Über die Jahre gab es immer wieder Neuerungen an der Discovery 55, einer Blauwasser-Fahrtenyacht, die nun in einer neuen Version mit einem neuen Deck (in einem Stück laminiert) und aktualisiertem Styling aufwartet, wie z. B. dem neuen Kajütdach des Decksalons und bündig eingelassenen Oberlichten. Die Dachstützen sind dadurch etwas schmäler geworden, doch die praktischen vorderen Fenster, die sich für den Durchzug einer kühlenden Brise öffnen lassen, wurden beibehalten.




Bekannt und doch neu: Discovery 55 MKII

Bekannt und doch neu: Discovery 55 MkII


Ein anderes Schlüsselmerkmal, das von der Vorgängerin übernommen wurde, ist die höher gelegte Navi gleich an Steuerbord des Kajütniedergangs mit 270-Grad-Rundumsicht. Sogar bei Krängung mit Steuerbordschoten lässt sich von dem nach vorn ausgerichteten Sitz noch der Horizont sehen. Die Einrichtung lässt sich vom Käufer wählen, obwohl das Layout sich kaum ändert: Eine große Eignerkajüte achtern, eine riesige Galley und der Decksalon mit der erwähnten Navi-Ecke, die auch über einen großen Arbeitstisch verfügt, ein überaus nützliches Detail, das heute auf vielen Schiffen fehlt. Vor dem Mast gibt es die Doppelkajüte für Gäste eine zweite Kabine mit Stockbettkojen und entweder eine Nasszelle oder die Option für eine zweite Gästekammer.




Hochsitz: Die Navi an Steuerbord mit vorbildlichem kartentisch und ausgezeichneter Rundumsicht.

Hochsitz: Die Navi an Steuerbord mit vorbildlichem Kartentisch und ausgezeichneter Rundumsicht.


Ebenfalls neu sind die beiden vertikalen Rumpffenster in der Eignersuite. Weiters hat Discovery die maßgefertigten Holzeinbauten durch die Verwendung einer fünfachsigen CNC-Fräse verbessert. Die erste der neuen 55er wurde vom Eigner mit einem etwas offeneren Salon-Layout bestellt, doch keine der gewohnten Discovery-Merkmale, wie die kommoden Sitzgelegenheiten im Decksalon oder der dreistufige Niedergang wurden davon beeinträchtigt. Das Testboot war mit einer Einrichtung aus lichtem Ahornholz ausgestattet, wobei Kirsche oder Eiche die beiden anderen Standard-Alternativen wären. Auf Wunsch werden gegen Aufpreis auch andere Hölzer angeboten. Eigner sind durchaus eingeladen, mit den Bootsbauern und den Tischlern die verschiedenen Möglichkeiten zu besprechen. Die schmale, lineare Kombüse mit den hohen Schlingerleisten ist für unterwegs auf See ideal. Kühl- und Gefrierschrank sind am vorderen Ende installiert, damit hungrige und durstige Segler nicht andauernd den Smutt belästigen müssen, wenn sie sich etwas holen wollen.




Kombüse: Einzeilig, einfach und seetauglich, aber auch mit allem  Komfort ausgestattet.

Kombüse: Einzeilig, einfach und seetauglich, aber auch mit allem Komfort ausgestattet.


Das neue Schiff behält den von Ron Holland konstruierten Rumpf bei, der für angenehmes Seeverhalten bei einfacher Handhabung und guter Geschwindigkeit entworfen wurde. Das Schiff hat fast zierliche Enden, wobei das Gewicht der Bordsysteme möglichst mittig konzentriert wurde, und das Boot profitiert auch vom niedrigen Schwerpunkt des Kiels und dem für heutige Verhältnisse hohen Ballastanteil von 42 Prozent. Fazit: Die Discovery ist eine Yacht, die nicht ungebührlich stampft wenn es gegen die Wellen geht und auch über hervorragende Stabilität verfügt. Trotz des Angebots, Kundenwünsche zu berücksichtigen, sagt die Werft, dass nur wenige Klienten nach Änderungen am Deck verlangen, mit Ausnahme der elektrischen Rollreffanlagen, der Wahl zwischen Spinnaker und Gennaker bzw. des Segeltuchs. Discovery wertet dies als Zeugnis für Konzept, Planung und Know-how, die in das ursprüngliche Design eingeflossen waren.




Einfach und funktionell: Das Deck der Discovery 55 MK II ist beinahe unverändert, wird aber in einem Stück gebaut.

Einfach und funktionell: Das Deck der Discovery 55 Mk II ist beinahe unverändert, wird aber in einem Stück gebaut. Wahlweise kann das Schiff mit asymmetrischen (Bild) oder symmetrischen Spinnakern gefahren werden.


Obwohl ich beim Test gern eine etwas anspruchsvoller Tuchgarderobe als Dacron ausprobiert hätte, gab es ansonsten nichts zu bemängeln. Ausgestattet mit elektrischen Rollreffanlagen war das Knopfdrucksegeln vom Feinsten. Unter Autopilot war die Bedienung von einer Person zu erledigen, egal ob es sich dabei ums Segelsetzen handelte, das Reffen oder das Wenden. Das Rigg mit zwei Vorsegeln – der schmalen Selbstwendefock und der großen, überlappenden Genua – erwies sich als äußerst wandlungsfähig. Mit zwei ausgebaumten Focks vor dem Wind kommt das Boot einfach und gut im Passat voran, hat damit aber auch genügend Optionen, um effektiv raumschots oder hoch am Wind zu segeln. Dies heißt, dass die wichtigste Entscheidung die Wahl zwischen einem symmetrischen oder asymmetrischen Spinnaker betrifft, wobei sich die Eigner je zur Hälfte für das eine oder andere entschließen.




Daheim vor dem Wind. Das Rigg mit zwei Rollvorsegeln kann wahlweise mit symmetrischen oder asymmetrischen Spinnakern gefahren werden.

Daheim vor dem Wind. Das Rigg mit zwei Rollvorsegeln lässt sich aber auch auf andere Bedingungen und Kurse gut abstimmen.


Obwohl größere, faltbare Steuerräder zur Wahl stehen, war das Testboot mit einem kleinen ausgestattet, das aber völlig ausreichte. Man hatte gute Sicht zum Vorliek der Selbstwendefock und viel Platz im Cockpit, was auf einer Blauwasseryacht durchaus Sinn macht, denn die wird ohnehin meist vom Autopiloten gesteuert. Größe und Verdrängung machen die Discovery 55 von Haus aus zu einer mächtigen Yacht. Die Power ist mit den Trimmsystem leicht in den Griff zu bekommen, obschon man sicher gehen sollte, dass die Crew sich mit der Bedienung von Winschen auskennt, denn die Lasten auf den Schoten und Fallen ist leicht zu unterschätzen.


Eigner dieser Yacht sind bei der Auswahl des Dekors und des hölzernen Innenausbaus stark involviert, wobei die kurze Liste der erhältlichen Optionen auf einen sehr hohen Standard bei der Serienausstattung hindeutet. Dieselgeneratoren, Heizung, Klimaanlage, elektrische Winschen und Waschmaschine/Trockner gehören beispielsweise zur Grundausstattung. Discovery ist bekannt für Aufmerksamkeit bis ins Detail, für ein einfaches aber effektives Deckslayout und für Interieurs allererster Güte. Aber das Firmenethos als Produzent von Yachten, die für lange Törns optimiert sind und vornehmlich von ihren Eignern gesegelt werden, geht weit über den Tag hinaus, an dem die Schiffe die Werft verlassen.




Aufbau: Das Dach des Decksalons ist auf der MK II etwas moderner gestaltet

Aufbau: Das Dach des Decksalons ist auf der Mk II etwas moderner gestaltet, aber auch hier zeigt sich die große Liebe zum Detail.


Dennoch wird man zumindest zwei Kompromisse schließen müssen. Erstens sind Schiffe dieser Größe mit viel Platz, Komfort, Power und Hilfssystemen zwangsläufig kompliziert. Daraus folgt, dass für solche Yachten auch ein größerer Aufwand an Pflege, Wartung und Instandsetzung fällig wird, als für weniger komplexe Yachten ähnlicher Länge. Zweitens ist hohe handwerkliche Qualität nicht billig. Die Discovery 55 Mk II hat einen Grundpreis von rund 1,35 Millionen Euro ohne MwSt. das ist signifikant mehr als man für Produktionsboote in diesem Segment bezahlen würde, die es schon für die Hälfte gibt. Allerdings ohne Garantien, dass diese auf Zeit gesehen tatsächlich leichter zu warten sind. Eine deutlich günstiger wenn auch weit weniger exklusive Alternative zur Discovery wäre beispielsweise die Oceanis 60 von Beneteau, das neue Flaggschiff dieser Baureihe.




Layout Discovery 55 MK II

Layout Discovery 55 Mk II


Spezifikationen Discovery 55 Mk II
LüA: 17.0 m
Länge Rumpf: 16.70 m
Breite 4.78 m
Verdr.: 22,5 t
Tiefg. (Std./Kurzkiel): 2.23 m/1.80 m
Segelfl. (Groß/Fock): 115 qm
Treibst.: 1.334 l
Wasser: 1.008 l
Motor: 160-PS-Yanmar Diesel
Design: Ron Holland
Preis: 1,35 Mio. Euro (ohne MwSt.)
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