Schlauchboote gibt's wie Sand am Meer, doch nur wer genau hinguckt, wird die zum Teil deutlichen Unterschiede erkennen. Deshalb ein paar generelle Ratschläge zu Schlauchbooten, die vom aufblasbaren Kinderspielzeug bis zum hochseetauglichen Festrumpfboot reichen. Dabei steht das Kürzel RIB für Rigid Inflatable Boat, das auf einem soliden gebauten GFK- oder Alurumpf unterwegs ist und bei dem die Lufttschläuche nur noch bei starker Kurvenfahrt ins Wasser eintauchen. Ähnlich ist es mit dem Preisgefüge, das reicht von zweistelligen Eurobeträgen für Badeboote bis zu sechsstelligen Summen für große RIBs, die mit starken Motoren (z.B. mehreren Außenbordern oder einem Innenborder) und sogar oder Kabinen ausgestattet sein können. Grundsätzlich gilt: Je größer das Boot, desto komfortabler ist es und je stabiler der Boden, desto stabiler das Boot und desto besser die Fahreigenschaften.

Kleines Gefährt, viel Spaß: Mercury 320 Sport Enduro. Foto: Dieter Wanke

Kleines Gefährt, viel Spaß: Mercury 320 Sport Enduro. Foto: Dieter Wanke


Kompaktes Fahrzeug


Dabei sind schon einfache Schlauchboote mit aufblasbarem Boden motorisierbar, wobei man aber sehr bald an Grenzen stößt. Deutlich anspruchsvollere Erwartungen darf man an Boote mit festem Heckspiegel und Bodenplatten aus Kunststoff, Holz oder Aluminium stellen, die für deutlich bessere Stabilität sorgen und auch mehr PS vertragen. Da alles zerlegbar ist, sind solche Boote noch sehr gut zu verstauen und transportieren, wenn die Luft raus ist. Die kleinsten Exemplare sind gerade mal zwei Meter lang, und dienen meist als Dingi, um bei größeren Yachten vom Ankerplatz an Land zu kommen. Besonders schnell und komfortabel ist die Fahrt damit aber nicht. Wer hohen Wert auf Komfort legt, muss größere Boote in Betracht ziehen, die aber dann deutlich weniger kompakt sind und damit auch weniger portabel. Ab etwa fünf Metern Länge ist der nächste Komfort- und Performancelevel erreicht, doch dann wird der Transport per Trailer nötig, vor allem bei den schwereren Festrumpfschlauchbooten, die oft schwere und permanent montierten Motoren ausweisen.

Keine Yacht, sondern ein kostengünstiges Einstiegspaket mit serienmäßigen Paddeln. Foto: Dieter Wanke

Keine Yacht, sondern ein kostengünstiges Einstiegspaket mit serienmäßigen Paddeln. Foto: Dieter Wanke


Schein muss nicht sein


Das Boot eignet sich grundsätzlich zur Montage von Kurzschaft-Außenbordern. Der Hersteller empfiehlt eine Motorisierung ab 5,88 kW (8 PS). Maximal sind Motoren mit bis zu 14,71 kW ( 20 PS) zugelassen, die höchstens 60 Kilogramm auf die Waage bringen dürfen. Das Testboot war mit einem seit 2012 in Deutschland überwiegend führerscheinfreien – Ausnahmen sind Rhein und Bodensee – Mercury F 15 mit 11 kW (15 PS) motorisiert, der wie auch der baugleiche Mercury F 20, für den dann aber ein Führerschein benötigt wird, gerade noch tragbare 52 Kilogramm auf die Waage bringt. Der Zweizylinder-Viertakter mit 351 Kubikzentimeter Hubraum verfügt über sechs einstellbare Trimmpositionen und sorgt auf der 320 Sport Enduro für beachtlichen Vortrieb.

Fast 20 Knoten Topspeed wurden für die 320 Enduro Sport beim Test gemessen. Foto: Dieter Wanke

Fast 20 Knoten Topspeed wurden für die 320 Enduro Sport beim Test gemessen. Foto: Dieter Wanke



Mit 19,8 kn (36,7 km/h) wird bei 6300 Umdrehungen mit zwei Personen an Bord eine fast schon atemberaubende Höchstgeschwindigkeit für ein Boot dieser Größe erreicht. Unerfahrenen Neulingen sei hier zur Vorsicht geraten, besonders bei der Beschleunigung, die mit dem Mercury F15 durchaus zügig ist. Der Komfort hält sich beim schnellen Ritt natürlich in Grenzen und sobald Wellen ins Spiel kommen, kann das Gefährt auch schnell mal bockig werden, doch Halteseile an den Seiten und Schlaufen im Bug erleichtern der Crew das Festhalten. Hält man bei einem kurzen Sprint alles locker aus, doch auf längeren Strecken sind Nehmerqualitäten gefragt.

Festhalteschlaufen sorgen für Sicherheit bei den Passagieren im Bug. Foto: Dieter Wanke

Festhalteschlaufen sorgen für Sicherheit bei den Passagieren im Bug. Foto: Dieter Wanke



Dennoch: Eine Spaßbremse hat man mit der Kombination definitiv nicht unter dem Hintern, denn Fahrvergnügen ist schon mit kleinaer Motorisierung garantiert – sofern man den Wasserkontakt nicht scheut. Der tragbare 25-Liter-Tank erlaubt bei 15-prozentiger Reserve recht akzeptable Reichweiten von bis zu 92 Seemeilen (170 Kilometer), wenn man sich denn mit einer Geschwindigkeit von knapp 15 Knoten begnügt. So gerechnet genehmigt sich der Mercury gerade mal sparsame 3,4 Liter pro Stunde. Hafenmanöver gelingen mit dem kleinen Boot natürlich mühelos, wobei eine umlaufende Gummi-Schutzleiste auch bei Feindberührung die Seitenschläuche vor Schäden schützt. Und sollte der Motor mal unvorhergesehen Pause machen müssen, kann die Weiterreise unter Muskelkraft erfolgen, denn an Bord gibt es auch zwei Paddel, die fest in ihren Halterungen montiert und bei Bedarf einsatzbereit sind.

Alles am Platz: Maschine am Heck, portabler Tank in Reichweite des Steuermanns, der den Zündungsunterbrecher vorbildlich am Handgelenk trägt. Foto: Dieter Wanke

Alles am Platz: Maschine am Heck, portabler Tank in Reichweite des Steuermanns, der den Zündungsunterbrecher vorbildlich am Handgelenk trägt. Foto: Dieter Wanke


Preiswertes und portables Einstiegspaket


Beim Listenpreis des Mercury 320 Sport Enduro von 1.424 Euro und zusätzlichen 2.999 Euro für den Mercury F 15 ist die Kombination ein preiswertes Einsteigerpaket in den Wassersport, für das zudem in den meisten deutschen Revieren kein Bootsführerschein benötigt wird. Wie der Test zeigte, macht der 15er genug Betrieb, sodass es fraglich scheint, ob der (führerscheinpflichtige) 20-PS-Motor wirklich erforderlich ist. Sehr gut zu verstauen und zu transportieren ist das Gespann außerdem. Wer einen kompakten schwimmenden Untersatz sucht, der auch eine gute Portion Spaß am Wasser bietet, kann hier wenig falsch machen. Wer Komfort im Visier hat, sollte allerdings auch größere Boote zur Probe fahren, um den besten Kompromiss zu finden. Nur sind die dann nicht nur teuerer, sondern logistisch auch anspruchsvoller, zum Beispiel bei Transport und Lagerung.

Auch für hart Steuerbord muss der Fahrer nicht  den Platz wechseln. Kompakte Boote haben eben auch viele Vorteile. Foto: Dieter Wanke

Auch für hart Steuerbord muss der Fahrer nicht den Platz wechseln. Kompakte Boote haben eben auch viele Vorteile. Foto: Dieter Wanke


Technische Daten: Mercury 320 Sport Enduro


Länge: 3,20 m
Breite: 1,54 m
Tiefgang: keine Angabe
Leergewicht: 62 kg (ohne Motor)
Baumaterial: PVC
Vorgesehene CE-Kategorie: C
Zulässige Personenzahl: 5
Brennstofftank: 25 l (abhängig vom Motor)
Motorisierung: Außenborder mit Kurzschaft, Leistung bis 14,7 kW (20 PS)
Grundpreis: 1.424 Euro ohne Motor
Grundpreis mit Testmotorisierung Mercury F 15: 4.423 Euro

Messung mit Mercury F 15, Leistung 11,0 kW (15 PS)
Revier: Scharfe Lanke bei Berlin, Besatzung: 2 Personen, Wasser 24 °C, Luft 28 °C, Wind 1 Bft., See: 1, Tanks: Benzin: 25 l, (100%)Screen Shot 2017-01-08 at 15.31.30
Hersteller/Importeur:
Mercury Marine- Brunswick Marine in EMEA, Inc.
Parc Industriel de Petit-Rechain,
Avenue Mercury 8
B-4800 Verviers
Belgien

Lieferant des Testbootes
Bootscenter Keser GmbH
Heerstraße 199
13595 Berlin

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