Jahrelang haben Bootshersteller versucht, ihre Produkte schneller zu machen, um sie besser verkaufen zu können. Doch mit Spritpreisen vom 1,50 Euro oder mehr pro Liter ist es an der Zeit, umzudenken und größeres Augenmerk auf Effizienz zu legen. Wenn nun bei optimierter Fahrt schon weniger als eine Meile pro Liter Benzin rausspringt, schrumpft dies bei Vollgas nochmal deutlich, weshalb die wichtigste Maßnahme nur lauten kann: Gas weg. Doch das ist längst nicht die einzige Lösung.

Fahrstil, Wartung, Propellerwahl und Routenplanung helfen, den Benzinverbrauch zu reduzieren


Sweet Spot


Wer in der Früh 20, 40 oder gar 60 Meilen zum Fischen rausfährt und dabei den Hebel auf den Tisch legt, tut weder seinem Geldbeutel, noch dem Motor was Gutes. Die Zeitersparnis, die damit erzielt wird, schlägt sich in ungleich höherem Kraftstoffverbrauch (und Schadstoffausstoß, Red.) nieder. Besser ist es, den sogenannten Sweet Spot zu finden, also jenen Drehzahlbereich, in dem der Motor die beste Leistung bei geringstem Spritverbrauch erbringt. Das ist zum Teil Gefühlssache, doch es gibt auch Parameter, nach denen man sich richten kann.
Auf sehr vielen Booten liegt die ideale Geschwindigkeit zwischen etwa 25 und 30 Knoten. Dieselaggregate werden diesen Sweet Spot irgendwo jenseits der 1800 Umdrehungen pro Minute erreichen, während Benzinaußenborder sich gewöhnlich zwischen 3000 und 4000 Umdrehungen am wohlsten fühlen. Das ist individuell verschieden und hängt von Faktoren wie Verdrängung, Rumpfdesign, Motorenstärke, Propeller, Aufkimmung, oder Trimm ab.

Digitales Bewusstsein


Moderne Maschinen haben elektronische Kontrollmodule, die für die abgerufene Leistung den Zylindern die jeweils geringste erforderliche Benzinmenge zuführen. Dazu kommen oft auch digitale Messinstrumente, die helfen, den Benzinfluss zu überwachen, wie etwa das SmartCraft System von Mercury mit der Eco Feature Software, die automatisch den Sweet Spot des Bootes kalkuliert. Yamaha bietet ebenfalls digitale Kraftstoffüberwachungssysteme an, die eine Investition wert sind, wenn sie nicht schon serienmäßig installiert sein sollten.
Andere elektronische Hilfsmittel wie z.B. Navigationssoftware können beim Spritsparen ebenfalls nützlich sein. Dabei gilt zumindest für Motorboote die alte geometrische Wahrheit: die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist eine Gerade. Kleine Kursabweichungen von ein paar Grad können über längere Strecken etliche Meilen hinzuaddieren und das geht schnell ins Geld. Die kürzeste Route am Plotter zu berechnen, kann eine Ersparnis von Hunderten, vielleicht sogar Tausenden Euros bringen (und Emissionen reduzieren, Red.).

Pferdestärken und Propeller


Eine Binsenweisheit lautet, dass kleinere Motoren Benzin sparen, doch das stimmt nur bis zu einem gewissen Grad, denn ein untermotorisiertes Boot ist äußerst ineffizient. Kleinere Motoren müssen mit höheren Drehzahlen gefahren werden, um die selbe Leistung zu bringen, womit wiederum der Benzinverbrauch steigt, was dann alle theoretisch errechneten Ersparnisse zunichte macht.
Egal, welchen Motor Sie wählen, der Propeller ist von eminenter Bedeutung, um das Boot optimal zu betreiben. Mit der richtigen Schraube fährt das Boot in dem vom Motorenhersteller empfohlenen Drehzahlband und zwar mit vollem Tank, kompletter Ausrüstung und der gesamten Besatzung. Die falsche Propellerwahl bedeutet, dass die Maschine entweder mit zu niedriger oder zu hoher Drehzahl läuft, was wiederum den Spritkonsum negativ beeinflusst. Kurz und gut: Wenn die Leistung nicht stimmt und der Benzinverbrauch über der Schmerzgrenze liegt, kann das an einem unpassenden Propeller liegen.

Bewuchs wirkt wie ein Klotz


Abgesehen von optimaler Motorleistung ist ein sauberes Unterwasserschiff eine einfache und wirksame Maßnahme, um Sprit zu sparen. Muscheln und anderer Bewuchs erhöhen die Reibung, womit man langsamer unterwegs ist, und obendrein mehr Treibstoff verbraucht. Am besten läuft’s auf einem sauberen GFK-Rumpf. Wachs mag sich zwar glatt anfühlen, doch es hält die Luftbläschen nahe an der Rumpfoberfläche, was die Reibung erhöht. Unterwasserfarbe ist weniger schnell als der nackte Rumpf, aber immer noch um Hausecken besser als Bewuchs.
Noch ein Tipp zum effizienteren Fahren: Lassen Sie ihr Boot abnehmen. Was an Bord nicht gebraucht wird, soll an Land bleiben. Packdisziplin, eine saubere Bilge und geleere Ködertanks (wenn nicht gefischt wird) helfen dabei.

Der Autor, Pete McDonald , ist Vielfischer und schreibt für verschiedene Zeitschriften in den USA

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