Es ist kein Geheimnis, dass Highfield-Boote seit 2011 im chinesischen Weihai gefertigt werden. Doch wer deshalb ein Billigprodukt von zweifelhafter Qualität erwartet, liegt komplett daneben. Highfield ist ein direkter Abkömmling des australischen Herstellers Swift Marine, der seit nahezu 30 Jahren überaus robuste Festrumpf-Schlauchboote mit Alu-Rümpfen fertigt, die sich nicht zuletzt im harten Behördeneinsatz bei der australischen Polizei oder als Arbeitsboote am Great-Barrier-Riff bewähren.

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Ohne Schnörkel: Das Highfield OM 540 RIB mit Hypalonschläuchen trumpft mit robuster Schlichtheit auf. Foto: boats.com/Wanke



Die dabei gemachten Erfahrungen sind in die Konstruktionen der Serienprodukte eingeflossen die ebenfalls auf einem robusten Aluminiumrumpf aus hochfester Legierung aufbauen, der nicht einfach lackier ist, sondern erst chromatiert und dann mit einer hochwertigen Pulverbeschichtung versehen wird. Das Boot ist mit zwei verschiedenen Schlauchmaterialien verfügbar: Mit Valmex, einem PVC-Material des deutschen Herstellers Mehgies, der auf technische Textilien der Spitzenklasse spezialisiert ist und zur Low & Bonar GmbH aus dem hessischen Hückelhoven bei Fulda gehört.

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Fürs Grobe: Viel Alu, wenig Kunststoff und kein überflüssiger Schnickschnack: Die OM 540 hat den Charakter eines Arbeitsbootes. Foto: boats.com/Wanke



Wer es besonders robust haben will, bestellt die OM 540 mit Schläuchen aus „Orca“ des französischen Spezialisten Pennel & Flipo. Das ist ein extrem widerstandsfähiges Gewebe mit Elastomerbeschichtung, das sonst auch als Hypalon bekannt ist und auf dem Testboot zu Einsatz kam. Mehr dazu in unserem Kaufratgeber für Schlauchboote. Zahlreiche High-End-RIBs europäischer Hersteller sind aus dem gleichen Material gefertigt. Das soll nicht überraschen, denn Highfield wird von einem europäischen Management geführt und ist in Händen von Eigentümern aus Frankreich und China. Aktuell wird in 38 Länder geliefert, wobei der deutsche Markt vom Schlauchbootspezialisten Michael Keckeis aus Mühlhausen - Ehingen betreut wird, der diese Boote auch importiert. Derzeit sind sechs Baureihen mit insgesamt 32 Modellen wohlfeil, wobei das Sortiment vom kompakten 1,98 Meter langen Roll-Up-Dinghi bis zum 8,63 Meter Arbeitsboot der Patrol-Serie reicht. Das umfangreichste Angebot mit acht Booten gibt es in der Deluxe-Range, gefolgt von sieben Versionen in der Ocean Master Serie, aus der auch die OM 540 stammt.

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Bugraum: Ein Sitz vor der Mittelkonsole, ein zweiter auf dem Ankerkasten und ansonsten nur Platz auf den Seitenschläuchen. Zum Festhalten gibt es mehrfache Sicherheitsleinen. Foto: boats.com/Wanke


Robust, nüchtern, hochwertig


Dass bei der Konstruktion Robustheit im Vordergrund steht, sieht man der Highfield OM 540 auf den ersten Blick an, zum Beispiel an der gewaltigen Scheuerleiste, die rund um die Schläuche verläuft. Das ist nicht unbedingt so elegant wie Luxus-RIBs vom Schlage der Technohull SV 909, aber äußerst praktisch, denn Schäden durch Rempeleien sind auch ohne Fender weder am eigenen Boot, noch am Kontrahenten zu befürchteten. Schlimmstenfalls dürfte der Gummiabrieb eine Markierung hinterlassen, die sich leicht entfernen lässt. Ebenso auffällig sind die großen Gummigriffe, die strategisch an wichtigen Stellen angebracht sind, sowie Halteseile und zusätzlich aufgeklebte Tritt- oder Sitzflächen auf der Oberseite der Schläuche. Wer an Bord kommt, hat sofort das Gefühl, auf einem äußerst robusten schwimmenden Untersatz zu sein, ein Eindruck der sich auch in den Details bestätigt, wie beispielsweise an der rutschfesten Beschichtung der Trittflächen. Alles außer zwei Lukendeckeln ist aus Aluminium gefertigt.

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Ordnungshüter: Kabel und Schläuche werden unter dem Boden geführt und treten achtern durch einen Plastikstutzen aus. Nicht sonderlich elegant, aber effektiv. Links im Bild der Treibstoffilter. Foto: boats.com/Wanke



Auffällig im positiven Sinne sind die sauberen Schweißnähte. Der Charakter des nüchternen Arbeitsbootes zeigt sich auch darin, dass Sonnenliegen, Sitzgruppen, Tische und dergleichen in der Grundausstattung nicht angeboten werden, wobei aber eine Heckbank für drei Personen und ein Tisch zu den Optionen gehören. Abgesehen vom Stehsitz des Fahrers, einem Sitz vor der Konsole und einem Sitzpolster im Bug für ein bis zwei Personen muss die Mehrzahl der offiziell zum Transport zugelassenen 12 Personen auf den Schläuchen Platz nehmen, wo sie sich an stabilen Leinen auf der Ober- und Innenseite festhalten können. Im Bug ist eine ebenfalls aus Aluminium gefertigte Trittfläche vorhanden, die über eine integrierte Klampe und einen Ankerbeschlag mit Bugrolle verfügt. Die Staufächer für Grundeisen, Leine und weiteres Zubehör im Bug sind Bestandteil der Alu-Konstruktion, die auch das vordere Sitzpolster trägt.

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Stauraum: Im Ankerkasten lassen sich neben Grundeisen und Trosse auch Fender und anderes Zubehör unterbringen. Die vorderen Hebeösen an den Seiten ragen leicht aus dem Cockpitboden. Foto: boats.com/Wanke



Hier fallen auch zwei eingeschweißte Hebeösen auf, die durch zwei weitere im Bereich des Heckspiegels ergänzt werden und beim Kranen zum Einsatz kommen. Auch auf die Schleppösen im Bug wurden nicht vergessen. Ebenfalls aus Aluminium sind die Steuerkonsole und Unterbau für den Stehsitz des Fahrers. In beiden Konstrukten gibt es zusätzlichen Stauraum, der durch Kunststoffluken zugänglich ist. Am Steuerstand ist eine hohe Windschutzscheibe montiert, die durch einen sehr soliden umlaufenden Haltebügel eingerahmt wird und auch am Stehsitz gibt es einen umlaufenden Handlauf. Am optionalen Geräteträger im Heck des Testbootes befinden sich die Navigationsbeleuchtung und zwei seitliche Klampen. Zu den weiteren Extras, die erhältlich sind, gehören auch ein T-Top, ein Jockey-Sitz und eine Abdeckplane.

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Nüchtern: Arbeitsplatz an der Mittelkonsole aus Alu hinter einer kleinen Windschutzscheibe mit stabilem Handlauf. Foto: boasts.com/Wanke


Moderate Power, stattliche Reichweite


Motorisierbar ist die Highfield OM 540 mit Außenbordern bis 85,7 kW (115 PS) und XL-Schaft. Der Hersteller empfiehlt eine Motorleistung von 73,6 kW (100 PS). Am Testboot war ein Yamaha F70AETX EFI angeflanscht, der durch einen Einliter-Vierzylinder-Reihenviertakter mit nur 121 Kilogramm der leichteste Vertreter seiner Leistungsklasse ist. Mit der montierten 70-PS-Maschine war nach sechs Sekunden eine stabile Gleitfahrt bei 3500 Umdrehungen und 13,3 Knoten erreicht. Nach insgesamt 15 Sekunden lag dann bei 5200 Touren mit 22,3 Knoten die Höchstgeschwindigkeit an, wobei die Drehzahl knapp unter dem vom Hersteller angegebenen Drehzahlband von 5300 bis 6300 Umdrehungen lag. Das lag an der Propellerabstimmung des Testbootes, das auf dem Bodensee zuhause ist und auf möglichst niedrige Drehzahl bzw Verbrauchsoptimierung ausgelegt wurde

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Bodenseegerecht: Ein Yamaha.Außenborder mit nur 70 PS war am Testboot installiert, genug für zufriedenstellende Fahrleistungen und sparsamen Verbrauch. Wer mehr will, kann bis 150 PS aufrüsten. Foto: boats.com/Wanke



Die maximal zulässige Höchstgeschwindigkeit auf dem Gewässer von 40 Stundenkilometern wird so auch kaum überschritten. Andere Propeller würden zu einer höheren Spitzengeschwindigkeit aber auch zu einem Mehrverbrauch führen. Eine sensible Reisegeschwindigkeit wurde von uns bei 19,3 Knoten ermittelt, bei einer Drehzahl von 4500 Umdrehungen. Dabei genehmigt sich das Triebwerk stündlich 14,1 Liter aus dem 105-Liter-Einbautank. Abzüglich einer Reserve von 15 Prozent sind so also sehr anständige Reichweiten von 122 Seemeilen möglich. Dass der getestete Antrieb nicht unbedingt fürs Bolzen gedacht ist, zeigte sich beim Fahren von Vollkreisen, wobei die Drehzahl sofort auf 3500 Touren sank. Die Kehrtwende wird mit einem Durchmesser von gut zwei Bootslängen gemeistert, beim langsamen Manövrieren geht es mit 1,5 Bootslängen natürlich auch deutlich enger. Die Reaktion beim Umsteuern tritt mit nur zwei Sekunden Verzögerung ein. Wellen und die zügige Kurvenfahrt meistert die Highfield OM 540 dank ihrer Aufkimmung von 24 Grad mit Bravour.

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Kurvenkönig: Das Highfield-RIB kam dank seines stark aufgekimmten Alurumpfes mit Kurven und Wellengang bestens klar. Foto: boats.com/Wanke


Solide, günstig, gut


Bei der Highfield OM 540 handelt es sich um ein sorgfältig konstruiertes und durchdachtes Festrumpfschlauchboot, das durch seine Aluminium-Rumpfkonstruktion und die Hypalon-Schläuche extrem robust und langlebig sein dürfte. Der Grundpreis des Bootes in der Hypalon-Version liegt bei 15.380 Euro, die PVC-Variante ist für gut 2.000 Euro weniger zu haben. Der montierte Yamaha F70AETX EFI schlägt mit 11.195 Euro zu Buche. Wenn Fahrspaß eine Rolle spielt oder als Revier auch die Küste infrage kommt, dürfte die Werksempfehlung der Motorisierung mit 73,6 kW (100 PS) aber die bessere Wahl darstellen, falls man nicht gleich zur Spitzenleistung greifen möchte. Dank niedrigem Gewicht lässt sich das Boot leicht auf einem Trailer zum Einsatzort der Wahl befördern.

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Plastikdeckel: Im Gegensatz zu reinen Spaßbooten ist auf der Highfield OM 540 Plastik Mangelware. DerLukendeckel zum Stauraum unter dem Stehsitz am Steuerstand ist dabei eine Ausnahme. Foto: boats.com/Wanke.


Technische Daten Highfield OM 540 Hypalon


Länge: 5,40 m
Breite: 2,38 m
Tiefgang: keine Angabe
Leergewicht: 425 kg (ohne Motor)
Baumaterial: Aluminium/Hypalon
CE-Kategorie: C
Personenzahl: 12
Schlauchdurchmesser: 0,52 cm
Luftkammern: 6
Brennstofftank: 105 l
Motorisierung: Außenborder mit einer Leistung bis 85,7 kW (115 PS)
Grundpreis ohne Motor: 15.380 Euro
Preis Testmotorisierung: Yamaha F70AETX EFI mit 51,5 kW (70 PS): 11.195 Euro
Screen Shot 2017-10-31 at 18.27.37Messung mit Yamaha F70AETX EFI, Leistung 51,5 kW (70 PS)
Revier: Bodensee bei Friedrichshafen, Besatzung: 3 Personen, Wasser 20 °C, Luft 20 °C, Wind 0-1 Bft., See: 0, Tank: 59 l, (56%)

Generalimporteur


Wassersport Keckeis GmbH
Hohenkräher Brühl 7
78259 Mühlhausen-Ehingen

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