Die klassische Bootslackierung bekommt Konkurrenz. Was in der Autoindustrie seit Jahren weit verbreitet ist, findet inzwischen auch bei vielen Bootseignern immer mehr Beachtung. Die Rede ist von Folien-Beschichtungen. Dabei werden Rumpf und/oder Aufbauten mit einer farbigen oder auch bedruckten Folie beklebt und anschließend bei 150 Grad getempert.




Schritt 8: Nach dem Tempern ist die Folie hart, und man kann überstehende Reste abschneiden. Jetzt wird auch der Wasserpass mittels Schneideband sauber abgetrennt. Foto: boote/Thorsten Baering

Nach dem Tempern ist die Folie hart, und man kann überstehende Reste abschneiden. Jetzt wird auch der Wasserpass mittels Schneideband sauber abgetrennt. Foto: boote/Thorsten Baering


Das Ergebnis ist von einer Hochglanz-Lackierung nicht zu unterscheiden und bietet neben einem makellosen Erscheinungsbild eine zusätzliche Schutzschicht fürs Boot. Insbesondere die Verwendung verschiedener Designs, wie beispielsweise eine Holz- oder Karbon-Optik, bietet ungeahnte Gestaltungsmöglichkeiten.


Und: Wenn die Farbe nicht mehr gefällt, kann die Folie auch problemlos wieder entfernt werden. Doch beginnen wir vorn: Für unsere Beispiel-Folien-Beschichtung verwendeten wir ein kleines, offenes 3,20-m-Sportboot und ließen es bei den Folierungs-Profis von BootOX in Lübeck beschichten. Grundsätzlich ist zu sagen, dass man für diese Arbeiten besondere Kenntnisse und Werkzeuge haben muss, sodass eine Folierung in Eigenarbeit nicht in Frage kommt.




Schritt 10 Grundsätzlich lässt sich ein foliertes Boot genauso reinigen und pflegen wie ein lackiertes. Im Klartext: Die Folie ist mit rund 160 Mikrometern ausreichend dick, sodass sogar Polituren eingesetzt werden können. Kleinere Reparaturen sind problemlos möglich. Dabei wird einfach die Folie an der beschädigten Stelle entfernt und durch ein neues Stück ersetzt. Foto: boote/Thorsten Baering

Ein foliertes Boot lässt sich genauso reinigen und pflegen wie ein lackiertes. Die Folie ist mit rund 160 Mikrometern ausreichend dick, sodass sogar Polituren eingesetzt werden können. Kleinere Reparaturen sind problemlos möglich. Foto: boote/Thorsten Baering


Alles in allem hat die Operation rund 1300 Euro gekostet und war an einem Vormittag erledigt. Das ist zwar etwas teurer als eine herkömmliche Lackierung, dafür aber in kurzer Zeit ausgeführt und das Boot sofort wieder einsatzbereit, ohne dass Beschläge montiert werden müssen.


Mehr dazu auf derr Firmenseite


Das Ganze Verfahren:




Foto: boote/Thorsten Baering

Zuschnitt. Foto: boote/Thorsten Baering


Schritt 1: Zuschnitt. Das Erste ist der grobe Zuschnitt der Folienbahnen. Dazu wird die Folie auf dem  Bootsrumpf ausgerollt und die Einzelteile, wie Deck, Rumpfseitenwände oder Heck, zugeschnitten.


Schritt 2: Reinigung. Jetzt wird das Boot mit Aceton und Silikon-Entferner gründlich gereinigt und entfettet. Anschließend macht man alle zu beschichtenden Flächen mit einem Staubbindetuch staubfrei.


Schritt 3: Wasserpass. Wo die Folie später enden soll, also am Wasserpass, wird ein Schneideband – ein dünnes Klebeband mit integriertem Kevlarfaden – aufgeklebt.  Er sorgt später für einen exakten Schnitt an der Wasserlinie.




Anheften. Foto: boote/Thorsten Baering

Anheften. Foto: boote/Thorsten Baering


Schritt 4: Anheften. Im nächsten Schritt wird die Folie so glatt wie möglich über die zu beschichtenden Flächen gelegt und mit Gewebe-Klebeband fixiert.


Schritt 5: Beschichten. Jetzt folgt die Beschichtung. Dabei wird das Deckpapier langsam abgezogen und die Folie mit einem filzbeschichteten Rakel Stück für Stück an die Fläche angepresst. An unebenen Stellen oder Rundungen kommt zusätzlich ein Heißluftfön zum Einsatz. Diese Arbeit ist nur von mehreren (aufeinander eingespielten) Personen zu machen.




Details ausschneiden. Foto: boote/Thorsten Baering

Details. Foto: boote/Thorsten Baering


Schritt 6: Details. An Beschlägen, wie beispielsweise der Zugöse, muss man die Folie mit einem Cutter einschneiden und dann mit einem Rakel fest am Rumpf andrücken.


Schritt 7: Tempern. Mittels Heißluftgebläse wird das Boot auf rund 150 Grad erhitzt. Bei diesem Vorgang werden bestimmte Inhaltsstoffe der Folie aktiviert, die sie später in Form halten und härten.


Schritt 8: Überstände entfernen. Nach dem Tempern ist die Folie hart, und man kann überstehende Reste abschneiden. Jetzt wird auch der Wasserpass mittels Schneideband sauber abgetrennt.




Kantenschutz. Foto: boote/Thorsten Baering

Kantenschutz. Foto: boote/ Thorsten Baering


Schritt 9: Kantenschutz. Falls nötig, versiegelt man die Folienkanten mit einen Zweikomponenten-Lack.


Schritt 10: Reinigung und Reparaturen. Grundsätzlich lässt sich ein foliertes Boot genauso reinigen und pflegen wie ein lackiertes. Im Klartext: Die Folie ist mit rund 160 Mikrometern ausreichend dick, sodass sogar Polituren eingesetzt werden können. Kleinere Reparaturen sind problemlos möglich. Dabei wird einfach die Folie an der beschädigten Stelle entfernt und durch ein neues Stück ersetzt.


 

Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung von Logo Boote, Europas größtem Motorboot-Magazin.

Anzeige