Logisch gedacht und kühl gerechnet macht Bootsbesitz für die meisten eigentlich gar keinen Sinn. Boote sind das Gegenteil von vermögensmehrend, denn sie benötigen Pflege und verursachen ständig irgendwelche Ausgaben. Vielerorts sind sie nur ein halbes Jahr nutzbar, wenn überhaupt, und man kann damit nur in äußerst seltenen Fällen seine Kinder zum Fußballtraining oder zur Ballettprobe fahren.




Volle Stege: Die Ultramarin Marina in Kressbronn am Bodensee

In-Water Bootsmessen wie in der Ultramarin Marina in Kressbronn am Bodensee locken zum Bootskauf.


Wenn Sie also kein Geschäft betreiben, für das ein Boot unbedingt nötig wäre, gibt’s für Sie auch keinen logischen Grund eins zu kaufen. Man stelle sich bloß vor, wie viel künstliche Intelligenz in ein Softwareprogramm einfließen müsste, das alle maßgeblichen Faktoren mit berechnet: Einkommen gegen Ausgaben, verfügbare gegen benötigte Zeit, etc. und dabei zu diesem Schluss kommt: „Kaufen Sie sich rasch ein Boot.” Das wäre unscharfe Logik am Kriegspfad.


Aber für einige für uns gilt, dass der Besitz eines Bootes zwar Kopfweh verursacht, während keines zu haben äußerst schmerzvoll ist. Von den Großeltern angefangen war meine Familie immer in der glücklichen Lage, in der Nähe von Wasser zu leben und im Sommer auch mit Booten unterwegs sein zu können. Meine Frau und ich haben es dreimal als Bootseigner versucht: Mit einer J/22 die wir  mit meiner Schwester gemeinsam hatten. Das ging zwei Jahre gut. Dann folgten zwei Jahre mit einer J/35 und schließlich ein Hobie 33 Racer/Cruiser, den wir ebenfalls zwei Jahre unser Eigen nannten. Nachdem wir den Hobie verkauft hatten, waren wir zwei Jahre bootlos. Das klingt alles nicht nach Logik, nicht einmal nach unscharfer.


Die J/22 machte Spaß, aber wir wollten etwas Größeres. Die J/35 war ein Riesensprung der uns ein wenig überforderte, deshalb musste sie wder weg. Der Hobie 33 war ein Versuch etwas Aufregenderes zu segeln, das auch ein leichter zu handhaben war.  Das traf zu, aber nicht im gewünschten Ausmaß und das Boot war nicht so vielseitig wie die J/35.




Hobie 33: Ein kleiner Sled aus den 1980er Jahen , mit viel Potenzial, aber doch eher für sportliches Segeln gedacht denn als  reines Fahrtenboot

Hobie 33: Ein kleiner Sled aus den 1980er Jahen , mit viel Potenzial, aber doch eher für sportliches Segeln gedacht denn als reines Fahrtenboot


Ein Freund erklärte mir, ich sei halt einer, der Boote nur zur Restaurierung anschafft und danach das Interesse verliert. „Sobald du die Relingsstützen ersetzt hast, ist Schluss im Schacht”, meinte er nur. Ich hoffe, er hat nicht recht.  Dabei waren die beiden vergangenen Sommer recht unterhaltsam, z. B. auf den Booten der anderen Regatten mit zu segeln, anstelle an seinem eigenen Projekt zu malochen. Hat schon was, nach der Wettfahrt von Bord zu gehen, oder am Schluss der Saison sich keinen Kopf machen zu müssen, was zu reparieren oder ersetzen ist. Oder das Boot auch nur auszuräumen, um es fürs Einwintern und das Winterlager fertig zu machen.


Und trotzdem: Etwas fehlt ganz einfach ohne Boot. Mitsegeln ist schon lustig, aber man kann nicht die ganze Familie mitbringen. Und selbstverständlich geht’s ja um wesentlich mehr als nur um das Regattasegeln. Bootsbesitz lässt einen  aus der strukturierten und terminierten Welt ausbrechen, die man vom Job her kennt oder den endlosen Trainings beim Jugendsport. Stattdessen geht man Segeln, Fischen, Schwimmen oder auf Törn. Mit oder ohne Gäste. Es gibt einem Freiheit und die Verfügungsgewalt, sein Boot genau so zu betreiben, wie man es für richtig hält. Ironischerweise vermisst man Endlosprojekte, was aber auch sehr befriedigend sein kann, weil man daran erkennt, dass das Boot durch die verschiedenen Auf- und Umrüstungen bereits wirklich sein eigenes geworden ist.




Wenn Staub, dann nur mit Maske. Achten Sie auf korrekte Schutzkleidung. Foto: boats.com/Dieter Loibner

Manch einer, wie unser anonymer Bekenner, liebt die Arbeit am Boot mehr als dessen Gebrauch . Foto: boats.com/Dieter Loibner


Dennoch darf man nicht um das Problem herumreden. Es bleibt hart, sich für den Sprung ins kalte Wasser zu entschließen und einen schwimmenden Untersatz anzuschaffen. Man muss schon ziemlich gut rationalisieren können, wie mein Freund Phil zum Beispiel, der seinen drei Töchtern die Collegeausbildung finanzierte und meinte, dass es egal ist, wie viel man für die Uni spart, das Geld fließt ohnehin auf ihr Konto. Oder man hält sich an diesen Scherz: „Man muss das Boot nur als billiges Haus am Strand betrachten”. Oder man holt die beste Ausrede aus der Mottenkiste: „Unsere Kinder werden nicht jünger und wir auch nicht”.


Mit diesen Mantras gewappnet setzt man sich dann stundenlang an Webseiten wie de.boats.com wo heute der Kaufprozess beginnt.


Lesen Sie auch, was Sie über den Kauf gebrauchter Boote wissen müssen und unsere Tipps für den Kauf des perfekten Schlauchboots.

Anzeige