Ein Bootskauf ist für die meisten eine größere Anschaffung und will deshalb wohl überlegt sein: Verwendungszweck, Schiffsgröße, Antriebs- oder Takelungsart, Fahrleistungen, Reichweite, Anzahl der Schlafplätze oder Größe der Kombüse sind lauter Faktoren, die sich ein potenzieller Käufer durch den Kopf gehen lassen sollte, bevor die Suche beginnt. Lesen Sie dazu den Artikel: Bootskauf: Ist Bootsbesitz logisch vertretbar?




Die Bootssuche online ist schnell und bequem, ersetzt aber nicht die Inspektion und den direkten Kontakt mit dem Verkäufer.

Die Bootssuche online ist schnell und bequem, ersetzt aber nicht die Inspektion und den direkten Kontakt mit dem Verkäufer.


Zumeist schränkt dies auch die Hersteller und Modelle ein, die in Frage kommen. Bei einem Neukauf gibt es außerdem noch viele Optionen zu wählen, die zum überwiegenden Teil gegen Aufpreis angeboten werden: Mehr oder weniger Kajüten, Elektronik, Innenausstattung, Farbe von Holz, Teppich und Polsterung bzw. Größe des Motors oder der Segelfläche. Und wenn man sich dabei nicht restlos verausgabt hat, sollte man nach Möglichkeit ja auch noch den Preis runterhandeln…


Am besten beginnen Sie Ihre Recherche noch bevor sie das erste Schiff betreten. Es gilt zunächst, sich einen Überblick über den Markt und das Preisgefüge zu verschaffen. Fachmagazine und Internetseiten wie de.boats.com leisten dabei gute Dienste und helfen Ihnen, Preisbereich, Ausrüstungsumfang, Spezifikationen, Ausstattungsmerkmale und Fahrleistungen verschiedener Boote zu ermitteln. Natürlich bereiten sich auch Verkäufer vor. Lesen Sie dazu unseren Artikel Bootsverkauf: Der Weg zum Erfolg




Ein Besuch auf der Messe ist ein guter Start, doch auch der ersetzt nicht die Probefahrt, auf die man auch bei einem brandneuen Boot nicht verzichten sollte

Ein Besuch auf der Messe ist ein guter Start, doch auch der ersetzt nicht die Probefahrt, auf die man auch bei einem brandneuen Boot nicht verzichten sollte.


Zweimal gucken, einmal kaufen
Wenn Sie Ihre Suche eingeschränkt haben und sich auf ein oder zwei verschiedene Modelle zu konzentrieren beginnen, ist es an der Zeit , einen etwas genaueren Blick zu riskieren und zu entscheiden, ob Sie das Schiff neu der gebraucht anschaffen wollen. Dabei sollten Sie das Boot Ihrer Wahl immer zweimal inspizieren, bevor Sie einen Kaufvertrag unterschreiben: Bringen Sie am Anfang auf jeden Fall eine Kamera mit, um die wichtigsten Details (gut oder schlecht) abzulichten, die Sie sich hinterher daheim ganz in Ruhe ansehen, um sich einen besseren Begriff vom Wert des Vehikels machen zu können. Noch dazu können sie sich überlegen, beim zweiten Besuch mit einem Gutachter vorzufahren, bzw. eine Testfahrt zu vereinbaren, wenn Sie denn konkretes Kaufinteresse haben.


Es ist auch keine schlechte Idee, eine Vertrauensperson, einen Freund oder Klubkollegen mitzunehmen, als eine Art Stimme der Vernunft. Dennoch sollten Sie selbst stets auch die kleinen Dinge im Auge behalten, wie zum Beispiel das Material von Beschlägen, an denen vor allem bei Billigprodukten oft gespart wird. Oder den berühmten Blick in die dunklen Ecken und Nischen werfen, in denen sich zeigt, mit wie viel Sorgfalt beim Bau vorgegangen wurde. Wurde vorne rum kosmetisch geschönt was sich hinter den Kulissen als mittelmäßig bis schlampiges Handwerk herausstellt? Die Aufmerksamkeit im Detail ist nicht nur Indikator für die Bauqualität sondern auch Indiz für den Wiederverkaufswert, der bei gut gefertigten Booten einfach höher ist.




Sauber verlegte Kabel und ordentliche Verbindungen sind Anzeichen für einen hohen Qualitätsstandard beim Bau und der Installation der Bordsysteme.

Sauber verlegte Kabel und ordentliche Verbindungen sind Anzeichen für einen hohen Qualitätsstandard beim Bau und der Installation der Bordsysteme.


Neu oder gebraucht?
Produktionsboote werden fast wie Autos gebaut, aber eben nur fast. Um Kosten zu sparen haben große Hersteller wie Bavaria oder Beneteau vieles normiert, automatisiert und optimiert, dennoch ist bei fast allen Booten immer noch ein hoher Anteil Handarbeit erforderlich und dort zeigt sich dann oft das Qualitätsniveau einer Werft. Es macht deshalb Sinn, sich die Dienste eines Gutachters zu sichern, der entweder den Bau überwacht (wenn sie sich eine Sonderanfertigung leisten wollen) oder Ihnen gezielt Auskunft über den Zustand eines Gebrauchtbootes geben kann. Im Vergleich zum Anschaffungspreis ist das eine kleine Investition, die sich bezahlt macht, auch wenn es nur darum ginge, kleinere Unebenheiten aufzuzeigen, die sich beim Bau an einem Freitagnachmittag kurz vor Dienstschluss oder an einem Montagmorgen nach einem langen Wochenende einschleichen können.


Was den Preis angeht, können Sie bei den großen Bootsmessen im Herbst und Winter von Aktionen profitieren, wenn nämlich neue Boote zu Einführungskonditionen angeboten werden, oder Händler ihr Lager von den Vorgängermodllen räumen müssen, um für neue Ware Platz zu schaffen. Ebenfalls gute Skonti gibt es für Vorführboote, die ein Händler oder Importeur eine Saison lang benutzt hat. Gerade bei neuen Booten kleinerer Hersteller lassen sich oft gute Konditionen herausschlagen, wenn Sie Ihr neues Schiff einem Händler auf Wunsch zu Demozwecken zur Verfügung stellen.


Doch die besten Schnäppchen gibt es eindeutig am Gebrauchtbootmarkt, der im Augenblick ein Überangebot an Booten aller Arten und Größen bietet. Gebrauchtboote sind in der Regel besser ausgestattet, haben ihre Kinderkrankheiten überwunden und müssen sich am Markt gegen viele ähnliche Angebote behaupten, weshalb Verkäufer ihre Boote oft schon zu attraktiven Preisen inserieren, bzw. bei Verhandlungen geneigt sind, dem potenziellen neuen Eigner entgegen kommen.


Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie über einen Makler oder Privat kaufen, was am meisten nützt, ist ein gutes Auge fürs Detail, emotionale Distanz und eine gehörige Portion Skepsis gegenüber “motivierten anderen Interessenten”, die vom Verkäufer gerne ins Spiel gebracht werden, um ein Geschäft zum Abschluss zu bringen. Dabei können Sie natürlich auch ein bisschen pokern: Lassen Sie sich vom Verkäufer zurückrufen, wenn er alle anderen Angebote vorliegen hat. Wenn das Telefon klingelt, haben Sie schon gewonnen, denn das heißt wohl, dass die anderen vielleicht doch nicht so “motiviert” waren, wie anfangs erhofft, womit Sie sich in einer stärkeren Position wieder finden.


Eine andere Alternative ist es, sich am Saisonende zum Kauf zu entschließen, denn so mancher Eigner, der sich mit Verkaufsgedanken trägt, möchte sich das Ein- und Auswintern und die Frickelei ersparen, die zumindest in Nordeuropa in der kalten, finsteren Jahreszeit am Spielplan stehen. Für Käufer kann das nicht nur preisliche Vorteile bringen, sondern auch die Gelegenheit, ein Boot zu erstehen, das vielleicht nur 90 Prozent perfekt ist, aber über den Winter nach eigenen Wünschen optimiert werden kann, damit dem Bootsvergnügen im folgenden Sommer absolut nichts im Weg steht.


Die Probefahrt
Wenn das in Frage stehende Boot in jämmerlichen Zustand und stark renovierungsbedürftig ist, wird dieser Teil des Tanzes wohl entfallen. Doch sonst ist ein Test am Wasser unter Motor und/oder Segel unumgänglich. Doch der sollte nicht zu einer Bolzerei auf Kosten des Händlers ausarten, sondern er sollte Ihnen das bestätigen, was Ihnen bei Ihren Nachforschungen bereits aufgefallen sein sollte, z. B. welche Fahrleistungen sie zu erwarten haben. Es ist auch eine Gelegenheit, den Allgemeinzustand des Vehikels zu überprüfen, mit dem Sie, Ihre Familie und Freunde die kostbarsten Stunden ihrer Freizeit verbringen sollen. Und genau deshalb sollte man beim Kauf über jeden Zweifel erhaben sein.




Der Käufer muss das Boot selbst steuern, doch auf der Probefahrt sollte auch Zeit sein, das Erlebnis als Fahrgast zu testen.

Der Käufer muss das Boot selbst steuern, doch auf der Probefahrt sollte auch Zeit sein, das Erlebnis als Fahrgast zu testen.


Natürlich sollen Sie das Schiff auf der Probefahrt selbst steuern, aber nehmen Sie sich auch Zeit, als Passagier die verschiedenen Plätze an Bord während der Fahrt kennen zu lernen. Auch hier gilt: Schießen Sie Bilder, machen Sie Notizen und fragen Sie viel und oft. Danach erbitten Sie sich ein paar Tage Bedenkzeit, in denen Sie daheim in Ruhe und vielleicht auch bei einem guten Glas Ihre Eindrücke Revue passieren lassen, bzw. sich die Vorstellungen Verkäufers durch den Kopf gehen lassen. Dies ist auch der Zeitpunkt, sich den Bericht des Gutachters anzusehen oder mit einem kundigen Freund Meinungen auszutauschen.


Das beste Geschäft
Ein gutes Geschäft hat man nicht unbedingt dann gemacht, wenn man den höchstmöglichen Preisnachlass heraus gehandelt hat. Der Maßstab sollte die Zufriedenheit sein, die sich einstellt, wenn Sie ein wertiges Produkt erstanden haben, das vom Händler bzw. von der Werft unterstützt wird. Ein billiges Boot ist oft eine teure Anschaffung, doch das kristallisiert sich immer erst später heraus,  denn die Beträge für fällige Reparaturen stehen nicht im Kaufvertrag. Vom Ärger und vom Verlust von kostbaren Urlaubstagen bzw. erholsamen Stunden am Wasser ganz zu schweigen. Ein reparaturanfälliges Boot wird auch nicht regelmäßig genutzt und liegt Ihnen dann mit den Fixkosten wie Slip, Stellplatz und Versicherung auf der Tasche. Fazit: Sie werden das Boot in aller Wahrscheinlichkeit früher und zu einem deutlich geringeren Preis weiterverkaufen als eines, das Ihnen Freude macht, weil es zuverlässig funktioniert.


Also: Wer sich rechtzeitig vor dem ersten Besichtigungstermin schlau macht, wird einem Boot mit konkreten Fragen, Zweifeln und Erwartungen begegnen, die sich schnell und ebenso konkret beantworten lassen. Auf keinen Fall sollten sie sich zu einem Abschluss hinreißen lassen, bevor alle Zweifel ausgeräumt wurden. Ein informierter Käufer mit einem Blick fürs Detail, der seine Hausaufgaben gründlich erledigt hat und sich die Zeit nimmt, seine Entscheidung in Ruhe zu überdenken, wird in der Regel auch einen glücklichen Eigner abgeben. Und darum geht es ja in erster Linie.

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