Bis vor kurzem wäre eine elektrischer Antrieb für ein Boot wie die Nimbus 305 Drophead noch recht ungewöhnlich gewesen, doch angesichts des Dieselskandals in der Autoindustrie und der gemessenen Schadstoffwerte in deutschen Städten rückte das Thema Elektromobilität stark in den Blickpunkt. Es wird dabei viel von der Zukunft gesprochen, dabei hat diese schon längst begonnen – auch auf dem Wasser. Größtes Problem bleibt dabei die Energieversorgung. Das gelingt zunehmend besser, denn die Entwicklung am Batteriesektor macht große Sprünge. Das Ergebnis sind leichtere und leistungsfähigere Akkus, die, relativ gesehen, auch günstiger werden. Besonders Pedelecs oder E-Bikes, also Fahrräder mit elektrischem Zusatzantrieb, erfreuen sich bei Konsumenten stark steigender Beliebtheit, weil sie mittlerweile genug Leistung und Reichweite bieten und das zu akzeptablen Preisen.

Bekanntes Boot, sauberer Antrieb: Nimbus 305 Drophead E-Power mit einem Deep Blue Aggregat von Torqeedo Foto: boats.com/Wanke

Bekanntes Boot, sauberer Antrieb: Nimbus 305 Drophead E-Power mit einem Deep Blue Aggregat von Torqeedo Foto: boats.com/Wanke



Wie beim Auto standen auch auf dem Wasser schon früh Elektroantriebe zur Debatte. Ein elektrischer Außenborder wurde schon 1881 von dem Franzosen Gustave Trouvé erfunden, er wurde aber in der Folge vom Verbrennungsmotor verdrängt, weil fossile Brennstoffe drei augenscheinliche Vorteile aufwiesen: Große Energiedichte, geringes Gewicht und weltweite Verfügbarkeit. Auch wenn Elektroboote weiterhin eine kleine Marktnische darstellen, wird an der Technologie eifrig gearbeitet, wodurch die Boote mittlerweile auch stark und schnell genug sind, um auch zum Wasserskilaufen oder Wakeboarding eingesetzt zu werden. Zumindest auf sogenannten „Green Lakes”, also auf Revieren, wo Verbrennungsmotoren nicht erlaubt oder nur stark eingeschränkt verwendbar sind.

High-Tech am Instrumententräger, auf dem der Skipper die Leistungsdaten und den Ladezustand der Batterien bzw. die verbleibende Reichweite jederzeit ablesen kann.  Foto: boats.com/Wanke

High-Tech am Instrumententräger, auf dem der Skipper die Leistungsdaten und den Ladezustand der Batterien bzw. die verbleibende Reichweite jederzeit ablesen kann.
Foto: boats.com/Wanke



Vor diesem Problem stand einst auch Christoph Ballin, der gerade an den Starnberger See gezogen war und nach einem flotten Elektroboot Ausschau hielt. Außer Außenbordern mit Uralt-Technik und Bleiakkus fand er lediglich eine Marktlücke vor, musste also selbst Hand anlegen. Aus der Not wurde eine Tugend, weil er sein Problem mit einem moderne Elektromotor löste, der von Lithium-Ionen-Akkus gespeist wurden. Vom Erfolg ermutigt, gründete Ballin Torqeedo, ein Unternehmen, das in den vergangen 10 Jahren zum Weltmarktführer für elektrische Bootsantriebe aufgestiegen ist, die mittlerweile von namhaften Werften wie Hanseyachts oder Zodiac als Antriebsalternativen zu Dieselmotoren angeboten werden. Ebenfalls auf den Elektro-Trend aufgesprungen ist die schwedische Edelwerft Nimbus, mit der 305 Drophead E-Power, die von einem Torqeedo-Aggregat angetrieben wird, das seine Energie aus Lithium-Hochleistungsakkus bezieht, die auch im BMW i3 Dienst tun und dabei Schnelllade-Möglichkeiten und großen Lebensdauer versprechen.

Hight-Tech auch unter der haube. Die Nimbus 305 Drophead ist mit zwei Akkus aus dem BMW i3 mit je 33 kwH Leistung ausgestattet. Foto: boats.com/Wanke

Hight-Tech auch unter der Haube. Die elektrische Nimbus 305 Drophead ist mit zwei Akkus aus dem BMW i3 mit je 33 kwH Leistung ausgestattet. Foto: boats.com/Wanke


Gewöhnliche Diesel und ungewöhnliche Elektrotechnik


Diese Nimbus 305 Drophead wird mit einer Palette von Volvo-Penta-Dieseln angeboten, mit 80 kW (110 PS), 110 kW (150 PS) und 162 kW (220 PS), wobei alle drei Leistungsstufen eine Bodenseezulassung besitzen und über einfache und zuverlässige Wellenantriebe verfügen. Soweit, so gut. Die neue Nimbus 305 Drophead E-Power jedoch wird von einem Torqeedo Deep Blue 80i 1400 Innenborder angetrieben, der auf dem Papier eine Dauerleistung von 50 kW bringt, aber einen Verbrennungsmotor mit 80 PS ersetzen soll. Statt des 250-Liter-Dieseltanks kommen in der Elektroversion zwei der angesprochenen i3-Akkus von BMW zum Einsatz, die eine stattliche Bruttoleistung von 66 kWh bei einer Spannung von 353 Volt aufweisen.
Um die Technik auf Herz und Nieren zu prüfen, wurden insgesamt zwei Testtage angesetzt, denn nicht nur die Akkukapazität und die Antriebsleistung sollte getestet werden, sondern auch der Zeitbedarf für das Nachladen, das bekanntlich deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt als ein Stopp an der Zapfsäule.

Mit viel Hochtechnologie im Motorraum bleibt die Nimbus auch ihren Leisten treu, was Passagierkomfort unter Deck angeht - und den Qualitätsanspruch bei der Verarbeitung. Foto: boats.com/Wanke

Mit viel Hochtechnologie im Motorraum bleibt die Nimbus auch ihren Leisten treu, was Passagierkomfort unter Deck angeht - und den Qualitätsanspruch bei der Verarbeitung. Foto: boats.com/Wanke



Bei Vollgasfahrt zeigt der integrierte Bordcomputer einen Verbrauch von 44,3 kW an, was unter dem Nominalwert des Antriebs von 50 kW liegt. Auch die Drehzahl liegt nicht bei den werkseitig angegebenen 1400 Umdrehungen, sondern nur bei gut 1000 Touren. Der Grund liegt an der Propellerabstimmung, die mittels einer großen Steigung auf eine maximale Reichweite bei Rumpfgeschwindigkeit optimiert ist. Das bedeutete beim Test, dass schon bei etwa 1000 UPM das Drehmomentlimit der Anlage erreicht war, weshalb automatisch abgeregelt wurde. Die dabei erreichbaren 15,6 Stundenkilometer (8,4 Knoten) spielen aber in der Praxis keine Rolle, da die Nimbus damit nicht in Gleitfahrt kommt und nur unnötig viel Strom verbraucht. Die maximale Rumpfgeschwindigkeit ist hier das Maß der Sparsamkeit und die ist bei 10,2 Stundenkilometern (etwa 5,5 Knoten) erreicht.

Es geht gemütlich dahin mit der E-Power-Version der Nimbus 305 Drophead, da bleibt das Geschirr am Tisch. Foto: boats.com/Wanke

Es geht gemütlich dahin mit der E-Power-Version der Nimbus 305 Drophead, da bleibt die Brotzeit am Tisch. Foto: boats.com/Wanke


Entschleunigen mit Dividende


Mit moderaten 600 Umdrehungen schiebt der Torqeedo die 305 Drophead E-Power so dem Ziel entgegen und zieht dabei genügsame 9 kW aus dem Akkus. Das sollte theoretisch und ohne Reserve für fast sieben Fahrstunden reichen. Sparsam fährt also, wer sich in diesem Bereich oder darunter bewegt. Noch besser kommt weg, wer um weitere 100 Umdrehungen reduziert und dabei mit 9 km/h oder 4,9 Knoten unterwegs ist, dann zeigt das Display nur einen Verbrauch von rund 5 kW an. Wer allerdings die Raserei auf dem Wasser bevorzugt, dürfte sich für die edle Schwedin ohnehin nicht begeistern können, denn auch mit den angebotenen Selbstzündern ist das Geschwindigkeitspotenzial eher auf Effizienz und Gemütlichkeit ausgelegt. Wer nur Vollgas kennt, hat den Strom in den Akkus schnell verbraten. Wie schon beim Elektroauto heißt es also Umdenken. Die Energiebilanz konnte sich sich trotz Fotofahrten und Messungen, wobei die Energiereserven gefordert waren, sehen lassen. Nach rund fünf Betriebsstunden und etwa 30 zurückgelegten Seemeilen waren beim Einlaufen in die Marina noch 23 Prozent Restenergie im Akku.

Viel Platz zum Faulenzen gibt es im Cockpit, wo sich die Sitzgruppe in eine Sonnenliege umbauen lässt. Foto: boats.com/Wanke

Viel Platz zum Faulenzen gibt es im Cockpit, wo sich die Sitzgruppe in eine Sonnenliege umbauen lässt. Foto: boats.com/Wanke


Gut geladen ist halb gewonnen


Nun zum Aufladen, für das die derzeit beste Technik das „Combined Charging System“ (CCS) an Gewässern noch nicht verfügbar ist. Damit könnte nämlich die leeren i3-Akkus der 305 Drophead E-Power innerhalb von 39 Minuten auf 80 Prozent geladen werden. An einer üblichen Haushaltssteckdose dauert dieser Vorgang aber satte 9,5 Stunden. Beim Test schaffte eine speziell dafür verlegte Landleitung mit kräftigen 32- Ampere Abhilfe, sodass der Akku über Nacht ohne Probleme vollkommen nachgeladen werden konnte. Am zweiten Tag wurde etwas schonender zu Werke gegangen mit 600 Umdrehungen bei 10,2 Stundenkilometern oder 5,5 Knoten. Nach insgesamt 5,5 Betriebsstunden und zwei Stopps wurde in der Marina festgemacht, mit 42 Prozent Restenergie im „Tank”. Nun wurde für das Nachladen an einer ganz normalen 16-Ampere-Steckdose angedockt und siehe da, am nächsten Morgen war der Akku auch wieder voll. Es geht also, zumindest auf Gewässern wie dem Bodensee, wenn man es nicht eilig hat. Dann sind mit der Nimbus 305 Drophead E-Power auch wochenlange Törns möglich, denn der Energiehaushalt mit dem Elektroantrieb reicht bei zwei Akkus, wie in der getesteten Version, völlig aus, um problemlos Tagestouren zu fahren. Ebenfalls gut zu wissen: Der Hersteller gewährt auf den Akku eine Garantie von neun Jahren, wobei immer noch 80 Prozent der Ursprungskapazität erreicht werden sollen. Man muss sich also lange keine Sorgen machen.

Das Thema Elektromobilität findet zu Lande und zu Wasser statt. Das E-Bike fährt auf der Badeplattform mit. Somit steht einem Wochenendtörn mit Radtour nichts im Wege. Foto: boats.com/Wanke

Das Thema Elektromobilität findet zu Lande und zu Wasser statt. Das E-Bike fährt auf der Badeplattform mit. Somit steht einem Wochenendtörn mit Radtour nichts im Wege. Foto: boats.com/Wanke


Wochenend und Sonnenschein


Ansonsten bietet die schicke Yacht der Edelwerft aus Göteborg zwei Kabinen für vier Personen zur Übernachtung und viel Platz auf dem offenen Deck, das sich bei Schietwetter aber auch schnell mit einem Verdeck schließen lässt. Durch diese Ausstattung und der damit verbundenen hohen Lebensqualität an Bord bietet die Yacht ideale Voraussetzungen als Familienboot für mehrtägige Törns oder lange Wochenenden, egal, mit welchem Antrieb sie ausgestattet ist. Wie bei Nimbus gewohnt, kann sich der Eigner über eine hohe Material- und Verarbeitungsqualität freuen und über eine reichhaltig Serienausstattung, die bei dem Preisniveau allerdings auch erwartet werden sollte. Diese Faktoren sollten sich auch beim Wiederverkauf auszahlen, denn Qualität macht sich insbesondere durch hohe Lebensdauer bemerkbar. Für das Privileg, eine Nimbus sein Eigen zu nennen, muss man nämlich tief in die Tasche greifen: Der Grundpreis der Yacht von 223 000 Euro in der Standardversion mit dem Volvo Penta D3-110 steigt für die E-Power-Version mit dem Torqeedo-Paket um gut 40 Prozent auf 317 210 Euro.
Auch wenn ein Elektroantrieb sich momentan eher nur auf Gewässern rentiert, auf denen Verbrennungsmotoren verboten oder eingeschränkt nutzbar sind, ist diese Nimbus 305 Drophead E-Power eine Bereicherung für ein Marktsegment, das sich an eine besondere Kundschaft wendet. Vorteile ergeben sich übrigens nicht nur aus dem sauberen Betrieb, denn so feinfühlig dosierbar, wie der Elektroantrieb, der das Boot schon mit wenigen Umdrehungen im Hafen zentimetergenau bewegt, ist ein Diesel bei Weitem nicht.

Technische Daten Nimbus 305 Drophead E-Power


Länge: 9,85 m
Breite: 3,25 m
Tiefgang: 0,90 m
Leergewicht: 3950 kg
Durchfahrtshöhe: 2,50 m
Baumaterial: GFK-Sandwich
CE-Kategorie: B
Zulässige Personenzahl: 8
Kojenplätze: 4
Akku: 2 x Lithium-Ionen-Batterie BMW i3 mit 360 Volt und je 33 kW/h
Wassertank: 150 l
Grauwassertank: 80 l
Motorisierung: Torqeedo DeepBlue 80i mit einer Dauerleistung von 50 kW
Grundpreis mit Testmotorisierung Torqeedo DeepBlue 80i 1400, zwei Akkupaketen und 380 V Schnellladegerät: 317 210 Euro

Nimbus 305 Drophead E-Power: Messung mit Torqeedo DeepBlue 80i, Dauerleistung 50 kW
Revier: Bodensee bei Kressbronn, Besatzung: 3 Personen, Wasser 14 °C, Luft 17 °C, Wind 1 Bft., See: 0-1, Wasser: leer
Screen Shot 2017-09-19 at 11.17.48

Werft und Händlernachweis


Nimbus Boats Sweden AB
Talattagatan 10
S-42605 Västra Frölunda
Schweden

Importeure


Boote Polch KG (Lieferant des Testbootes)
Zum Hafen 18 56841 Traben-Trarbach

Nautic Yachting GmbH
Akademiestraße 3
40213 Düsseldorf
Vertriebsbüro Nordancora marinaAn der Wiek 7–15
23730 Neustadt in Holstein

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