Foilen entwickelt sich zum Megatrend. Nach Cuppern und Regattabooten kommt die Tragflügel-Technologie allmählich auch im Serienbootsbau für Multihulls an. Jüngstes Beispiel der Entwicklung ist der TF10, ein 32-Fuß-Foil-Trimaran von Morelli & Melvin – gewissermaßen das Mehrrumpf-Pendant zur Figaro 3 von Beneteau.

Die Ähnlichkeit des TF10 mit dem Corsair F31 besteht nur äußerlich und in der Tatsache, dass beide faltbar sind.

Die Ähnlichkeit des TF10 mit dem Corsair F31 besteht nur äußerlich und in der Tatsache, dass beide faltbar sind.



Gedacht ist das Boot für Eigner, die selbst an der Pinne sitzen wollen – kein weiteres Spielzeug für Vollprofis. Eine Art "Volks-Foiler" also, wobei man das nicht zu wörtlich nehmen darf, denn der Preis wird sicher sechsstellig sein. Dafür sollen die laufenden Kosten im Rahmen bleiben, weil bis auf die Elektronik nahezu alles in den Klassenregeln festgeschrieben ist – bis hin, kein Witz (!), zu Anzahl und Modell der Winschkurbeln.

Zum Konzept passen auch die Anhänge, die bei Tragflügelbooten ja mit zum Wichtigsten überhaupt zählen. Statt der aus dem America's Cup und den GC 32 bekannten L-Foils gibt es beim TF10 sogenannte Z-Foils, bei denen die "Tragfläche" stärker abgeschrägt ist.Je höher das Boot aus dem Wasser kommt, desto weniger Auftrieb erzeugen diese Anhänge, je tiefer es eintaucht, desto mehr. Dazu kommt, dass beim TF10 sowohl die beiden Z-Schwerter als auch die T-Ruder beim Foilen dauernd im Wasser sind und nur zum Slippen auf der Rampe und Trailern hochgezogen werden. Um im Falle einer Kollision mit Treibgut Schäden am Rumpf zu vermeiden, sollen die Ruder automatisch hochklappen.

Schwertmechanismus des TF10 im Schema

Schwertmechanismus des TF10 im Schema.



Die Bedienung der Anhänge (z. B. die Verstellung des Anströmwinkels) erfolgt per Knopfdruck über eine Elektronik und Hydraulik womit das Boot auch mit kleiner Crew beherrschbar ist. Der Clou des TF10 aber ist seine Faltbarkeit, wie man es von den Corsair-Trimaranen kennt. Damit ist das Boot schnell auf eine handliche Breite reduziert, womit sich das Slippen an de rRampe, die Lagerung am Stellplatz und auch der Trailertransport vereinfacht. Dies, so Hersteller Holland Composites, sei eine wichtige Anforderung der fünf ersten Auftraggeber gewesen, die allesamt dem New York Yacht Club angehören und damit eine Einheitsklasse starten wollen.

Rumpf und Deck des TF 10 werden komplett in Kohlefaser-Sandwich mit Nomex-Wabenkern gebaut. Das erklärt das extrem geringe Leergewicht des Bootes von nur 1,1 Tonnen. Segelfertig mit Crew wird der TF10 rund 1,5 Tonnen verdrängen. Sein Potenzial ist vergleichbar mit dem des Foiler-Kats Easy To Fly. Die Segeltragezahl liegt bei 7,7. Zum Vergleich: Performance-Cruiser haben Werte um die 5,0. Es braucht also nur wenig Fantasie, um dem Tri bei flachem Wasser und 6 Beaufort 30 Knoten Top-Speed zuzutrauen.

T-Ruder samt Mechanismus, wie er in den beiden Amas eingebaut sein wird.

T-Ruder samt Mechanismus, wie er in den beiden Amas eingebaut sein wird.



Ach ja, zwei Einzelkojen gibt es im Mittelrumpf auch, der mit 1,80 Meter sogar fast Stehhöhe bieten soll. Streng genommen ist der TF10 also auch fahrtentauglich, wenn man kein Doppelbett, kein Klo und keine Pantry erwartet. Und er passt nicht nur hinter einen Mittelklasse-Pkw, sondern auch in einen 40-Fuß-Standard-Container. So gesehen lässt er sich günstigst in jedes Revier der Welt verschiffen.

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Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung der AYacht logo Europas größtem Segelmagazin

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