Im nächsten Jahr feiert die Frauscher-Werft ihren 90. Geburtstag. In dem 1927 in Wien gegründeten und seit 2012 in der neuen Betriebsstätte in Ohlsdorf beheimateten Familienbetrieb wurde bisher vom Regattasegler bis zum Rennboot so ziemlich alles gefertigt, wobei das Augenmerk nunmehr überwiegend Motorboote gilt, die sowohl mit Verbrennungskraft als auch elektrisch betrieben werden. Die Brüder Stefan und Michael Frauscher, die heute das Unternehmen leiten, haben den Betrieb in den letzten Jahren ordentlich umgekrempelt.

Fun & fast: Die 858 Fantom von Frauscher. Foto: Dieter Wanke



Die 858 Fantom ist ein entscheidender Schritt dieser Entwicklung, bei dem das bekannte Design Team von Gerald Kiska zum Zug kam. Dass dabei viel Erfahrung aus dem Automobilbau zum Tragen kommt, ist an dem sauber modellierten Boot mit dem sehr harmonischen Zusammenspiel von spannungsreichen Flächen und Linien, auf den ersten Blick erkennbar. Beim Unterwasserschiff leistete Yachtkonstrukteur Harry Miesbauer exzellente Arbeit, wie das Fahrverhalten bei den Probefahrten zeigte. Trotz des beeindruckenden Auftritts kann der Straßentransport des 8,67 Meter langen Gefährts noch selbst erledigt werden, denn mit einer Breite von nur 2,49 Metern und einem Leergewicht von 2,5 Tonnen ist die 858 Fantom mit geeigneten Zugfahrzeugen problemlos trailerbar. Dass die Werft mit den späteren Modellen den eingeschlagenen Weg konsequent weiter verfolgt, zeigen auch die nachfolgenden Entwicklungen, wie die 747 Mirage und die auf der Boot 2016 in Düsseldorf neu vorgestellte 1414 Demon.

Die Fantom wurde für mediterranes Ambiente entworfen. Foto: Dieter Wanke



Optik zuerst
Zentraler Lebensraum ist# das Cockpit mit einem Bodenbelag aus Teakholz, der zur Serienausstattung gehört. Auf der komfortablen Hecksitzbank können sich drei Erwachsenen bequem niederlassen, die dort auch ideal positioniert um in die darunter befindliche Kühlschublade zu greifen, die wie ein Tisch aus passendem Teak aber gesondert bestellt werden muss. Wer würde auf einem Boot wie diesem darauf schon verzichten? Im vorderen Bereich des Cockpits ist das solide und gut gepolsterte Gestühl für Fahrer und Beifahrer montiert, das bei bestem Seitenhalt auch als Stehsitz Verwendung findet, oder zum gemütlichen Beisammensein einfach nach hinten gedreht werden kann. Wer will, kann achtern auf einer Liegefläche von knapp zwei Metern Länge und einer Breite zwischen 1,32 und 1,50 Meter dem Sonnenbad frönen, andernfalls spendet ein ausklappbares Bimini Schatten. Abkühlung genehm? Die Fantom bietet dazu eine 1,95 Meter breiten und 96 Zentimeter tiefe Badeplattform, die aus massivem Teakholz gefertigt ist, wobei eine dreistufige Badeleiter aus dem gleichen Edelholz den Ein- und Ausstieg ins erfrischende Nass erleichtert.

Prost! Kühlschublade unter der achteren Sitzbank. Foto: Dieter Wanke



Balance und Trittsicherheit sind auf dem Weg aufs Vordeck gefragt, denn die Gangborde sind nur 14 Zentimeter schmal. Die rahmenlose Windschutzscheibe aus getöntem Acrylglas bietet dabei kaum Halt. Auch Handläufe bzw. Reling fehlen, woraus sich ein ein Sicherheitsrisiko ergibt, auch wenn die Designer darauf zugunsten der makellosen Optik bewusst verzichtet haben. Die Ankerinstallation mit elektrischer Winde im Bug ist dafür direkt vom Cockpit bedienbar und erfordert keinerlei Turnübungen. Das penibel polierte Grundeinsen des Testbootes, das einer futuristischen Edelstahlskulptur gleicht, die als Galionsfigur den Bug ziert, ist ein Hingucker, muss allerdings zum stolzen Aufpreis von knapp 12 000 Euro extra bestellt werden.

Viel Cockpit, aber wenig Gangbord. Foto: Dieter Wanke

Viel Cockpit, aber wenig Gangbord. Foto: Dieter Wanke



Kabine, klein und fein
Wer mal etwas Ruhe sucht, kann sich in die gemütliche Kabine unter das Vordeck begeben. Bei einer Kopffreiheit von maximal 1,28 Meter eignet sie sich als Sitzplatz für bis zu fünf Personen, die auf den seitlichen Bänken problemlos Platz finden. Wer will kann noch mit einem Tisch aus dem Zubehör ergänzen. Hinlegen geht auch, auf der 2,20 Meter langen und bis zu 1,60 Meter breiten, v-förmige Liegefläche, die zwei Personen ausreichend Platz bietet. Wer öfter längere Touren oder regelmäßige Übernachtungen plant, wird sich über die Installationsmöglichkeit für ein Chemie-WC oder auch eine elektrische Toilette samt Schwarzwassertank freuen. Auch eine Klimaanlage kann bestellt werden, falls der Einsatzort in südlichen Gefilden liegen sollte, denn ein Luk zur Belüftung gibt es nicht. Der Stauraum hält sich allerdings in Grenzen, denn so ein Boot ist ja nicht unbedingt für Langfahrten ausgelegt.

Zum Sitzen und Liegen: Bugkajüte der 858 Fantom. Foto: Dieter Wanke

Zum Sitzen und Liegen: Bugkajüte der 858 Fantom. Foto: Dieter Wanke



Schnell macht Spaß
In der Grundausstattung rüstet Frauscher die 858 Fantom mit einen Mercruiser V8 350 MAG mit 224 kW (300 PS) samt einem Bravo One Antrieb aus. Die getestete Version war mit der Spitzenmotorisierung eines Mercruiser V8 8,2 MAG H.O. ausgerüstet, der 321 kW (430 PS) entwickelt, die mit einem Bravo One X Antrieb und einem speziell angefertigten 3-Blatt Edelstahlpropeller mit 23-Zoll-Durchmesser ins Wasser gebracht werden. Das Ziel ist unmissverständlich: Gasgeben und Spaß haben. Wer auf Selbstzünder schwört, kann das Boot auch mit einem D4-300 von Volvo Penta samt Duoprop-Anlage bestellen.

Viele Pferde: Die Topmotorisierung besteht aus einem Mercruiser V8 8.2l MAG HO DTS, der im Testboot montiert war. Foto: Dieter Wanke



Dass auf der 858 Fantom weder Scheibenwischer, noch Kompass zugegen sind, zeigt die Ausrichtung des Bootes, das sich klar an Schönwetterfahrer richtet. Immerhin ist das eigentlich unverzichtbare Navigationsinstrument auf Wunsch auch ohne Mehrkosten zu haben. Liegt der Hebel auf dem Tisch, ist nach nur vier Sekunden bei 15,5 Knoten und 2300 Umdrehungen die Gleitfahrt erreicht. Nur 15 Sekunden vergehen, bis aus dem Stand die Höchstgeschwindigkeit von 45 Knoten erreicht ist. Beachtliche Werte, die zeigen, dass auch die Basismotorisierung oder der Diesel ihre Berechtigung haben, wenn Sportlichkeit nicht an erster Stelle steht. Am wirtschaftlichsten lässt sich das Boot mit der Testmotorisierung bei 2500 Umdrehungen bewegen. Hier gleitet man bei knapp 18 Knoten mit einem stündlichen Verbrauch von 35 Litern durch die See. Wer mit knapp 25 Knoten bei 3000 Umdrehungen etwas schneller am Ziel sein möchte, fährt mit 1,97 statt 1,95 Litern pro Seemeile aber ähnlich wirtschaftlich und kommt mit dem 370-Liter-Tank bei 15 prozentiger Reserve auf Reichweiten von rund 160 Seemeilen. Vollgasartisten müssen hingegen schon nach knapp 100 Seemeilen den nächsten Tankstopp einplanen.

Kommandozentrale: Der Fahrerstand ist sportlich ausgelegt, doch ohne Scheibenwischer und Steuerkompass. Foto: Dieter Wanke



Bei Welle unverzagt 
Bei den Probefahrten vor der Küste Mallorcas gab es auch Gelegenheit, das Boot bei stattlichen Wellen von bis zu zwei Metern zu erproben. Die Frauscher 858 Fantom zeigte dabei ein vorbildliches Verhalten mit weichem Eintauchen in die Welle und vorzüglichem Geradeauslauf. Trotz schneller Fahrt kam keinerlei Spritzwasser ins Cockpit. Selbst das Vordeck blieb trocken. Auch bei raueren Bedingungen fühlt sich die Besatzung stets sicher. Trimmen ist nur in geringem Maß nötig. Das geht auf das Konto von Miesbauer, der sein Handwerk als Yachtkonstrukteur bei den Luxusschmieden von Brenta und Wally verfeinert hat. Kurvenfahrten sind durch die leichtgängige Hydrauliklenkung ein Kinderspiel, wobei enge Kurvenradien bei Vollgas allerdings Kavitation am Propeller zur Folge hatten. Bei normaler Reisegeschwindigkeit von 2500 Umdrehungen trat das Problem nicht auf. Hier genügte ein Radius von 2,5 Bootslängen für die Kehrwende. Manövrieren im Hafen war problemlos und kann auf Wunsch durch ein Bugstrahlruder noch erleichtert werden. Noch ein Wort zum Retourgang: Schnelles Rückwärtsfahren sollte man mit der 858 Fantom meiden, denn durch den niedrigen Luftaustritt im Heck besteht das Risiko des Wassereintritts.

Runabout, klassisch. Viel Platz an der Sonne, doch beim Reversieren ist auf die Belüftungsschlitze im Heck zu achten Foto: Dieter Wanke



 

Exklusiv im Anspruch
Die Frauscher 858 Fantom ist ohne Zweifel ein sehr spezielles Boot, das sich nicht h´jeder an den Steg hängen wird können. Für die Frauscher 858 Fantom wird in der Grundausstattung die stattliche Summe von 180 483 Euro berechnet. Das Boot samt Topmotorisierung wie getestet belief sich auf stolze 200 474 Euro. Wer genug Geld auf der Kante hat, bekommt dafür allerdings ein neues Spielzeug der Extraklasse, in der sich sonst bestenfalls noch die edlen Konstruktionen von Boesch, Riva und Co. tummeln.

Technische Daten Frauscher 858 Fantom
Länge: 8,67 m
Breite: 2,49 m
Tiefgang: 0,50 / 0,85 m
Leergewicht: 2.500 kg
Durchfahrtshöhe: 1,35 m
Baumaterial: GFK
CE-Kategorie: C
Zulässige Personenzahl: 7
Kojenplätze: 2
Brennstofftank: 370 l
Wassertank: 32 l (Option)
Fäkalientank: 30 l (Option)

Motorisierung: Innenborder, Benziner oder Diesel mit einer Leistung ab 221 kW (300 PS) bis 321 kW (430 PS)
Grundpreis mit Mercruiser V8 350 MAG DTS: 180 483 Euro
Preis mit Testmotorisierung Mercruiser V8 8.2l MAG HO DTS : 200 475 Euro

Messung mit Mercruiser V8 8.2l MAG HO DTS, Leistung 321 kW (430 PS)
Revier: Mittelmeer vor Palma de Mallorca, Besatzung: 2 Personen, Wasser 19 °C, Luft 21 °C, Wind 1 Bft., See: 1, Tank: Diesel: 185 l, (50%), Wasser: leer
Drehzahl

Screen Shot 2016-09-26 at 13.51.36

Werft, Vertrieb und Testpartner
Frauscher Bootdwerft GmbH & Co KG
Betriebspark Ehrenfeld 3
A-4694 Ohlsdorf
Österreich

 

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