Die Marke Quicksilver wurde 1993 vom US-Mischkonzern Brunswick gegründet und gab vor rund 17 Jahren ihr Debüt auf dem deutschen Markt. Damals waren die Produkte weit vom Qualitätsniveau der heutigen Boote entfernt und richteten sich vornehmlich an Einsteiger. Die Quicksilver Activ 705 Cruiser, die 2013 auch die Auszeichnung “Motor Boat of the Year Award” gewinnen konnte, zeigt, dass sich seitdem einiges getan hat, ohne dass dabei das gewohnt günstige Preis-Leistungs-Verhältnis spürbar gelitten hätte. Grund genug, dieses Boot genauer unter die Lupe zu nehmen.




Quicksilver Activ 705 Cruiser: Vielseitiger Allwetter-Spaß. Foto: Dieter Wanke

Quicksilver Activ 705 Cruiser: Vielseitiger Allwetter-Spaß. Foto: Dieter Wanke


Dank Wetterschutz eignet sich die kompakte Sieben-Meter-Yacht sowohl für Angeltouren mit Freunden - Rutenhalter sind serienmäßig an Bord - als auch für Ausflüge mit Familie. Ausgestattet mit Übernachtungsmöglichkeiten, Kochgelegenheit und Sanitäreinrichtungen, können Törns mit der Activ 705 Cruiser auch mehre Tage dauern. Dabei stehen auch ferne Reviere zur Wahl, denn mit einem Leergewicht von 1,8 Tonnen ist das Boot trailerbar. Mit Treibstoff, Ausstattung, Motor und Trailer sollte das Zugfahrzeug allerdings eine Anhängelast von knapp drei Tonnen verkraften.


Kompakt mit Kompromissen
Sind alle Luken und die Schiebetür zum Achterdeck geschlossen, sind Fahrer und Besatzung auch bei Schietwetter gut geschützt, womit dieses Boot auch für den Einsatz in nördlichen Regionen interessant ist. Im variablen Deckssalon gibt es genügend Sitzgelegenheiten, eine Aufnahme für den Tisch ist vorhanden und eine Spüle samt Kocher sind serienmäßig an Bord. Der Steuerstand verfügt über eine Grundinstrumentierung mit Geschwindigkeits- und Drehzahlmesser sowie Trimm- und Tankanzeige. Zwei integrierte Getränkehalter und ein in Griffweite des Rudergängers platzierter Feuerlöscher ergänzen die Ausstattung. Der Scheibenwischer auf der Fahrerseite ist Standard, doch ein Kompass fehlt.




Übersichtlich: Steuerstand mit Grundinstrumenten und zwei Becherhaltern. Foto: Dieter Wanke

Übersichtlich: Steuerstand mit Grundinstrumenten und zwei Becherhaltern. Foto: Dieter Wanke


Unter Zuhilfenahme des Fahrersitzes, der zwei Personen genügend Platz bietet, ist der Umbau in eine Sitzgruppe für vier Personen ebenso möglich, wie das Konvertieren in eine Koje von 1,90 m Länge und 93 cm Breite. Doch zwei Erwachsene, wie vom Hersteller suggeriert, werden sich hier kaum wohlfühlen. Weitere Schlafplätze stehen in der Bugkabine zur Verfügung, doch die Liegefläche, die bei Bedarf aus der Sitzgruppe entstehen kann, ist nur knapp 1,70 m lang und bis zu 1,40 m breit. Das reicht gut für zwei Kinder oder einen großen Erwachsenen, der hier diagonal liegend bequem Platz findet. Die separate Nasszelle kann auf Wunsch mit einem Pump-WC samt Abwassertank ausgerüstet werden, doch ist der Zugang blockiert, wenn die Sitzgruppe im Vorschiff zur Koje umgebaut ist, weil das Einlegeteil die Tür versperrt. Abgeteilte Toiletten auf Siebenmeter-Schiffen fordern manchmal eben Kompromisse.




Blockade: Kein WC-Zutritt wenn die Sitzgruppe zur Koje umgebaut wird. Foto: Dieter Wanke

Blockade: Kein WC-Zutritt wenn die Sitzgruppe zur Koje umgebaut wird. Foto: Dieter Wanke


Spielt das Wetter mit, lädt eine Sitzgruppe am Achterschiff (auf Wunsch mit optionalem Bimini) zum geselligen Beisammensein ein, vielleicht sogar zu einem Sprung ins Wasser von der Badeplattform am Heck, die auf den Außenbord-Versionen zweigeteilt ist. Ebenfalls zum Entspannen geeignet ist die Sonnenliege am Vorschiff, die maximal zwei Personen Platz bietet. Der geteilte Bugkorb erleichtert das Vonbordgehen über die Luke des steuerbordseitig eingebauten Ankerkasten, der ebenso wie die Bugrolle zur Serienausstattung zählt. Ankerwinsch und Grundeisen müssen allerdings extra erworben werden. Wer das Ausstattungspaket “Smart-Edition” für 6050 Euro ordert, bekommt dafür sinnvolle Extras wie Kühlschrank, Glasschiebeluk am Dach, Cockpit-Sonnenliege, elektrische Ankerwinde, Polster für die Sonnenliege am Kajütdach und eine Cockpitdusche.




Küche & Keller: Pantry hinter und (optionaler) Kühlschrank unter dem Beifahrersitz. Foto: Dieter Wanke

Küche & Keller: Pantry hinter und (optionaler) Kühlschrank unter dem Beifahrersitz. Foto: Dieter Wanke


Antriebsvarianten für jeden Geschmack
Sehr facettenreich zeigt sich auch die Antriebspalette für den kleinen Kreuzer. Grundsätzlich müssen Außenborder mit XL-Schaft montiert werden, wobei mit dem Mercury F 150 sowie zwei Verados mit bis zu 149 kW (200 PS) insgesamt drei Modelle zur Wahl stehen. Das Angebot der Innenbord-Benziner umfasst den Mercruiser 3,0L TKS mit 101 kW (135 PS) und den Mercruiser 4,3 L mit 164 kW (220 PS) in drei verschiedenen Versionen. Freunde von Selbstzündern können sich auch für einen QSD 2,0 L mit 125 kW (170 PS) entscheiden.
Das mit dem Mercury F 150 mit 110 kW (150 PS) motorisierte Testboot erreichte in sieben Sekunden bei etwa 3400 Umdrehungen und 16,2 Knoten die Gleitfahrt. Nach insgesamt 17 Sekunden lag die Höchstgeschwindigkeit von knapp 29 Knoten an. Eine gute Reisegeschwindigkeit mit 22 Knoten konnte bei 4000 Umdrehungen ermittelt werden. Da am Testboot die Verbrauchsmessung nicht möglich war, können hierzu keine genauen Angaben gemacht werden. In vergleichbaren Booten genehmigte sich der Motor bei dieser Umdrehungszahl etwa 20 bis 30 Liter Treibstoff pro Stunde. Mit dem 220-Liter-Einbautank sollte also unter Berücksichtigung der 20-Prozent-Reserve eine Reichweite von etwa 130 bis 190 Seemeilen möglich sein.




Einstiegsdroge: Schon die Standardmotoriseirung mit einem Mercury F150 sorgt für Bewegung. Foto: Dieter Wanke

Einstiegsdroge: Schon die Standardmotoriseirung mit einem Mercury F150 sorgt für Bewegung. Foto: Dieter Wanke


Bei Reisegeschwindigkeit lassen sich Vollkreise mit einem Radius von etwa drei Bootslängen fahren. Schon mit der Einstiegsmotorisierung zeigte das Boot agiles Fahrverhalten, das mit den leistungsfähigeren Antrieben noch steigerungsfähig sein sollte. Beim Test zeigte der Rumpf keine Auffälligkeiten und ging sauber und kontrolliert durch kleinere Wellen. Auch bei extremer Kurvenfahrt bleibt alles unter Kontrolle und das hohe Freibord sorgt bei der Besatzung für ein beruhigendes Sicherheitsgefühl. Durch die serienmäßige Hydrauliklenkung und die leichtgängige Schaltung wird das Manövrieren kinderleicht. Allerdings zog der Propeller beim Testboot in engen Kurven gelegentlich Luft, was darauf zurück zu führen sein könnte, dass es sich um ein brandneues Boot handelte, das noch über keinerlei Beladung mit Ausrüstung verfügte. Denn das Heck ragte auch etwas höher aus dem Wasser, als dies der Fall sein sollte. Bereits im Betrieb befindliche Modelle sollen dieses Verhalten nach Aussage des Händlers nicht zeigen.




Leichter als normal: Das unbeladene Testboot lag etwas höher im Wasser. Foto: Dieter Wanke

Leichter als normal: Das unbeladene Testboot lag etwas höher im Wasser. Foto: Dieter Wanke


Für Einsteiger und Aufsteiger
Im Vergleich zu den Anfangsjahren ist das Qualitätsniveau bei Quicksilver deutlich gestiegen, dennoch war auf dem Testboot bei genauem Hinsehen festzustellen, dass es in der Detailverarbeitung noch Raum für Verbesserung gibt. Das Grundmodell mit Mercruiser 3,0L Innenborder ist mit 44.750 Euro preislich attraktiv, doch mit 101 kW (135 PS) eher sparsam motorisiert. Dabei ist die Antriebseinheit schwerer als der deutlich stärkere Mercury F 150-Außenborder am Testboot, das ab 47.500 Euro angeboten wird. Die Preise für stärkere Antriebsvarianten liegen alle um die 50.000 Euro. Deutlich mehr Geld wird für die Diesel-Version fällig, die mit 64.950 Euro in der Preisliste steht. Insgesamt handelt es sich bei der Quicksilver Activ 705 Cruiser aber um ein vielfältiges Familienboot mit guten Allround-Eigenschaften, das Einsteiger ebenso ansprechen dürfte, wie Aufsteiger von kleineren Sportbooten.


Technische Daten: Quicksilver Activ 705 Cruiser
Länge: 7,05 m
Breite: 2,55 m
Tiefgang: 0,48 m
Leergewicht: 1796 kg (ohne Motor)
Baumaterial: GFK
CE-Kategorie: C
Zulässige Personenzahl:  8
Kojenplätze: 4
Brennstofftank: 220 l
Wassertank: 45 l (Option)
Motorisierung: Außenborder mit XL Schaft, Leistung von 110 kW (150 PS) bis 149 kW (200 PS)  und Innenborder von Mercury (Benzin) und QSD (Diesel) mit Z-Antrieben, Leistung von 101 kW (135 PS) bis 164 kW (220 PS)


Grundpreis: 44 750 Euro mit Mercruiser 3,0L TKS mit 101 kW (135 PS)
Grundpreis mit Testmotorisierung: 47 500  Euro


Motor im Testboot: Mercury F 150 XL EFI, Leistung 110 kW (150 PS), Zylinderzahl: 4 in Reihe, Bohrung x Hub: 102 mm x 92 mm, Hubraum: 3000 cm3, Nenndrehzahl: 5000 - 5800 min-1


Messung Schall + Fahrt mit  Mercury F 150 XL EFI, Leistung 110 kW (150 PS)


Bildschirmfoto 2014-12-15 um 3.21.16 PM


Revier: Havel, Berlin, Deutschland, Crew 2, Messung: GPS, Wasser 22° C, Luft; 23° C, Wind: 1 Bft, See 0, Tanks: Wasser: 0 l (05%), Benzin: 60 l (27%).

Werft
Brunswick Marine EMEA
Parc industriel de Petit-Rechain
B-4800 Verviers

Händler
Bootscenter Keser GmbH
Heerstr. 199
13595 Berlin


 

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