Gute Segel sorgen nicht nur für Vortrieb, sie erzeugen auch weit weniger Krängung in Böen und beim Aufkreuzen als es mit alten, ausgewehten Tüchern der Fall ist. Das reduziert auch Luvgierigkeit und macht das Steuern leichter und damit angenehmer. Ganz zu schweigen von der besseren Bootsgeschwindigkeit, die mit neuem Material zu erzielen ist und dem Umstand, dass man auch leichter einhand unterwegs ist, wenn die Segelgarderobe passt.

Beneteau First 44.7 Ein guter Satz Segel verbessert Fahreigenschaften und Zuverlässigkeit eines Bootes und sorgt für bessere Geschwindigkeit.

Ein guter Satz Segel verbessert Fahreigenschaften und Zuverlässigkeit eines Bootes und sorgt für bessere Geschwindigkeit.


SEGELTYPEN


Segel lassen sich in vier Hauptkategorien aufteilen

1. Großsegel (sowie Besansegel auf einer Ketsch oder Yawl, wie wir in unserem Stück über Segelboottypen erklären): Dabei handelt es sich um ein Segel, das achtern am Mast angeschlagen wird und auch den Großteil des Vortriebs liefert. Je nach Windstärke können auch sogenannte Reffs eingebunden werden, um die Segelfläche zu verkleinern.

2. Vorsegel (einschließlich Klüver, Genua und Stagsegeln): Während heute viele moderne Yachten eine einziges Vorsegel zum Aufrollen haben, gibt es dennoch verschiedene Typen solcher Segel, die von der Form und vom Typus her für verschiedenste Windstärken optimiert sind. Diese werden traditionell mit einer Nummer bezeichnet, in der Regel zwischen eins und vier, wobei gilt: je größer die Zahl, desto kleiner das Segel das dann bei stärkeren Winden zum Einsatz kommt.

3. Raumschot- und Vorwindsegel: Darunter versteht man symmetrische und asymmetrische Spinnaker, entweder für Regatten oder zum Fahrtensegeln und sogenannte und Code Zero-Segel, die sich für etwas spitzere Kurse eignen.

4. Schwerwetter und Sturmsegel: Eine Sturmfock (und auch ein Trysegel) ist wichtig für die Sicherheit von Hochseeyachten, die oft mit schwierigen Bedingungen zu tun haben. Weil Rollgenuas eine schlechte und wenig effiziente Form haben, wenn sie weit aufgerollt sind, kann eine Starkwindfock, die in de rGröße zwischen einer Sturm- und einer Normalfock liegt und an einem entfernbaren inneren Vorstag angeschlagen ist, ein überaus nützlicher Bestandteil der Segelgarderobe sein.

SEGEL-EXPERTEN


Segelmacher sind die Fachleute für jeden Job, der Segel betrifft, egal ob es sich um Auswahl, Kauf, Wartung, Reparatur oder Winterlager handelt. Sie kennen sich bei vielen verschiedenen Booten aus und sind gerne bereit, ihren Kunden nützliche Ratschläge zu erteilen, wie zum Beispiel bei der langfristigen Planung für die Wartung und den Austausch älterer Segel. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zu den wichtigsten Überlegungen beim Kauf von neuen Segeln.

SEGELTÜCHER


Vor wenig mehr als 20 Jahren war Dacron die einzige Option für alle außer für ein paar handverlesene gut-gesponserte Grand-Prix - Rennyachten. Die einzige Entscheidung, die Käufer in Bezug auf Material zu treffen hatten, war, wie sehr das Tuch geharzt sein soll, stark getränkt und steif fürs Regattieren oder eher weich fürs Fahrtensegeln. Der technologische Fortschritt brachte eine Vielzahl von neuen Materialien und Fertigungsmethoden, die für gewisse Verwendungszwecke optimiert wurden, aber auch ihre Nachteile haben. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen drei Varianten:

Tuchsegel: Segeln die aus Bahnen bestehen, die ihrerseits aus Dacron (oder Polyester) gewoben wurden, sind preisgünstiger als die meisten anderen Varianten. Das Tuch ist robust und langlebig, dehnt sich aber unter Beanspruchung, wodurch die Segel ihre optimale Form verlieren. Also: Dacronsegel halten lange, bleiben aber nicht in Form. Doch nicht alle Dacronsegel sind gleich. Regattaegel zum Beispiel verwenden eine harte Beschichtung, die das Dehnen reduziert, während moderne Fahrtensegel imprägniert sind, wobei das Tuch mit einem Kleber getränkt wird, der den Fäden stärkeren Zusammenhalt verleiht. Das Ergebnis ist ein langlebiges Finish, das sich aber besonders am Anfang bei Starkwind stärker dehnt.

Andere gewobene Tücher (wie z.B. Hydranet) enthalten synthetische Fasern wie Dyneema. die die Lebensdauer und die Widerstandsfähigkeit gegen das Scheuern und die Zersetzung durch UV-Licht deutlich erhöhen. Das Einweben starker Fasern, so möchte man meinen, könnte dem Tuch helfen, seine Form länger zu halten, doch die meisten normalen Dacrongewebe werden mit Hitze verarbeitet, um den Fasern mehr Halt zu geben womit Dyneema schon außen vor ist, weil es einen sehr niederen Schmelzpunkt hat.

Schön anzusehen und schnell dazu: Eine J 129 kreuzt mit einem Satz von Laminatsegeln hoch am Wind

Schön anzusehen und schnell dazu: Eine J 129 kreuzt mit einem Satz von Laminatsegeln hoch am Wind



Laminatsegel: Für derartige Segel wird eine Lage mit lasttragender Fasern zwischen zwei Schichten aus Mylarfolie sandwichartig einlaminiert. Häufig werden dafür Fasern aus Polyester, Aramid (wie Kevlar oder Twaron) und Kohlenfaser verwendet. Je leichter und stärker die Faser, desto höher der Preisaber auch die Beständigkeit der Segelform. Doch Vorsicht: Je weniger Dehnung das Material zulässt, desto weniger kann es sich dem unvermeidlichen Flex anpassen. Das heißt, sehr dehnungsresistente (und sauteure) Regattasegel aus Kohlefaser haben die kürzeste Lebensdauer. Dass sie aus dem Rennsport nicht wegzudenken sind liegt daran, dass Kohlefasertücher ihre optimale Form (und nur um die geht es beim Wettsegeln) länger halten als alles andere, das derzeit am Markt ist. Es gibt aber auch Kompromisse, wie zum, Beispiel das Segel ein- oder beidseitig mit einer Lage von UV-beständigem Taffeta zu schützen, doch das führt wiederum zu höherem Gewicht und größeren kosten.

Membransegel: Die sind in der Regel in einem Stück über einem computergesteuerten Lattengerüst geformt, mit Fasern, die genau nach den Lastpfaden ausgerichtet sind. In gewissem Sinne sind solche Segel nicht nur der Form und Größe nach auf jedes Boot individuell zugeschnitten, sondern auch vom Tuch her, das genau an den richtigen und wichtigen Stellen verstärkt ist. Auch hier werden die Fasern in Sandwichform zwischen zwei Folien eingelegt, obwohl hier statt Kleber Hitze zum Einsatz kommt, um eine dauerhafte Verbindung herzustellen. Es handelt sich dabei um High-End-Produkte, die vor allem auf Rennyachten zum Einsatz kommen, aber auch für Performancecruiser durchaus sinnvoll sein können, besonders wenn damit auch lange Strecken gesegelt werden sollen.

Laminat und Membran-Segel sind nicht mehr allein das Privileg der Elite-Rennyachten - Auch Fahrtensegel gewinnen dadurch an Lebensdauer und eine beneidenswerte Formstabilität.

Moderne Laminatsegel auf der Olympiaklasse 49er. Das Großsegel hat einen sogennnten Squaretop und durchgehende Latten, der Gennaker dagegen ist aus Nylon

Moderne Laminatsegel auf der Olympiaklasse 49er. Das Großsegel hat einen sogennnten Squaretop und durchgehende Latten, der Gennaker dagegen ist aus Nylon


WIE ALTERN SEGEL?


Die Lebensdauer hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich des Materials, aus dem sie hergestellt sind, der Beanspruchung, der sie ausgesetzt sind und der Pflege, die ihnen zuteil wird. Besonders stark werden Fahrtensegel zu Beginn und am Schluss einer längeren Überfahrt abgenutzt, weniger am offenen Wasser wenn man hunderte Meilen am selben Bug segelt. Es ist daher schwierig bis unmöglich, eine exakte Lebensdauer für Segel zu prognostizieren, weder für die Anzahl der Meilen, die man damit segeln wird, noch die der Dienstjahre.

Verschließ, der sich in einem Verlust der Segelform bemerkbar macht, passiert allmählich und ist deshalb nicht einfach festzustellen. Am besten ist es, zu Beginn und am Schluss der Saison eine Reihe von Fotos von identischen Segelstellungen bei vergleichbaren Bedingungen zu machen und diese dann miteinander zu vergleichen. Dies kann sowohl bei der Beurteilung der Segelperformance des Bootes überaus nützlich sein, und bei der Beantwortung der Frage, wann denn ein neuer Satz Segel fällig sein könnte.

Kein Segel, und sei es auch noch so exotisch, wird von einem Tag auf den anderen schlecht. Mit fortschreitendem Alter dehnt sich das Tuch zuerst in den Bereichen, in denen die höchsten Kräfte auf das Segel wirken, also Vorliek, Unterliek, Hals und Schothorn, womit auch die ursprüngliche Form verloren geht. Das Profi ändert sich, weil der Bauch des Segels nunmehr weiter nach achtern wandert und auch größer wird, womit das Boot weniger Höhe läuft und auch schneller und stärker krängt, wenn eine Bö einfällt. Andere negative Auswirkungen sind stärkerer Ruderdruck, mühsameres Steuern und weniger Geschwindigkeit.

Ein Ersetzen der Segel, bevor sie gar überdehnt und ausgeweht sind, kann einen großen Unterschied im Handling eines Bootes machen, besonders wenn die Bedingungen schwierig sind. Dennoch schieben die meisten Segler eine Neuanschaffung auf, bis die alten Segel völlig am Ende sind. Dieses Problem gilt es zu vermeiden, weshalb sich die Frage stellt, wie man den Zeitpunkt erkennt, an dem ein Segel bloß unter einem etwas gedehnten Tuch leidet, oder schon so mitgenommen ist, dass es in der nächsten Gewitterbö zerreisst.

Stark gereffte Rollgenua, produzieren mehr Abdrift, stärkere Krängung und mehr Luvgierigkeit. Fazit: das Boot ist schwieriger zu steuern, segelt weniger hoch am Wind und ist in Summe auch langsamer.

Stark gereffte Rollgenua, produzieren mehr Abdrift, stärkere Krängung und mehr Luvgierigkeit. Fazit: das Boot ist schwieriger zu steuern, segelt weniger hoch am Wind und ist in Summe auch langsamer.



Oft hängt der Alterungsprozess nicht direkt von den gesegelten Meilen ab. Die schlimmste Abnützung entsteht durch das Killen (oder Flattern) und natürlich durch die Einwirkung von UV-Licht. Ersteres wird allen Segeltüchern stark zusetzen, wobei gewobenes Material noch am widerstandsfähigsten ist. Sonnenlicht dagegen beschädigt sowohl Nähte als auch Tuch, was zu schneller Reduktion der Materialstärke führt. Es ist daher von größter Wichtigkeit, die Segel entweder abzunehmen oder mit einer dafür gemachten Persenning abdeckt, wenn das Boot nicht benutzt wird.

Laminatsegel lösen sich aus mehreren Gründen auf. Die Mylarfolie wird durch Flattern und Zug- bzw. Scherbelastung brüchig. Zweitens werden die strukturellen Fasern langsam durch das kontinuierliche Biegen geschwächt. Den Rest übernimmt dann das UV-Licht, das sowohl Film als auch Fasern zusetzt.

SEGELSCHADEN: WIE STELL MAN FEST, OB ALTE SEGEL NOCH WAS TAUGEN?


Achterliek, Lattentaschen und Salingschutzflicken sind typischerweise die ersten Stellen eines Segels, die Abnutzungserscheinungen aufweisen und sollten daher regelmäßig überprüft werden. Besonders die Nähte leiden unter Sonnenlicht und Scheuern, bevor das eigentliche Tuch in Mitleidenschaft gezogen wird. Es ist deshalb nichts Außergewöhnliches, wenn Nähte ein- oder mehrmals in der Lebenszeit eines Segels repariert werden müssen.

Liekschaden an einer alten Fock. Ein Zeichen, dass die strukturelle Stärke dieses Segels beeinträchtigt ist.

Liekschaden an einer alten Fock. Ein Zeichen, dass die strukturelle Stärke dieses Segels beeinträchtigt ist.



Eine Naht selbst kann man leicht durch das Entlangziehen des Daumennagels testen. Wenn dabei einzelne Fäden leicht aufgehen, ist das ein Zeichen von Schwäche und es sollte baldigst repariert werden, bevor die gesamte Naht aufgeht. Das würde nämlich deutlich mehr Reparaturaufwand verursachen und auch das Risiko einer weiteren Beschädigung mit sich bringen.

Auch eine genaue Untersuchung des Achterlieks mit dieser Methode macht sich bezahlt. Kann man mit dem Nagel in das Gewebe eindringen, ist das ein Alarmzeichen. Ein anderer nützlicher Test ist eine dicke Segelmacherahle durch das Gewebe zu stecken und dann zu versuchen, es seitlich aufzureißen. Gelingt dies, sind das schlechte Neuigkeiten. Sehen Sie sich auf jeden Fall auch die Lattentaschen und den Rest des Segels regelmäßig an. Nur so haben Sie eine Chance zu verhindern, dass aus kleinen Schäden katastrophale werden. Gegen durchgescheuerte Salingschutzflicken lässt sich oft mit dem Draufpappen von neuen Abhilfe schaffen.

Bei Laminatsegeln wird anfangs die Plastikfolie ein wenig trüb, bevor sie komplett aufbricht und vertikale Löcher oder Risse zwischen den Strukturfasern hinterlässt. Bei rechtzeitiger Erkennung kann ein Schaden dieser Art durch Überkleben der Stelle mit neuer Folie repariert werden, doch wenn die Hauptfasern erstmal Schaden genommen haben, ist der Ofen aus.

Alternde Nylonspinnaker verlieren ihre Polyurethan- oder Silikonbeschichtung, womit sie auch an Festigkeit einbüßen. Fühlt sich so ein Segel im Vergleich zu neuer Ware weich an, ist es an der Zeit, den altgedienten Spi in den wohlverdienten Ruhestand zu schicken.

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