Segeln ist längst nicht mehr das Abenteuer das es einmal war. Schiffe werden zunehmend automatisiert und elektronisiert, in vielen Revieren gibt es an allen Ecken Marinas mit Personal, das dafür bezahlt wird, mit Bootshaken und zwei starken Armen den weniger geübten (oder kompetenten) Gästen hilfreich zur Hand zu gehen. Nur so bleibt der Schaden an Infrastruktur, Schiff und Skippers Selbstvertrauen in Grenzen, wenn ein kniffliges Anlegemanöver bei schwierigen Verhältnissen zu fahren ist. Enorm praktisch sind dabei natürlich im Hafen fest verlegte Muringleinen, die das Anlegen hecklings enorm erleichtern, weil der Anker in seinem Kasten bleibt und so weder Verwirrung noch Kopfweh stiften kann.




Schicksal vieler Hafenlieger: Heck am Steg und vorn an Muringleine oder Anker. Foto:www.schmid-yachting.de

Schicksal vieler Hafenlieger: Heck am Steg und vorn an Muringleine oder Anker. Foto:www.schmid-yachting.de


Nur vereinzelt gibt es sie noch die Buchten und Molen, die so tun, als wäre’s noch 1970, ohne Marineros, fest verankerten Bojen – oder vorsorglich ausgelegten Muringleinen. Dann heißt es Augen zu, Anker runter und aufs Beste hoffen. Wehe, wenn der Anker zu kurz gesetzt wurde oder slippt, weil er mit dem Boden nicht klar kommt und plötzlich ein auflandiger Gewittersturm los bläst, mitten in der Nacht natürlich., Oder das Ankergeschirr ist hoffnungslos mit dem des Nachbarschiffs vertörnt, was spätestens beim Ablegen für gebührend Aufregung sorgen wird.
Um sich solche Horrorszenarien zu sparen, beschreibt unser Autor Carl Victor, welche Schritte zu beachten sind. Nützliche Tipps für den prinzipiellen Ablauf zum Anlegen mit Muringleinen finden Sie übrigens in Teil 1 dieser Artikelserie.


Mit achterlichem Wind
Die Entfernung zur Mole, in der der Anker fallen soll, beträgt idealerweise etwa die sechsfache Wassertiefe. Damit bleibt genug Platz, den Anker sicher zu setzen, ohne dass er hinterher kurzstag ist.
Fahren Sie langsam über das Heck, damit Sie den Anker nicht über den Grund ziehen, wenn Sie die Kette  über die Winsch auslaufen lassen. Auch wenn dieser Vorgang heute auf viele Yachten per Fernbedienung gesteuert wird, sollte ein Crewmitglied am Vordeck bereit stehen, um im Fall der Fälle eingreifen zu können.
Wenn das Heck kurz vor dem Steiger ist, bringen die dafür zuständigen Crewmitglieder am besten gleich beide Heckleinen aus. Noch nicht belegen, sondern genug Lose geben, damit das Schiff wieder von der Mole weg kann. Denn jetzt wird am Vordeck mit der Winsch die Kette dicht geholt, bis Spannung drauf kommt. Dann legt der Rudergänger den Rückwärtsgang ein und gräbt den Anker mit Gefühl in den Grund.




Ankern und gegen den Wind hecklings an die Mole. IIlustration: Carl Victor

Ankern und gegen den Wind hecklings an die Mole. IIlustration: Carl Victor


Mit Seitenwind
1)Die Stärke des Seitenwindes bestimmt den Anstellwinkel. Öffnen Sie die Kupplung der Ankerwinsch und lassen Sie einen Teil der Kette ausrauschen. Achten Sie dabei darauf, dass diese nicht auf dem Anker zu liegen kommt.
2)Der Seitenwind wird Sie zu zügiger Fahrt über das Heck zwingen; das Crewmitglied an der Winsch muss dabei immer ausreichend Kette stecken. Sobald das Heck an der Mole ist, muss die Crew mit der luvseitigen Heckleine von Bord und diese auf Klampe, Poller oder Öse festmachen.
3) Mit der Luvheckleine fest, hart Luvruder (in Windrichtung) und Maschine voraus, damit das Schiff auf Position bleibt, während gleichzeitig die Ankerkette eingeholt wird, bis sie spannt. Kann gut sein, dass die Heckleine dazu wieder ein wenig Lose braucht. Jetzt wie gehabt, Rückwärtsgang einlegen und den Anker eingraben. Zu guter Letzt die Lee-Heckleine ausbringen, dann ist das Boot an drei Punkten fest. Wenn dann noch das Deck ordentlich aufgeklart ist, gibt’s den wohlverdienten Manöverschluck.




Beim „Einparken" mit Seitenwind vorhalten, um die Versetzung zu kompensieren. Illustration: Carl Victor

Beim „Einparken" mit Seitenwind vorhalten, um die Versetzung zu kompensieren. Illustration: Carl Victor


Mit Wind auf die Nase
1)Hier können Sie, wie oben beschrieben, mit Fahrt über das Heck anlegen oder Anker werfen und sich vom Wind Richtung Mole treiben lassen.
2)Wenn Sie diese Position erreicht haben, muss der Anker im Grund sitzen. Erst wenn Sie sich dessen sicher sind, lassen Sie Kette ausrauschen und steuern mit Fahrt über das Heck den Liegeplatz an.
3)Bringen Sie wenn möglich gleich beide Heckleinen aus und holen Sie die Ankerkette dicht, bis sie auf Zug kommt. Wer absolut sicher gehen will, lässt die Ankerkette noch belegt, um das Grundeisen noch tiefer einzugraben.




Wind von vorn: Das ist am einfachsten, es kommt nur auf das Timing beim Fallenlassen des Ankers an. Illustration: Carl Victor

Wind von vorn: Das ist am einfachsten, es kommt nur auf das Timing beim Fallenlassen des Ankers an. Illustration: Carl Victor


Wählen sie den besten Anker 
Viel wird geschrieben über das richtige Modell, die richtige Größe für das jeweilige Boot, die Form der Fluken, das Gewicht an der Ankerspitze und die Beschaffenheit des Ankerschaftes. Alles gut und richtig, doch was meist fehlt, ist die Feststellung, dass jedes vernünftig ausgestattete Boot verschiedenen Ankertypen (z.B. Danforth, CQR und Bruce) an Bord haben sollte, um für verschiedene Ankerböden gerüstet zu sein. Bevor Sie römisch-katholisch über Buganker festmachen, informieren Sie sich aus Seekarte oder Handbuch über den Ankergrund vor Ort und lassen Sie denjenigen Ankertyp von der Crew vorbereiten, der den Gegebenheiten am besten gerecht wird. Denn was hilft das beste Manöver, wenn der Anker schliert, weil er die falsche Form hat und sich partout nicht in den Meeresboden eingraben lässt?




Ankerwahl: Klauenanker, Scoop-Anker und Danforth (v. l.),  drei gängige Typen, für verschiedene Einsätze und Grundbeschaffenheiten.  Foto: www.westmarine.dom

Ankerwahl: Klauenanker, Scoop-Anker und Danforth (v. l.), drei gängige Typen, für verschiedene Einsätze und Grundbeschaffenheiten. Foto: www.westmarine.dom


Und noch ein nützlicher Hinweis: Vergewissern Sie sich vor dem Fallenlassen des Ankers, dass Sie sich freihalten von dem Geschirr der Nachbarn. Das erhält die Freundschaft und erleichtert allen das Ankerlichten am nächsten Morgen.


Warum Römisch-katholisch?
Diese Art des Festmachens ist sehr effektiv, um auf kleinstem Raum die maximale Anzahl von Booten unterzubringen. Der Name dürfte sich von den überwiegend römisch-katholischen Mittelmeerländern Spanien, Italien und Frankreich herleiten, in denen diese Art anzulegen schon praktiziert wurde, als man im Norden noch im Päckchen zu liegen pflegte. Eine andere Erklärung mag das Kreuz sein, das im römisch-katholischen Glauben eine zentrale Rolle spielt, eine Form die sich andeutungsweise aus dem rechten Winkel zwischen dem Bootsrumpf und dem Steiger ergibt.


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