Stolz präsentiere ich den Fahrstand meines gebraucht erworbenen Bootes. Der Blick des Besuchers fällt auf das unter der Fahrstanddecke hängende Furuno-Radar aus den 90ern. "Funktioniert das Ding noch?" Ein Druck auf die "On"-Taste, und der Antriebsmotor des auf dem Dach befindlichen 3-Fuß-Schlitzstrahlers nimmt deutlich hörbar seine Arbeit auf. Zwei Minuten später erscheint in grüner Schrift "Ready" auf dem 20 Jahre alten Röhrenbildschirm. "Klar funktioniert das – und wie!" Ich drücke auf die "Transmit"-Taste, und vor den ungläubigen Blicken meines Besuchers baut sich das meiner Meinung nach gestochen scharfe Radarbild unserer Umgebung auf.

Alt und (fast) noch gut: Das Furuno 1930 mit monochromem Röhrenbildschirm. Foto: Thorsten Baering/boote

Alt und (fast) noch gut: Das Furuno 1930 mit monochromem Röhrenbildschirm. Foto: Thorsten Baering/boote



"Naja, viel zu erkennen ist da ja nicht." Wie bitte? Voller Inbrunst erkläre ich die Grundlagen einer klassischen Radardarstellung, und dass sie natürlich nicht mit den Anzeigen moderner Flatscreen-Radare mit Karten-Overlay und eingeblendeten AIS-Zielen (Automatische Ziel-Identifikation) zur vergleichen ist. Schließlich liegen rund 20 Jahre Entwicklungsarbeit zwischen dem Furuno 1930 und heutigen Radargeräten.

Vergleich: warum eigentlich nicht?
Ist die Technik nicht immer noch dieselbe? Und ist ein Röhrengerät schlecht, nur weil es 20 Jahre alt ist? Kurzerhand beschließen wir einen direkten Vergleich "alt gegen neu". Als Referenz dient ein modernes Furuno M-1835 mit 60-cm-Radom-Antenne.Die Installation ist in kürzester Zeit erledigt, und dank elektronischer Raffinessen entfallen zeitraubende mechanische Feinarbeiten, wie beispielsweise das Justieren der Vorauslinie.

Moderner und besser: Das Furuno M1835 mit digitalem Farbbildschirm. Thorsten Baering/boote

Moderner und besser: Das Furuno M1835 mit digitalem Farbbildschirm und leistungsfähigerem Mikroprozessor. Thorsten Baering/boote



Brauchten Techniker früher einen kompletten Vormittag, um eine Radaranlage zu installieren und zu kalibrieren, genügen heute 90 Minuten, vorausgesetzt, das Antennenkabel findet einen schnellen Weg vom Dach oder Geräteträger in den Fahrstand.

Auf dem Wasser die erste praktische Aufgabe: Wir laufen mit rund 8 kn die Elbe hinab Richtung Hamburger Hafen. Bei Nebel wären die Elbbrücken die erste echte Herausforderung für den Bootsführer. Wo exakt befindet sich die Brückendurchfahrt? Wer nicht am Brückenpfeiler enden möchte, sucht auf dem Schirm nach den zwei markanten Echos der Pfeiler-Radarreflektoren, welche sich auf etwa 5 m langen Auslegern vor jeder wichtigen Brücke befinden.

Im Klartext:
In dieser Situation müssen die Radargeräte in der Lage sein, ein Ziel in der Größe eines Benzinkanisters klar darzustellen.Fairerweise darf nicht unerwähnt bleiben, dass Yacht-Radaranlagen in erster Linie für die Navigation auf See und über größere Distanzen ausgelegt sind. Rein technisch begrenzt die Antennengröße ihr Auflösungsvermögen. Dies ist auch der Grund, warum in der professionellen Binnenschifffahrt Antennen, sogenannte Scanner, mit rund zwei Metern Balkenlänge zum Einsatz kommen. Da kann eine 60- oder 90-cm-Antenne schon aus rein physikalischen Gründen nicht mithalten.

Unser Blick fällt zunächst auf den Oldtimer, das Furuno 1930. Aus rund 800 m Entfernung ist noch nichts zu erkennen. Die massive Stahlkonstruktion der ersten Brücke erscheint als dicker grüner Balken mit mehr oder weniger ausgefransten Konturen auf dem Schirm. Das gleiche Bild auf der modernen Anlage: auch hier kein klares Reflektor-Echo.

Wir sind zunächst ratlos und tasten uns vorsichtig weiter voran. Dann, bei rund 200 m Distanz zur Brücke, ändert sich das Bild. Aus der zunächst ebenen Wand des Brückenechos wachsen kleine "Hörner" heraus, die sich als die gesuchten Reflektor-Echos entpuppen. Interessant dabei: Beide Geräte zeigen die Echos etwa gleichzeitig an, das Bild des modernen Furuno 1835 weist jedoch ein wenig klarere Kanten aus. Ein weiterer Vorteil des modernen Gerätes ist die Möglichkeit, in den 0,125-nm-Bereich zu wechseln, der die Darstellung noch einmal verbessert. Beim alten Furuno 1930 ist mit dem 0,25-nm-Bereich bereits die kleinste Range erreicht.

Unmittelbar hinter den Elbbrücken ragt eine Reihe von rund 20 massiven Stahldalben mittig aus dem Strom. Sie dienen aufliegenden (aktuell nicht in Fahrt befindlichen) Schiffen als Wartezone. Unsere Frage: Wie gut lösen unsere Radaranlagen die etwa 50 m auseinanderliegenden Radarziele auf? Werden sie einzeln dargestellt, oder verschmelzen sie zu einer durchgehenden Linie?

Diesmal schauen wir zunächst auf das moderne Furuno M-1835. Obwohl wir die Dalbenreihe bewusst aus der 6-Uhr-Position anfahren, also so, dass sich die einzelnen Echos überlagern müssten und die hinteren Dalben im Radarschatten der vorderen verschwinden, löst das M-1835 jedes einzelne Hindernis zuverlässig auf. Einziges Handicap: Die sich im Radar-Schatten befindenden Ziele erscheinen deutlich größer als sie tatsächlich sind.

Unser Furuno 1930 tut sich mit dieser Aufgabe deutlich schwerer. Zwar lässt sich auch auf seinem Schirm erkennen, dass es sich um mehrere Ziele handeln muss, eine klare Trennung findet jedoch nicht statt. Mehrere Einzelechos verschmelzen zu einer lang gestreckten Linie, die man als ungeübter Radar-Pilot auch als Mauer oder stillliegendes Schiff hätte interpretieren können. Erst als wir die Dalbenreihe nahezu querab haben, löst das ältere Gerät die Einzelziele auch als solche auf.

Eine ähnliche Aufgabe für beide Geräte ergibt sich, als sich in unmittelbarer Nähe zu uns zwei Berufsschiffe auf der Elbe be-gegnen. Erschwerend kommt hinzu, dass eines der beiden Schiffe, das Hamburger Peilschiff "Diepenschriewer 2", sehr nah am Ufer fährt. Auch hier ist das Nahauflösungsverhalten gefragt.

Auf den Radarschirmen beider Geräte werden die Ziele zwar voneinander getrennt dargestellt, jedoch verschmilzt das "Diepenschriewer 2"-Echo mit dem Kai-mauer-Echo, sodass es als fahrendes Schiff auf keinem der Yacht-Radargeräte zu identifizieren ist. Hier hilft die AIS-Funktion des modernen Furuno M-1835, uns ein klares Bild von der Situation zu vermitteln. Neben dem Schiffsnamen zeigt das M-1835 noch den Kurs, die Geschwindigkeit sowie die Schiffsabmessungen an. Unter derart schwierigen Bedingungen ist die moderne Anlage aufgrund der Zusatzfunktionen dem älteren Radar also haushoch überlegen.

Fassen wir zusammen:
Betrachtet man die rein physikalischen Größen, wie beispielsweise die Sendeleistung, die Strahler-Abmessungen, den horizontalen Abstrahlwinkel oder die Bildschirmdiagonale, unterscheiden sich moderne Radargeräte kaum von ihren Vorgängern. Auch die Bilddarstellung eines Röhrengerätes ist allen Unkenrufen zum Trotz nicht schlechter als die eines modernen Flachbildschirms. Den Unterschied macht die Rechenleistung des verwendeten Mikrocomputers.

Heutige Radargeräte verfügen über unzählige Zusatzfunktionen, die sie einfach "schlauer" als ihre Vorfahren machen. Insbesondere die Kombination aus Radar- und AIS-Darstellung kann im Zweifelsfall für eine klarere Ziel-Identifikation und damit eine sichere Schiffsführung sorgen.

In puncto Bedienung bleibt zu erwähnen, dass die Drehregler der alten Anlagen in unseren Augen ein Vorteil gegenüber modernen Touchscreen-Bedienungen sind. Sie lassen sich unter allen Bedingungen einfach, intuitiv und fein dosiert einstellen. Für unseren Test wählten wir deshalb bewusst das Furuno M-1835 aus, da auch dieses moderne Gerät über Drehregler für die wichtigsten Funktionen verfügt.

Dennoch:
Wer eine funktionierende ältere Radaranlage an Bord hat, muss nicht zwangsläufig über eine Neuanschaffung nachdenken, nur weil die alte Anlage nicht mehr "up to date" erscheint. Fällt sie jedoch irgendwann mit einem technischen Defekt aus, lohnt eine Reparatur, die ohnehin nur wenige Fachbetriebe anbieten, in den wenigsten Fällen. Spätestens dann ist es Zeit für etwas Neues.

 

Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung von Logo Boote, Europas größtem Motorboot-Magazin.

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