Namensgeber und Initiator dieser Fahrtenyacht ist Thomas Schulz, ein Charterunternehmer aus Waren an der Müritz der hauptsächlich Stahlverdränger im Angebot führt, wie eben die Schulz 40, eine knapp 12 Meter lange Yacht, die das Platzproblem in beengten Bugkajüten gar nicht erst aufkommen lassen sollte. Für den holländischen Konstrukteur Jan van der Weide war es die Gelegenheit, den Stahlverdränger mit einem klassischen Plattbug zu versehen. Ein Kniff der optisch vielleicht ein wenig gewöhnungsbedürftig ist, diese Anforderung aber effektiv erfüllt. Obwohl diese Yacht primär für den Charterbetrieb konzipiert wurde, ist sie auch für private Eigner gedacht, die von den laufenden Verbesserungen profitieren, die durch das Kundenfeedback  in die Weiterentwicklung einfließen. Die getestete Baunummer 6 ist die erste Schulz 40 mit drei Kabinen und sechs Kojen.




2015 Schulz 40-5973

Schiffig: Die Schulz 40 mit ihrem Prahmbug unterscheidet sich visuell von anderen Stahlverdrängern.Foto: Dieter Wanke


Innen klassisch, außen anders 
Der Aufbau entspricht dem klassischen Layout niederländischer Stahlyachten, die man über die kurze Badeplattform am Heck und eine Treppe an Steuerbord betritt. Gegenüber sind Badeleiter und Fenderkörbe installiert, sowie die Heckdusche und der Stauraum für die Gasflaschen. Andere Zugangsmöglichkeiten gibt es beiderseits mittschiffs durch einen offenen Teil in der Reling oder über den breiten Bug. Gut dabei: An Deck kann man sich durch die gewohnt breiten Gangborde stets sicher bewegen.




Steuerstand mit Kühlschublade im Podest der Sitzbank und Kajütniedergang (r.) Foto: Dieter Wanke

Steuerstand mit Kühlschublade im Podest der Sitzbank und Kajütniedergang (r.) Foto: Dieter Wanke


Der Steuerstand befindet sich mittig im großen Cockpit und bietet eine vorzügliche Übersicht über das Boot. Praktische, wenn auch keineswegs übliche Details sind das kleine Waschbecken an Backbord und eine Kühlschublade unter der Steuersitzbank, die allerdings den Nachteil hat, nicht verschiebbar zu sein. Dieses Manko wird durch eine klappbare Rückenlehne etwas ausgeglichen, durch die sich diese Bank, die bis zu zwei Personen Platz bietet, nach hinten zur Sitzgruppe und dem großen Cockpittisch ausrichten lässt. Im Vergleich zu den ersten Booten ist die neue Version der Schulz 40 unter Deck völlig anders aufgeteilt, was einer Belegung mit sechs Personen, z.B. im Chartereinsatz zugute kommt. Die dritte Kabine nimmt den Platz auf der unteren Ebene an Backbord ein, wo früher die Pantry installiert war. Diese ist nun ein Geschoß höher an Steuerbord im Salon integriert. Die Dinette weicht einer dritten Nasszelle, was bedeutet, dass die Mahlzeiten in der großzügigen Sitzgruppe serviert werden.




Mit breitem Bug: Sowohl an als auch unter Deck schafft dieses Konstruktionsmerkmal viel Platz. Foto: Dieter Wanke

Mit breitem Bug: Sowohl an als auch unter Deck schafft dieses Konstruktionsmerkmal viel Platz. Foto: Dieter Wanke


In der vorderen Kabine wird der Platzgewinn deutlich, den der breite Plattbug bringt: Die bis zu 2,90 Meter lange Doppelkoje konnte quer angeordnet werden. Bad und Dusche sind getrennt an beiden Seiten von innen zu erreichen. Deutlich enger geht es in der benachbarten zweiten Kabine zu, in der immerhin 1,93 Meter Stehhöhe im vorderen Bereich geboten wird und auch eine zwei Meter lange Doppelkoje. Mit 1,20 Meter Breite ist diese aber für zwei Erwachsene recht schmal bemessen. Die dazugehörige Nasszelle gegenüber bietet eine integrierte, aber abgetrennte Dusche. Die Achterkabine verfügt mit Abstand über den meisten Platz. Das große Doppelbett, ebenfalls zwei Meter lang, steht quer im Raum. Auch hier sind Dusche und das Bad getrennt und von innen erreichbar.




Ohne die separate Dinette werden Mahlteiten an der Sitzgruppe im Salon eingenommen. Foto: Dieter Wanke

Ohne die separate Dinette werden Mahlzeiten an der Sitzgruppe im Salon eingenommen. Foto: Dieter Wanke


Ausstattung wie ein Wunschkonzert
Wie in diesem Marktsegment eigentlich üblich, wird jede Schulz 40 individuell auf die Wünsche und Bedürfnisse des Eigners abgestimmt. Auf dieser Basis wird dann auch der Preis ermittelt, der im Fall des Testbootes mit üppiger Ausstattung bei fast 300,000 Euro lag. Die Probandin war allerdings auch sehr umfangreich ausgestattet: Bug- und Heckstrahlruder, Nirosta-Fenderkorb, Landanschluss, Warmwasseraufbereitung mit 40-Liter-Tank, eine 12-kW-Heizung von Eberspächer waren ebenso an Bord, wie eine Gasanlage mit zwei Flaschen.




Corian auf den Arbeitsflächen und am Boden. Foto: Dieter Wanke

Corian auf den Abstellflächen und am Boden. Foto: Dieter Wanke


Erfreulich komplett auch die Bestückung der Pantry mit 3-flammigem Gasherd, 85-Liter-Kühlschrank samt Gefrierfach und die Ausstattung aller Nasszellen mit elektrischen Toiletten. Die Böden in den Nasszellen, und die Waschbecken sind aus widerstandsfähigem Corian, dem gleichen Material wie die Arbeitsplatte in der Pantry. Dazu passt die umfangreiche Unterhaltungselektronik samt Flachbildfernseher, der per Knopfdruck verschwindet.
Der Frischwassertank mit 500 Litern Fassungsvermögen und der Grauwassertank mit 400 Litern Kapazität garantieren die nachschubfreie Versorgung auch auf längeren Törns. Die Schulz 40 ist in der CE-Kategorie B eingestuft, damit also voll seetüchtig und kann auch außerhalb von Küstengewässern eingesetzt werden. Langfahrttauglich ist auch die Stromversorgung bei einer Starterbatterie und drei Versorgungsbatterien mit je 120 Amperestunden.




Palast achtern: Die Doppelkoje ist quer zur Fahrtrichtung eingebaut. Foto: Dieter Wanke

Palast achtern: Die Doppelkoje ist quer zur Fahrtrichtung eingebaut. Foto: Dieter Wanke


Hast bleibt an Land
Angetrieben wird Die Yacht von einem Iveco N45-100. Der als genügsamer und langlebiger Saugdiesel ausgelegte Reihenvierzylinder verfügt über 4,5 Liter Hubraum und bringt seine Kraft von maximal 74 kW (100 PS) über ein Reduktionsgetriebe und eine Wellenanlage an die Schiffsschraube. Die Werft nennt einen Durchschnittsverbrauch von etwa sechs Litern Diesel pro Betriebsstunde, was mit dem 300-Liter-Treibstofftank bei 15 Prozent Reserve rund 40 Betriebsstunden entspricht. Bei einer Reisegeschwindigkeit von 7,2 Knoten (13 km/h), die bei 2300 Umdrehungen anliegen, entspricht das einer Reichweite von rund 288 Seemeilen oder mehr als 500 Flusskilometern. Dabei geht die Schulz 40 ihrer Arbeit auch mit der gebotenen Ruhe nach: Nur 65 Dezibel Schalldruck wurden bei den Testfahrten am Steuerstand gemessen.




Ein konventioneller Iveco-Diesel bringt die Schulz 40 mit etwa  7 Knoten Marschfahrt voran. Foto: Dieter Wanke

Ein konventioneller 100-PS Iveco-Diesel bringt die Schulz 40 mit etwa 7 Knoten Marschfahrt voran. Foto: Dieter Wanke


Was die Fahreigenschaften angeht, bleibt die Yacht ihrer Grundlinie treu, die schon von ihrem Aussehen suggeriert wird. Und dies heißt: grundsolide. Der Geradeauslauf ist gut und das Boot lässt sich auch im Hafen ohne die Strahlruder sehr gut manövrieren, wobei sich nach Steuerbord der Radeffekt allerdings stärker bemerkbar macht.


Bootsfreunde, die auf ihren Reisen auf Eile gut verzichten können, nicht aber auf den Komfort einer soliden Stahlyacht und sich dabei auch optisch abheben wollen, zählen zur Zielgruppe der Schulz 40. Sie können dabei die Berücksichtigung ihrer individueller Wünsche erwarten, die in diesem Segment zum guten Ton gehört und sind dabei auch Nutznießer der Erfahrungen von Thomas Schulz und Konstrukteur Jan van der Weide, die in die Konstruktion einfließen. Das Ergebnis ist ein sehr gut fundierter Knickspanter mit vielen praktischen Ideen, hoher Fertigungsqualität und sehr guten Fahreigenschaften.




An den Proportionen  der Heckansicht wird deutlich, wie viel Platz an Bord dieser knapp 12 Meter langen Verdrängeryacht herrscht. Foto: Dieter Wanke

Auch aus den Proportionen der Heckansicht wird deutlich, wieviel Platz an Bord dieser knapp 12 Meter langen Verdrängeryacht herrscht. Foto: Dieter Wanke


Technische Daten: Schulz 40
Länge: 11,98 m
Breite: 4,30 m
Tiefgang: 1,05m
Minimale Durchfahrtshöhe: 2,45 m
Leergewicht: 14.000 kg
Baumaterial: Stahl
CE-Kategorie: B
Zulässige Personenzahl: 8
Wassertank: 500 l
Grauwassertank: 400 l
Brennstofftank: 300 l
Motorisierung: Iveco N 45-100, Leistung 74 kW (100 PS)
Motor im Testboot: Iveco N 45-100, Leistung 74 kW (100 PS), Zylinderzahl: 4 in Reihe, Hubraum: 4500 cm3, Nenndrehzahl: 2800 min-1
Preis des Testbootes:  297 500 Euro


Revier: Kölpinsee, Deutschland, Crew 2, Messung: GPS, Wasser 19° C, Luft; 20° C, Wind: 1 Bft, See 1, Benzin: 300 l (100 %)


Bildschirmfoto 2015-09-14 um 12.17.32 PM


Herstellung und Vertrieb:
Thomas Schulz
An der Reeck 17
DE-17192 Waren (Müritz)

 

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