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Leicht: Dank des geringen Eigengewichts kommt die Quicksilver Activ 455 Open auch mit der führerscheinfreien Mindestmotorisierung von 15 PS voran. Foto: boats.com/Wanke



Die Marke Quicksilver gehört zum Brunswick-Konzern und ist seit 1993 eine feste Größe im Segment der preiswerten Sportboote. Das aktuelle Sortiment ist mit insgesamt 32 Modellen sehr breit, wobei die Boote in Polen und Portugal mit inzwischen recht gutem Qualitätsniveau gefertigt werden. Das Angebot reicht vom rund vier Meter langen Angelboot bis zu neun Meter langen Kajütkreuzern. Die im Herbst 2014 vorgestellte Quicksilver Activ 455 Open ist mit ihren 4,54 Metern Länge das Einstiegsmodell für Mittelkonsolenboote dem 2015 eine Kabinenversion, die Quicksilver Activ 455 Cabin, hinzugefügt wurde. Wer also unterwegs mal übernachten möchte oder einfach einen geschlossenen Stauraum vorzieht, hat mit dem Schwesterschiff also Ausweichmöglichkeiten.

Wandelbar: Die Sitze im Bugcockpit werden zur Sonnenliege. Foto: boats.com/Wanke

Wandelbar: Die Sitze im Bugcockpit werden zur Sonnenliege. Foto: boats.com/Wanke



Da das Boot insbesondere für Einsteiger interessant ist, die eventuell noch keinen Bootsführerschein besitzen, haben wir das Boot auch mit einem 15-PS-Außenborder getestet, der bekanntlich auf den meisten deutschen Gewässern führerscheinfrei betrieben werden kann. Dank des niedrigen Leergewichts von nur 401 Kilogramm und der gut 50 Kilo für den kleinen Testmotor, könnte das Boot sogar mit ungebremsten Bootsanhängern und nahezu jedem Pkw getrailert werden. Doch Vorsicht: Wer damit ins Ausland möchte, sollte sich über die dort gültigen Gesetze betreffend Bootsführerschein informieren, um vor Überraschungen gefeit zu sein.
Da das Boot in der CE-Kategorie C zugelassen ist, können damit auch Küstengewässer befahren werden. Maximal dürfen fünf Personen an Bord sein, was für Familienausflüge oder die Angeltour mit Freunden ausreichen sollte. Wer schneller unterwegs sein möchte, kann die Quicksilver Activ 455 Open mit bis zu 60 PS starken Motoren aufrüsten, ist dann aber auch gefordert, den erforderlichen Führerschein zu erwerben.

Ein Bug mit Pfiff


Natürlich ist ein kompaktes Sportboot dieser Größe keine Luxusyacht, doch für ein Boot mit 4.54 Metern Länge bietet die kleine Quicksilver dank des offenen Buges verhältnismäßig viel Platz. In dem Bereich gibt es weit mehr, als die in der Decksschale einlaminierten Sitzplätze vermuten lassen, denn darunter befindet sich Stauraum für Gepäck und Zubehör. Wer möchte, kann hier die Bequemlichkeit durch Polsterauflagen verbessern und erhält mit diesem Zubehör für insgesamt 470 Euro Zuzahlung auch noch die Umbaumöglichkeit zur 1,70 Meter langen und 1,35 Meter breiten Sonnenliege. Ein Ankerkasten zum Verstauen des Grundeisens samt Kette und Trosse ist ebenfalls vorhanden. Dessen Deckel dient auch als Trittstufe, um zwischen der geteilten Reling hindurch über den Bug aussteigen zu können. Das macht alles einen sehr durchdachten Eindruck.

Alles drin, alles dran: Im Bug gibt's neben Sitzgelegenheiten auch Handläufe, Trittstufe und Ankerkasten. Foto: boats.com/Wanke

Alles drin, alles dran: Im Bug gibt's neben Sitzgelegenheiten auch Handläufe, Trittstufe und Ankerkasten. Foto: boats.com/Wanke



Weil das Boot aber nur 1.85 Meter breit ist, kann es beim Herumspazieren an Bord schon mal ordentlich krängen, doch die hohen Bordwände bieten ein Gefühl von Sicherheit, was insbesondere für den Betrieb mit Kindern wichtig ist. Der Weg ins Hauptcockpit führt backbords an der Konsole vorbei zum Steuerstand. Aufgrund der kompakten Abmessungen sitzen Fahrer und Beifahrer auf der serienmäßig gepolsterten Rückbank, die bis zu drei Personen aufnehmen kann. Positiv: In der Steuerkonsole können neben der kompletten Motorinstrumentierung auch kleinere Kartenplotter oder Fishfinder montiert werden. Ein 7-Zoll Simrad NNS7 evo 2 Multifunktionsgerät steht beispielsweise für 1230 Euro in der Zubehörliste.

 

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Spartanisch: Die Instrumentierung des Testbootes ist auf das Nötigste beschränkt. Bei Bedarf kann zumindest ein kleiner Plotter installiert werden. Foto: boats.com/Wanke



Persönliche Utensilien passen in eine Ablage hinter der Acrylglas-Windschutzscheibe, deren Edelstahlrahmen als Handlauf auch eine wichtige Sicherheitsfunktion hat. Unter der Rückbank gibt es natürlich weiteren Stauraum, der unter anderem auch für den tragbaren Außenbordertank. Am Heck gibt es trotz Außenborder kleine Trittflächen, die als Badeplattform dienen, wobei für das Anbordkommen an Backbord eine klappbare Edelstahlleiter montiert werden kann. An nützlichem Zubehör wird neben einer Persenning zum Abdecken, wird auch für 920 Euro ein Biminiverdeck mit Seiten- und Heckteil angeboten, zum zusätzlichen Schutz vor Wettereinflüssen.

 

Gleiten geht auch ohne Schein


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Klein aber genug: Der führerscheinfreie 15-PS-Mercury brachte bei den Tests gute Fahrleistungen, doch wer Lust, Geld und Schein hat, kann bis zu 60 PS dranhängen. Foto: boats.com/Wanke



Da auch die Marke Mercury zum Brunswick-Konzern gehört, kommen standardmäßig nur Außenborder dieses Herstellers zum Einsatz. Maximal wird die Quicksilver Activ 455 Open mit einem Mercury F 60 ELPT EFI mit 44 kW (60 PS) ausgeliefert. Auch der F 40 oder F 50 stehen in der Liste, aufgrund des geringen Preisunterschiede von 940 Euro zum 50er und 1540 Euro zum 40er lohnt sich diese Sparmaßnahme insbesondere auch aufgrund der zu erwartenden Leistungseinbußen aber kaum. Viel interessanter ist aufgrund der Führerscheinbefreiung in Deutschland dagegen die im vorliegenden Test gefahrene Version mit dem Mercury F 15 EL und 11,0 kW (15 PS). Diese Motorisierung ist ideal für Anfänger, die den Umgang mit dem Boot erst erlernen wollen oder erst mal prüfen möchten, ob ihnen der Bootssport auch den erhofften Spaß bereitet, bevor sie mehr Geld in einen stärkeren Motor und eine Führerscheinausbildung investieren wollen.

Dank Elektrostarter geht das Anlassen des kleinen Zweizylinder-Viertakters mit 351 Kubikzentimetern Hubraum sehr bequem. Nach dem Einkuppeln nimmt das Boot auch mit diesem Motor zügig seine Fahrt auf. Durch das verhältnismäßig geringe Bootsgewicht wird auch mit zwei Personen an Bord eine zügige Verdrängerfahrt von 9,8 Knoten (18,1 km/h) erreicht, wobei der Motor beim Test seine Höchstdrehzahl von 5600 Umdrehungen um 400 Touren unterschritt. Ist hingegen nur der Fahrer an Bord, legt er dann aber weiter zu und bringt, sehr beachtlich, das Boot sogar in Gleitfahrt. Ebenfalls positiv: Durch den moderaten Vortrieb ist man mit dem Antrieb bei niedrigeren Drehzahlen sehr sparsam und auch verhältnismäßig leise unterwegs.

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Sologleiter: Mit nur einer Person an Bord kam die Quicksilver Activ 455 Open sogar ins Gleiten. Foto: boats.com/Wanke



Wer sich mit 5,3 Knoten (9,8 km/h) zufrieden gibt, verbraucht im wirtschaftlichsten Betriebszustand gerade mal 1,6 Liter Benzin pro Stunde. Bei 7,6 Knoten (14,1 km/h) liegt der Verbrauch bei 3,4 Litern, doch bei Vollgas saugt sich der F 15 dann 5,3 Liter pro Stunde aus dem tragbaren 25-Liter-Tank. Ein Einbautank wird von Quicksilver für dieses Boot leider nicht angeboten,das heißt, wer später aufrüsten will, oder gleich zur kräftigen Antriebsversion greift, sollte für die Verbesserung der Reichweite zumindest über die Anschaffung eines zweiten Tanks nachdenken. Am Fahrverhalten der Quicksilver Activ 455 Open gab es mit dem kleinen Motor nichts auszusetzen. Vollkreise werden bei 4500 Umdrehungen gemeistert, nach Backbord innerhalb von 1,8 Bootslängen, nach Steuerbord sogar mit noch knapperem Radius, dabei allerdings mit einsetzender Kavitation am Propeller. Hafenmanöver gelingen mit der kleinen Quicksilver aufgrund ihrer Wendigkeit problemlos.

Spaß nach Maß


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Außermittig: Die Steuerkonsole, das ist hier gut zu sehen ist auf der Activ 455 Open an Steuerbord montiert. Der Fahrer sitzt auf der Heckbank. Foto: boats.com/Wanke



Für einen moderaten Grundpreis von 16.700 Euro (inklusive Fracht) hat die Quicksilver Activ 455 Open mit der Maximalmotorisierung in Form des Mercury F 60 ELPT EFI schon viel zu bieten. Das Qualitätsniveau ist zwar nicht perfekt, entspricht aber durchaus den Erwartungen in dieser Preisklasse. Wer etwas mehr Komfort möchte, kann das Boot mit einer Sonnenliege und einem Bimini sinnvoll erweitern. Wer noch keinen Führerschein besitzt oder sich mit den deutlich gemütlicheren Leistungen des Mercury F 15 EL zufrieden gibt, berappt lediglich 13.150 Euro. Dafür bekommet man einen sehr sparsamen schwimmenden Untersatz, der das Bootsvergnügen der ganzen Familie eröffnet und darüberhinaus auch genügend Potential zur späteren Aufrüstung hat.

Technische Daten: Quicksilver Activ 455 Open


Länge: 4,54 m
Breite: 1,85 m
Tiefgang: 0,36 m
Brückendurchfahrtshöhe: 1,35 m
Leergewicht: 401 kg (ohne Motor)
Baumaterial: GFK
Vorgesehene CE-Kategorie: C
Zulässige Personenzahl: 5
Außenbordertank: 25 l
Motorisierung: Außenborder mit Langschaft bis zu 44 kW (60 PS)
Grundpreis einschließlich Fracht mit Maximalmotorisierung Mercury F 60 ELPT EFI: 16.700 Euro
Grundpreis einschließlich Fracht mit Testmotorisierung Mercury F 15 EL: 13.150 Euro

Messung mit Mercury F 15 EL, Leistung 11,0 kW (15 PS), Zylinderzahl: 2 in Reihe, Hubraum: 351 cm3, Nenndrehzahl: 5400 - 5600 min-1
Messung Schall + Fahrt mit Mercury F 15 EL, Leistung 11,0 kW (15 PS)
Revier: Havel, Berlin, Deutschland, Besatzung: 2 Personen, Wasser 24 °C, Luft 28 °C, Wind 1 Bft., See: 1, Tank: Benzin: 25 l, (50%)
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Werft und Händlernachweis:
Brunswick Marine EMEA
Parc industriel de Petit-Rechain
B-4800 Verviers

Lieferant des Testbootes:
Bootscenter Keser GmbH
Heerstr. 19913595 Berlin

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