Raus aus dem Lager, Persenning oder Folie runter, Motor warten, Frühlingsputz, vielleicht ein paar frische Lackschichten aufs Holz, etwas Wachs und Politur fürs stumpfe Gelcoat – Sie sind bereit für die erste Testfahrt nach dem Winter. Aber war da nicht noch etwas? Sollte man nicht doch noch einmal tief durchatmen und sich ein paar neuralgische Punkte vornehmen, die beim Ein- und Auswintern leicht übersehen oder vergessen werden, die aber die Sicherheit ihres schwimmenden Untersatzes betreffen?

Sonnenuntergang am Wasser: einer der schönsten Momente, besonders dann wenn alles funktioniert.

Sonnenuntergang am Wasser: einer der schönsten Momente, besonders dann wenn alles funktioniert.



1) Beleidigte Bilgenpumpe
Selbst wenn ihr Boot gut zugedeckt über den Winter an Land gestanden hat, oder gar in einer Halle, ist das längst keine Garantie für eine trockene Bilge. Ein verstecktes, kleines Leck oder Kondensation ist alles, was es dazu braucht. Und wenn dieses Wasser dann auch noch friert und dabei die Pumpe oder Schwimmschalter beschädigt, ist für ungewollte Spannung gesorgt. In 99 Prozent der Fälle ist das vielleicht harmlos, doch das eine Prozent ist dann fatal. Also: Vor dem Einwassern die Funktion der Pumpe und Schalter am Armaturenbrett sowie die Notschalter in der Bilge testen. Magnetische Schalter oder solche mit Wassersensoren sind etwas schwieriger zu prüfen. Und so geht’s: Füllen Sie einen großen Plastiksack mit Wasser, dessen oberen Rand Sie über den Schalter stülpen. Dann heben Sie den Sack soweit an, bis der Schalter komplett im Wasser ist. Dabei werden sie vielleicht ein wenig nass, aber Sie finden auch heraus, ob alles funktioniert, wie gewünscht. Das könnte im Ernstfall eine Lebensversicherung sein.

Kleine Ursache, große Wirkung. Wenn die Bilgenpumpe versagt, steht viel auf dem Spiel. Foto: www.dejardine.com

Kleine Ursache, große Wirkung. Wenn die Bilgenpumpe versagt, steht viel auf dem Spiel. Foto: www.dejardine.com



2) Schwache Seeventile und Schläuche
Auch hier kann Eis problematische Auswirkungen haben, vor allem, wenn da mal gepfuscht wurde und alte Schläuche durch falsche Typen ersetzt wurden. Speziell unter der Wasserlinie ist dies höchst riskant. Dabei ist eine visuelle Überprüfung der Schläuche und Seeventile nicht ausreichend, sondern Sie sollten mal dran ziehen und den Schlauch auch verdrehen und dabei die Verbindung zum Seeventil und die Schlauchklemme genau auf festen Sitz untersuchen. Dabei zeigt sich, ob das Schlauchmaterial brüchig geworden ist und ob es Schäden durch Eis gibt. Beachten Sie auch die Anti-Siphon-Schleifen in den Abfluss-Schläuchen, die über das Niveau der Wasserlinie gehen, um Wasser am Zurückfließen in die Bilge zu hindern. In diesen Schleifen kann Restwasser über Winter frieren und den Schlauch beschädigen.

Schläuche , Pumpen und Seeventile sollten auf jeder Checkliste ganz oben stehen.

Schläuche , Pumpen und Seeventile sollten auf jeder Checkliste ganz oben stehen.



3) Unpässlicher UKW-Funk
Defekte Mikros, Wackelkontakte und andere Fehlerteufel können das UKW-Funkgerät über Winter heimsuchen, auch wenn es gut geschützt gelagert wurde. Wer allerdings den Check erst bei der ersten Ausfahrt vornimmt, riskiert, Defekte erst wahrzunehmen, wenn man schon draußen auf dem Wasser ist. Überprüfen Sie das Funkgerät deshalb schon vor dem ersten Ablegen. Wenn es noch kalt sein sollte (unter 10 Grad C), achten Sie auf die Antennenhalterung. Besteht sie aus Kunststoff, ist sie bei Kälte spröde und kann durch heftige Peitschbewegungen brechen. Noch besser: Ersetzen Sie Plastikhalterungen durch solche aus rostfreiem Stahl. Und vergessen Sie ihre Handfunke nicht. Auch die will getestet werden, sei es auch nur auf den Ladezustand der Batterien.
Moderne UKW-Funkgeräte sind mit Digital Selective Calling (DSC) ausgerüstet, doch oftmals sind sie entweder nicht mit einem GPS verbunden oder nicht ordnungsgemäß mit einer MMSI-Nummer registriert. Heißt, das Drücken der roten Notruftaste bewirkt genau: gar nichts. Also unbedingt eine MMSI-Nummer beantragen und das Funkgerät mit einem GPS vernetzen, damit ein Notruf auch die lebenswichtige Positionsangabe enthält.

Gut aber komplett? Moderne UKW-Radios benötigen eine MMSI-Nummer und die Vernetzung mit einem GPS, um die DSC-Fähigkeiten voll auszuspielen.

Gut aber komplett? Moderne UKW-Radios benötigen eine MMSI-Nummer und die Vernetzung mit einem GPS, um die DSC-Fähigkeiten voll auszuspielen.



4) Geknechtetes Getriebe
Es gibt kaum Blöderes, als gleich zu Beginn der Saison mit Motorschaden liegen zu bleiben, zum Beispiel wenn Wassereinbruch das Getriebe Ihres Außenborders im Winter beschädigte und dies vor dem Einwassern nicht entdeckt bzw. behoben wurde. Schon kleine Mengen Wasser können Frostschäden hervorrufen, beispielsweise durch Risse im Metall und schadhafte Dichtungen. Deshalb: Vorbeugen ist besser als reparieren – und vor allem billiger. Das Unterteil des Schafts sollte auf sauberes Fett überprüft werden. Dabei empfiehlt es sich auch, den Boden unter der Finne auf Flüssigkeitslecks zu untersuchen. Wenn es dort frische Flecken gibt, suchen Sie sofort den Mechaniker auf. Wenn Sie hingegen gewohnheitsmäßig die Schmierung schon im Herbst vor dem Einwintern erneuern, können Sie frühzeitig erkennen ob sich Wasser im Fett befindet, das später Probleme bereiten kann.

Gut geschmiert? Der untere Bereich des Motorschafts verdient beim Frühlingsservice besonderes Augenmerk.

Gut geschmiert? Der untere Bereich des Motorschafts verdient beim Frühlingsservice besonderes Augenmerk.



5) Wasser im Tank
Experten empfehlen, mit vollem Tank zu überwintern, um Kondensation und den damit verbundenen Problemen durch Wasser im Treibstoff und der leidigen Phasentrennung von Ethanol vorzubeugen. Selbst die Behandlung des Treibstoffs mit einem Stabilisator ist dabei keine Garantie gegen Kondensation. Leeren Sie deshalb den Kraftstoff-Wasserabscheider, um sicher zu gehen, dass kein Wasser im Tank ist. Prüfen Sie den Abscheider während und nach der ersten Ausfahrt erneut und leeren ihn gegebenenfalls. Gewöhnen Sie sich an, diese Kontrolle wenigstens einmal auch während der Saison vorzunehmen. Schrauben Sie den Behälter dabei auch ruhig mal komplett ab, denn diese Dinger rosten gerne fest.
Wenn Ihr Boot mit Diesel fährt, entnehmen Sie eine kleine Menge möglichst tief aus dem Tank, füllen sie den Treibstoff in eine klare Plastikflasche und lassen sie ihn einige Stunden lang stehen. Der Diesel sollte klar sein. Ist er dies nicht, enthält er also Wasser und/oder Algen, müssen Sie sich bei Ihrer Werft um das mehrfache Filtern des Kraftstoffes kümmern, durch die die Verunreinigungen aus dem Tank entfernt werden. Das funktioniert auch mit Benzin, doch wenn erst mal die Phasentrennung bei Ethanol eingesetzt hat, sinkt die Oktanzahl, womit die Gefahr steigt, dass ihr Motor Schaden nimmt.

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Klarsicht: Wasserabscheider regelmäßig prüfen, um sich über den Zustand des Treibstoffs ein Bild zu machen.



6) Brüchiger Balg
Der Balg eines Z-Antriebe ist berüchtigt für Leckagen und das hat gute Gründe, denn Gummi wird durch Sonne und Alterung brüchig. Dieser Prozess kann sich auch über den Winter vollziehen, heißt, ein Balg, der im Herbst noch okay war, kann im Frühjahr spröde sein, besonders, wenn er den ganzen Winter über in der selben Position verharren musste. Deshalb untersuchen sie die Falten vor, während und nach dem Absenken des Antriebs auf sichtbare Brüche. Halten sie auch Ausschau nach Muscheln und anderem Meeresbewuchs, dessen scharfe Schalen den empfindlichen Gummi zerschneiden können. Wenn Sie schon dabei sind, werfen Sie doch auch gleich einen Blick auf den Auspuff und den Knickschutz der Kabel. Vermeiden Sie die Behandlung des Balgs mit aggressiven Reinigungsmitteln, die dem Altern Vorschub leisten, weil sie den Gummi angreifen und dadurch zu erhöhter UV-Empfindlichkeit führen. Egal, was Sie dabei tun oder lassen, werfen Sie beim ersten Wassern auf jeden Fall auch einen genauen Blick unter die Motorabdeckung, um sicher zu gehen, dass es keine Wassereinbrüche im Maschinenraum gibt.

Gib Gummi: Balg und Dichtungen des Z-Antriebs müssen auf jeden Fall genau inspiziert werden, um unbeabsichtigten Wassereinbruch im Maschinenraum zu verhindern.

Gib Gummi: Balg und Dichtungen des Z-Antriebs sollten vor dem kommissionieren inspiziert werden.



7) Abfluss ohne Fluss
Blätter, Zweige und andere Verschmutzungen können Verstopfungen erzeugen, doch man vergisst dabei gerne auch Insekten wie Wespen, die in dunklen Röhren ihre Nester bauen. Wenn das passiert, ist eine Verstopfung beinahe garantiert und die kann weitreichende, ja sogar fatale Folgen haben, wenn sie nämlich Lenzrohre im Cockpit und Deckabflüsse betrifft. Eine visuelle Inspektion ist dabei nicht genug. Stochern Sie ruhig mit einem gebogenen Kleiderbügel nach oder pusten sie die Rohre auch mal mit einem Hochdruckreiniger durch, um sicherzustellen, dass Wasser wie beabsichtigt abfließen kann. Gleiches gilt auch für den Köderfischtank, so es den an Bord gibt und alle Abflüsse aus den Stauräumen.

Sauber, aber.. auch die Abflussrohre müssen regelmäßig gereinigt werden. Foto: www.bristol29.com

Sauber, aber.. auch die Abflussrohre müssen regelmäßig gereinigt werden. Foto: www.bristol29.com



8) Signalmunition im Abseits
Es ist zwar ziemlich offensichtlich, doch man vergisst gerne, das Ablaufdatum der Munition und den Füllstand des Feuerlöschers zu überprüfen. Dafür werden von der Polizei gerne Strafzettel verteilt wobei das nur das geringere Übel ist, verglichen mit einer Notsituation, der man ohne funktionierende Signal- oder Löschmittel ausgesetzt ist. Das Ablaufdatum bei Signalmunition ist 42 Monate nach Herstellung, nicht nach Kauf. Deshalb schon beim Kauf darauf achten und am besten gleich einen Alarm ins Telefon programmieren, wenn es Zeit wird, diesen lebenswichtigen Teil der Sicherheitsausrüstung an Bord zu warten oder zu ersetzen.

Orions-flare_www.allatsea.net

Feuer mit Ablaufdatum: Seenotsignale müssen vor jeder Saison inspiziert und ggf. ausgetauscht werden.



9) Undurchsichtige Plastikfenster
Milchig-stumpfe Fenster sind oft auf eigenes Verschulden zurückzuführen. Das ist nicht nur vermeidbar sondern auch eine Sicherheitsfrage, wenn nämlich die Windschutzscheibe keine Klarsicht für den Rudergänger gewährt. Im Frühjahr bedürfen Fenster, Luken und Scheiben aus Acryl, Polykarbonat und anderen Kunststoffen einer gründlichen Reinigung. Doch lassen Sie die Finger von scharfen, salmiakhaltigen Glasreinigern, die dafür völlig ungeeignet sind, weil Kunststofffenster davon vergilben und milchig werden. Schlechte Sicht am Steuerstand selbst wird das Boot nicht versenken, doch bei widrigen Verhältnissen kann das Übersehen eines harten Hindernisses wie Treibholz, halbversunkene Container oder stählerne Bojen zu Kollisionen führen, die dann wiederum den Rumpf löchern können. Kurzum: Kunststofffenster sollten ausschließlich mit den dafür geeigneten Reinigern gesäubert werden.

Schön sauber: Dieses Bild aus den 1960ern zeigt, wie eine Acrylscheibe aussehen soll. Aggressive Fensterputzmittel sind allerdings tabu.

Schön sauber: Dieses Bild aus den 1960ern zeigt, wie eine Acrylscheibe aussehen soll. Aggressive Fensterputzmittel sind allerdings tabu.



10) Schlüpfrige Sauberkeit
Gutes, ja glanzvolles Aussehen des Bootes nach dem Frühjahrsputz gehört für viele zum Erlebnis der ersten Ausfahrt. Dabei wird oft übersehen, dass Wachs, Reinigungs- und Poliermittel, die Gelcoat zu neuem Glanz erwecken, das Deck quasi in eine Rutschpartie verwandeln können. Kabinendach, Sülls, Cockpitsohle, Stufen, Handläufe und Fußleisten sollen, ja dürfen mit solchen Mitteln nicht behandelt werden, um den sicheren Tritt von Mannschaft und Gästen an Bord nicht zu gefährden. Dafür gibt es spezielle Produkte, die die Oberflächen reinigen und versiegeln, ohne sie schlüpfrig zu machen. Metalloberflächen am besten mit Zitronensaft abreiben, der auf einen Schwamm oder ein Tuch geträufelt wird, dann mit einer normalen Bootsseife nachbehandeln. Damit glänzt alles und man kann sich dennoch sicher an Deck bewegen.

Stab & Deck: Achten Sie bei der Pflege auf das richtige Mittel, damit die geschützten Oberflächen nicht zur  Rutschbahn werden.

Stab & Deck: Achten Sie bei der Pflege auf das richtige Mittel, damit die geschützten Oberflächen nicht zur Rutschbahn werden.



Diese 10 Tipps sind natürlich nicht das Ende der Geschichte, sondern nur ein guter Anfang von all den kleineren und größeren Dingen, die beim Frühlingsputz schief gehen oder übersehen werden können, mit möglichen unerwünschten Nebenwirkungen später. Batterien laden, Kabelverbindungen überprüfen, Motorservice etc. sind ja Standardpunkte auf der To-Do-Liste jedes Skippers. Erfahrene Bootsfreunde haben natürlich ihre eigene Checkliste für die Inbetriebnahme im Frühjahr und den Saisonschluss im Herbst. Doch es schadet nie, diese Liste ab und zu einer Auffrischung zu unterziehen.
Nun aber los, die Sonne gewinnt an Kraft, die Tage werden länger und die neue Saison naht mit Riesenschritten.

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