Wer im Yachtgeschäft Erfolg haben will, muss auf Kundenwünsche eingehen. Das gilt für kleine Spezialkonstruktionen genauso wie für Serienprodukte, die von Großwerften wie Jeanneau stammen, wo man es vortrefflich versteht, die Präferenzen einer diversen Klientele auf einen Nenner zu bringen. Dabei profitierte die Marke von globaler Popularität, die half, die gröbsten Probleme der Rezession und Finanzkrise zu mildern und dennoch neue Märkte zu erschließen beziehungsweise ständig neue Modelle vorzustellen. Dieser Politik liegt eine solide Entwicklungsarbeit mit den beiden Konstrukteuren Philippe Briand und Marc Lombard zugrunde, die moderne und leistungsfähigen Rümpfe zeichnen, die gleich mehrere Modellzyklen überdauern.

Auch mit Bugspriet und Gennaker zu haben: Die überarbeitete 42-Fuß Sun Odyssey, die nun mit dem Kürzel 419 versehen ist

Mit Bugspriet und Gennaker zu haben: Die überarbeitete 42-Fuß Sun Odyssey, die nun mit dem Kürzel 419 versehen ist



Im Jahr 2015 hat Jeanneau eine Modellaktualisierung im mittleren Größensegment gestartet und dabei neue Typenbezeichnung für eine Reihe von bekannten Booten eingeführt: Aus der Sun Odyssey 379 wurde beispielsweise die 389, die 439 wurde zur 449, aus der 469 wurde die 479 und aus der 509 die 519. Und die von uns getestete Sun Odyssey 419 war zuvor die Sun Odyssey 409. Aber mit neuen Nummern alleine war's natürlich nicht getan, denn auf allen Booten finden sich zahlreiche Neuerungen, die dem Trend entsprechen und dabei den praktischen Nutzwert erhöhen. Geblieben sind hingegen die leichte Handhabung und die Veranlagung für den Betrieb mit kleiner Mannschaft, wie es heute generell bei modernen Fahrtenyachten gebräuchlich ist.

Gut betucht: Mit Lattengroß und 106-Prozent-Genua segelt die SO 419 hoch am Wind.

Gut betucht: Mit Lattengroß und 106-Prozent-Genua segelt die SO 419 hoch am Wind.



Die Läge der 419 ist mit 12,76 Metern ein wenig jenseits dessen, was man als ideal für Einsteiger bezeichnen würde. Die Yacht ist daher wohl eher für Segler geeignet, die schon etwas Erfahrung besitzen und klare Vorstellungen davon haben, wie sie so ein Boot nutzen wollen. Ohne dabei spezifisch auf Performance ausgelegt zu sein, bestätigte unser Test dass die 419 zum Beispiel Leute befriedigen dürfte, die einerseits ansprechenden Segelleistungen erwarten, andererseits aber auch Komfort und Erholung unter Deck.

Aufgeräumt und durchdacht


An Deck hilft die unbeeinträchtige Sicht nach vorne der Crew, das Geschehen im Umfeld im Blick zu behalten. Die durchdachte Beschlagsanordnung erleichtert die Bedienung der Schoten und Kontrollleinen von den beiden Steuerständen aus. Eines der herausragenden Merkmale der Yacht ist aber am achterlichsten Punkt zu finden: die nun viel größere absenkbare Schwimmplattform, die serienmäßig ist und nicht nur den Zugang zum Wasser ebnet, sondern auch eine Art “Privatstrand” bietet, den man beim Ankern in einer Bucht vortrefflich genießen kann, so eigentlich, wie man es sonst nur auf deutlich größeren Schiffen geboten bekommt.

Supersized: Die Badeplattform ist auf der 419 gegenüber dem Vorgängermodell deutlich größer Foto: Diego Yriarte

Supersized: Die Badeplattform ist auf der 419 gegenüber dem Vorgängermodell deutlich größer Foto: Diego Yriarte



Das Cockpit darf als komfortabel bezeichnet werden, wobei die beiden Steuerstände es dem Rudergänger ermöglichen, das Schiff von verschiedensten Positionen zu führen. Praktisch dabei auch die Zusammenfassung der Anzeige aller wichtigen Schiffsdaten auf einem Schirm, der am achteren Ende des Cockpittisches montiert ist. Das funktioniert gut, weil sich der Schirm drehen lässt, um gute Lesbarkeit aus verschiedenen Blickwinkeln zu gewährleisten.Auch der Kajütniedergang wurde wie auf allen erneuerten Modellen, mit seegerechten und trittsicheren Stufen komfortabel gestaltet, wofür die L-förmige Galley ideal ist, denn sie stört den Bewegungsablauf beim Hinabsteigen in den Salon nicht.

Starke Stufen: Der Kajütabgang und die Trittflächen wurden neu gestaltet.

Starke Stufen: Der Kajütabgang und die Trittflächen wurden neu gestaltet.


Unter Deck: Zwei oder drei Kajüten


Unter Deck kann der Kunde entweder ein Zwei- oder Dreikajütenlayout wählen, mit einem oder zwei Nassräumen. Bei unserem Test haben wir die Charterversion mit drei Kabinen gesegelt, in der zwei Doppelkammern im Heck installiert sind und der Nassraum mit Dusche und WC an Backbord, gegenüber der Galley, gleich neben dem Niedergang, wo man auch sein nasses Segelzeug aufhängen kann, wenn man auf Freiwache geht. Ebenfalls an Backbord befindet sich die Navi-Ecke, eigentlich nicht mehr als ein kleiner Kartentisch, der auch ganz verschwinden könnte, weil immer mehr Segler Tablet Computer oder andere Geräte zur Kurs- und Standortbestimmung einsetzen.

Klapptisch: Die navi gegenüber der Dinette wird nur bei Bedarf in die Waagrechte gebracht

Klapptisch: Die Navi gegenüber der Dinette wird nur bei Bedarf in die Waagrechte gebracht



Die Dinette mit dem U-Sofa kann mithilfe des absenkbaren Tisches zu einer Doppelkoje konvertiert werden und vorne im Bug befindet sich die helle und luftige Eignersuite mit eigenem Nassraum. Versteckt eingebaute LED-Leuchten sorgen nun bei Dunkelheit mit indirekter Ausleuchtung für ein angenehmeres Ambiente unter Deck. Außerdem bietet Jeanneau nun für die gesamte Sun-Odyssey-Linie eine größere Auswahl an Polsterungen und Furnierarten.

Eigners Reich: Bugkajüte der SO 419

Eigners Reich: Die helle Bugkajüte der SO 419


Leichtfüßig und gut betucht


Unter Segel fühlt sich die SO 419 wie ein viel leichteres Boot an, und das bei Winden, die beim Test gerade mal 8 Knoten erreichten, keine schlechte Bilanz für eine Fahrtenyacht. Der Segelplan des Testbootes bestand aus einem durchgelatteten Großsegel mit Lazyjack-System zum leichteren Bergen und Reffen und einer kleinen 106-Prozent-Genua mit der Option, einen Code Zero am fix installierten und aufpreispflichtigen Bugspriet anzuschlagen, um die Segelleistung raumschots zu optimieren. Der Rüssel dient zudem auch als praktische Ankerhalterung und als Trittstufe, wenn das Schiff über den Bug betreten werden soll.

Buntes Tuch: Auch konventionell angeschlagene Raumwindsegel sind möglich.

Buntes Tuch: Auch konventionell angeschlagene Raumwindsegel sind möglich.



Wie viele andere Hersteller, hat sich Jeanneau auch für die verdeckte Führung der Kontrollleinen entschieden, womit das Deck zwar sehr sauber wirkt, aber durch die mehrfachen Umlenkungen auch mehr Reibung bei der Bedienung auftritt, was mehr Muskelkraft erfordert und bei manchen Manövern hinderlich sein kann. Besonders gilt dies für den Traveler am Kajütdach, wo er zwar gut aufgehoben ist, doch auch die Großschotführung im Stil der deutschen Cupper nötig macht. Damit kann das Groß, so wie auch die Genua achtern von beiden Steuerständen aus getrimmt werden. Dies begünstigt auch das Lenken vom leewärtigen Rad, wobei der Gashebel für die Hilfsmaschine an Steuerbord angebracht ist.

Sauber gelöst: Schwenkbarer Multifunktionsbildschirm am Cockpittisch. Foto:  Diego Yriarte

Sauber gelöst: Schwenkbarer Multifunktionsbildschirm am Cockpittisch. Foto: Diego Yriarte



Apropos Maschine: Der Standardmotor der Sun Oyssey 419 ist ein Yanmar 3JH5-CE mit 29.4 KW (40 PS) Leistung und einem Sail-Drive-Antrieb, der beim Test für eine Marschfahrt von etwa 6 Knoten sorgte und das etwa acht Tonnen schwere Boot bei Vollast mit 8,2 Knoten voran brachte.

Es stimmt schon, die aufgefrischte Jeanneau Sun Odyssey 419 verführt noch immer mit ihrem Aussehen, das geprägt wird von harten Kimmkanten und neuerdings auch einem Bugspriet. All das verleitet beinahe zur Annahme, man habe ein Performanceboot vor sich, doch ihre allererste Berufung der SO 419 ist zügiges Vorankommen beim Fahrtensegeln. Das bedeutet aber keinesfalls, das man damit beim Wettsegeln nicht auch gut abschneiden könnte. Und mit einem Grundpreis von 185.000 Euro inklusive Mehrwertsteuer liegt diese Yacht auch preislich gut im Rennen.

Spezifikationen Jeanneau Sun Odyssey 419
LüA: 12,76 m
Breite:: 3,99 m
Tiefg. (std. /flach) 2,10m/1.55 m
Verdr.,: 7,9 t
Segelfl.: 89,6 qm (am Wind), 161.5 qm (raumschots)
Wasser: 330 l
Treibst.: 200 l
Motorisierung: Yanmar 29,4 KW (40 PS) Saildrive
Design: Philippe Briand
CE-Kategorie: A
Preis inkl 19% MwSt.: 185 520 Euro

 

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