Die polnische Galeon-Werft hat sich seit ihrer Gründung 1982 längst zu den führenden Herstellern in Europa emporgearbeitet. Neben 28 größeren Motoryachten, die unter dem Galeon-Label wohlfeil sind, werden in Straszyn bei Danzig auch kleinere Sportboote unter der werfteigenen Marke Galia entwickelt und gefertigt. Hier sind derzeit 17 unterschiedliche Modelle im Sortiment, das mit der 440 Open beginnt und bei der 770 Sundeck endet. Die Galia 570 Open gehört mit ihrer Länge von 5,70 Metern deshalb zum mittleren Segment in der Palette. Neben der hier präsentierten offenen Version ist das Boot in einer Sundeck-Variante mit geschlossenem Vordeck zu haben, auf dem sich eine große Sonnenliege befindet. Darunter gibt’s eine Kabine mit Sitzgelegenheiten, die auch durch einen Tisch ergänzt oder in eine Doppelkoje verwandelt werden können. Wer auf eine Übernachtungsmöglichkeit nicht verzichten möchte, sollte sich also das ansonsten weitgehend baugleiche Schwesterschiff ansehen.

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Moderate Fahrt zur Entspannung: Die Galia 570 Open mit kleiner Motorisierung.



Mit gut einer Tonne Leergewicht gehört dieser Bowrider zwar nicht mehr zu den leichtesten Booten, ist aber dennoch bestens mit vielen Pkws trailerbar. Gleitfahrt ist mit dem führerscheinfreien Antrieb unter 15 PS natürlich nicht möglich, durch seine Sparsamkeit und den großen Einbautank ergeben sich aber enorme Reichweiten für längere Touren. Wer möchte, kann ja später immer noch nachrüsten, muss dann nur den Führerschein machen. Natürlich ist das Boot auch für die Benutzung in Küstengewässern zugelassen, mit bis zu sechs Personen an Bord in Binnenrevieren sogar mit bis zu acht Passagieren. Ideal also, um auch mal mit mehreren Freunden oder der erweiterten Familie eine Bootstour zu unternehmen. Und wenn Angler darunter sind, umso besser, denn Rutenhalter gehören zu den Optionen.

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Praktisch und fast quadratisch: Der absenkbare Tisch im Bugcockpit. Foto: Dieter Wanke



Äußere und innere Werte
Der offene Bug schafft selbst bei dieser Bootsgröße ein erstaunliches Platzangebot, durch das zwei komplette Sitzgruppen zur Verfügung stehen. Allein voirne iust da Platz für bis zu sechs Personen. Ein variabler Klapptisch erhöht den praktischen Nutzen beim geselligen Beisammensein in diesem Bereich. Wird er abgesenkt und mit Polstern ergänzt, entsteht eine Sonnenliege für zwei bis drei Personen. Ein breiter Durchgang führt backbords an der Steuerkonsole vorbei ins Hauptcockpit. Neben den Einzelsitzen für den Fahrer und einen Beifahrer findet man dort auch eine Sitzbank im Heck vor, auf der ebenfalls drei bis vier Personen gut Platz finden.

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Platz für 5: Achtere Sitzbank und Drehsitze im hinteren Cockpit. Foto: Dieter Wanke



Auch hier kann mit einem Tisch ergänzt werden, der allerdings zu den wenigen Extras gehört, die auf der Liste stehen. Die Rückbank kann ebenfalls in eine Sonnenliege verwandelt werden und diese Funktion gehört wie übrigens auch alle Polsterauflagen an und unter Deck zur Serienausstattung. Weil die beiden Einzelsitze drehbar sind, entsteht auch hier eine komplette Sitzgruppe. Mehr als genug Platz also für die Crew und ein paar zusätzliche Gäste im Hafen, wobei persönliche Habe und Ausrüstung in seitlichen Staufächern untergebracht werden kann. An der Backbordseite im Heck gibt es sogar eine Mini-Badeplattform mit einer große Klapp-Badeleiter.

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Abgang ins Element: Badeleiter an Backbord. Foto: Dieter Wanke



An der großzügig dimensionierten Steuerkonsole, hinter der getönten Windschutzscheibe aus Acrylglas, die erfreulicherweise auch von einem soliden Handlauf aus Edelstahl eingerahmt ist, gibt es eine transparente Schiebetür, durch die man in eine kleine Kajüte in der Konsole gelangt, die sowohl Stauraum als auch Sitzgelegenheit bei Schlechtwetter bietet. Auch eine Toilette kann hier installiert werden, wobei das Raumangebot zum Übernachten insgesamt zu knapp ausfällt. Deutlich großzügiger gehalten ist der Instrumententräger am Steuerstand, der gut auf den Fahrer ausgerichtet ist und  durch seine dunkle Einfärbung das Blenden bei hellem Sonnenlicht vermindert. Auf Wunsch kann hier einen Kartenplotter mit Multifunktionsdisplay montieren lassen, denn der Platz dafür wäre vorhanden. Steuerkompass und Hupe sind sicherheitsrelevante Details, aber unverständlicherweise auf der Galia (und vielen anderen Booten) aufpreispflichtige Extras. Ebenfalls gesondert zu zahlen ist das praktische ausklappbare Bimini-Verdeck.

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Übersichtlich: Steuerstand mit Handflauf und Niedergang in die Schlupfkajüte der Konsole. Foto: Dieter Wanke



Von 15 bis 150 PS
Die Werft erlaubt das Anflanschen von Langschaft-Außenbordern mit bis zu 111 kW (150 PS), die ziemlich viel Fahrspaß versprechen, entsprechender Befähigungsnachweis vorausgesetzt. Wer den noch nicht vorweisen kann, darf mit der Galia 570 Open dennoch Spaß haben, wenn auch bei deutlich weniger Speed. Das Boot lässt sich nämlich auch mit 11 KW (15 PS) motorisieren und dafür ist bekanntlich seit 2012 keine Lizenz mehr erforderlich. Einstieg also leicht gemacht. Wer später Lust auf mehr PS hat, kann nach Erwerb des Scheins nach Herzenslust nachrüsten. Ausgenommen bleiben Rhein oder Bodensee, wo weiterhin die bisherige Grenze gilt. Deshalb haben wir an diese Galia mal einen Suzuki DF 15 geschraubt und überprüft, was möglich ist. Zu unserer freudigen Überraschung haben wir bei den Probefahrten festgestellt, dass da schon eine ganze Menge geht.

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Unter Maß: Der kleine Suzuki mit 15 PS wirkt am Heckspiegel etwas verloren, tat aber seinen Dienst tadellos. Doch die Galia 570 verträgt bei Maxiomalmotorisierung zehn Mal so viel Power. Foto: Dieter Wanke



An Gleitfahrt ist, wie erwähnt, zwar nicht zu denken, denn dazu ist das Boot zu schwer, aber es stellte sich heraus, dass die alte Weisheit, die besagt dass Länge läuft, auch auf die Galia zutrifft. Denn mit dem verhältnismäßig leistungsschwachen Antrieb kamen wir auf eine gute Verdrängerfahrt von bis zu 6,6 Knoten. Das beschleunigt den Herzschlag zwar noch nicht, doch es reicht, um gemächlich ans Ziel zu gelangen und dabei noch die Landschaft genießen zu können. Wer von der Höchstdrehzahl von 4920 Umdrehungen auf 3500 Touren reduziert, fährt deutlich leiser und sparsamer und ist trotzdem noch mit 5,5 Knoten unterwegs. Der Verbrauch liegt dann bei 2,2 Liter Benzin pro Stunde womit sich bei einem 150-Liter-Aluminium-Einbautank Reichweiten von über 300 Seemeilen realisieren lassen. Das Boot ist so ausgerüstet also langstreckentauglich bei sehr moderaten Betriebskosten. Das Handling ist auch mit der mechanischen Lenkung aus der Serienausstattung völlig problemlos. Wer über eine spätere Nachrüstung mit stärkeren Antrieben nachdenkt, sollte aber besser gleich die aufpreispflichtige hydraulische Lenkung ordern.

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Von Gleiten keine Sur. Aber mit 5,5 Knoten geht es sparsam und, ruhig dahin. Der 150-Liter Einbautank reicht dann für gut 300 Seemeilen. Foto: Dieter Wanke



Geräumiges Familienboot mit guter Ausstattung
Die Galia 570 Open überzeugt insbesondere durch ihr üppiges Platzangebot, eine großzügige Serienausstattung, gute Verarbeitung sowie den moderaten Einstiegspreis von 14.400 Euro zuzüglich Motor. Zusammen mit dem montierten Suzuki DF 15 ARL steht das fahrfertige Boot für 18.620 Euro beim Händler. Wer flotter unterwegs sein möchte, kann beispielsweise einen Suzuki DF 150 in Betracht ziehen, der aber die Börse mit 19.650 Euro belastet, zuzüglich Montagekosten. Im Gegenzug gibt es dann erheblich mehr Fahrtwind und Adrenalinausschüttung und man ist auch viel schneller dort. Nur so sparsam wie mit dem kommoden DF 15 geht’s dann nimmer und auch die Reichweite schrumpft deutlich.

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Frage der Proportion: Großes Boot, kleiner Motor. Doch wer noch keinen Führerschein besitzt, kann so zumindest schon mal aufs Wasser. Foto: Dieter Wanke



Technische Daten: Galia 570 Open
Länge: 5,70 m
Breite: 3,38 m
Tiefgang: 0,40 m (maximal)
Leergewicht: 1070 kg (ohne Motor)
Baumaterial: GFK
CE-Kategorie: C (D)
Zulässige Personenzahl: 6 (8)
Einbautank: 150 l
Motorisierung: Außenborder mit Langschaft bis zu 111 kW (150 PS)
Motor im vorgestellten Boot: Suzuki DF 15 ARL, Leistung 11 kW (15 PS), Zylinderzahl: 2 in Reihe, Hubraum: 327 cm3, Nenndrehzahl: 5000 min-1 bis 6000 min-1
Grundpreis ohne Motor 14 400 Euro
Grundpreis Testboot fahrfertig mit Suzuki DF 15 ARL: 18 620 Euro

Messung Schall + Fahrt mit Suzuki DF 15 ARL mit 11 kW (15 PS)
Revier: Scharfe Lanke, Berlin, Besatzung: 2 Personen, Wasser 24 °C, Luft 28 °C, Wind 1 Bft., See: 1, Tank: 15 l, (10%), Wasser: leer

Screen Shot 2016-11-21 at 20.05.09

 

Werft:
Galeon Yachts
Starogardzka 22
83-010 Straszyn
Polen

Lieferant des Testbootes:
Bootscenter Keser GmbH
Heerstraße 199
13595 Berlin

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