Autofans wissen es natürlich: GT steht für Grand Toursimo und das bedeutet sportliches Fortkommen aber mit Stil. Die slowenische Elan-Werft, die nach der Übernahme durch eine Investorengruppe nun vom Amerikaner John Peterson, dem ehemaligen Chef von Hunter geleitet wird, hat das GT-Prinzip zum Leitgedanken bei der Entwicklung einer neuen Modellreihe erkoren. Die GT5, die im Sommer 2016 angekündigt und im Dezember in Paris auf dem Salon Nautique aus der Taufe gehoben wurde, ist nun die erste Yacht, mit der die Slowenen im gehobenen Bereich der Performance-Cruiser konkurrieren wollen. Vieles ist dabei neu, doch nicht der Rumpf, der stammt von der sportlichen Elan E5 (die früher Elan 400 hieß), wurde aber von Konstrukteur Rob Humphreys für die neue Aufgabe etwas verlängert und mit mehr Freibord ausgestattet.

Die Elan GT5 bei Testfahrten vor Portoroz, Slowenien

Die Elan GT5 bei Testfahrten vor Piran, Slowenien. Foto: boats.com/Loibner



Humphreys, der schon seit mehr als zwei Jahrzehnten mit Elan zusammen arbeitet, zeichnet derzeit an einem neuen Mehrzweck-Rumpf für die kommende Generation von Elan-Yachten. Diese Idee stammt ebenfalls aus dem Automobilbereich, wo es schon seit Jahren üblich ist, ein Chassis für verschiedene Modelle einzusetzen.

Einen flotten Rumpf hatte man also schon, doch um dem Komfortgedanken Genüge zu tun, musste Elan ein neues Interieur schaffen und ließ sich dabei von der bewährten aber immer noch beliebten Baureihe der Impression-Decksalonyachten inspirieren. Denn auch die GT5 hat so einen Decksalon und vorne hinter dem Hauptschott eine quer angeordnete Galley, die etwas tiefer gelegt ist. Für lange und harte Blauwasserpassagen mag ein Kombüse so weit weg vom Cockpit weniger praktisch sein, doch dafür ist die GT5 ja auch nicht zwingend ausgelegt. Den Käufern gefällt diese Anordnung jedenfalls, denn sonst wäre sie nicht auch auf den Yachten anderer Hersteller (z.B. Dufour oder Bavaria) zu finden.

Der helle Salon der GT5 mit  der quer angeordneten Bordküche hinter dem Hauptschott. Foto boats.com/Loibner

Der helle Salon der GT5 mit der quer angeordneten Bordküche hinter dem Hauptschott. Foto: boats.com/Loibner


Neues Deck, neues Interieur


Natürlich musste auch ein neues Deck her, eines mit einem flachen Deckshaus, das passend zu den Proportionen gestylt ist und dennoch im Salon mit etwa 2 Metern reichlich Stehhöhe bietet, dazu eine gute Rundumsicht und viel Lichteinfall. Besonders hübsch: Die Oberflächen aus gebürstetem Eichenholzfurnier. Besonders willkommen: Die sauberen Tischlerarbeiten, die auf der GT5 auch in entlegenen Ecken und in den Schapps und den Staukästen erkennbar sind. Wie groß das Augenmerk dabei auf Komfort ist, zeigt sich an der reichhaltig ausgestatteten Bordküche, mit einem elektrisch ausfahrbaren Mikrowellenherd oder einem Glasschrank mit Innenbeleuchtung. Auf der High-Tech-Seite hat Elan erstmals digitale Lichtschalter und Sicherungen installiert und auch an USB-Anschlüsse gedacht, zum Laden der diversen elektronischen Geräte, ohne die heute auch beim Segeln nichts mehr geht.

Im Salon gibt es zwei Tischhocker, die sich aber praktischweise entfernen lassen, damit der Esstisch abgesenkt werden kann, um eine zusätzliche Doppelkoje zu bilden. Gute Idee, aber der Mechanismus ist einigermaßen zäh und muss von zwei Personen bedient werden. Positiv fallen auf dem Boot die vielen Schapps und Schubladen auf, die alle mit einem einfachen aber effektiven Schließmechanismus ausgestattet sind. Ebenfalls clever: Der Navigationstisch, der sich durch das Umklappen eine Teils der steuerbordseitigen Couch bilden lässt. Der ist zwar für das Arbeiten mit großen Papierkarten zu knapp geraten, aber mal ehrlich, wieviele Segler stoßen sich heute daran, solange Platz ist für ein iPad oder einen Kartenplotter?

Zu haben ist die GT5 mit zwei oder drei Kajüten, mit ein oder zwei Bädern, wobei das getestete Boot mit zwei Kabinen und nur einem Nassraum an Steuerbord achtern ausgestattet war. Der ist in dieser Variante großzügig bemessen, wobei Dusche und WC getrennt sind. Praktisch und auch nötig ist die Luke hinter dem WC, die den Zugang zum riesigen Stauraum unter der steuerbordseitigen Backskiste ermöglicht. Der ist zwar auchr auch von oben erreichbar, doch nur mit Einschränkungen, denn es bedarf schon einiger Tricks, um sperrige oder große Gegenstände durch die kleine Öffnung der Sitzducht zu bekommen. Ebenfalls hervorzuheben in dieser Layoutvariante ist die große Doppelkoje in der Gästekammer an Backbord.
Die Eignerkabine im Bug bietet viel Stauraum in seitlichen Schwalbennestern, in zwei Kästen, etlichen Schapps und unter der Doppelkoje. Auf Wunsch gibt es hier auch ein zusätzliches Bad, das fällt dann aber recht eng aus und geht auf Kosten des backbordseitigen Kleiderkastens sowie einer Sitzgelegenheit.

Ausziehbares Flaschenregal auf der Seuerbordseite der geteilten Kombüse. Foto: boats.com/Loibner

Ausziehbares Flaschenregal auf der Seuerbordseite der geteilten Kombüse. Foto: boats.com/Loibner


Komfort mit sportlicher Note


An Deck merkt man, wie sehr Elan bemüht war, möglichst auch etwas von der Performancegenetik zu bewahren. Deutlich wird dies durch den fest angebauten Bugspriet, der nicht nur zum Anschlagen eines Gennakers gute Dienste leistet, sondern auch als Ankerhalterung. Sauber umgelenkte Fallen und Strecker, die verdeckt nach achtern geführt werden sorgen für Ordnung und das Cockpit mit seinen beiden Steuerständen wurde so ausgelegt, dass Arbeitsbereich achtern vom Loungebereich vorne getrennt bleiben. Apropos Lounge: Es gibt zwei Cockpittische, deren äußere Tischhälften sich nicht nur falten, sondern auch absenken lassen, womit die Sitzduchten zu bequemen Sonnenliegen erweitert werden. Natürlich darf auch eine Heckklappe nicht fehlen, die den Zugang zum Wasser fürs Baden erleichtert. Die gibt es in zwei Ausführungen, wobei nur die größere das Cockpit nach achtern abschließt. In offenem Zustand gleichen sie, sehr zur Freude von Kindern und Badegästen, Schwimmstegen, die am Heck festgemacht sind. Hinter den beiden Steuerständen sind zudem zwei Backskisten installiert, die auch als Sitze und Stauraum dienen. Auf Wunsch können diese auch mit Grill und Spüle geordert werden.

Aufgeräumtes Deck: Auf der GT 5 werden die Leinen und Fallen verdeckt nach achtern geführt. Foto: boats.com/Loibner

Aufgeräumtes Deck: Auf der GT 5 werden die Leinen und Fallen verdeckt nach achtern geführt. Foto: boats.com/Loibner



Das Testboot, das mit einer leicht überlappenden Genua bestückt war, passte gut für den Zweihandbetrieb, mit Großschotwinschen und Hebelklemmen in Reichweite des Rudergängers. Die seitliche Sitzposition neben dem Rad bietet beim Steuern auch mit aufgespannter Spritzkappe einen gute Sicht nach vorn, wobei auch die Spione der Fock im Blick sind. Um das Cockpit möglichst frei von Traveler und Großschottaljen zu bekommen, musste Elan allerdings einen Kompromiss mit der Schotführung eingehen, die zwar eine Reihe von Umlenkrollen im Hahnepot hat, doch die Zugwinkel sind weniger effektiv, womit besonders bei Wind viel Kraftaufwand beim Trimmen nötig wird. Die Lösung: Größere Winschen und/oder solche mit elektrischem Antrieb.

Cockpit mit zwei Steuerständen, zusätzlichen Backskisten und geteiltem Tisch. Foto: boats.com/Loibner

Das Cockpit mit zwei Steuerständen, zusätzlichen Backskisten und geteiltem Tisch. Das abgebildete Boot verfügt über die kleinere Version der Heckklappe. Foto: boats.com/Loibner


Agil bei Wind


Unter Segeln ging es auf der GT5 flott zur Sache, besonders auf der Kreuz bei gutem Wind. Das überraschte doch ein wenig, denn die Cruisingausstattung und das massive Mobiliar bescheren dem Boot ziemlich viel Gewicht. Die Werksangabe von 8,1 t bezieht sich auf die berechnete mittlere leichte Verdrängung, was heißt, dass mit vollen Tanks und vollen Schapps knapp neun Tonnen wohl näher an der Realität liegen dürften. Bei 15 Knoten Bora am Golf von Triest und moderater Welle, fühlte sich die GT5 jedenfalls sichtlich wohl. Die Konstruktion, die in Sandwichbauweise im Infusionsverfahren mit Vinylester-Harz hergestellt wird, fühlte sich steif an und war mit der Doppelruderanlage vorzüglich zu manövrieren. Der tiefe T-Kiel lieferte das aufrichtende Moment, das es gestattete, die Yacht bei idealer Krängung auf den Kimmkanten des Rumpfes zu segeln, womit das leeseitige Ruder wirksam vertikal im Wasser stand. Seitlich neben dem Rad sitzend konnte der Rudergänger alles im Griff und im Blick behalten, wobei sich die GT5 mühelos mit zwei Fingern dirigieren ließ. Der Druck war dabei gerade groß genug für präzises Steuern hoch am Wind. Mit einem Hauch Schiebestrom zeigte die Logge dabei zwischen 7,5 und 8,3 Knoten, bei scheinbaren Windeinfallswinkeln von 40 bis 90 Grad. Raumschotgänge mit Gennaker versprechen auf dieser Yacht bei solchen Bedingungen auch zweistellige Speedwerte. All dies verdeutlicht, dass dieses Boot auf einem Rumpf segelt, der aus dem Performancebereich kommt.

Flott unter Gennaker: Die GT 5 zeigte bei Wind sehr ansprechende Segeleigenschaften. Unter 3 Bft. wünscht man sich manchmal mehr Segelfläche.

Flott unter Gennaker: Die GT 5 zeigte bei Wind sehr ansprechende Segeleigenschaften. Unter 3 Bft. wünscht man sich manchmal mehr Segelfläche.



Tags zuvor gab es allerdings das andere Extrem: Bei nichtmal vier Knoten Wind mühte sich das Boot durch die Flaute, weil sich das flache Heck ohne Krängung an der Wasseroberfläche förmlich fest saugte. In solchen Momenten wünscht man sich ein Squaretop-Großsegel und eine größere Fock, doch das widerspräche dem Cruising-Charakter, den Elan vermitteln will. Der goldene Mittelweg wäre ein rollbarer Code Zero, der bei solchen Verhältnissen die nötigen PS brächte. Ao besehen macht eine Selbstwendefock, die ebenfalls angeboten wird, wohl nur auf windig-rauen Revieren Sinn.

Die GT5 ist nur der Anfang


Apropos PS: Der Testlauf unter Maschine, ein 55-PS Volvo Penta Diesel mit Saildrive (Standard sin 38 PS), der durch die hochklappbare Niedergangstreppe zur Wartung zugänglich ist, zeigte die Effizienz des Rumpfes auch beim Motoren: Der Topspeed bei 2.800 Umdrehungen lag bei 8,3 Knoten. Deutlich wirtschaftlicher und geräuschärmer dann das Fortkommen in Marschfahrt mit 1.800 Umdrehungen, die das Boot immer noch mit 6,7 Knoten durchs Wasser schieben. Wer das Spiel mit dem Gashebel beherrscht, kann die GT5 bei flachem Wasser auch ohne Bugstrahlruder fast am Stand drehen. Kreise, auch mit Vollast, waren problemlos zu fahren, doch im Retourgang ist Vorsicht geboten. Wie auf allen Schiffen mit vorbalancierten Doppelruderanlagen muss auch auf der GT5 das Steuerrad fest umklammert werden, um ein plötzliches Wegklappen der beiden Ruderblätter zum Anschlag zu verhindern.

Zugang zum motor hinter der hochgeklappten Niedergangstreppe. Davor, rechts der absenkbare Salontisch mit den entfernbaren Hockern. Foto: boats.com/Loibner

Zugang zum Motor hinter der hochgeklappten Niedergangstreppe. Rechts davor der absenkbare Salontisch mit den entfernbaren Hockern. Foto: boats.com/Loibner



Die GT5 konnte bei dem Test den guten Eindruck, den sie auf den Messen in Paris und Düsseldorf machte, wo sie der Öffentlichkeit vorgestellt worden war. Selbst wenn bei wenig Wind ein bisschen mehr Segelfläche nicht schaden könnte, lässt sich das Boot mit den verschiedenen Besegelungsoptionen passend für das jeweilige Revier ausrüsten. Angesichts der soliden Verarbeitung und der vielen durchdachten Detaillösungen sind die 230,000 Euro Grundpreis, die für die GT5 aufgerufen werden durchaus in Ordnung. Es war ein ziemlicher geagter Sprung, den Elan mit dem Grand-Toursimo-Konzept da hongelegt hat, nämlich eine gehobene Fahrtenyacht auf einen Performancerumpf zu setzen. Doch soweit bei diesem Test festzustellen war, ist dieses Experiment gelungen und man darf gespannt sein, wie sich diese Modellreihe in Zukunft weiter entwickeln wird.

Das 2-Kajüten-Layout der GT5

Das 2-Kajüten-Layout der GT5


Technische Spezifikationen Elan GT5


Lüa: 13,20 m
Rumpflänge: 12,41 m
LWL: 11,58 m
Breite: 3,91 m
Tiefgang(std. seicht): 2,45/2,20 m
Verdr. (leicht): 8,1 t
Ballast/-anteil; 2,7 t/33 %
Segelfl.:
Groß: 44.6 qm
Genua: 38.10 qm
Gennaker: 135 qm
Motorisierung: Volvo Penta 28 kW/38 PS (Option im Testboot 40 KW/55PS)
Treibstoff: 170 l
Wasser: 220 l
CE-Entwurfskategorie: A
Konstrukteur: Rob Humphreys
Grundpreis: ca. 230,000 Eur. (inkl. 19% Mwst.)


Werft
Elan-Yachts
Begunje 1
4275 Begunje na Gorenjskem
Slowenien
Tel: +386 4 53 51 109

Importeur Deutschland
Blue Yachting
Am Lesumhafen 2A
D 28717 Bremen
Telefon: +49- (0)421-6398754

 

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