Namensgeber der Marke ist der Bootsrennfahrer Dieter Hellwig, der die Werft noch während seiner sportlichen Karriere 1957 gründete und zu den Pionieren des GFK-Bootsbaus in Deutschland gehörte. Dass der mehrfache Europameister und Weltrekordinhaber ein Faible für die schnelle Gangart auf dem Wasser hatte, merkte man seinen Konstruktionen an. Tiefe V-Rümpfe mit exzellenten Laufeigenschaften und hoher Stabilität, auch bei üppiger Motorisierung, gehörten schon damals zu den Markenzeichen der Boote aus Xanten. Der Traditionsbetrieb wurde 1996 von Michael Hammermeister übernommen, der die Marke mit neuen Ideen aber in Anlehnung an die alten Traditionen konsequent weiterführt und heute in Erkelenz in reiner Handarbeit fertigt. Momentan hat die Werft 12 Modelle im Programm, wobei die Milos-Serie das Spitzenprodukt darstellt mit Booten die zwischen 5,80 und 6,30 Meter lang sind. Die getestete Milos V585 ist dabei im unteren Längenbereich angesiedelt und kann mit Außenbordern bis 128 kW (175 PS) ausgerüstet werden. Mit nur 1,90 Meter Breite ist das Boot im Verhältnis zu seiner Länge sehr schmal gehalten. Ohne Motor bringt es nur 530 Kilogramm auf die Waage, was bei einem maximal möglichen Motorgewicht von 220 Kilogramm ein Gesamtgewicht von nur 750 Kilogramm ergibt. Das verspricht spritzige Fahrleistungen auch beim Ziehen von Wasserski- oder Wakeboard-Fahrern und leichtes Trailern zum Einsatzort mit nahezu jedem Fahrzeug.




Hellwig Milos V585: Klassiker mit Spaßpotential. Foto: Dieter Wanke

Hellwig Milos V585: Klassiker mit Spaßpotential. Foto: Dieter Wanke


Schlank und klassisch
Beim Schritt auf das Vordeck fällt zunächst die grundsolide Ankerinstallation auf, bei der allerdings die elektrische Ankerwinde samt Edelstahl-Grundeisen zu den Optionen gehören. Praktisch: Eine Trittstufe in der serienmäßig montierten Reling erleichtert den Zugang. Der Weg ins Cockpit führt dann über einen mit Antirutsch-Oberfläche versehenen Streifen auf dem Vordeck durch das Klappsegment in der Windschutzscheibe direkt zum Steuerstand. Praktische Trittstufen auf dem Armaturenträger und darunter erleichtern auch diesen Weg ins Cockpit. Den Fahrer erwartet eine Armaturentafel in Carbon-Optik (auch andere Materialien stehen zur Wahl) - in der die gut ablesbare Motorinstrumentierung eingebaut ist. Das um 360 Grad drehbare und längsverstellbare Gestühl in Form eines Schalensitzes mit Stehvorrichtung ist bequem und gibt guten Halt. Der Beifahrer verfügt über die gleiche Sitzgelegenheit und zudem noch über einen soliden Haltegriff, zwei Becherhalter und ein abschließbares Staufach. Nach hinten ausgerichtet bilden die beiden Sitze gemeinsam mit der Rückbank und einem kleinen Tisch, der extra bestellt werden kann, eine Sitzgruppe für die gemütliche Runde an Bord.




2014 Hellwig Milos V585-7258-1

Gemütliche Runde: Drehsitze vorn und Rücksitzbank samt Cockpittisch. Foto: Dieter Wanke


Die hintere Sitzgelegenheit ist multifunktional: Sie deckt den darunter befindlichen Stauraum ab und dient auch zur Vergrößerung der Sonnenliege im Heck, wobei am Spiegel backbordseitig auch eine kleinen Badeplattform mit serienmäßig montierter Badeleiter angebracht ist. Wer nach dem Baden oder einer Wasserkirunde brausen möchte, kann eine Heckdusche mit 35-Liter-Wassertank ordern. Für die Steuerbordseite der Rückwand lässt sich bei Bedarf auch ein Hilfsspiegel für einen Notmotor bestellen. Auch bei der Sicherheit  wird auf der Milos nicht gespart: Es gibt eine elektrische Bilgenpumpe mit Automatikschalter und zusätzlich eine eingebaute Handlenzpumpe, plus Feuerlöscher, Benzinfilter mit Wasserabscheider und Absperrhahn für den Tank. Die LED-Navigationsbeleuchtung hat sogar eine BSH-Zulassung, bei Booten dieser klasse keine Selbstverständlichkeit. Kleinteile, Freizeitartikel und Ausrüstung verschwinden in gepolsterte Seitenablagen, sperriges Gerät wie z.B. Wasserski passen in den dafür vorgesehenen Stauraum. Wer sich ein Klappverdeck oder Sonnendach wünscht, wird ebenfalls in der Optionsliste fündig.




Aufpreispflichtig: Schattenspender, der sich für unterwegs einklappen lässt. Foto: Dieter Wanke

Aufpreispflichtig: Schattenspender, der sich für unterwegs einklappen lässt. Foto: Dieter Wanke


Dampf auch mit mittlerer Motorisierung
An der getesteten Milos V585 war der Mercury F 115 EFI mit 84,6 kW (115 PS) in der geforderten Langschaft-Version montiert. Bis zur maximal möglichen Motorisierung mit 128 kW (175 PS) war also noch reichlich Luft. Gleiches gilt für das Gewicht, denn mit 163 Kilogramm unterschreitet der montierte Antrieb auch hier klar das Limit. Dennoch waren die Fahrleistungen überzeugend denn in nur vier Sekunden beschleunigte der laufruhige 2,1-Liter-Vierzylinder das Boot auf Gleitfahrt. Dabei geht der Bug der Milos kaum in die Höhe und taucht auch sehr weich in die Wellen ein. Hier macht sich die schmale Bauweise und der tiefe V-Rumpf mit seiner steilen Aufkimmung von 23 Grad, der durch ein GFK-Stringersystem verstärkt wird, positive bemerkbar. Wie auf Schienen beschleunigt das Boot weiter und erreicht nach 25 Sekunden die Höchstgeschwindigkeit von 35 Knoten. Dass dabei der Bereich der angegebenen Volllastdrehzahl von  5800  bis 6400 Umdrehungen nicht erreicht wurde, sondern nur 5200 Touren, lag daran, dass der Propeller noch nicht auf das Boot abgestimmt war.




Gut geneigt: Der schmale Rumpf sorgt für Kurvenlage, doch das Boot lag  dennoch sicher am Wasser.  Foto: Dieter Wanke

Gut geneigt: Der schmale Rumpf sorgt für Kurvenlage, doch das Boot lag dennoch sicher am Wasser. Foto: Dieter Wanke


Die Gleitfahrt beginnt bereits bei 14 Knoten und eine benzinsparende Reisegeschwindigkeit mit 14,4 Litern pro Stunde liegt bei 19,3 Knoten und 3500 Umdrehungen. Wer um 500 Umdrehungen erhöht fährt zwar vier Knoten schneller, pusht aber den Verbrauch auch auf 23,7 Liter pro Stunde. Sparfüchse hohlen aus dem 140-Liter-Tank bei 15 Prozent Reserve also eine ordentliche Reichweite von 160 Seemeilen heraus. Die Milos fühlte sich bei allen Manövern sicher, ohne dabei den Fahrspaß zu kurz kommen zu lassen, trotzdem die Motorisierung des Testbootes weit unter dem möglichen Maximum lag. Die geringe Breite resultiert in einer großen Rumpfneigung bei Kurvenfahrt. Die ist anfänglich schon etwas gewöhnungsbedürftig, doch das Boot liegt auch dabei stabil im Wasser, wobei die hohen Bordwände einen wichtigen Beitrag zum Sicherheitsgefühl leisten. Weiters fiel beim Test positiv auf, dass das Lenkrad ausgezeichnet in der Hand liegt und dass die Bedienhebel ergonomisch richtig montiert sind. Wer größtmöglichen Komfort bei der Lenkung will, sollte allerdings eine hydraulische Version bestellen.




Stark, aber nicht MaximumL Der 115-PS Mercury EFI war beiom Test für 34 Knoten gut. Die Maximalmmotorisierung von 185 PS dürfte diesen Wert allerdings klar übertreffen. Foto: Dieter Wanke g

Stark, aber lange nicht Maximum:  Der 115-PS Mercury EFI war beim Test für 34 Knoten gut. Die Maximalmotorisierung von 175 PS dürfte diesen Wert allerdings klar übertreffen. Foto: Dieter Wanke g


Gut gefertigt, flott beim Fahren
Die Hellwig Milos V585 ist sicher kein Allerweltsboot. Bei dem Klassiker handelt sich um eine durchdachte  Konstruktion, die in Handarbeit gefertigt wird und schon alleine deshalb hochwertiger ist als vergleichbare Boote aus der Massenproduktion. Im Handel wird das Boot ohne Motor ab 17 650 Euro angeboten, der beim Test montierte Mercury F115 steht mit 13 685 Euro in der Liste. Macht zusammen mehr als 30,000 Euro, die zwar weit über der Schnäppchengrenze liegen. doch dem Kunden ein grundsolides Sportboot mit sehr ordentlicher Grundausstattung, das darüberhinausn auch eine gehörige Portion Fahrspaß liefert. Und der ließe sich mit der maximal zulässigen Antriebsleistung wohl noch um ein Quäntchen oder zwei steigern.




Kurvensicher: Das Boot beweist seine sportlichen Wurzeln, die auf  den  Rennfahrer und Firmengründer Dieter Hellwig zurückgeht. Foto: Dieter Wanke

Kurvensicher: Das Boot beweist seine sportlichen Wurzeln, die auf den Rennfahrer und Firmengründer Dieter Hellwig zurückgeht. Foto: Dieter Wanke



Technische Daten: Hellwig Milos V585
Länge: 5,85 m
Breite: 1,90 m
Tiefgang: 0,35 m (ohne Antrieb) / 0,68 m (mit Antrieb)
Leergewicht: ab 530 kg (ohne Motor)
Maximales Motorgewicht: 220 kg
Baumaterial: GFK
Vorgesehene CE-Kategorie: C
Zulässige Personenzahl: 6
Wassertank 35 l (Option)
Brennstofftank: 170 l
Motorisierung: Außenborder mit Langschaft, Leistung bis 128 kW (175 PS)
Preis Testmotorisierung: Mercury F 115 EFI ELPT mit 84,6 kW (115 PS): 13 685 Euro
Grundpreis Boot ohne Motor: 17 650 Euro
Motor im Testboot: Mercury F 115 EFI ELPT, Leistung 84,6 kW (115 PS), Zylinderzahl: 4 in Reihe, Hubraum: 2064 cm3, Nenndrehzahl: 5800 - 6400 min-1

Bildschirmfoto 2015-10-12 um 11.47.22 AM

Revier: Bodensee vor Friedrichshafen, Deutschland, Crew 3, Messung: GPS, Wasser 22° C, Luft; 20° C, Wind: 2 Bft, See 1, Benzin: 20 l (15%)

 

Werft und Händlernachweis
Hellwig Bootsmanufaktur GmbH
Sittarder Strasse 1
D-41812 Erkelenz

 

Anzeige