Das Design kommt aus dem Hause der Konstrukteure bei Botin Partners. Die Spanier in Santander sind unter anderem für ihre schnellen Entwürfe in der TP52-Klasse bekannt und haben jetzt für den US_Hersteller Melges Performance Sailboats einen Racer mit einem Neigekiel (Canting-Keel) gezeichnet. Damit wollen die Amerikaner ihre Stellung als führender Hersteller von Sportbooten weiter untermauern.

Im 21. jahrhundert angekommen: Die melges 40 mit Neigekiel, Steckschwert und Doppelruder

Im 21. Jahrhundert angekommen: Die Melges 40 mit Neigekiel, Steckschwert und Doppelruder



Die neue Melges 40 hat zwei Ruderblätter sowie ein zusätzliches Steckschwert vor dem Mast – dies, um bei hochgeschwenktem Kiel noch effiziente Lateralfläche am Wind zu haben. Der schlanke T-Kiel mit einer 1,1 Tonnen schweren Bleibombe reicht bis in eine Tiefe von 3,20 Metern und kommt mit einem schwenkbaren Ballastanteil von nur 1100 Kilogramm aus. Die Flosse kann von einer Hydraulik bis 45 Grad seitlich hochgefahren werden, die Neigung soll elektrisch stufenlos verstellbar sein.

Das große Cockpit ist kompromisslos auf die schnellen Manöver einer eingespielten Regatta-Crew ausgerichtet. Ein weit achtern stehender Grinder sorgt für den kraftvollen Einsatz der insgesamt sechs Schotwinschen an Deck. Der 200 Quadratmeter große Gennaker wird aus einem Launcher im Vordeck gesetzt und darin auch wieder geborgen. Der Bugspriet ist ausfahrbar und wird am Wind komplett eingezogen. Auffällig ist das weit hinten stehende Kohlefaser-Rigg, ähnlich wie bei den Volvo-Ocean-Racern der jüngsten Generation. Am Wind wird die Melges 40 nicht weniger als 121 Quadratmeter Segelfläche haben. Bei einem Gesamtgewicht von nur 3,25 Tonnen (segelfertig) entspricht dies einer unglaublichen Segeltragezahl von 7,5.

Schon bei wenig flott: Bei 10 Knoten wahrem Wind soll die Melges 40 bergauf fast 8 Knoten Speed machen.

Schon bei wenig ziemlich flott: Bei 10 Knoten wahrem Wind soll die Melges 40 bergauf fast 8 Knoten Speed machen.



Die Hightech-Schmiede von Premiere Composites Technologies (PCT) in Dubai wird die Melges 40 für die Amerikaner bauen, komplett als Kohlefaser-Sandwich-Konstruktion im Vakuum-Infusionsverfahren und mit Expoxidharz. PCT verfügt für den Formenbau über einen hauseigenen Fünf-Achs-Fräsroboter und gilt als einer der führenden Hersteller von exklusiven Kohlefaser-Konstruktionen, nicht nur im Segelsport.

Das Konzept der Melges 40 kennt keine Kompromisse. Das Boot soll ultimativ als Einheitsklasse für Up-and-Down-Kurse sowie für kurze Inshore-Rennen aufgebaut werden. Optionen oder Varianten gibt es also keine; und auch unter Deck ist und bleibt das Boot leer. Das errechnete Potenzial ist gewaltig: Die Konstrukteure bei Botin Partners haben für 10 Knoten wahren Wind eine Upwind-Performance von 7,9 Knoten errechnet. Unter Gennaker soll die Melges 40 bei gleich viel Wind schon knapp 10 Knoten schnell sein.

Die erste Melges 40 soll im August 2016 die Hallen von PCT in Dubai verlassen und dann am Mittelmeer ausgiebig von einer Werftcrew getestet werden. Bereits für 2017 soll für die neue Einheitsklasse eine Regatta-Serie etabliert werden. Bis zum nächsten Frühjahr – so der Plan – werden bereits zehn Einheiten der Melges 40 segeln. Die Amerikaner in Zenda haben auch schon eine erste Preisvorstellung: Das Boot kostet ab Werft in den USA 650.000 US-Dollar. Nach aktuellem Umrechnungskurs sind dies 574.600 Euro netto, 683.770 Euro brutto. Allerdings sind dabei die Segel noch nicht mitgerechnet.

Kompromisslos: 200 Quadratmeter Gennaker und nur 3,5 Tonnen Verdrängung versprechen jede Menge Glitsch.

Kompromisslos: 200 Quadratmeter Gennaker und nur 3,5 Tonnen Verdrängung versprechen jede Menge Glitsch.



Melges Performance Sailboats will Eignern auf Wunsch zudem ein professionelles und individuelles Regatta-Management anbieten. Dabei wird sich ein erfahrenes Shore-Team um die Wartung und Instandhaltung des Bootes, um Überführungen und Transporte sowie um logistische Angelegenheiten wie Reisen oder Unterkunft für die Mannschaft kümmern.

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Technische Spezifikationen Melges 40
Lüa (Rumpflänge): 11,99 m
LWL (Länge Wasserlinie): 11,10 m
Breite: 3,53 m
Gesamtgewicht segelfertig: 3,25 t
Tiefgang: 3,20 m
Ballast/-anteil: 1,1 t / 34 %
Einbaumaschine: 20 PS / Saildrive
Großsegel: 72,0 qm
Genua (103%): 49,0 qm
Gennaker: 200,0 qm
Konstrukteur: Botin Partner Naval Architecture

 

Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung der AYacht logo Europas größtem Segelmagazin

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