Die neue Lagoon Seventy 7, alle ihre 23,28 Meter, wirkten wie ein riesengroßer Magnet auf den Bootsmessen, auf denen sie ihre ersten öffentlichen Auftritte absolvierte. Lange Warteschlangen von Menschen, die sich dieses riesige Biest mal ansehen wollten, auch wenn es nur ganz wenigen von ihnen vorbehalten sein wird, so ein Schiff mit Mannschaft zu chartern, bzw. ihr Eigen zu nennen. Wer also nicht zu dem illustren Kreis zählt, könnte sich mit der Lagoon 42 befassen, die mit 12,80 Metern Länge etwas mehr als halb so groß ist. Konstruiert wurde das neue Riesenschiff, das die Lagoon 620 als Flaggschiff der Marke ablöst, so wie die 42er von den Fachleuten des Büros Marc Van Peteghem und Vincent Lauriot-Prévost (VPLP). Das Elegante Interieur stammt von Massimo Gino der bekannten italienischen Firma Nauta Design, für das Styling und die Linien war Patrick Le Quement verantwortlich. Gebaut wird der Riesenkat bei CNB in Bordeaux, das ist die Werft für Luxusyachten des Marktführers Groupe Beneteau.

Ohne Gleichen: Lagoons neues Flaggschiff Seventy7 eröffnet neue Dimensionen für Fahrtenkats

Ohne Gleichen: Lagoons neues Flaggschiff Seventy 7 eröffnet neue Dimensionen für Fahrtenkats


Neue Dimensionen


Der 36-Meter-Kohlefasermast (!) mit drei Salingspaaren stützt 335 Quadratmeter Amwind-Segelfläche, mit optionaler Genua und Squaretop-Großsegel. Es stehen drei verschiedene Vorsegel zur Wahl, die allesamt über hydraulischen Rollanlagen bedient werden. Dennoch rechnet der Hersteller damit, dass diese Yacht, egal ob als Eigner- oder Charterschiff, stets von einer professionellen Crew bewegt wird. Mit einer Verdrängung (ohne Zuladung) von knapp 57 Tonnen hat das Boot natürlich gut Masse. Die Tankkapazitäten von 1600 Litern Wasser und 2800 Litern Treibstoff sprengen dabei ebenfalls die gewohnten Dimensionen. Der Standard-Antrieb besteht aus zwei 180-PS Volvo-Penta-Dieselmotoren, wobei der von uns besichtigte Boot  mit der Rumpf Nr. 1 mit der stärkeren Option von zwei 230-PS John-Deere-Maschinen ausgestattet war. Die mittlere Reisegeschwindigkeit beträgt dabei 9,2 Knoten, doch unter Segeln geht's flotter, denn da schaffte dieser Riesenschlitten bei 5 Windstärken so um die 12 Knoten auf einem Raumschotkurs.

Die Deckdimensionen gleichen denen eines Tennisplatzes, doch dies passt zu den Proportionen dieser Yacht. Zwischen den beiden Heckpartien kann man auf Wunsch eine Schwimmplattform installieren, die sich hydraulisch bis unter die Wasseroberfläche absenken lässt, entweder als eine Art Teakstrand zum Badevergnügen, oder um das Beiboot flugs an Bord zu nehmen. Alternativ kann man auch die Badeleitern am Heck benützen und dann über die vier breiten Stufen die über das Heck hinauf führen. Im 40 Quadratmeter großen Cockpit finden sich Sitzgelegenheiten für 20 Gäste, entweder auf Lehnstählen oder an der Dinette an Steuerbord. Eine elegante Wendeltreppe auf der Backbordseite führt auf die Flybridge.

Mehrgeschossig: Vom absenkbaren  "Badestrand" zwischen den Rümpfen bis zur Flybridge sind einige Stufen zu klettern.

Mehrgeschossig: Vom absenkbaren "Badestrand" zwischen den Rümpfen bis zur Flybridge sind einige Stufen zu klettern.



Die Seitendecks sind breit und weisen zahlreiche bündig eingelassene Luken auf. Generell gibt es auf dem Weg vom Bug zum heck keinerlei Stolperfallen, doch beim Entlanggehen fällt auf, dass das Dach des Deckshauses einen Erwachsenen überragt. Mit zwei L-förmigen Sitzecken dürfte das vordere Cockpit der coolste (und schattigste) Ort sein, an dem sich die Sundowner genießen lassen wenn die Seventy 7 am Anker im Passat schwojt. Von dort geht es über zwei Trittstufen hinauf zur Ebene des Hauptdecks auf der sich die offene Ankerwinde befindet die von zwei Stauräumen flankiert ist. Das Trampolin zwischen den Rümpfen, das durch einen Steg getrennt ist, auf dem die Rollreffanlagen montiert sind, ist auch kein schlechter Platz zum Chillen und um ein Sonnenbad zu nehmen.

Der dritte Bereich für geselliges Beisammensein ist die Flybridge hoch über dem Wasser, deren achtere Lounge von einem GFK-Hardtop geschützt ist. Auf der allerersten Seventy 7, die uns zum Test zur Verfügung gestanden war, gab es in dieser Lounge, frei konfigurierbare Sitzgelegenheiten, die aus diesem Grund auch nicht verankert waren, ganz so, wie man es nun auch auf Superyachten sieht. Eigner können diesen Bereich ganz nach ihren Wünschen gestalten lassen, von völlig offen bis zur riesigen Sonnenliege, die sich über die gesamte Breite der Brücke erstreckt oder Couch, und zwei Sonnenliegen mit Whirlpool dazwischen. Auch eine Open-Air Galley zur raschen Versorgung der Crew und der Gäste wäre heir machbar, wodurch sich die Anzahl der langen Fußwege hinunter in die Hauptgalley im Backbordrumpf stark minimieren ließe.

Alles riesig: Das Cockpit bietet 20 Gästen Platz und die Seitendecks sind breit und frei von Stolperfallen

Alles riesig: Das Cockpit bietet 20 Gästen Platz und die Seitendecks sind breit und frei von Stolperfallen



Die beiden Steuerstände sind etwas abgesetzt im vorderen Bereich, den man als Arbeitscockpit bezeichnen könnte. Ein bisschen erinnern diese Konsolen an Superyachten, die hier etwas vor dem Hardtop installiert sind, aus gutem Grund, denn so kann die Crew den Trimm der Segel jederzeit kontrollieren und behält dabei auch beide Büge im Blickfeld. Fünf Harkenwinschen und einige Batterien von Hebelklemmen stehen für den Trimm der Kontrolleinen zur Verfügung, die alle hier im zentralen Bereich der Flybridge enden. Die Trimmer haben bei der Arbeit genügend Ellbogenfreiheit, sodass sie dem Steuermann dabei nie in die Quere kommen.

Neuer Masstab unter Deck


Auf dieser Yacht gibt es an Deck so viel Platz, dass man leicht vergisst, da auch noch rein zu gehen, doch das ist natürlich ein absolutes Muss. Eine riesige verspiegelte Glasschiebetür öffnet sich elektrisch, um den Zugang zu dem riesigen fast höhlenhaften Interieur frei zu geben, das auf derselben Ebene befindet wie das Cockpit. An Backbord gibt es eine Dinette für acht Gäste. Gegenüber gibt es eine Couch, die rund um einen Kaffeetisch angeordnet ist. Mitten drin, also rund um den Mast, befindet sich die Bordbar, an der sich Cocktails mixen lassen. Vorne an Backbord dann der Innensteuerstand mit zwei B&G Multifunktionsschirmen und den vertikalen Außenfenstern, einem Markenzeichen von Lagoon.

Decksalon der Sonderklasse: Zahlreiche Aufenthaltsbereiche und eine Bar gruppieren sich um den zentral stehenden Mast

Decksalon der Sonderklasse: Zahlreiche Aufenthaltsbereiche und eine Bar gruppieren sich um den zentral stehenden Mast



Gegenüber, also an Steuerbord ist der speziell dem Eigner vorbehaltene "Privatsalon". Es stimmt, man kommt von dort sowohl in die Mastersuite unten auch in das vordere Cockpit, doch ansonsten ist dieser Bereich nicht unbedingt vom Hauptsalon abgetrennt, weshalb das Konzept eines Privatbereichs hier ein wenig irreführend scheint. Man könnte es auch einen Ausweichsalon für sechs Gäste bezeichnen.

Auf Rumpf Nummer 1 waren die dominanten Farben des Dekors braun, grau und gedämpfte Beigetöne, die eine elegantes, unaufdringliches Interieur schufen. Handläufe haben zwar Seltenheitswert, doch man könnte auch argumentieren, dass dies kaum ein Problem darstellt, denn dieses Boot wird wohl nie einen Rumpf aus dem Wasser heben oder auch nur on die Nähe davon kommen. Aufpassen sollte man aber bei der Beschaffenheit des Kajütbodens. Dre graue Eichen-Wenge-Boden war selbst in trockenem Zustand sehr schlüpfrig, sodass einige barfuß gehende Besucher sogar am ruhenden Schiff das am Steiger im Hafen festgemacht hatte, zu rutschen begannen. Die nächste Ebene darunter kann wieder nach Herzenslust des jeweiligen Eigners gestaltet werden, wie es halt so üblich ist auf einer Semi-Custom-Yacht, mit 3, 4 oder 5 Kabinen und Mannschaftslogis.

Eine der möglichen Layoutkonfigurationen mit vier Kajüten

Eine der möglichen Layoutkonfigurationen mit vier Kajüten



Die Kabinen im Backbordrumpf können auf Wunsch auch als Massagestudio, Spielzimmer, Unterhaltungs- oder Konferrenzzimmer eingerichtet werden. Wer dies nicht möchte, bekommt eine Galley, die entweder weiter vorne oder achtern an der Backbordseite installiert werden kann, die mit 20 Quadratmetern mehr Fläche bietet als so manche Küche in einer Stadtwohnung und mit Haushaltsgeräten in voller Größe und einer Dinette ausgestattet ist. Auch ein direkter Zugang zur Crewunterkunft ist vorhanden.

Die Eignersuite vorne im Steuerbordrumpf ist dann das Sahnehäubchen. Über sieben Treppenstufen geht es hinab in die opulenten Gemächer mit einem King-Size-Bett, einem begehbaren Schrank, einem Schreibtisch, einem Sofa, einem riesigen Bad und einem Doppelten Waschtisch mit zwei Waschbecken. Alles in allem sind in diesem Bereich sage und schreibe 35 Quadratmeter Fläche dem Komfort gewidmet, den man in so manchem Nobelhotel vergeblich suchen dürfte. Doch damit nicht genug. Das Detail, das die meisten Messebesucher anlockte, war die Privatveranda, die außen an der Eignersuite abgeklappt werden kann. Das ist zwar nur eine Option, die, wenn nicht gewünscht, innen Platz für ein größeres Sofa ließe, doch mal ganz im Ernst, wer würde dafür auf so einen Privatbalkon verzichten wollen? Und so funktioniert's: ein in der Bordwand verstecktes hydraulisches Tor wird abgesenkt, womit sich nicht nur eine unschlagbare Meersicht auftut, sondern auch ein Privatstrand aus Teak für die Bewohner der Suite geschaffen wird.

Die Lagonn Seventy 7 ist um sagenhafte 15 Fuß länger als das bisherige Flaggschiff, die Lagoon 620. Doch die exponentiell gewachsene Größe alleine erzählt nicht die ganze Geschichte, denn diese Yacht bewegt sich auch von der Ausstattung her auf einem ganz anderen Niveau. Gemessen daran darf der Preiszettel von gut 4 Millionen Euro nicht überraschen.

Geht auch mit Gennaker: Gigantische Dimensionen auch bei der Segelfläche.

Geht auch mit Spi: Gigantische Dimensionen auch bei der Segelfläche. Fast 460 Quadratmeter soll das asymmetrische Raumschotsegel messen


Spezifikationen Lagoon Seventy 7


Lüa:23.28 m
LWL: 22.60 m
Breite: 11.00 m
Masthöhe: 36.60 m
Tiefg.: 1.90 m
Verdr. ( unbeladen): 56.8 t
Squaretop Groß (auf Wunsch): 205 m²
Genua (auf Wunsch): 130.4 m²
Stagsegel (auf Wunsch): 81 m²
Code 0 (auf Wunsch): 208 m²
Asymmetric spinnaker (auf Wunsch): 458 m²
Trinkwasserkapazität: 2 x 800 l
Abwassertank: 2 x 300 l
Treibst.: 2 x 1400 l
Motorisierung: Volvo D4-180 PS oder John Deere N5-230 PS
Konstrukteure: VPLP
Design: Patrick Le Quément
Innendesign; Nauta Design
CE-Kategorien: A: 14 - B: 18 - C: 24 - D: 40

 

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