Drei Freunde taten sich 2001 zusammen, weil sie ein schnelles Schlauchboot bauen wollten, das sparsam, sicher und seegängig sein sollte. Spaß musste es natürlich auch machen und für längere Fahrten taugen. Daraus wurde dann die mittlerweile bekannte griechische Firma Technohull, die sich konsequent auf größere Hochleistungsschlauchboote mit Festrümpfen spezialisiert hat. Die Produktion startete 2005 mit der 688, der bald darauf eine Serie größerer Boote folgte, mit der 777, 888 und dem Bestseller seaDNA 999. Hohe Qualität wird bei Technohull durch entsprechende Materialien und Verarbeitungsverfahren sichergestellt. Die GFK-Komponenten werden, je nach Bauteil, entweder im Handauflege- oder aber auch im Vakuuminfusionsverfahren hergestellt, wodurch hohe Stabilität bei geringem Gewicht gewährleistet ist. Die Hypalonschläuche bestehen aus robustem Orca 866, das auf einem Polyestergewebe mit einem Fadengewicht von 1670 dtex basiert und obendrein in verschiedenen Farben erhältlich ist.

RIB der Oberklasse: Technohull SV 909 Foto: boats.com/Wanke

RIB der Oberklasse: Technohull SV 909 Foto: boats.com/Wanke



Die neue SV 909 folgt der 888 und schließt damit die Lücke zwischen den Schlüsselmodellen seaDRUG 688 und des Dauerbrenners seaDNA 999. Der 9,05 Meter lange und drei Meter breite Neuling entspricht in seinen Abmessungen genau denen des Vorgängers. Das Testboot mit einem Gesamtgewicht von 2,2 Tonnen war auch trailerbar, denn die maximale Breite kann durch das Ablassen der Luft in den Schläuchen auf gesetzlich konforme Maße für den Straßentransport reduziert werden.

Mit Tisch & Sofa: Bugbereich des Edelschlauchers. Foto: boats.com/Wanke

Mit Tisch & Sofa: Bugbereich des Edelschlauchers. Foto: boats.com/Wanke



Betreten lässt sich die Technohull SV 909 über eine solide Edelstahl-Trittfläche im Bug mit seitlich integrierten Klampen. Eine ungewöhnliche, aber durchaus clevere Lösung, die auf dem darunter befindlichen Kettenkasten verbolzt ist. Der Anker ragt unter dem Schlauch aus dem Bug, wobei die Öffnung dafür sauber in das Laminat integriert ist. Im Bugbereich ist eine u-förmige Sitzgruppe in das Deck laminiert, die gleichzeitig auch Stauraum bietet. Insgesamt findet sich da platz für fünf Personen, die es sich auf den abnehmbaren Polsterflächen gemütlich machen können – auf Wunsch auch mit Tisch. Das ganze lässt sich auch wahlweise in eine Liegefläche zum Sonnenbaden verwandeln.

Interssantes Zubehör ist die Umkleidekabine aus Tuch.  Foto: boats.com/Wanke

Interssantes Zubehör ist die Umkleidekabine aus Tuch. Foto: boats.com/Wanke


Platz für viele(s)


Zentrales Element der Technohull ist allerdings die Mittelkonsole mit dem Steuerstand. Vorne befindet sich eine Klappe mit einer einlaminierten Sitzbank, die ebenfalls mit Polstern versehen ist. Dahinter verbirgt sich ein großer Stauraum, der wahlweise auch mit einer Toilette versehen werden kann und durch eine integrierte Stoffpersenning verschlossen auch als Umkleidekabine benutzt werden kann. Auf der Rückseite befindet sich der Arbeitsplatz des Bootsführers mit einem Instrumententräger, der ergonomisch gut ausgeführt ist, sodass alle Informationen gut ablesbar sind. Es gibt auch genügend Platz für zusätzliche Multifunktionsdisplays. Ein Kompass, das will positiv vermerkt werden, gehört auf diesem Boot zur Grundausstattung. Ebenfalls durchdacht ist das kleine wasserdichte Handschuhfach, in dem Mobiltelefone, Kameras und andere Mitbringsel gut geschützt, aber dennoch griffbereit untergebracht sind. Die Windschutzscheibe bietet sowohl Fahrer als auch Beifahrer genug Schutz vor Wind und Spritzwasser, doch wer sich gegen allzu starke Sonneneinstrahlung schützen will, kann entweder ein Bimini oder das auf dem Testboot installierte T-Top für ordern, wofür bis zu 7.500 Euro fällig werden können.

Vorbildlicher Arbeitsplatz an de rMittelkonsole und Sonnenschutz durch T-Top.Foto: boats.com/Wanke

Vorbildlicher Arbeitsplatz an der Mittelkonsole und Sonnenschutz durch T-Top.Foto: boats.com/Wanke



Hinter der ersten Sitzreihe kann weiteres Gestühl montiert werden, wobei auch elektrisch verstellbare Versionen im Angebot sind. Oder es kann wie im Testboot eine Wetbar mit Waschbecken und Kühlschrank für 4522 Euro geordert werden.
Hinter der Wetbar gibt’s noch eine gepolsterte Sitzbank an die sich auf dem mit einem Innenborder versehenen Testboot noch eine große Sonnenliege anschloss, mit seitlichen Edelstahl-Haltegriffen. Auch die Motorraumentlüftung, die Tankstutzen für Sprit und Wasser, sowie die versenkbaren Edelstahl-Klampen sind hier seitlich im Laminat gut zugänglich montiert.

Prost & Mahlzeit: Die praktische Wetbar hinter den Fahrersitzen hält Erfrischungen bereit. Foto: boats.com/Wanke

Prost & Mahlzeit: Die praktische Wetbar hinter den Fahrersitzen hält Erfrischungen bereit. Foto: boats.com/Wanke



Das Heck schließt mit einer großen Badeplattform ab, wobei Badeleiter und Süßwasser-Dusche zur Grundausstattung gehören. Der Teakbelag auf dem gesamten Deck bringt eine gediegene Note an Bord, was allerdings mit einer Zuzahlung von 7140 Euro verbunden ist. Das pflegeleichtere Flexiteek schlägt dagegen nur mit 4165 Euro zu Buche. Interessant für Brettsportler: Ein Wasserskimast mit Navigationsbeleuchtung kostet 1428 Euro extra.

Bei Innenbordmotorisierung gibt's eine Sonneliege achtern auf der Motorabdeckung. Foto: boats.com/Wanke

Bei Innenbordmotorisierung gibt's eine Sonneliege achtern auf der Motorabdeckung. Foto: boats.com/Wanke


Die Qual der Motorenwahl


Die Technohull SV 909 ist grundsätzlich mit je ein oder zwei Außenbordern und Innenbordern erhältlich. Basismotorisierung ist ein Mercury Verado F250, wobei als Topmotorisierung werden zwei Mercury Verado F250 verbolzt. Als Alternativen werden vom Hersteller auch Doppelanlagen von Yamaha mit dem F200F und dem F150D gelistet. An Innenbordern sind ein MerCruiser Diesel TDI V8 370 oder zwei MerCruiser Diesel 170 verfügbar, jeweils mit Bravo-Three-Antrieben. Doch das ist längst nicht das Ende vom Lied, denn die Werft ist flexibel, was die Motorisierungen angeht. Im Testboot war nämlich ein Volvo Penta V8-350 mit Duoprop-Aquamatik montiert, ein modernes Vollaluminium-Aggregat mit Direkteinspritzung, variabler Ventileinstellung und Zweikreiskühlung das auch für den Bodensee zugelassen ist, denn durch die Katalysatoren mit Breitband-Lambdasonden sind die Emissionswerte auf sehr niedrigem Niveau. Noch besser: wie die Testfahrt zeigte, harmoniert dieser Antrieb bestens mit der Technohull SV 909. Die 221 kW (350 PS) des 5,3-Liter-Achtzylinders beschleunigten das Boot in sieben Sekunden auf Gleitfahrt, die bei 2500 Umdrehungen mit 14,6 Knoten anliegt. Die Höchstgeschwindigkeit von satten 41,1 Knoten war nach insgesamt 35 Sekunden erreicht, exakt bei der Nenndrehzahl von 5800 Umdrehungen.

Ausnahmsweise auch Volvo- Penta: Die Griechen zeigen sich flexibel was die Motorisierung angeht. Foto: boats.com/Wanke

Gern auch Volvo-Penta: Die Griechen zeigen sich flexibel was die Motorisierung angeht. Foto: boats.com/Wanke



Die Kurvenfahrt ließ sich ohne Mühe einleiten und selbst beim Verreißen des Steuers blieb alles im Griff. Vollkreise waren bei schneller Fahrt mit einem Durchmesser von 2,5 Bootslängen in beide Richtungen zu meistern. Bei reduzierter Fahrt ging sich dieses Manöver allerdings schon innerhalb von 1,5 Bootslängen aus. Das gilt auch für die Rückwärtsfahrt, womit das Manövrieren selbst in engen Häfen problemlos vonstatten geht. Geradeauslauf und das Eintauchen in Wellen waren beim Test am Bodensee tadellos. Dank des tiefen V-Rumpfes mit integrierten Stufen zeigt die Technohull SV 909 auch bei Wellen ihre Schokoladenseite, wie sich während des Tests beim Überfahren der Heckwellen von Fähren zeigte. Ein Wort noch zum Verbrauch: Längere Distanzen lassen sich mit 21 Knoten bei 3500 Umdrehungen mit der Technohull SV 909 am sparsamsten überbrücken. Dabei fließen stündlich 41 Liter Kraftstoff aus dem 450-Liter-Tank. Abzüglich einer Sicherheitsreserve von 15 Prozent bedeutet dies einen Aktionsradius von ordentlichen 196 Seemeilen. Selbst bei Dauervollgas wären immerhin noch 150 Seemeilen drin, wenn es mal schnell gehen muss.

Tiefer V-Rumpf mit Stufen: Die Technohull SV 909 ist für raueres Wasser konzipiert als es der flaue Bodensee beim Test zu bieten hatte. Foto: boats.com/Wanke

Tiefer V-Rumpf mit Stufen: Die Technohull SV 909 ist für raueres Wasser konzipiert als es der flaue Bodensee beim Test zu bieten hatte. Foto: boats.com/Wanke


Qualität hat ihren Preis


Die Technohull SV 909 spielt in der Oberliga der Festrumpfschlauchboote, sowohl was Fahrverhalten als auch was die Ausstattung angeht. Das reflektiert sich im Preis, der bei saftigen 107.100 Euro beginnt und in dem Nebenkosten für Fracht und die Installation der Antriebe noch nicht enthalten sind. Dazu kommt im günstigsten Fall der Basismotor Mercury Verado F250, der bei Technohull mit 27.132 Euro in der Preisliste steht.
Die große Auswahl an unterschiedlichsten Motorvarianten dürfte aber wohl jeden Kundengeschmack zufriedenstellen. Die Möglichkeit, dieses Boot auf der Straße zu trailern oder es vielleicht sogar in der eigenen Hauseinfahrt zu parken, erhöht seine Vielseitigkeit und reduziert Unterhaltskosten, womit der stattliche Einstiegspreis leichter zu rechtfertigen ist. Nur zum Übernachten eignet sich das Boot nicht. Die Option, sich im Bug wahlweise auch eine Kabine montieren zu lassen, gibt es nur bei den größeren Technohull-Modellen.

Technische Daten Technohull SV 909


Länge: 9,05 m
Breite: 3,00 m
Tiefgang: keine Angabe
Leergewicht: 1.750 kg (Leergewicht ohne Motoren)
Gesamtgewicht mit Testmotorisierung: 2.240 kg
Baumaterial: GFK/Hypalon
CE-Kategorie: C
Zulässige Personenzahl: 12
Brennstofftank: 450 l
Wassertank: 100 l
Motorisierung: Innenborder, Benziner oder Diesel oder Außenborder mit einer Leistung ab 189 kW (250 PS) bis 2 x 189 kW (250 PS)
Grundpreis Außenbordversion ohne Motoren und Nebenkosten: 107 100 Euro
Grundpreis Innenbordversion ohne Motoren und Nebenkosten: 101 150 Euro
Preis mit Testmotorisierung Volvo Penta V8 350: 156196 Euro inklusive Montage und Nebenkosten.

Messung mit Volvo Penta V8 350, Leistung 261 kW (350 PS)
Revier: Bodensee bei Friedrichshafen, Besatzung: 2 Personen, Wasser 18 °C, Luft 22 °C, Wind 0-1 Bft., See: 0-1, Tank: 450 l, (100%), Wasser: 58 l , (58%)Screen Shot 2017-09-06 at 12.21.17

Werft


Technohull S.A.
Iroos Matsu & Archeou Theatrou
17456 Alimos/Athen
Griechenland

Importeur


Technohull Swiss AG
Ringstrasse
68274 Tägerwilen
Schweiz

Händler


Wassersport-Center Stockmann GmbH
Ludwigslusterstraße 10d
9303 Dömitz

Händler und Lieferant des Testbootes


Valentina Bootservice
Dipl. Ing. Udo Wagenhäuser
Claude-Dornier-Straße 20D
78467 Konstanz

 

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