Galia heißt die Sportbootlinie der polnischen Galeon-Werft mit Firmensitz in Straszyn bei Danzig, wo seit 1982 gefertigt wird. Nach einer rasanten Entwicklung zählt der Betrieb mit rund 500 Mitarbeitern und 26 000 Quadratmetern Hallenfläche sowie einer eigenen Marina längst zu den führenden Herstellern in Europa. Bemerkenswert sind Modellvielfalt und Innovationskraft des Unternehmens, das für Boote mit pfiffigen Ideen und moderner Linienführung bekannt ist. Neben 28 Galeon-Modellen zwischen 10 bis 25 Meter Länge bieten die umtriebigen Polen auch 17 Typen der Marke Galia mit 4,20 bis 7,64 Meter Länge an.

Klein aber oho: Die Galia 485 Cruiser  kann mit Motoren zwischen 15 und 90 PS bestückt werden. Foto: Dieter Wanke

Klein aber oho: Die Galia 485 Cruiser kann mit Motoren zwischen 15 und 90 PS bestückt werden. Foto: Dieter Wanke



Mit einer Rumpflänge von 4,77 Meter ist die Galia 485 Cruiser das kleinste Modell der Werft, das mit einer Kabine zur Übernachtung ausgestattet ist. Sie sich in besonderem Maße für Einsteiger, die den Sport für sich entdecken wollen und sich zunächst für Boote interessieren, die ohne Führerschein mit einer Motorisierung von 15-PS-betrieben werden können. Dennoch erlaubt die Konstruktion auch das Aufrüsten mit kräftigeren Motoren, so später mal Bedarf besteht und die Lizenz nachgeholt wird. Da die Galia 485 samt dem für diesen Test montierten Suzuki DF 15 Außenborder nur 700 Kilogramm auf die Waage bringt, kann das Boot mit fast jedem Pkw getrailert werden. Zugelassen für die CE-Kategorie C, können damit auch Küstengewässer mit insgesamt vier Personen an Bord befahren werden. Für die meisten Familien sollte das ebenso ausreichen, wie für passionierte Angler, die mit Freunden ihrem Hobby nachgehen möchten.

Bug mit Korb: Stabiles Edelstahlgestänge bietet solide Handläufe im Bugbereich. Foto: Dieter Wanke

Bug mit Korb: Stabiles Edelstahlgestänge bietet solide Handläufe am Vordeck. Foto: Dieter Wanke



Kommodes Cockpit, kompakte Unterkunft
An Bord gelangt man entweder über den Bug, von wo ein backbordseitiges Gangbord an der asymmetrisch platzierten Kabine und der getönten Acrylglas Windschutzscheibe vorbei über eine einlaminierte Trittstufe ins Cockpit führt. Ankerkasten und Bugrolle sind bereits montiert wobei ein stabiler Bugkorb samt Reling aus Edelstahl den Weg nach achtern absichern. Alternativ kann man vom Steg über die hohe Bordwand direkt einsteigen. Die im Testboot montierten Teakstufen sind zwar schick, aber auch aufpreispflichtig. Im 1,58 x 1,44 Meter großen Cockpit gibt es zwei solide und gut gepolsterte Einzelsitze für Fahrer und Beifahrer sowie eine gepolsterte Heckbank, die bei Bedarf bis zu drei Personen Platz bietet. Mit einem Tisch aus dem Zubehör können durch das Schwenken der Vordersitze also bis zu fünf Personen für gesellige Runden zusammenkommen.

Platz für 5: Das Cockpit mit Drehsesseln vorn und Sitzbank achtern. Ein Tisch wäre sinnvoll, ist aber aufpreispflichtig.  Foto: Dieter Wanke

Platz für 5: Das Cockpit mit Drehsesseln vorn und Sitzbank achtern. Ein Tisch wäre sinnvoll, ist aber, wie die Teakstufen, aufpreispflichtig. Foto: Dieter Wanke



Am Steuerstand gibt es genügend Raum zur Montage von Motorinstrumenten wobei auch ein kleinerer Kartenplotter oder Fishfinder installiert werden können. Platz für einen Kompass ist ebenfalls vorgesehen, doch leider gehört das unverzichtbare Navigationsinstrument wie übrigens auch die Hupe nicht zur Serienausstattung. Durch eine teilweise klappbare Rückenlehne entsteht aus der Rückbank bei Bedarf eine kleine Sonnenliege, die zudem auch bequemen Zugang zur serienmäßigen Badeleiter schafft. Durch eine Acrylglas-Schiebetür geht’s in die Kabine, wo eine umlaufende gepolsterte Sitzbank installiert ist, die sich mit einem Einlegeteil in eine zum Bug spitz zulaufende Liegefläche verwandeln lässt. Mit einer Breite von 1,45 Meter und einer Länge von 1,75 Meter ist sie für größere Personen allerdings etwas kurz geraten. Auch eine Chemietoilette ist als Option lieferbar, womit mehr Unabhängigkeit entsteht. Mit einem Tisch, der allerdings von einem Drittanbieter geordert werden müsste, lässt sich die Kajüte vortrefflich zum Aufenthalt bei Schietwetter nutzen oder einfach nur als großer, verschließbarer Stauraum.

 

Heimelig; Die Kajüte der kleinen Galia bietet Wetterschutz und Stauraum, doch die Kojenmaße sind für größere Gäste knapp geraten. Foto: Dieter Wanke

Heimelig; Die Kajüte der kleinen Galia bietet Wetterschutz und Stauraum, doch die Kojenmaße sind für größere Gäste knapp geraten. Foto: Dieter Wanke



15 PS sind nur der Anfang
Der Viertakter vom Typ Suzuki DF 15, der beim Test eingesetzt wurde, entwickelt mit seinen 327 Kubikzentimetern Hubraum aus zwei Zylindern eine Leistung von 11 kW (15 PS) bei einer Nenndrehzahl von 5000 bis 6000 Umdrehungen. Bei der gemessenen Höchstgeschwindigkeit von 6,3 kn (11,7 km/h) lag die festgestellte Höchstdrehzahl am Testboot mit 4920 Umdrehungen etwas unter den Werksangaben. Da das Boot weder mit einer noch mit zwei Personen an Bord in Gleitfahrt kam, könnte bestenfalls durch eine Propelleroptimierung noch etwas an Leistung herauszuholen sein. Bei Höchstgeschwindigkeit baute sich vor der Galia 485 Cruiser mit dem 15-PS Motor eine beachtliche Bugwelle auf. Mit dem führerscheinfreien Antrieb ist also Gelassenheit gefragt und Verdrängerfahrt angesagt, die dem Genuss des Aufenthalts am Wasser allerdings keinen Abbruch tut.. Wer auch noch richtig effizient unterwegs sein möchte, begnügt sich mit geräuschärmeren 3500 Umdrehungen, ist damit bei 4,9 Knoten (9 km/h) kaum langsamer, drosselt aber den Verbrauch auf nur zwei Liter pro Stunde. Unter diesen Bedingungen erlaubt der eingebaute 60-Liter-Tank unter Berücksichtigung einer 15-prozentigen Reserve stattliche Reichweiten von 125 Seemeilen (232 Binnenkilometer).

Leicht, kompakt und führerscheinfrei: Der 15-PS Suzuki Außenborder. Foto: Dieter Wanke

Leicht, kompakt und führerscheinfrei: Der 15-PS Suzuki Außenborder. Foto: Dieter Wanke



Die kleine Galia ließ sich nicht auf der Stelle drehen, doch eingekuppelt war im Leerlauf eine langsame Fahrt von einem Knoten möglich was langsame Hafenmanöver begünstigt. Vollkreise bei voller Fahrt meisterte das Boot gut, allerdings begann der Propeller in Backbord-Richtung etwas Luft zu ziehen. Beim Geradeauslauf war ein für diese Bauart typisches Gieren um die Längsachse vorhanden, das sich aber über Lenkbewegungen ausgleichen ließ. Serienmäßig ist auf der 485 Cruiser eine mechanische Lenkung einbebaut, mit der sich der Suzuki DF 15 gut beherrschen ließ. Doch wer auf mehr Komfort steht oder später auf eine stärkere Motorisierung aufrüsten möchte, sollte auf der Zubehörliste die Hydraulik-Lenkung ankreuzen. Maximal lassen sich auf der Galia 485 Cruiser Außenborder mit bis zu 66 kW (90 PS) montieren, die natürlich für andere Dimensionen in Sachen Geschwindigkeit und Fahrspaß sorgen sollten, wobei die hohen Bordwände des Cockpits eine wichtige Funktion übernehmen, weil sie der Besatzung das Gefühl von Schutz und Sicherheit vermitteln.

Es ginge auch mehr: Die Galia 485 Cruiser mit ihren hohen Bordwänden ist für küstennahe Fahrt zugelassen und  verträgt auch stärkeren Schub als 15 PS. Foto: Dieter Wanke

Es ginge auch mehr: Die Galia 485 Cruiser mit ihren hohen Bordwänden ist für küstennahe Fahrt zugelassen und verträgt auch stärkeren Schub als 15 PS. Foto: Dieter Wanke



Günstig und aufrüstbar
Ohne Motor steht das Boot ab 10 245 Euro beim Händler. Das Paket mit dem Suzuki DF 15 ist ab 14 465 Euro zu haben. Wer allerdings mit einem Suzuki DF 90 bis an die Maximalleistung gehen will, muss für diesen Antrieb rund 12 000 Euro zuzüglich der Montagekosten einkalkulieren. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mit der Galia 485 Cruiser für verhältnismäßig günstiges Geld ein ordentlich verarbeitetes Boot wohlfeil ist, das durch seine Kabine zudem erweiterten Nutzwert hat und bei dem nützliches und sinnvolles Zubehör, wie Polster im Innenraum und im Cockpit und die Beleuchtung für Nachtfahrten zur Serienausstattung gehören. Wer weitere Extras anschafft, wie beispielsweise das Bimini-Verdeck oder einen Cockpit-Tisch, bekommt schon eine Mini-Yacht, die sowohl Einsteigern mit der führerscheinfreien 15-PS-Motorisierung als auch Fortgeschrittenen mit stärkeren Antriebsvarianten Spaß machen sollte.

Technische Daten Galia 485 Cruiser
Länge: 4,77 m
Breite: 1,95 m
Tiefgang: 0,47 m (maximal)
Leergewicht: 650 kg (ohne Motor)
Baumaterial: GFK
CE-Kategorie: C
Zulässige Personenzahl: 4
Kojen: 2
Einbautank: 60 l
Motorisierung: Außenborder mit Langschaft bis zu 66 kW (90 PS)Motor im vorgestellten Boot: Suzuki DF 15 ARL, Leistung 11 kW (15 PS), Zylinderzahl: 2 in Reihe, Hubraum: 327 cm3, Nenndrehzahl: 5000 min-1 bis 6000 min-1
Grundpreis ohne Motor 10 245 Euro
Grundpreis Testboot mit Suzuki DF 15 ARL: 14 465 Euro
Messung Schall + Fahrt mit Suzuki DF 15 ARL mit 11 kW (15 PS)

Screen Shot 2016-08-11 at 12.52.35Revier: Scharfe Lanke, Berlin, Besatzung: 2 Personen, Wasser 24 °C, Luft 30 °C, Wind 1 Bft., See: 1, Tank: 20 l, (33%), Wasser: leer

Werft
Galeon Yachts
Starogardzka 22
83-010 Straszyn
Polen

Lieferant des Testbootes
Bootscenter Keser GmbH
Heerstraße 199
13595 Berlin

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