Ja, es ist mühsam, zum Schluss der Saison alles von Bord räumen zu müssen, um es fachgerecht zu warten und einzulagern. Aber Fleiß hat nicht nur einen Preis, sondern zahlt auch Dividende, denn Segel, Ölzeug, Leinen, ein richtig konservierter Außenborder usw halten damit länger und helfen so, Geld zu sparen, das man dafür in anderes investieren kann. Natürlich kann man dafür auch professionelle Dienstleister beauftragen, wie z. B. Segelmacher, die im Herbst die Garderobe von Bord holen, überprüfen, gegebenenfalls reparieren und fachgerecht einlagern, um alles beim Einwassern im Frühjahr wieder an Bord abzuliefern. Besser und bequemer geht es nicht, doch dafür wird auch entsprechend viel Geld verlangt. Wer sich dies nicht leisten will oder kann und wer ein Do-It-Yourselfer ist, bekommt von uns ein paar nützliche Hinweise, wie man diese Aufgaben selbst schnell und richtig erledigt und damit wichtiges Schiffszubehör schon vor dem Winter für die kommende Segelsaison in Form bringt. Dabei sollte man verschiedene Aspekte beachten.

Aufgereiht fürs Winterlager: Außenborder bei einem Servicebetrieb. Foto: DS Bootsmotoren

Aufgereiht fürs Winterlager: Außenborder bei einem Servicebetrieb. Foto: DS Bootsmotoren



  • Wichtigste Regel: Egal welches Zubehör, eingelagert werden darf nur, was absolut trocken ist.

  • Inspizieren sie jedes Stück (z.B. Segel), um gegebenenfalls Wartungs- bzw. Ausbesserungsarbeiten vorzunehmen, oder einen Fachmann zu konsultieren.

  • Wenn etwas für die Lagerung konserviert werden muss, z.B. der Außenborder, nehmen Sie sich die Zeit und erledigen Sie die Arbeiten im Herbst, bevor Sie alles wegpacken.

  • Sollte Ihr Schiff im Freien stehen, demontieren sie elektronische Geräte für die trockene und fachgerechte Lagerung daheim, die auch besseren Schutz vor Diebstahl bietet


Außenborder


Der beste Freund bei Flaute oder wenn es darum geht, das Boot schnell mal im hafen zu verholen. Der ist aber n ur dann von Nutzen, wenn er anspringt und rund läuft. Damit dies auch in der kommenden Segelsaison gewährleistet ist, muss dafür beim Einwintern Sorge getragen werden. Es ist nicht viel oder schwierig, was zu tun ist. Hier die wichtigsten Hinweise:
Wenn noch Benzin im Tank ist, Konservierungsmittel im richtigen Verhältnis beigeben, bevor der Motor in einer mit Süßwasser gefüllten Wanne 15 bis 20 Minuten laufen gelassen wird. Damit wird eine gründliche Spülung gewährleistet, die das korrosive Salz entfernt. Damit wird auch das Konservierungsmittel im Kühlsystem verteilt. Dann Benzinhahn zudrehen (oder Leitung unterbrechen) und warten bis der Motor abstirbt. Jetzt noch Zündkerzen raus und den vom Hersteller empfohlenen Konservierer in den Brennraum sprühen und einmal am Startseil ziehen, um das Mittel zu verteilen.
Ganz ohne Werkstatt geht es aber nicht, denn zumindest alle zwei Jahre sollte sich ein Fachmechaniker den motor ansehen und auf Herz und Nieren prüfen.

Elektronik


An sich können Elektronik-Geräte in gemäßigten Klimazonen auch den Winter über an Bord bleiben. Informieren Sie sich zur Sicherheit beim Hersteller oder in der Anleitungüber die zulässige Minimaltemperatur des Umfeldes.  Wenn Sie ihr Schiff im Freien stehen haben, oder Sie Diebstahl fürchten müssen, ist es dennoch angezeigt, elektronische Geräte wie Kartenplotter, Funkgerät, GPS, oder Multifunktionsbildschirme abzumontieren um sie trocken und schonend in einer Kiste im Keller bzw. an einem anderen sicheren und frostfreien Ort einzulagern. Batterien müssen zum Laden und Warten von Bord. Mehr dazu in unserem Ratgeber für das Konservieren von Elektrik und Elektronik für den Winter.

Bordelektronik, wenn gut geschützt, muss im Regelfall fürs Winterlager nicht ausgebaut werden - es sei denn, es besteht  Diebstahlgefahr. Foto: www.ellisonmarine.com

Bordelektronik, wenn gut geschützt, muss fürs Winterlager nicht ausgebaut werden - es sei denn, es besteht Diebstahlgefahr, oder das Boot steht im Freien und ist dem Wetter ausgesetzt. Foto: www.ellisonmarine.com


Segel


Das Wichtigste ist die vollständige Trocknung vor dem Einlagern, egal ob Foliensegel oder Dacron, denn Feuchtigkeit ist der schlimmste Feind. Zum erfolgreichen Trocknen gehört auch, die Segel nach der letzten Ausfahrt gründlich mit Süßwasser zu spülen, denn Salzkrusten und -kristalle ziehen Feuchtigkeit an. Spak und Schimmel sind die Folge, was nicht nur bescheiden aussieht, sondern auch dem Gewebe oder den Folien schadet. Erst wenn das Tuch komplett trocken ist, kann es gerollt (bei Laminat) oder gefaltet werden. Latten sollen entfernt, oder zumindest entspannt werden. Gleichzeitig auch Nähte, Fenster, Lattentaschen und Mastrutscher inspizieren, und wenn nötig reparieren bzw. austauschen. Bei der Lagerung darauf achten, dass der Platz trocken ist, nicht zu kalt und dass die Segel genug Platz haben - also im Regal obenauf liegen.

Trocken, gefaltet und luftig gelagert, so kommen Segel gut durch den Winter. Foto: www.muktuk.de

Trocken, gefaltet und luftig gelagert, so kommen Segel gut durch den Winter. Foto: www.muktuk.de


Leinen


Hier gilt dasselbe wie für die Segel: Entsalzen und trocknen, bevor sie zum Winterlager locker aufgeschossen aufgehängt werden. Bloß nicht in einen Sack stopfen, denn das bringt Schimmel und muffigen Geruch ins Spiel, was unter anderem auch zulasten der Festigkeit gehen kann.
Wenn sie ihre Schoten und Fallen waschen wollen, stecken Sie jede Leine einzeln in einen alten Kopfkissenbezug, damit sie sich beim Waschen in der Maschine nicht verheddern oder verknoten kann. Feinwaschmittel, 30 Grad, ohne Schleudern und KEINEN  Weichspüler, denn der lässt die Fasern aufquellen, die dann weder durch Blöcke noch durch klemmen laufen.  Sind Beschläge permanent per Takling an Schot oder Fall befestigt, kommt man nicht umhin, die Leine  ganz altmodisch von Hand zu waschen.

Polster


Auch hier ist Trocknung das absolute Muss vor dem Einlagern. Wie Segel müssen Sitz-und Kojenpolster im Winter von Bord und trocken bzw. luftig gelagert werden. Feuchtigkeit ruiniert beides, Bezüge und Schaumkern durch Schimmel, der auch der Gesundheit zusetzen kann. Bezüge müssen auch separat gewaschen werden, womit sich die Gelegenheit gibt, die Polsterkerne auf Schimmelbefall zu prüfen und gegebenenfalls zu behandeln, bzw. auszutauschen. Gewöhnliche Schaumkerne zu waschen, ist nicht empfehlenswert, weil es schwierig bis unmöglich ist, ihn durch und durch trocken zu bekommen.

Ölzeug


Gleiches Gebet füratmungsaktive Segeljacken und -hosen, die von Zeit zu Zeit gewaschen werden sollen, nicht nur um den Muff los zu werden, sondern vor allem um schädliches Salz, Schweiß und Körperfett zu entfernen, die die Funktionalität, also die Atmungsfähigkeit des Gewebes aber auch die wasserabweisende Beschichtung beeinträchtigen können. Es geht bei diesen Kleidungsstücken um das Fernhalten von Spritzwasser und um den gleichzeitigen Abtransport von Wasserdampf, der beim Schwitzen entsteht. Das Ende der Segelsaison bietet sich geradezu an, den teuren Foulies die nötige Pflege angedeihen zu lassen,ehe sie gut getrocknet in den Schrank gehängt werden können.

Vor dem einwintern: Waschen Sie Ihr Ölzeug entsprechend den Empfehlungen des Herstellers bevor Sie es gut getrocknet in den Schrank hängen. Foto: boats.com/Loibner

Vor dem Einwintern: Waschen Sie Ihr Ölzeug entsprechend den Empfehlungen des Herstellers, bevor Sie es gut getrocknet in den Schrank hängen. Foto: boats.com/Loibner



Generell können Segeloverall und Co. in der Waschmaschine gereinigt werden, schonend, kalt (max. 40°C im Schonwaschgang) und mit einem zusätzlichen Spülgang hinterher. Verwenden Sie spezielle Pflege- und Waschmittel für Sport- und Funktionsbekleidung und keine normalen Waschmittel mit hohem Seifen- und Duftstoffanteil. Weichspüler, Bleichmittel, Füllstoffe und Farbaufheller sind ebenfalls tabu. Waschmaschine nur locker befüllen, Klettverschlüsse zu, Kapuzen und Gürtel wenn möglich entfernen. Halten Sie sich an die Pflegehinweise am Etikett und an die Produktinformationen des Herstellers, was auch für eine allfällige Neuimprägnierung des Gewebes, bzw. der Nähte mit Produkten von Drittanbietern gilt.

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