgeformten Einzelsitzen auf denen der Pilot und zwei Beifahrer Platz nehmen. Der opulente Steuerstand könnte auch aus einem Jet stammen, wobei gleich drei große Garmin-Multifunktionsdisplays alle erdenklichen Daten anzeigen. Dazu kommt ein Vessel View 7 von Mercury an zentraler Position als zusätzliche Informationsquelle. Ein wenig nostalgisch aber dennoch schick sind die zahlreichen Kippschalter, mit denen sich alles an Bord kontrollieren lässt. Die Motoren werden über eine filigran anmutende Zweihebel-Mechanik mit By-Wire-Technologie bedient. Spätestens jetzt wird klar, dass im Motorraum kein Allerweltsantrieb sondern viel High-Tech verbaut wurde.

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Nostalgisch: Die vielen Kippschalter an der Steuerkonsole, mit denen alle wichtigen Funktionen an Bord kontrolliert werden. Foto: boats.com/Wanke



Die weit nach vorne gezogene Konsole birgt noch ein weiteres, fast unsichtbares Geheimnis: Wer die seitliche Tür an Backbord öffnet, gelangt in eine kleine Kabine, die zwar bescheidene Abmessungen hat, aber außer einer Doppelkoje auch eine elektrische Toilette und ein Waschbecken bietet, womit einer gelegentlichen Übernachtung auf dem Boliden nichts im Wege steht. Im Bugcockpit gibt es dann eine weitere Liegefläche mit Rückenlehne sowie eine u-förmige Sitzgruppe. Qualitativ machte alles einen hervorragenden Eindruck, Verarbeitungsmängel waren nicht zu entdecken.

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Seiteneinstieg: Vom backbordseitigen Gangbord geht es in die Kuschelkabine. Foto: boats.com/Wanke


Durchstarten mit Jetfeeling


Die Antriebstechnik der Cigarette 41'SD GT3 besteht aus dem Besten des Sortiments von Mercury Racing. Verbolzt sind zwei 1100er-Triebwerke aus der Rennserie, die auf 90-Grad-V8-Alumotoren mit zwei oben liegenden Nockenwellen, Vierventiltechnik und wassergekühlten Doppelturboladern basieren. Aus 9-Litern-Hubraum schöpfen beide Aggregate zusammen 1640 kW (2200 PS), massenhaft Leistung also, um einen 40-Füßer ordentlich auf Trab zu bringen. Ins Wasser wird die Kraft mittels M6-Z-Antrieben mit Oberflächenpropellern übertragen. Doch das wahre Erlebnis für die Passagiere an Bord  einer Cigarette ist die Akustik: Schon das Betätigen der Anlasser sorgt für sonores Geblubber der großvolumigen Motoren. An der Zweihebel-Schaltung müssen zuerst die Gänge eingelegt und so die Propeller in Gang gebracht werden, die auch mit Standgas schon Vortrieb produzieren. Beim Test genügte dies, um vom Hafen in Neuwied in das Fahrwasser des Rheins zu gelangen. Wer nun glaubt, es reicht, die Hebel auf den Tisch zu legen, wird durch kavitierende Propeller und geringen Schub enttäuscht.

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Starkes Duo: Zwei Mercury aus der Racing-Serie generieren zusammen 2200 PS und ein Donnergrollen, das an einen startenden Jet erinnert. Foto boats.com/Wanke



Weil die Cigarette 41’SD GT3 eine Rennmaschine ist, die vor Kraft kaum laufen kann, ist beim Beschleunigen eine andere Herangehensweise vonnöten: Zunächst gilt es, durch vorsichtiges Gasgeben und stetiges Nachtrimmen das Luftziehen der Propeller zu vermeiden und so die Gleitfahrt zu erreichen. Das geschieht bei 2000 Umdrehungen und erst dann kann man dem Boot die Sporen geben. Das folgende Gefühl lässt sich am ehesten mit jenem vergleichen, das man vom Start eines Jets kennt. Vehemente Beschleunigung drückt den Körper in den Sitz und wird durch das Pfeifen der Turbolader und das Motorengebrüll untermalt, so dass tatsächlich der Eindruck entsteht, sdass unte rder Motorhaube Flugzeugtriebwerke Dienst haben. Auch klar: Das Boot schießt am restlichen Verkehr vorbei, wie an lahmen Enten.

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Langsam los: Die Cigarette 41'SD GT3 generiert so viel Power, dass man eher langsam starten und die Hunde erst von der Leine lassen sollte, wenn Gleitfahrt erreicht ist. Foto: boats.com/Wanke



Die Fahrt gleicht einem Slalom durch die Berufsschifffahrt und der mächtige Rhein verkommt bei der brachialen Geschwindigkeit zu einem schmalen Rinnsal. Trotz des halsbrecherischen Speeds lässt sich das Boot aber hervorragend auf Kurs halten, denn der tiefe V-Rumpf der Cigarette läuft wie auf Schienen durch das Wasser und gräbt sich anstandslos durch die Heckwellen der Frachtschiffe. Bestenfalls ein leichtes Rütteln ist dabei zu spüren. Bald nähert sich das Geschoss dem Rekordwert von 167 Stundenkilometern, den die Cigarette 41'SD GT3 bereits geknackt hat, doch der Drehzahlmesser bleibt bei 6200 Umdrehungen stehen. Das sind immer noch 165,4 Stundenkilometer, was knapp 90 Knoten entspricht. Dabei hat man am Steuer fast das Gefühl, auf einer betonierten Autobahn anstatt auf einer Wasserstraße unterwegs zu sein.

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Kuschelkajüte: Nicht viel, aber das Nötigste. Foto: boats.com/Wanke


Nicht nur für Rekordfahrten


Wer den rasanten Wasserpass genießen will, sollte allerdings über ein prall gefülltes Sparschein verfügen, denn rund 1,5 Millionen Euro sollten für den Kauf schon angespart sein. Außerdem will ja der 1325-Liter-Tank regelmäßig gefüllt werden, der bei Vollgas auch keine allzu großen Reichweiten bietet. Wer nicht auf Rekorde aus ist, kann das Boot aber auch mit anderen, etwas günstigeren Motorisierungen bestellen. Drei weitere Mercury Racing Benziner und sogar Selbstzünder in Form von zwei Mercury TDI 370 Dieseln werden als Alternativen angeboten. Auch wenn die dann weniger als die Hälfte der Power der von uns getesteten GT3 haben, sollten die 544 kW (740 PS) trotzdem noch den meisten Ansprüchen genügen.2017 Cigarette 41'SD GT3-7388

Technische Daten Cigarette 41'SD GT3


Länge: 12,90 m
Breite: 3,35 m
Tiefgang: 0,98 m (Antriebe abgesenkt)
Druchfahrtshöhe 2,90 m
Leergewicht: 8.620 kg
Baumaterial: GFK
Kojenplätze: 2
Brennstofftank: 1.325 l
Wassertank: keine Angabe
Motorisierung: Innenborder Benziner oder Diesel mit einer Leistung ab 544 kW (740 PS) bis 1640 kW (2200 PS)
Grundpreis mit 2 x Mercury TDI 370 Diesel: auf Anfrage
Preis mit Testmotorisierung 2 x Mercury Racing 1100: ca. 1.500.000 Euro

Messung mit 2 x Mercury Racing 1100, Leistung 1640 kW (2200 PS)
Revier: Rhein bei Neuwied, Besatzung: 5 Personen, Wind 0 Bft., See: 0, Tank: 1325 l,

Werft


Cigarette RacingTeam LLC
4355 NW 128th St
Opa-locka, FL 33054
USA

Importeur (Testpartner)


Marine-Partner-Network GmbH & Co KG
Polsumer Str.91
45896 Gelsenkirchen

 

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