Beim Yachtkauf geht der Trend insbesondere in Europa zu mehr Komfort und höherer Lebensqualität. Sowohl Neueinsteiger als auch erfahrene Eigner - manche davon Segler, denen Gemütlichkeit inzwischen wichtiger ist, als sportliche Betätigung - schätzen den Luxus eines komfortablen Salons mit Ausblick immer mehr.

Optisch stimmiger als die Flybridge-Schwester Bavaria Virtess 420 Coupé: Foto: Dieter Wanke S

Ohne Steuerstand und Sitzecke im Obergeschoss: Bavaria Virtess 420 Coupé: Foto: Dieter Wanke



Dem “Wohnen im Keller" zeigt die Klientel zunehmend den Rücken zugunsten von Flybridge-Yachten. Bavaria schloss sich diesem Trend erst relativ spät an, dafür aber umso effektiver, denn gleich das erste Modell der fränkischen Werft, die Bavaria Virtess 420, gewann die Klasse bis 45 Fuß bei der Wahl des 2013 European Powerboat of the Year. Kunden, die das Konzept mit dem hellen und fensterreichen Salon schätzen, aber eine schnittigere Optik bevorzugen, können sich seit 2013 auch für das Coupé entscheiden. Diese Version bietet statt des zweiten Steuerstandes und der Sitzgruppe auf dem Oberdeck ein Flachdach mit großer Sonnenliege. Der Rundblick aus dem Salon bleibt dabei erhalten.

Ein Traum für Sonnenanbeter: Das Dach der Bavaria Virtess 420 Coupé. Foto: Dieter Wanke

Ein Traum für Sonnenanbeter: Das Dach der Bavaria Virtess 420 Coupé. Foto: Dieter Wanke



Flexibles Mobiliar
Schon beim ersten Blick ins Cockpit wird klar, dass die Designer auf flexible Strukturen setzen. Das Testboot ist mit einem Schienensystem im Boden ausgestattet, der das Verschieben der beiden Doppelsitze und des klappbaren Tisches zulässt. So können die Elemente individuell positioniert werden, um unterschiedlichen Ansprüchen an die Raumaufteilung gerecht zu werden. Während der Fahrt wird aus den Sitzen die Bordwand nach achtern. Zwei breite Gangborde führen an den Seiten der Aufbauten vorbei zum Vorschiff, wo es auf Wunsch gepolsterte Liegeflächen zum Sonnenbaden gibt. Werden die großen Schiebetüren zum Salon geöffnet, verbindet sich das Cockpit mit dem vorderen Wohnbereich zu einem großflächigen Lebensraum, der auf gleicher Ebene bis zur Badeplattform reicht. Eine Treppe an Backbord führt zur Liegefläche auf dem Oberdeck, auf der man Ruhe und Aussicht genießen kann.

Tisch und Sitze im Cockpit sind auf Schienen individuell positionierbar. Foto: Dieter Wanke

Optional sind Tisch und Sitze im Cockpit  auf Schienen individuell positionierbar. Foto: Dieter Wanke



Licht und Raum
Dank des Schiebedachs vorne hat der Salon nicht nur große Fensterflächen zu bieten. Wer statt GFK die Variante aus Glas wählt, bekommt nicht nur frische Luft, sondern auch zusätzliches Licht von oben in den Wohnraum. Bei offenem Dach kann der Steuermann auch stehend fahren und hat so bessere Rundumsicht, was vor allem bei Hafenmanövern ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist. Der Steuerstand ist klar gegliedert, die Instrumente sind gut ablesbar und Bavaria hat auch nicht vergessen, hier Montageflächen für Navigationszubehör einzurichten. Im achterlichen Bereich des Salons befindet sich eine Sitzgruppe, die auf Wunsch mit Hockern ergänzbar ist, die zu Sesseln umgebaut werden können. Vorne an Backbord schließt die Pantry an, die mit Elektro-Kochfeld, Mikrowelle und 80-Liter-Kühlschrank kaum Wünsche offen lässt.

Viel Glas, viel Licht und gute Sicht: Salon der Virtess 420 Coupé. Foto: Dieter Wanke

Viel Glas, viel Licht und gute Sicht: Salon der Virtess 420 Coupé. Foto: Dieter Wanke



Im Bug der Virtess befindet sich die große Eignerkabine mit Doppelkoje. In den beiden zentralen Gästekammern sind je zwei Einzelkojen vorhanden, die bei Bedarf zu Doppelliegen konvertiert werden können. Stehhöhe gibt es hier allerdings nur im Eingangsbereich. Die beiden kompletten Bäder mit separaten Duschkabinen verfügen serienmäßig über Warmwasser und elektrische Toiletten. Auch eine Waschmaschine kann auf Wunsch installiert werden.

Eignerkajüte im Vorschiff. Foto: Dieter Wanke

Eignerkammer im Vorschiff. Foto: Dieter Wanke



Kraftwerke und Fahrfreude
Die Bavaria Virtess 420 Coupé ist ausschließlich mit Doppelmotorisierung und Dieselaggregaten von Volvo-Penta zu haben, wobei Volvo D6-370 und D6-400 mit Aquamatic-Z-Antrieben sowie IPS500 und IPS600 mit Pod-Antrieben zur Wahl stehen. Das Testboot war mit zwei D6-400 Maschinen bestückt, die über 5,5-Liter-Hubraum verfügen und jeweils 294 kW (400 PS) leisten. Die Technik im Maschinenraum ist bei dieser Antriebswahl sehr gut zugänglich, während es bei der IPS-Version deutlich enger wird. Hier sind die Motoren konstruktionsbedingt erheblich weiter vorne angeordnet, womit der Zugang schwieriger ist. Der Fahrspaß kommt wohl in keiner der angebotenen Versionen zu kurz. Mit der Testmotorisierung erreichte die Virtess nach neun Sekunden bei 13 Knoten und 2100 Umdrehungen die Gleitfahrt und nach 23 Sekunden zeigte das GPS die Höchstgeschwindigkeit von 34,1 Knoten an. Während bei Vollgas der Gesamtverbrauch laut Instrumenten bei 157 Liter Diesel pro Stunde lag, reduzierte sich der Durst bei einer Reisegeschwindigkeit von 23 Knoten, (2700 Umdrehungen) auf 92 Liter pro Stunde. Der Aktionsradius mit dem 1200-Liter-Tank beträgt also rund 300 Seemeilen, doch wer dauernd mit Vollgas brettert, muss schon nach 260 Meilen zur Tankstelle. Agiles und stabiles Fahrverhalten zeigte, dass die Antriebe gut auf das Boot und seine Rumpfkonstruktion abgestimmt sind. Auch bei schnell eingeleiteten Kurvenmanövern blieb die Yacht stets gutmütig und voll kontrollierbar.

Bei Z-Antrieben gut erreichbar sind die beiden Maschinen der Virtess 420 Coupé.  Foto: Dieter Wanke

Wenn das Boot mit Z-Antrieben ausgerüstet ist, sind  die beiden Volvo-Penta-Aggregate gut erreichbar. Foto: Dieter Wanke



Fazit
Das flexible Wohnkonzept der Virtess 420 Coupé und der große, auf einer Ebene angelegte Lebensraum, der aus Badeplattform, Cockpit, Salon und Pantry besteht, richtet sich an Eigner, für die Lebensqualität und Komfort Priorität haben. Das Sonnendeck auf dem Dach ist dabei eine einfallsreiche und praktische Ergänzung. Die Virtess zeigt auch, dass die fränkische Werft in den vergangenen Jahren insgesamt bei der Verarbeitungsqualität deutlich zugelegt hat, auch wenn es noch Spielraum nach oben gibt. Wie bei Bavaria gewohnt, lockt man den Kunden mit attraktiven Einstiegspreisen, so ist die Yacht mit der Testmotorisierung schon für 385 917 Euro zu haben. Wenn auch bei der Grundausstattung etwas Luxus schon inklusive ist, wie z. B. elektrische Toiletten oder Teakbelag für Badeplattform und Cockpitboden, fehlt jedoch die unverzichtbare Ankerinstallation. Wer diese beim Hersteller erwerben möchte, muss das Ausstattungspaket "Basis" für 17 350 Euro ordern. Darin sind dann allerdings noch weitere essenzielle Extras, wie beispielsweise eine elektrische Ankerwinde oder das sinnvolle Bugstrahlruder enthalten. Für das praktische variable Möbelsystem muss noch das Ausstattungspaket "Advanced" für weitere 12 102 Euro geordert werden.

Schnittiger als die Flybridge-Schwester Bavaria Virtess 420 Coupé: Foto: Dieter Wanke

Die Bavaria Virtess 420 Coupé ist  auch bei Kurvenfahrt gut kontrollierbar: Foto: Dieter Wanke



Technische Daten Bavaria Virtess 420 Coupé
Länge: 12,39 m
Breite: 4,21 m
Tiefgang: 1,11 m (mit Antrieb)
Leergewicht: 11000 kg
Baumaterial: GFK
CE-Kategorie: B
Zulässige Personenzahl:  12
Kojenplätze: 6
Brennstofftank: 1200 l
Wassertank: 410 lGrauwassertank (Option): 2 x 120 l
Motorisierung: Volvo (Diesel) mit Z- oder Pod-Antrieben, Leistung von 2 x 272 kW (370 PS) bis zu 2 x 320 kW (435 PS)
Grundpreis: 359.380 Euro

Bavaria Yachtbau GmbH
Bavariastraße 1
97232 Giebelstadt
Telefon: +49 - (0) 93 34 -9 42 - 0

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