Beiboote sind die vielseitigen Helfer in allen Lebenslagen: Zur Kneipe im Hafen, zum Bäcker für Brötchen. Zum Einkauf in den Supermarkt, oder zum herrlichen Strand in der Bucht: mit einem guten Dingi gelangt man fast überall hin, sei es aus Spaß oder aus Notwendigkeit. Doch es gibt eine schier unüberschaubare Anzahl von verschiedenen Typen, wobei sich die Frage aufdrängt: Welches ist für den individuellen Zweck am besten?

Power ohne Schein: Torqeedos Cruise 10.0 ist sowohl als Außenborder als auch als Einbaumotor im Programm.

Festrumpfschlauchboot mit Elektro-Außenborder


Die wichtigsten Auswahlkriterien



  • Einsatzzweck: Jedes Boot ist ideal für den Zweck, für den es konzipiert und gebaut wurde. Das gilt auch für Beiboote. Wer also oft mit viel Gepäck oder zahlreichen Personen unterwegs ist, wird mehr auf Platz und Stabilität achten als jemand, der mit vornehmlich alleine unterwegs ist, um damit Sport zu treiben oder Buchten und Lagunen zu erkunden

  • Rumpfmaterial: Grundsätzlich sollte man vor dem Kauf entscheiden, ob man ein Boot mit einem festem Rumpf haben möchte oder ein Schlauchboot. Beide haben Vor- und Nachteile, die es gegeneinander abzuwägen gilt

  • Antrieb: Ob Ruder, Paddel, Segel, Motor, es gibt viele Möglichkeiten ein Dingi durchs Wasser zu bewegen, wobei sich die meisten Boote für zwei Antriebsarten eignen (z.B. Ruder und Motore)

  • Art des Bodens: Besonders bei Schlauchbooten gibt es verschiedene Varianten, die sich alle auf Stabilität, Fahrverhalten und den Platz auswirken, der für das Verstauen des Bootes an Bord oder im Winterlager benötigt wird

  • Führerschein: Seit einigen Jahren gestattet es der deutsche Gesetzgeber, Boote mit bis zu 15 PS Motorleistung ohne Führerschein zu bewegen. Ein Argument, das für so manchen Käufer ausschlaggebend sein könnte


Nutzlast


Lasse Sie sich nicht verleiten, diesen wichtigen Faktor neben dem Stauraum zugunsten von Wirtschaftlichkeit oder Kompaktheit zu opfern. Klar, man kann ja auch öfter hin und herfahren, doch man ist ja gerne versucht noch einen zusätzlichen Passagier aufzunehmen, auch wenn das Boot technisch schon voll ist. Das sind dann diese gefährlich überladenen Dingies, die man in jedem Hafen oder Bucht auf dem Wasser sehen kann.
Auf jeden Fall sind geringer beladene Dingis leichter und schneller, oft auch trockener und sicherer, egal welchen Vortrieb man wählt, ob Motor oder Ruder. Und wenn Sie Platzprobleme mit einem etwas größeren Schlauchboot befürchten, versuchen Sie, die Luft nicht nur auszulassen, sondern sie abzupumpen. So lässt sich das Boot wirklich kompakt falten und rollen, womit es auch leichter in die Backskiste passt.

Ausbringen eines Festmachers an Land mithilfe eines Beiboots eröffnet zusätzliche Möglichkeiten

Ausbringen eines Festmachers an Land mithilfe eines Beiboots eröffnet zusätzliche Möglichkeiten


Sicherheit


Mit dem Dingi sind Sie am Wasser oft den größten Riskien ausgesetzt. Statistisch sind die Dingifahrten gefährlicher als Blauwasserpassagen. Adäquate Stabilität un genug Auftrieb sind deshalb zwei ganz wichtige Kriterien bei der Auswahl des Tenders. Vollschlagen und Sinken gehen dabei oft Hand in Hand. Schlauchboote sind in beiderlei Hinsicht schwer zu schlagen, auch sich Festrumpfdingis manchmal mit zusätzlichen Auftriebskörpern ausstatten lassen. Die Boote Beiboote von Walker Bay konnte man auch mit einem aufblasbaren "Kragen" nachrüsten, der an der Schanz Angebracht wurde und so die Stabilität verbesserte.

Gib Gas für Spaß?


Kleine Beiboote, die die Gleitfahrt im Repertoire haben, sind besonders attraktiv, weil man damit größere Distanzen zwischen Ankerplatz oder Muring und dem Hafen bzw. Strand in kurzer Zeit zurücklegen kann. Meist werden dazu Benzinaußenborder von 2 bis 10 PS eingesetzt, in jüngerer Zeit aber immer häufiger solche, die elektrisch betrieben werden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Weniger Wartung, sauber, leise und leicht. Besonders der letzte Punkt ist wichtig, weil ein leichter Motor einfacher montiert bzw abgebaut werden kann und somit auch leichter vor Diebstahl zu schützen ist.

Keine Yacht, sondern ein kostengünstiges Einstiegspaket mit serienmäßigen Paddeln. Foto: Dieter Wanke

Ein kleines Schlauchboot mit 15 PS-Außenborder und Paddeln für den muskelgestützten Fahrbetrieb. Foto: Dieter Wanke



Wer auch mit kleinem Gefährt gern flott unterwegs ist liebäugelt vielleicht mit den winzigen aber sündteuren Williams Tendern, die mit einem Jetantrieb locker 25 Knoten und mehr schaffen. Dabei passen sie auf großen Segelyachten sogar aufgeblasen in die Heckgarage, siehe z.B. Bavaria C57. Dabei sind allerdings auch die Schattenseiten zu bedenken: Größerer Motor, mehr Spritverbrauch und natürlich höherer Preis für Anschaffung und Wartung. Außerdem können viele kleinere Schlauchboote ja wirklich nur mit geringer Zuladung gleiten, womit sich die Diskussion fast schon wieder erübrigt.

Antriebsalternativen


Darüber sollte man nicht schmunzeln. Ein gutes Paar Ruder kann einen aus so manch unangenehmer Situation retten, speziell wenn der Motor den Geist aufgibt und starker Ebbstrom herrscht oder es ablandig bläst. Ein Boot, das sich auch mit Muskelkraft gut fortbewegen lässt, verdient deshalb Berücksichtigung. Besonders Boote mit festem Rumpf punkten in dieser Hinsicht. Aber auch ein Schlauchboot, das eine Nummer größer ist als das absolute Minimum, das Sie benötigen kann sich oft schon ganz gut rudern lassen. Wichtig: Die Schaftlänge der mitgelieferten Ruder ist meist zu kurz. Man bracht auf Schlauchbooten mindestens 1,80 m oder noch besser 2,40 m lange Ruder, um das Boot vernünftig zu bewegen. Vorausgesetzt, Sie haben ausreichend Stauraum.

Das Nesting Dingi PT 11 im Ruderbetrieb. Leise, sauber, flott und gesund.

Das Nesting Dingi PT 11 im Ruderbetrieb. Leise, sauber, flott und gesund.



Schlauchboote sollten dabei immer voll aufgeblasen sein, also bis zum Höchstdruck, der vom Hersteller empfohlen wird, damit sie nicht einen Gutteil Ihrer Muskelkraft damit verschwenden, die Schläuche zu verformen an stelle das Boot vorwärts zu rudern. Zweiflern kann ich sagen, dass ich mit meinem 2,9 m langen Avon Schlauchboot zu zweit unter Rudern ungefähr so schnell bin wie ein 2,4 m langes Dingi mit Motor. Bin ich alleine an Bord, bin ich oft schneller. In Deutschland gilt dazu: Unter 15 PS wird kein Führerschein benötigt!

Festrumpf oder Schlaucher?


Schlauchboote sind die Popularitätskönige, weil vielseitig, stabil und meist kompakt zu stauen, wenn die Luft raus ist. Doch Boote mit festem Rumpf sind oft leichter zu rudern und robuster wenn man irgendwo hart ranfährt. Eigner, die einen Tender an Land stehen haben und ihn nur dazu brauchen, zum Boot raus zu fahren, das an einer Muringboje schwojt, greifen gern auf robuste und preisgünstige Festrumpfboote zurück, weil sie das Bötchen. nicht an Bord nehmen und verstauen müssen. Blauwassersegler sind oft Faltbooten wie etwa dem Bananaboat zugetan wegen deren Stabilität und der Möglichkeit sie leicht an Bord zu verstauen oder einem sogenannten Nesting-Dingi, das sich in zwei Hälften teilen und dadurch ebenfalls wenig Platz an Deck in Anspruch nimmt. Hier geht's zu unserem Bericht über ein Nestingdingi zum Selberbauen auf unserer Schwesterseite Yachtworld. Wenn Sie lieber aufblasbar unterwegs sein wollen, lesen Sie unseren Ratgeber zur Wahl des richtigen Schlauchbootes.

Schnell und kompakt gestaut: ein Nesting -Dingi passt  zerlegt  in die Campingkajüte eines kleinen Pritschenwagens. Foto: boats.com/Loibner

Schnell und kompakt gestaut: ein Nesting -Dingi passt zerlegt in die Campingkajüte eines kleinen Pritschenwagens. Foto: boats.com/Loibner



 

Welcher Boden?


Diese Frage müssen sich Schlauchbootkäufer vor der Anschaffung stellen, denn diese Entscheidung wirkt sich direkt auf Gewicht, Packmaß und Performance am Wasser aus. Boote m it rigiden Bodenrettern aus Holz oder Alu sind stabil, aber auch schwer und brauchen beim Stauen mehr Platz. Aufblasbare Kiele sind ein guter Kompromiss, weil sie dem Boot immerhin noch ein bisschen zusätzliche Rigidität verleihen und dabei deutlich weniger Platz beim packen einnehmen, denn es gibt ja keine Bretter. Eine neuer eSpielart sind die 3D-Kiele, die in die Seitenschläuche integriert sind und dem Boot ein wenig mehr V-Form geben, wodurch es sich bei Kabbelwasser besser und. Mit mehr Spurtreue bewegen lässt. Am besten sind in diese rHinsicht natürlich die Rigid Bottom Inflatables, also Festrumpfschlauchboote, deren Kiel und Unterwasserschiff aus GFK oder Alu besteht. Solche Boote bieten sehr gute Fahreigenschaften bei Welle und können ohne Bedenken auf Sand- oder Kiesstrände gezogen werden. Sie sind aber deutlich schwerer und aufwändiger zu stauen, weil man sie weder falten noch einrollen kann.

Welches Schlauchmaterial?


Bei Schlauchbooten git es im Wesentlichen zwei Schlauchmaterialien: Hypalon und PVC. Ersteres ist ein sehr widerstandsfähiger Gummi, mithin das beste Material für aufblasbare Boote, weil robust und UV-resistent. Es ist auch relativ unkompliziert zu reparieren. Flicken drauf und gut. Dies sind die Gründe, weshalb man noch recht viele betagte Hypalon-Schlauchboote sieht, die tadellos aussehen und ihren Dienst ohne Mucken tun. Der Nachteil: Das Material ist relativ teuer, wird also nur bei hochwertigen Booten eingesetzt, vor allem aber bei großen RIBs, die hart im Nehmen sein müssen.

Die etwas günstigere Alternative ist PVC, das auch recht widerstandsfähig ist, besonders wenn die Nähte verschweißt und nicht geklebt sind. PVC sollte jedoch vor Sonne geschützt werden, was besonders im Mittelmeer und in den Tropen nicht immer praktisch oder einfach ist, und es ist deutlich aufwändiger zu reparieren als Hypalon.

Doppelt hält besser?


Ein kleines Dingi ist also ein wertvoller Begleiter, mit dem kurze aber wichtige Distanzen zwischen Land und Boot zurückgelegt werden, egal für welchen Zweck. Leider sind diese kleinen Gefährten, wie Fahrräder in einer Großsstadt, ein begehrtes Diebstahlsobjekt, weshalb Langfahrtsegler, die von ihrem Beiboot besonders abhängig sind, manchmal ein zweites in einer Backskiste mitführen, damit im Fall des Falles keine gravierenden Beeinträchtigungen des Segelbetriebs und der Sicherheit hinzunehmen sind.

Anker nicht vergessen!


Geben wir es doch zu: Viele auch noch so routinierte Segler scheren sich kaum um die Ausrüstung des Beibootes, z.B. mit passendem Ankergeschirr. Doch genau das ist am falschen Ort gespart, denn wenn der Außenborder unverhofft seinen Geist aufgibt und es bläst ablandig oder die Tide läuft gerade ab, ist ein Anker buchstäblich die letzte Rettung, bevor man aus der Bucht oder dem Hafen auf See hinaus geschwemmt wird.

Wenn sie sich für ein kleines Schlauchboot mit führerscheinfreier Motorisierung interessieren, lesen Sie unseren Test der Mercury 320 Sport Enduro 

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