Die Boote der Marke Terhi kommen aus Finnland und werden seit Anfang der 1970er Jahre am Hauptsitz der Werft in Rymättylä gebaut. Seit 2009 gehören zur TerhiTec-Gruppe auch die bekannten Marken SeaStar und Silver, womit sich der Konzern zum größten Kleinbootproduzenten in Nordeuropa entwickelte. Das Besondere bei Terhi ist das Rumpfmaterial, das nicht aus GFK besteht, sondern aus robustem Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS), einem Werkstoff, der sonst bei der Fertigung von Motorradhelmen, Kunststoffteilen im Automobilbau oder Gehäusen von Elektrogeräten zum Einsatz kommt.




Terhi 445 C: Einfach, vielseitig und robust. Foto: Dieter Wanke

Terhi 445 C: Einfach, vielseitig und robust. Foto: Dieter Wanke


Es handelt sich dabei um einen thermoplastischen Kunststoff, der nach Erhitzung in Form gebracht wird. Neben geringem Pflegeaufwand - Osmose gibt es hier nicht - hat ABS auch den Vorteil der besseren Recyclingfähigkeit, heißt, es kann bei sauberer Trennung wieder komplett neu verarbeitet werden. Wie die aus den USA bekannten, jedoch in GFK gebauten Boston Whaler, bestehen auch die Rümpfe der Terhi-Boote aus Innen- und Außenschale, mit einem komplett ausgeschäumten Zwischenraum. Damit sind sie stabil und unsinkbar.




Bei aller Einfachheit ist der ABS-Rumpf sauber verarbeitet. Hier der ausklappbare Sitzvor dem Steuerstand. Foto: Dieter Wanke

Bei aller Einfachheit ist der ABS-Rumpf sauber verarbeitet. Hier der ausklappbare Sitzvor dem Steuerstand. Foto: Dieter Wanke


Die Werft baut momentan 12 Modelle in 19 Varianten zwischen 2,25 bis 4,75 Meter, darunter auch Ruder- und Segelboote. Die 2014 vorgestellte Terhi 445 C wiegt nur 280 kg und ist auch auch in einer Basisversion ohne Steuerkonsole erhältlich. Das geringe Gewicht ermöglicht es, das Boot auch ohne Führerschein mit einem Außenbordmotor von maximal 15 PS vernünftig zu betreiben, zumindest solange die Zuladung überschaubar bleibt.


KISS-Prinzip auf Finnisch
Beim Einstieg über den Bug fällt durch eine Trittfläche in der Mitte des optionalen und nach vorne offenen Bugkorbs leicht. Darunter ist etwas Platz zum Verstauen von Leinen, die sonst im Ankerkasten gehören, der aber nicht vorgesehen ist. Das Geschirr muss in den Staukasten unter der sich an Steuerbord anschließenden Sitzfläche untergebracht werden. Offene Staukästen an beiden Seiten nehmen weiteres Zubehör, wie Paddel, Fender oder Angelruten auf, wobei ein raffinierter Klappsitz den Weg nach Achtern zur Steuerkonsole freigibt, die über eine kleine Windschutzscheibe und einen umlaufenden stabilen Haltebügel verfügt. Ein Kompass muss zwar aus dem Zubehörhandel nachgerüstet werden, ein Drehzahlmesser und die Tankanzeige sowie ein Getränkehalter sind aber ebenso eingebaut, wie eine 12-Volt-Steckdose und der Schalter für die Navigationsbeleuchtung, die allerdings aufpreispflichtig ist. Die Instrumente sind gut ablesbar und die Schaltgruppe für den Motor ist ergonomisch richtig montiert.




Offener Bug mit Stau- und Sitzgelegenheiten. Foto: Dieter Wanke

Offener Bug mit Stau- und Sitzgelegenheiten. Foto: Dieter Wanke


Die Terhi 445 C ist bewusst einfach gehalten, ohne Fahrer- und Beifahrersitz. Der Steuermann sitzt daher auf der achterlichen Sitzbank, eine praktische, wenn auch spartanische Lösung, weil sowohl Polster als auch Rückenlehne fehlen. Erstere werden zumindest als Extra angeboten, doch wer es bequemer will und sich auch mal ein wenig zurücklehnen möchte, muss sich im Zubehörhandel nach Lösungen umsehen. Die Sitzflächen sind aus mehrfach verleimtem und lackiertem Schichtholz gefertigt und dienen als Abdeckung der darunter befindlichen Stauräume. Vernietete Kunststoffscharniere stellen die Verbindung zur ABS-Innenschale her.




Rücksitz gleich Fahrer- und Beifahrersitz. Foto: Dieter Wanke

Rücksitz gleich Fahrer- und Beifahrersitz. Foto: Dieter Wanke


Gewicht im Bug bringt Knoten
Der Hersteller empfiehlt die Motorisierung ab 14,7 kW (20 PS), erwähnt aber ausdrücklich, dass die Terhi 445 C auch mit einem führerscheinfreien Außenborder mit 11 kW (15 PS) betrieben werden kann. Am Testboot war die Langschaft-Version des Honda BF 30 mit der maximal zulässigen Leistung von 22,1 kW (30 PS) und elektrischer Kipp- und Trimmanlage montiert. Das verbessert den Bedienkomfort, erhöht aber auch den Preis gegenüber der Basisversion von 5.890 auf 6.590 Euro. Mit zwei Personen an Bord brachte der kleine 3-Zylinder-Viertakter das Boot in acht Sekunden in Gleitfahrt, die mit 11 Knoten bei 4500 Umdrehungen begann. Die Höchstgeschwindigkeit von 20,5 Knoten war nach 25 Sekunden erreicht.




Mit dem Beifahrer im Bug geht's flotter. Foto: Dieter Wanke

Mit dem Beifahrer im Bug geht's flotter. Foto: Dieter Wanke


Ab 3500 Umdrehungen war je nach Sitzposition der zweiten Person im Bug oder Heck ein teilweise spürbarer Unterschied in der gemessenen Geschwindigkeit feststellbar, wobei die untern angeführten Messwerte mit Passagier im Bug erhoben wurden. Sassen beide hinten, lag die Geschwindigkeit im Drehzahlbereich zwischen 3500 und 4500 Umdrehungen teilweise bis zu vier Knoten unter den angegebenen Messwerten. Das zeigt, dass das Boot selbst mit der maximal zugelassenen Leistung nicht wirklich übermotorisiert ist.


Wer einigermaßen flott unterwegs sein möchte oder oft mit großer Beladung fährt, sollte zur Top-Motorisierung greifen. Für eine gemütliche Ausfahrt mit der Familie, eine beschauliche Angeltour oder führerscheinfreies Fahren reichen aber 15 PS allemal. Beim Test war festzustellen, dass dieses Boot auch mit der Spitzenmotorisierung über sehr gutmütige Fahreigenschaften verfügt und weder bei extremer Kurvenfahrt noch bei Vollgas oder langsamen Hafenmanövern Auffälligkeiten zeigt. Die mechanische Lenkung erfordert zwar etwas Kraftaufwand, der hält sich jedoch in erträglichen Grenzen.




Maximal motorisiert. 30m Ps ist nicht viel, reicht aber für das 280 kg leichte boot. Die mechanische Lenkung erfordert Kraft. Foto: Dieter Wanke

Maximal motorisiert. 30 PS ist nicht viel, reicht aber für das 280 kg leichte Boot. Die mechanische Lenkung erfordert Kraft. Foto: Dieter Wanke


Gut Boot fürs Geld - besonders für Einsteiger 
Die Terhi 445 C steht ohne Motor ab 5.940 Euro beim Händler. Die Grundversion ohne Konsole ist 1.100 Euro günstiger, bietet aber noch weniger Komfort. Wer gerne etwas kommoder unterwegs ist, dem bleibt der Griff in die Tasche nicht erspart: Sitzkissen und gepolsterte Sonnenliege sind jeweils für stolze 575 Euro wohlfeil. Sollte Nachtfahrkapazität gewünscht werden, sind nochmals 108 Euro für Zweifarbenleuchte und Hecklicht zu berappen. Die Montage des Motors, Schaltzüge und die Starterbatterie wird vom Händler gesondert berechnet, genau wie eine Hafenpersenning, die für 749 Euro angeboten wird. Gemessen am Bootspreis ist das eine Stange Geld für Zubehör, dennoch ist dieses kleine finnische Boot ein preiswerter Allrounder mit guter Verarbeitung und durch seine Unsinkbarkeit geradezu ideal für Einsteiger.




Alles, was ein Boot braucht: Die Terhi 445 C erhebt keinen Anspruch auf Luxus eignet sich dennoch für viele Anwendungsbereiche. Foto: Dieter Wanke

Alles, was ein Boot braucht: Die Terhi 445 C erhebt keinen Anspruch auf Luxus eignet sich dennoch für viele Anwendungsbereiche. Foto: Dieter Wanke



Technische Daten Terhi 445 C

Länge: 4,45 m
Breite: 1,85 m
Tiefgang: keine Angabe
Leergewicht: 280 kg (ohne Motor)
Baumaterial: ABS-Kunststoff Vorgesehene
CE-Kategorie: C
Zulässige Personenzahl: 5
Brennstofftank: 25 l (abhängig vom Motor) Motorisierung: Außenborder mit Langschaft, Leistung bis 22,1 kW (30 PS)
Grundpreis: 5.940 Euro ohne Motor
Grundpreis mit Testmotorisierung Honda BF 30 LRTU: 12.590 Euro Bildschirmfoto 2015-07-28 um 3.24.52 PM Messung mit Honda BF 30 LRTU, Leistung 22,1 kW (30 PS) Revier: Bodensee bei Friedrichshafen, Besatzung: 2 Personen, Wasser 21 °C, Luft 20 °C, Wind 0 Bft., See: 0, Tanks: Benzin: 25 l, (100%)

Werft
TerhiTec Oy
Huhdantie 6
21140 Rymättylä
Finnland


Import/Vertrieb für Deutschland
Boat Solutions GmbH (Lieferant des Testbootes)
Seestr. 8
86919 Utting

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