Ja, elegant mit einem gut getunten Boot über die Wasseroberfläche dahin zu rasen und dabei nur einen langen weißen Schaumstreifen im Kielwasser zu hinterlassen, ist die vielleicht größte Freude für jene, die sich dem Motorbootfahren verschrieben haben. Hat das Boot einen gut balancierten und sauberen Rumpf und lässt der Rudergänger auch ein wenig Gefühl am Gashebel walten, kann dieses Vergnügen sogar effizient sein. Naja, ein bisschen zumindest. Dabei lässt sich die Physik natürlich nicht überlisten. Fakt ist, dass es ganz schön viel Kraft und Kraftstoff braucht, um ein Boot soweit aus dem Wasser zu heben, um es in flotte Gleitfahrt zu versetzen. In einer Epoche, in der Schiffe und Kosten immer größer werden, in der aber auch weit mehr Umweltbewusstsein herrscht, als noch vor 10 oder 20 Jahren, kann jeder Skipper von sich aus einiges tun, um den Spritverbrauch und damit die schädlichen Emissionen zumindest etwas im Rahmen zu halten.

Die wahre Freude: Sauberes Unterwasserschiff, guter Speed, alles im Lot. Foto: forwallpaper.com

Die wahre Freude: Sauberes Unterwasserschiff, guter Speed, alles im Lot. Foto: forwallpaper.com



Die wichtigsten Tipps zum Spritsparen in Kurzform:

  • Ein sauberes Unterwasserschiff

  • Der richtige Trimm

  • Eine gefühlvolle Hand am Gashebel

  • Ein Propeller, der auf den Motor und das Boot abgestimmt ist


Und hier die erweiterte Liste unserer Ratschläge zum wirtschaftlicheren Betrieb Ihres Bootes:

  1. Wenn Sie keine großen Strecken fahren, vermeiden Sie einen vollen Tank mitzuschleppen. Das ist unnötiges Gewicht, das selbst auf kleineren Booten schnell mal so viele Extrapfunde ausmacht, wie drei oder vier ausgewachsene Männer an Bord.

  2. Achten Sie auf die Gewichtsverteilung, damit Ihr Boot auf der Wasserlinie schwimmt und dann auch auf ebenem Kie stabil läuft, ohne zu pflügen, zu stampfen oder zu krängen.

  3. Lassen Sie sich den Benzinfluss anzeigen und berechnen Sie jene Drehzahl, mit der Sie am sparsamsten unterwegs sind, also die meisten Meilen pro Liter zurücklegen können.

  4. Bringen Sie sich bei, bewusst auf Vollgasbeschleunigung zu verzichten oder mit mehr als 80 Prozent Gas unterwegs zu sein, weil beides den Spritverbrauch radikal in die Höhe schraubt und gleichzeitig die Reichweite drückt.

  5. Der Spritverbrauch geht auch durch die Decke, sobald das Unterwasserschiff einen Bart trägt, also Algen, Muscheln oder sonstigen Bewuchs aufweist, der den Reibungswiderstand drastisch erhöht. Deshalb: Rumpf sauber halten und wenn möglich, Boot an Land am Trailer oder in einem Drystack-Lager aufbewahren.

  6. Stellen Sie sicher, dass Ihr Boot mit einem Propeller ausgerüstet ist, der auf den Motor abgestimmt ist.

  7. Apropos Prop: Eine schadhafte Schraube erhöht den Spritverbrauch und senkt Leistung bzw. Komfort. Überprüfen Sie den Propeller regelmäßig und lassen Sie ihn bei Bedarf von einem Propellerspezialisten warten, bzw. reparieren (z.B. Scharten auswetzen). Kostet wenig, hilft viel.

  8. Seien sie proaktiv beim Trimm Ihres Bootes, entweder durch das rechtzeitige Verstellen der Trimmklappen oder der Gewichtsverlagerung, damit sie ausgewogen unterwegs sind, was heißt das der Rumpf im optimalen winkel vom Wasser angeströmt wird.

  9. Auf regelmäßige Motorenwartung nicht vergessen.

  10. Vermeiden Sie das ständige Verstellen des Gashebels, außer der Seegang zwingt dazu.


Treibstoffeffizienz durch Design


Wenn Sie noch kein Boot gekauft haben oder an ein neues denken, lohnt es sich, eines mit einem effizienten Design zu wählen. Während sich viele nach einer Sportmaschine mit tiefem V-Rumpf sehnen, der die Wellen forsch durchschneidet, ist der flachere Mehrzweckrumpf für ein Freizeitboot oft die bessere Wahl. Geringes Gewicht und ein sauber geformter Rumpf ermöglichen dabei ein schnelleres Abfließen des Wassers aber es gibt auch andere Formen, wie zum Beispiel Katamaranrümpfe, belüftete Stufenrümpfe und Tragflügel die den Reibungswiderstand minimieren.

Gutes handwerk des Skippers macht sich nicht nur bei Luftsprüngen bezahlt sondern auch bei der Steigerung der Effizizienz. Foto: Honda Motors

Gutes Handwerk des Skippers macht sich nicht nur bei Luftsprüngen bezahlt, sondern auch bei der Steigerung der Effizienz. Foto: Honda Motors



Allerdings ist die Kombination von Motor und Propeller und deren Verhalten mit dem Boot ebenso wichtig. Vergewissern Sie sich, dass Ihr Motor das für das Bootsheck geeignete Gewicht und die passende Leistungsstärke hat. Gerade bei Außenbordern lohnt sich vielleicht die Umrüstung auf ein moderneres und effizienteres Modell.  Stellen Sie ebenfalls sicher, dass Sie einen geeigneten Propeller montiert haben, also einer der zur Maschine passt und mit dem die vom Motorenhersteller ausgewiesenen Drehzahlen erreicht werden. Ein falscher oder beschädigter Propeller kann sowohl Beschleunigung als auch Topspeed negativ durch Slip beeinflussen, wenn er doch greifen und ziehen sollte. In der Tat lohnt es sich oft, verschiedene Propellertypen auszuprobieren, weil die Unterschiede teilweise ziemlich erstaunlich sein können.

Schmutz am Rumpf


fouling©boatdoctor.com

Höchste Zeit für den Kärcher. Foto: www.boatdoctor.com



Wie bereits angeklungen, beeinträchtigt Bewuchs durch Unkraut und Seepocken die Leistung eines Bootes wie kaum ein anderer Faktor. Wie kommt der Bart am Unterwasserschiff zustande? Den Anfang macht eine Grundschicht aus Mikroorganismen und Bakterien, die sich schnell vermehren, um einen dünnen Film aus "Bioschleim" zu entwickeln. Danach setzen sich Algen fest, worauf sich Unkraut bildet, eine sehr attraktive Nahrungsmittelquelle für Larven, die in der Folge zu Seepockenbefall führen. Wenn ein so bewachsenes Boot dann losfährt, wird die Reibung, die zwischen Rumpf und Wasser entsteht, radikal erhöht. Laut Internationaler Seeschifffahrtsorganisation kann eine regelmäßige Reinigung die Effizienz eines gewerblichen Schiffsrumpfes um bis zu 12 Prozent erhöhen, wobei aber die Vorteile eines sauberen Schiffsrumpfes bei Gleitbooten noch deutlich höher ist.

Mir sind schon Testboote unter gekommen, die sowohl bei der Höchstgeschwindigkeit als auch bei der maximale effizienten Marschfahrt um gut 30 Prozent schlechter abschnitten, weil der Rumpf verschmutzt war. Ein 22-Fußer zum Beispiel kam nicht einmal ins Gleiten, so stark war der Reibungswiderstand durch die Aquakulturen, die sich am ganzen Unterwasserschiff angesetzt hatten. Und das war beileibe kein Einzelfall. Viele Fahrtenschiffer stellen im Lauf der Saison den Rückgang der Effizienz fest, entweder durch höheren Spritverbrauch oder geringere Höchstgeschwindigkeit. Je nach Bootstyp kann dieser Verlust 15 bis 50 Prozent der Normalleistung ausmachen. Mal ehrlich: Ist das nicht eine ordentliche Belastung der Brieftasche, abgesehen vom erhöhten Schadstoffausstoss, ganz zu schweigen vom Spaßverlust?

Wie man den Rumpf sauber hält


Wenn Sie Ihr Boot im Wasser liegen haben, ist der Antifouling-Anstrich immer noch die einfachste und kostengünstigste Lösung. Zum Glück gibt es mittlerweile auch schon zahlreiche wirksame und ökofreundliche Produkte als Alternative zur chemischen Kampfführung der letzten Jahrzehnte, mit aggressiven Bioziden wie Tributiltyn, die in selbsterneuernden Anstrichen zur Verwendung gekommen waren. Es gibt nun zahlreiche Anstriche mit geringen flüchtigen organischen Verbindungen, sowie Farben, die auf Öl- und Wasserbasis gemischt wurden.

In den vergangenen Jahren wurde auch das sogenannte Ultraschall-Antifouling eine sehr realistische Alternative. Es funktioniert durch Emission gepulster Ultraschall-Frequenzen über Wandler auf der Innenseite des Rumpfes. So wird eine Schicht von beweglichen Wassermolekülen auf dem gesamten Unterwasserprofil des Rumpfs zu verursacht, die eine Besiedlung von Mikroorganismen verhindern soll und so das Übel an der Wurzel bekämpft. Für ein großes Boot wird das allerdings ein eher teurer Spaß, weil mehrere Wandler verwendet werden müssen und Sie eine zuverlässige Stromversorgung brauchen. Doch in Bezug auf Kraftstoffersparnis beim Betrieb Ihres Bootes, ganz zu schweigen von den Kranrechnungen und den Kosten für das fachgerechte Reinigen des Unterwasserschiffes und die ordnungsgemäße Entsorgung des Abwassers, ist Ultraschall-Antifouling immer noch eine sehr saubere, moderne und attraktive Lösung.

Wenn's mit dem Bewuchs mal soweit ist, gibt es kein gedeihliches Vorankommen mehr. Deshalb: Rumpf sauber halten!

Wenn's mit dem Bewuchs mal soweit ist, gibt es kein gedeihliches Vorankommen mehr. Deshalb: Rumpf sauber halten!


Proaktives Verhalten des Skippers


Wenn ein Boot mit Gleitrumpf ruhig im Wasser liegt, ist es der Auftrieb, der es über Wasser hält. Wenn es aber beginnt, sich vorwärts zu bewegen, wir es (zumindest anfänglich) zu einem Verdränger. Mit anderen Worten: Um eine Bootslänge zurück zu legen, muss es eine Wassermenge beiseite schieben, die seinem Eigengewicht entspricht. Mit steigender Geschwindigkeit produziert die Form des Rumpfes immer mehr Auftrieb, der den Rumpf über die Wasseroberfläche hebt und das verdrängte Wasservolumen radikal reduziert. Dieser Auftrieb erreicht schließlich ein hydrodynamisches Gleichgewicht, wobei das Boot auf einem kleinen Abschnitt des achteren Rumpfbereichs gleitet und so nur noch sehr geringen Widerstand in Kauf nehmen muss.

Dieses Gleichgewicht kann jedoch ziemlich instabil sein. Wenn Sie das Boot zu stark trimmen, wird es zu stark aus dem Wasser gehoben, wobei die Oberfläche des Rumpfes im Wasser so weit reduziert wird, dass sie das Gewicht des Bootes nicht mehr zu stützen vermag. Die Folge: Der Bug geht auf und ab, das Boot beginnt auch ohne Welleneinfluss zu stampfen. Andererseits, wenn zu viel Rumpf im Wasser ist, erhöht sich der Reibungswiderstand, wodurch die Gleitfahrt behindert oder unterbrochen wird, womit das Boot langsamer wird und stattdessen durchs Wasser pflügt wie ein Halbgleiter. Der optimale Kompromiss zwischen Kontrolle und Effizienz ist nichts anderes als das kontinuierliche Balancieren von hydrodynamischem Auftrieb, Geschwindigkeit und Trimm. Und genau dabei sind Sie als Skipper gefordert.

Trimmklappen helfen, die optimale Schwimmlage zu finden.

Trimmklappen helfen, die optimale Schwimmlage zu finden.



Ideal ist, mit einem sauberen, gut getrimmten Boot unterwegs zu sein und nur soviel Gas geben zu müssen, dass die optimalen Leistungsfähigkeit erreicht wird. Jedes Boot hat dabei einen anderen "Sweet Spot", der abhängig ist von Gewicht, Propellerwahl, dem Verhältnis von Länge zu Breite, Rumpfform, Aufkimmung, Trimm und viele anderen Faktoren. Glücklicherweise lässt sich all dies am eigenen Boot relativ leicht ermitteln. Man muss nur ein paar Minuten damit verbringen, während der Fahrt die Umdrehungen pro Minute schrittweise zu erhöhen, beginnend bei 500, bis ganz ans Ende der Skala, wobei ständig den Spritkonsum am Durchflussmesser und die Geschwindigkeit über Grund am GPS kontrollieren. Wenn Sie die Tankkapazität kennen, können Sie aus diesen Werten die optimale Reichweite berechnen. Daraus entsteht ein Muster das sich mit einer Kurve visualisieren lässt, die höchstwahrscheinlich zwischen 80 Prozent und Vollgas drastisch abfällt, und eine Bandbreite für die ideale Drehzahl zeigt, die sich zwischen 60 und 75 Prozent bewegen dürfte, oder bei modernen Außenbordmotoren zwischen 3.600 und 4.500 U / min. Wenn Sie Ihr Boot innerhalb dieser Parameter bewegen, sind Sie schon mal ganz gut dabei.

Beginnender Bewuchs am Propeller.

Beginnender Bewuchs am Propeller.



Allerdings ist der Drehzahlbereich nur ein Teil davon. Sie müssen auch am optimalen Trimm des Bootes feilen, nicht nur mit dem Anstellwinkel des Motors (bei Außenbordern) und den Trimmklappen, sondern auch durch die richtige Gewichtsverteilung, bei der die meisten Pfunde weit unten und zentral gestaut werden sollten (ähnlich wie der Kiel bei einer Segelyacht). Vermeiden Sie, überschüssiges Gepäck und große Spritreserven mit zu führen, wenn Sie sie diese nicht wirklich benötigen. Steuern sie konzentriert und werfen Sie auch mal einen Blick über die Seite, um anhand der Wasserlinie zu sehen, wie weit sich der Rumpf bei Gleitfahrt aus dem Wasser hebt. Horchen Sie am Sound der Motorumdrehungen, machen Sie sich eine Vorstellung von der Schwimmlage des Bootes und entwickeln dabei ein Gefühl für den "Sweet Spot" ihres Bootes. Gute Skipper versuchen, bei jeder Ausfahrt die Effizienz zu steigern.

Der Kartenplotter: Ein wichtiges Instrument um Zeit, Weg und Sprit zu sparen.

Der Kartenplotter: Ein wichtiges Instrument um Zeit, Weg und Sprit zu sparen.



Auf längere Passagen, wenn es um Meilen und nicht ums Rumschippern geht, lohnt es sich, die Gezeiten auf seiner Seite zu haben. Wählen sie in günstiges Wetterfenster, sodass Sie nicht gezwungen sind, einen defensiven Zickzack-Kurs zu fahren. Darüberhinaus empfiehlt sich, zwischen den einzelnen Wegpunkten möglichst exakte zu navigieren. All das ist eigentlich trivial, doch über eine ganze Saison verteilt, können die dabei erzielten positiven Effekte ganz schön sparen helfen.

Distanz minimieren


Nutzen sie auch andere elektronische Instrumente an Bord, besonders ihre Navigationssoftware. Die alte geometrische Faustregel, die man in der Schule eingebläut bekommen hat, nämlich, dass die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten eine Gerade ist, trifft auch am Wasser zu.
Wenn Sie auf längeren Passagen nur ein oder zwei Grad von der Ideallinie abweichen, fahren Sie dadurch gleich einen Umweg, der sowohl Zeit als auch Sprit kostet. Eine Distanz von 10 zusätzlichen Meilen kann, je nach Boot und Verhältnissen, gleich 80 Liter Mehrverbrauch bedeuten. Nutzen Sie den Kartenplotter auch, um jeweils den kürzesten Kurs abzusetzen und freuen Sie sich auf die Ersparnisse, die Sie sich so erwirtschaften.

Lesen sie auch unseren Ratgeber für mehr Meilen pro Liter

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