Jetzt werden die Tage endlich länger und wärmer, da ist es Zeit für das oft ungeliebte Ritual, dem geheiligten Vehikel vor der Inbetriebnahme mit Schlauch, Schrubber und Shampoo zu Leibe zu rücken. Das ist allerdings nur der erste Gang, denn wenn der Dreck der vergangenen Monate erst mal weg ist, benötigen Oberflächen wie Gelcoat oder Lack noch weitere Behandlung, um für den Saisonauftakt zu glänzen. Aber damit ist die Sache noch nicht erledigt. Denn was sauber ist und glänzt, sollte auch versiegelt werden, damit es möglichst auch so bleibt. Und wer ein bisschen Zen benötigt, findet bei uns auch Anregungen, wie man sich den Frühjahrsputz erleichtert.




Grober Schmutz wird mi Bürste und Wasser entfernt. Foto: www.stkildaboatsales.com

Grober Schmutz wird mit Bürste und Wasser entfernt. Foto: www.stkildaboatsales.com


Hier die wichtigsten Tipps für den Frühjahrsputz in Kurzform:


Waschen Am einfachsten mit weichborstiger Waschbürste und einem ökologisch unbedenklicher Bootsseife (siehe Was darf man wo, am Ende des Artikels). Damit lässt sich oberflächliche Schmutz entfernen, nicht aber der hartnäckige wie z. B. Harztropfen von Bäumen oder Vogeldreck. Derartige Verunreinigungen benötigen oft eine separate Behandlung mit speziellen Reinigungsmitteln. Oft wird auch mit dem Dampfstrahler zu Werke gegangen, weil bequem, schnell und effektiv. Wichtig dabei: Alle Luken dicht, wasserempfindliche Ausrüstung schützen oder vorübergehend abmontieren und stauen und Wasserabläufe sichern. Arbeiten Sie in kleinen Abschnitten von oben nach unten und spülen sie die gereinigte Fläche, bevor Sie zum nächsten Abschnitt übergehen. Restwasser, das sich in Ecken und Vertiefungen sammelt und nicht vollständig abläuft, mit Schwamm aufsaugen. BITTE  vergewissern sie sich, dass Sie beim Dampfstrahlen nicht gegen die örtlichen Bestimmungen für die Verwendung von Wasser und Shampoo, bzw. das Sammeln von Abwasser verstoßen (siehe unten, Was darf man wo?).




Gerne wird auchd er Dampfstrahler verwendet, doch Abwasserregelungen sind zu beachten. Foto: www.scottfillmer.com

Gerne wird auch der Dampfstrahler verwendet, doch Abwasserregelungen sind zu beachten. Foto: www.scottfillmer.com


An der Stelle auch ein paar Worte zur Bilge, wo sich gern die verschiedensten Dinge sammeln. Nicht nur Wasser, sondern auch Unappetitliches wie Öl, Algen, gammlige Essensreste, Kleinteile und totes Getier. Kurzum, alles, was nicht von Bord geht, endet irgendwann am tiefsten Punkt. Und dort bleibt es auch, bis einer sich herablässt, es herauszuholen. Und dies ist, nun ja, eine Aufgabe mit äußerst mäßigem Unterhaltungswert. Entsprechend wird’s auch nur selten gemacht. Also: Augen zu und durch mit Schwamm, Putzlappen und einem Zitrusreiniger, der Öliges emulgiert, frisch riecht, aber Polyester, Metall oder Kunststoffe dabei nicht angreift. Das Kleingeld, das dabei zutage kommt, gehört der Putzkraft, versteht sich.


Wichtig: So wie Fäkalien muss Bilgenwasser gesondert entsorgt werden. Dafür gibt es spezielle Anlagen in den Yachthäfen oder bei Wassertankstellen. Keinesfalls über Bord kippen!


Polieren Geht von Hand mit Lappen oder Watte, ist aber meist mühsam (und wenig unterhaltsam) und deshalb nur für die Behandlung von kleinen Flächen anzuraten. Meist nimmt man für diesen Job aber ohnehin Gerät zur Hand, wie auf- bzw. umgerüstete Exzenter- und Schwingschleifer oder Bohrmaschinen mit Polierteller. Oder, noch besser: Spezielle Poliermaschinen, bei denen die Drehzahl regelbar ist. Die arbeiten zwar schnell, können aber auch Muskelkater verursachen, vor allem dann, wenn man viel über Kopf arbeitet.




Redakteur Lenny Rudow beim Polieren mit Maschine. Geht schnell, braucht aber dennoch mit Gefühl.

boats.com Redakteur Lenny Rudow beim Polieren mit Maschine. Geht schnell, braucht aber dennoch Gefühl.


Vorsicht : Achten Sie auf die Körnung des Poliermittels: Je gröber, desto radikaler. Wer es zu doll treibt, kann Farbe, Lack oder Glecoat beschädigen. Die behandelte Fläche sollte auch nicht zu warm werden, weil die Politur oder das Wachs dann zu schnell trocknen, womit keine guten Ergebnisse erzielt werden. Verteilen Sie deshalb das Poliermittel auf eine überschaubare Fläche von ein bis zwei Quadratmetern, die sie sofort und gleichmäßig behandeln. Beim Trocknen entsteht ein Film, der sich leicht mit einem sauberen und weichen Tuch abwischen lässt.




Politur von Hand: Gründlich aber mühsam. Foto: www.spinnakerworldwide.com

Politur von Hand: Gründlich aber mühsam. Foto: www.spinnakerworldwide.com


Versiegeln Ist erst mal der gewünschte Glanz hergestellt, muss er mit Wachs oder Teflon auch geschützt werden, ganz besonders nach der Behandlung der Oberfläche mit einem aggressiven Reinigungsmittel. Viele Hersteller von Poliermitteln haben Produkte im Angebot, die beide Arbeitsgänge in einem schaffen, zumindest verspricht das die Werbung. Wem Eigenerfahrung fehlt, kann sich beim Hallen- oder Stegnachbarn erkundigen, was am besten funktioniert.


Teak Graues, verwittertes Teakholz kann ein Adelsprädikat sein, oder ein Ärgernis, je nach Temperamentslage des Eigners. Wem es also graut vor dem Grau, muss tätig werden und auch hier gibt’s den bekannten Dreiklang: Putzen-Auffrischen-Versiegeln (bzw. ölen und imprägnieren). Verwenden Sie dazu nur Produkte, die für den nautischen Gebrauch bestimmt sind und achten Sie dabei auf Wirkstoffe, die als nicht gesundheitsgefährdend eingestuft sind.


Fenster Glasscheiben mit normalem Glasreiniger behandeln, Acrylfenster allerdings mit speziellem Reiniger aus dem Bootsfachhandel, bzw. mit einer Politur zum Entfernen von Kratzern. Keinesfalls aggressive Lösungsmittel verwenden, die die Oberfläche beschädigen.


Fender Gummis leiden ganz besonders, wenn sie lange ungeschützt den Elementen ausgesetzt sind. Sie werden matt, porös, hart und brüchig. Um dies zu vermeiden, vor allem an gut sichtbaren Stellen wie z.B. der Scheuerleiste, erbarmen Sie sich dieser Flächen mit einem Reinigungsmittel, das auch pflegt. Praktisch alle Yachtausrüster führen entsprechende Produkte in ihrem Sortiment. Gleiches gilt für Fender und Schlauchboote, doch die sind heute meist aus PVC oder ähnlichen Weichkunststoffen, benötigen also unter Umständen andere Putzmittel.


Beschläge Auch Metallbeschläge brauchen etwas Liebe, wenigstens ab und zu. Wenn die glänzen, werten sie das Erscheinungsbild jedes Bootes auf. Schmutz, Flugrost und angelaufenen Stellen kommt man am besten mit einem weichen Lappen und einer Poliercreme aus Edelwachs bei, die auch neuerliches Anlaufen verhindert.


Polster und Teppiche Der Frühjahrsputz ist wohl die beste Gelegenheit, diese Teile der Bootausrüstung wieder aufzumöbeln. Sie verbringen den Winter ja oft lieblos in einen Sack oder Regal gepfercht, trocken hoffentlich, aber eben weit südlich von frisch. Obwohl im Zubehörhandel eine lange Reihe von Produkten angeboten wird, reichen in den meisten Fällen (z.B. bei Stoffpolstern und Teppichstücken) die Mittelchen aus dem Putzschrank daheim.


Persenning Vogelkot und Spinnendreck verursachen hartnäckige Flecken auf Abdeckplanen und Spritzkappen. Die meisten Spezialreiniger lassen sich bequem auf die betroffenen Stellen aufsprühen und nach kurzem Einwirken mit Wasser wieder abspülen. Achtung: Wer auf Nummer sicher gehen möchte, wird die behandelten Stellen nachversiegeln, um die Imprägnierung wieder herzustellen und die Wasserdichtheit zu gewährleisten. Reißverschlüsse sollen bei der Gelegenheit nicht vergessen werden. Bürste, lauwarmes Seifenwasser und am Schluss, wenn wieder trocken, mit einem nicht-öligen Gleitspray einsprühen, damit alles wieder läuft wie geschmiert….


Was darf man wo? Anstand und Verantwortungsbewusstsein setzen voraus, dass Bootseigner sich mit den Gegebenheiten und Gesetzen vor Ort vertraut machen, bevor mit Schleifpapier, Putz- und Lösungsmittel  bzw. Farbe hantiert wird. Polieren, soweit nichts ins Wasser gerät, ist auch am Steg erlaubt. Welches Wasser allerdings für Reinigungsarbeiten verwendet werden darf, hängt von den Verordnungen der einzelnen Bundesländer ab. Im Zweifelsfall ist das örtliche Umweltamt kontaktieren. Putzen mit Seife und Reinigungsmittel ist am Wasserliegeplatz zumeist nicht erlaubt. Wie das Säubern des Unterwasserschiffs ist dies oft nur an Land gestattet, wo das Abwasser in einer Sammelanlage aufgefangen wird.

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