Schauplatz: Eine Marina am späten Nachmittag. Akteure: Yachten und ihre Crews. Thema: Römisch-katholisch anlegen. Inszenierungen: Höchst vielfältig. Meist wird vom Kabarett bis hin zu wahren Dramen alles geboten. Setzen Sie sich einfach am späten Nachmittag im Ausgust zu einem kühlen Drink in eine Bar am Hafen und genießen Sie großes Kino. Hektik, Gebrüll, erhitzte Gemüter und manchmal auch der unsanfte Kontakt mit der Kaimauer gehören bei so manchen zum Landfall. Dabei könnte alles so einfach sein.




Dicht an dicht: So sieht es in der Hochsaison in den meisten europäischen Häfen aus. Mit dem Heck zumSteg ist die einzige Chance. Foto: Gary John Norman, Bluegreen Pictures

Dicht an dicht: So sieht es in der Hochsaison in den meisten Häfen aus. Mit dem Heck zum Steg ist die einzige Chance. Foto: Gary John Norman, Bluegreen Pictures


Die langjährige Erfahrung lehrt, dass es drei Grundbedingungen für ein gelungenes römisch-katholisches Anlegemanöver gibt: Eine Luv-Heckleine, hart gelegtes Luvruder und ein Motor, der gefühlvoll geschaltet, voraus läuft. Windrichtung und -stärke verlangen zudem eine Feinabstimmung und natürlich muss auf dem Schiff schon vorab alles bereit fürs Anlegen sein.


Vorbereitungen
Erst die Fender ausbringen. Bei einem Anlegemanöver über das Heck, muss vor allem dieses geschützt werden. Die meisten Fender gehören an die Leeseite und der dafür am besten geeignete ans Heck. Ein Crewmitglied, am besten mit Assistent, steht bereit, um mit dem Bootshaken die Mooringleine aufzunehmen. (Handschuhe schützen vor Schnittwunden durch Bewuchs). Heckleinen müssen an ihren Klampen befestigt sein, unter dem Heckkorb durchgezogen werden und dann griffbereit aufgeschossen bereit liegen. Nur vier bis fünf Schlingen gehören in die Wurfhand; so verheddert sich die Leine beim Werfen nicht. Das Crewmitglied an der Luv-Heckleine hat den Auftrag, wenn nötig, auf die Mole oder den Steg überzusteigen und die Leine selbst festzumachen. Dazu muss der Durchstieg am Heck offen sein. Und noch etwas: Es gilt nur das Wort des Skippers. Ratschläge von außen dienen der Konfusion.


Soll mit Hilfe des Ankers hecklings angelegt werden, muss dieser bereit zum Fallen sein und die Bremse (Kupplung) der Ankerwinsch sollte gelöst werden, damit die Kette kontrolliert ausrauschen kann. Der Haken muss richtig im Grund sitzen, deshalb in gebührlichem Abstand fallen lassen. Und bitte: Nicht mit der Winsch einbuddeln, wenn Ihnen die elektrischen Sicherungen heilig sind. Geben Sie Lose auf die Heckleinen und holen Sie die Kette/Trosse mit der Winsch ein, bis sie spannt. Erst dann können Sie den Anker im Rückwärtsgang eingraben. Der hält, wenn die Kette ohne Rucken gespannt bleibt.


Mit achterlichem Wind
Halten Sie sich so weit zu Luv, wie es die Mooringleinen erlauben. Passen Sie ihre Fahrt der Stärke des Windes an. Drückt der den Bug des Schiffes weg, können Sie mit Leeruder korrigieren. Nehmen Sie Fahrt aus dem Schiff und legen Sie Luvruder, mit Gefühl, da der Wind die Drehung verstärkt. Steht das Heck im Wind, gehen Sie mit langsamer Fahrt und Ruder mittschiffs an den Steg. Bei idealen Bedingungen können Sie in aller Ruhe beide Heckleinen ausbringen und dann die Mooringleine aufnehmen.




A Römisch-katholisch Anlegen

Illustration: Carl Victor


Mit Wind von Steuerbord  
Halten Sie sich bei der Ansteuerung so weit wie möglich an Steuerbord und lassen Sie so viel Fahrt im Schiff, dass ihnen der Wind den Bug nicht wegdreht. Dann Fahrt reduzieren mit leichtem Steuerbordruder, weil sonst der Bug überdreht. Nun muss alles schnell gehen: Luvheckleine über die Klampe oder den Poller am Steg fest machen, Ruder hart Steuerbord und zugleich Maschine voraus, bis der Bug aufkommt. Mooringleine erst aufnehmen, wenn das Schiff quer zum Wind liegt, so ist die Gefahr gering, diese in die Schraube zu bekommen.




BRömisch-katholisch Anlegen

Illustration: Carl Victor


Mit Wind von vorne
Halten Sie sich in Luv und machen Sie Fahrt rückwärts: Dabei gilt: Je mehr Wind, desto mehr Speed. Legen Sie hart Ruder, ohne die Fahrt zu verringern. Ist der Wind kräftig, wird der Bug nur unwillig nach Luv drehen. Erst wenn der im Wind steht, können Sie die Motordrehzahl verringern, doch sollten Sie erst kurz vor dem Steg stoppen.Bringen Sie beide Heckleinen aus aber holen Sie nur die jeweils luvseitige dicht, damit können Sie mit Hilfe von Motor und Ruder den Bug gegen den Wind und gleichzeitig das Heck frei vom Steg halten, bis die Mooringleine fest ist.




C Römisch-katholisch Anlegen

Illustration: Carl Victor


Mit Wind von Backbord
Halten Sie sich an Backbord und achten Sie auf ausreichende Fahrt übers Heck. Legen Sie bei unverminderter Geschwindigkeit das Ruder hart steuerbord; der Bug wird anfangs schnell dann – wegen des Winddruckes auf das Rigg – langsam aufkommen. Stoppen Sie erst kurz vor dem Steg und belegen Sie unverzüglich die Luv-Heckleine. Ist die fest, legen Sie hart Luvruder; mit Maschine voraus, halten Sie dann den Bug quer zum Wind, bis die Mooringleine fest ist.




D Römisch-katholisch Anlegen

Illustration: Carl Victor



In der zweiten Folge zeigt Carl Victor, wie dieses Manöver mit Anker anzulegen ist.

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