Die Sea Ray 305 Sundancer wurde zwar schon vor einiger Zeit dem deutschen Publikum vorgestellt, aber es gibt Neues zu berichten: Denn statt des Yanmar-Dieselaggregats, das anfangs als Antriebsoption geboten wurde, stehen nun zwei Selbstzünder von Mercury auf der Preisliste, wobei die Triebwerke von Volkswagen stammen.




Sea Ray 305 Sundancer: Überarbeitet und mit neuem V8-Diesel von VW Foto: Dieter Wanke

Sea Ray 305 Sundancer: Überarbeitet und mit neuem V8-Diesel von VW Foto: Dieter Wanke


 Neuester und stärkster Spross ist der 4.2 V-8 TDI mit bullenstarkem Drehmoment. Aber nicht nur der Diesel, sondern das gesamte Paket ist mittlerweile europäisch. Die Yacht basiert zwar auf einer bewährten Rumpfkonstruktion mit modifizierter Deckslinie, wurde aber speziell für die Bedürfnisse der Kunden auf dem alten Kontinent weiterentwickelt. Und die Boote, die sowohl in offener Version (wie getestet) als auch in einer Hardtop-Variante mit rundum geschlossenen Scheiben verfügbar sind, werden ausschließlich für den europäischen Markt in Polen gefertigt.


Platz für Komfort
Der Weg an Bord führt über das Achterschiff mit einer großen Badeplattform, die so wie auch das gesamten Cockpit gegen Aufpreis mit Teakbelag zu haben ist. Die variable Sitzgruppe im Heck lässt sich im Handumdrehen in eine bequeme Liegefläche zum Sonnenbaden umbauen, wobei der Tisch in abgesenkter Position einen zusätzlichen Polster aufnimmt. Ebenso schnell lässt sich die Tischplatte bei Nichtbenutzung platzsparend zusammenklappen. Die serienmäßig an Steuerbord eingebaute Wetbar mit integrierter Spüle, Kühlschrank und Kochfeld dient dem leiblichen Wohl der Gäste und der Crew, für die man hier von erfrischenden Mixgetränken bis zum Abendessen allerlei zubereiten kann.




Die Wetbar der Sundancer zur Bewirtung im Freien. Foto: Dieter Wanke

Die Wetbar der Sundancer zur Bewirtung im Freien. Foto: Dieter Wanke


Am Arbeitsplatz des Rudergängers gibt es gut ablesbare Rundinstrumente und eine breite, bequeme Sitzbank, die auch als Stehhilfe dient. Am Instrumententräger ist zudem ausreichend Platz für die Montage eines Kartenplotters, nur eine Armstütze zur komfortablen Bedienung der Gashebel fehlt. Gut dagegen sind die Bügel über den Kippschaltern, die vor unbeabsichtigter Betätigung schützen. Praktisch ist auch der direkte Zugang zum Vordeck über die in der Niedergangstür einlaminierten Treppenstufen und die Fensterscheibe, die extra dafür geöffnet werden kann.




Durchgang zum Bugbereich. Foto: Dieter Wanke

Der Durchgang zum Bugbereich ist in die Niedergangsschiebetür integriert. Foto: Dieter Wanke


Unter Deck herrscht eine großzügige Stehhöhe von 1,89 Meter. Die v-förmige Sitzgruppe im Bug kann nach Absenken des Tisches mit Polstern aufgefüllt werden und wird so zur geräumigen Doppelliege von zwei Metern Länge und 1,80 Meter Breite im Kopfbereich. Zur Versorgung ist an der Steuerbordseite eine Pantry mit Spüle, Mikrowelle und großem Kühlschrank eingebaut, wobei der praktische Gaskocher Option ist. Dahinter folgt kurz vor dem Niedergang eine Nasszelle mit Waschbecken, Dusche und Pump-Toilette. Gegenüber befindet sich die getrennte Achterkabine mit Unterflur-Kojen, die mit 2,10 Metern zwar recht lang sind, aber aufgrund der geringen Breite von nur 1,25 Meter für das bequeme Nachtlager für zwei Erwachsene gar eng erscheinen.




Gute Stube: Galley und Sitzgruppe im Bug, die zur Doppelkoje mutiert. Foto: Dieter Wanke

Gute Stube: Galley und Sitzgruppe im Bug, die zur Doppelkoje mutiert. Foto: Dieter Wanke


Topspeed mit Selbstzünder
Ursprünglich wurde die Sea Ray 305 Sundancer mit zwei Benzinern vom Typ MerCruiser 4.3 Liter MPI mit je 162 kW (220 PS) oder MerCruiser 5,0 MPI mit je 191 kW (260 PS) angeboten bzw. mit einem Yanmar-Diesel vom Typ 6LPA-STZP2 mit 222 kW (300 PS). Der ist wie angedeutet einem Mercury Diesel der Baureihe 265-6 TDI mit 195 kW (260 PS) gewichen. Neuerdings gibt es die Sundancer aber auch mit einem stärkeren Selbstzünder, dem 4.2 V-8 TDI mit 246 KW (335 PS), der auf dem Testboot installiert war. Beide Aggregate erfüllen die Abgasnorm der Schadstoffklasse BSO II, wobei der V8-Diesel mit einer digitalen Schaltung und dem Bravo-Three-XR-Antrieb versehen ist, der das gewaltige Drehmoment dieses Motors auch verkraftet.




VW-Diesel: Bulliges Drehmoment aus 8 Zylindern. Foto: Dieter Wanke

VW-Diesel: Bulliges Drehmoment aus 8 Zylindern. Foto: Dieter Wanke


Im Vergleich zu früheren Tests mit der Basismotorisierung sind die Messungen eine kleine Überraschung. Obwohl der Selbstzünder auf dem Papier schwächer ist als die Doppelmotorisierung mit Benzinern, erreicht das Boot nach knapp 40 Sekunden eine Höchstgeschwindigkeit von 34,1 Knoten. Das ist mehr als einen halben Knoten schneller als mit den beiden Benzinern, bei denen bei 33,5 Knoten Schluss war. In der Beschleunigung haben allerdings die Benziner mit acht Sekunden bis zum Erreichen der Gleitfahrt die Nase um eine Sekunde vorn. Der Grund dafür könnte in der leichten Kavitation des Doppelpropellers in der Beschleunigungsphase des Diesels liegen, die beim Test zu beobachten war.
Wie zu erwarten, glänzte der V8 auch mit moderateren Verbrauchswerten: Bei einer Reisegeschwindigkeit von 22 Knoten flossen 38 Liter Diesel pro Stunde durch die Leitungen. Mit dem eingebauten 378-Liter-Tank ergibt dies etwa zehn Stunden Betrieb und eine maximale Reichweite von 220 Seemeilen. Bei Vollgas liegt der Verbrauch bei relativ moderaten 72,3 Litern pro Stunde. Wer gern sparsam und umweltschonend unterwegs ist, kann den Treibstoffkonsum bei etwa sieben Knoten Verdrängerfahrt auf 7,2 Liter pro Stunde drosseln.
Ohne wesentlichen Tadel waren auch die Fahreigenschaften. Bei der Probefahrt lief die Sea Ray butterweich durch die mäßigen Mittelmeerwellen. Auch bei der Kurvenfahrt folgte der Rumpf exakt dem vorgegebenen Kurs. Beim Vollkreis nach Steuerbord mit Drehzahlen über 2500 Umdrehungen konnte allerdings eine leichte Kippgefährdung registriert werden. Beeindruckend dabei der enge Radius von 1,3 Bootslängen. Nach Backbord waren 3000 Umdrehungen bei einem Durchmesser von 1,8 Bootslängen problemlos machbar.




Der Wendekreis nach Backbord beträgt 1,8 Bootslängen. VW Foto: Dieter Wanke

Der Wendekreis nach Backbord beträgt 1,8 Bootslängen. Foto: Dieter Wanke


Die Gretchenfrage: Zwei Benziner oder ein Diesel?
Der kräftige und sparsame V8-Diesel, eine sinnvolle und willkommene Bereicherung der Antriebsoptionen der Sea Ray 305 Sundancer, wird mit Sicherheit seine Anhänger finden. Obwohl er mit 185.200 Euro preislich deutlich über den Benzinmotoren liegt, die mit 161. 700 Euro zu Buche stehen, gibt es Vorteile, die diesen Mehrpreis relativieren: neben günstigeren Verbrauchswerten, die sich besonders bei intensiver Nutzung amortisieren können, bringt der V8-Diesel nur 496 Kilogramm auf die Waage, das ist eine ganze Ecke weniger Gewicht im Vergleich zur Basismotorisierung mit zwei Benzinern, die immerhin 838 Kilogramm mit sich schleppen. Und auch bei den Wartungskosten sollte der Diesel besser abschneiden. Wer dann noch an den potenziell besseren Wiederverkaufswert denkt, kommt unter Umständen auf genug Pluspunkte, die den höheren Einstiegspreis für den 4.2 V-8 TDI rechtfertigen.




Spurtreu udnunaufgeregt: Die Sea Ray 305 Sundancer beim Test am Mittelmeer. Foto: Dieter Wanke

Spurtreu und unaufgeregt: Die Sea Ray 305 Sundancer beim Test am Mittelmeer. Foto: Dieter Wanke


Technische Daten Sea Ray 305 Sundancer
Länge: 10,15 m
Breite: 2.90 m
Tiefgang: 1.00 m
Leergewicht: 3900 kg
Baumaterial: GFK
CE-Kategorie: B bis 8 Personen
Kraftstofftank: 378 Liter
Wassertank: 109 Liter
Motorisierung: MerCruiser Benziner und Mercury Diesel ab 191 kW (260 PS) bis 2 x 191kW (260 PS)
Preis mit Testmotorisierung Mercury Diesel 4.2 V-8 TDI, Alpha Three XR, Leistung 246 KW (335 PS) ab 185 200 €


Messwerte des Testbootes
Revier: Mittelmeer bei Sitges, Spanien, Besatzung: 5 Personen, Wasser 18 °C, Luft 22 °C, Wind 2 Bft., See: 1, Tanks: Diesel: 95 l, (25%), Wasser: leer


Screen shot 2014-08-20 at 5.32.13 PM


Hersteller
Sea Ray Boats
2600 Sea Ray Blvd.
Knocksville, TN 37914
USA


Händler
Boote Pfister
Wahlweg 6
97525 Schwebheim
Tel.: (0 9 72)  39 37 10


Boote Service Oberbayern
Wettersteinstr. 16
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Tel.: (0 89) 61 45 54 40


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