Es beginnt mit der einfachen Frage, ob das Boot für den Vortrieb einen Mast haben soll oder einen Motor. Dazu sollte man eine Meinung haben, bzw. sich eine bilden, bevor man sich kopfüber ins Abenteuer stürzt. Allen, die sich fürs Segeln interessieren, aber noch kein Boot haben und über die Anschaffung eines solchen nachdenken, legen wir folgend einen Katalog von Fragen und Überlegungen vor, der mit den darin angeführten Beispielen helfen soll, die richtige Entscheidung zu treffen.




Boote, Boote, nichts als Boote. Doch welches passt auf den individuellen Anwendungsbereich? Foto: boot Düsseldorf

Boote, Boote, nichts als Boote. Doch welches passt auf den individuellen Anwendungsbereich? Foto: boot Düsseldorf


Warum überhaupt segeln?
Ruhe:
Wenn Sie alles hinter sich lassen wollen, also nicht nur den Job und den Stau, sondern auch den Lärm, das Gedränge und den Gestank der Stadt, ist ein Segelboot das ideale Fluchtfahrzeug. Und mal ehrlich: Gibt es ein schöneres Naturerlebnis als das geräuschlose, friedliche Gleiten übers Wasser?
Körperbetätigung: Segel setzen, Segel trimmen, Segel bergen, obwohl heute schon vieles automatisierbar ist,  sind auf den meisten Segelbooten, vor allem auf den kleineren, noch viele Jobs manuell auszuführen. Das hält die Mannschaft auf Trab und den Kreislauf in Schwung. Doch auch bei eingeschränkter körperlicher Leistungsfähigkeit lässt es sich vorzüglich segeln, wenn man sich dabei von elektrischen oder hydraulischen Systemen die Arbeit erleichtern lässt.
Können: Manövrieren unter Segel will gelernt sein, weil man von der unkontrollierbaren Kraft des Windes abhängt, die sich in Richtung und Stärke ändern kann. Das braucht Übung, verleiht aber Können und Fertigkeiten, die z.B. bei der Bootshandhabung in schwerem Wetter wertvoll sind. Von beeindruckten Zusehern im Hafen ganz zu schweigen.
Treibstoffkosten: Der Wind kostet nichts. Zumindest bisher. Klar, Segel sind nicht gratis, aber sie brauchen keine Tankfüllung vor jeder Ausfahrt.
Umweltverträglichkeit: Windkraft ist auch sauber, vorausgesetzt, man versteht sie zu nutzen und widersteht der Versuchung, bei jeder Gelegenheit mit dem Hilfsmotor loszujockeln. Das ist eine Frage des Könnens, der Geduld und der Zeiteinteilung. Aber wer nicht nur guckt, was in den Tank hineinrinnt, sondern auch daran denkt, was aus dem Auspuff zwangsläufig wieder herauskommt, wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit fürs Segeln entscheiden.
Apropos Hilfsmotor: Natürlich ist der praktisch, z. B. wenn der Wind mal nicht will, die Uhr aber tickt. Oder beim Ein- und Auslaufen in engen, gut gefüllten dänischen Häfen. Oder wenn es gilt, vor Einbruch der Dunkelheit oder dem Aufziehen schweren Wetters rechtzeitig einen schützenden Hafen oder eine sichere Bucht anzulaufen. Und die Batterie lädt er auch auf, nicht zu vergessen.




Ruhige See, klarer Himmel, sonne am Horizont: Gute Gründe, dem Alltag auf einem Segelboot zu entfliehen.  Foto: www.izoom.me

Ruhige See, klarer Himmel, Sonne am Horizont: Gute Gründe, dem Alltag auf einem Segelboot zu entfliehen. Foto: www.izoom.me


Kriterien bei der Bootswahl
Wenn man durch die riesigen Messehallen der boot in Düsseldorf wandert, scheint es gerade so , als ob einen das Angebot fast erschlagen könnte. Dabei gilt es, Distanz und kühlen Kopf zu bewahren und sich im Klaren zu sein, dass das erste nicht gleichzeitig auch das letzte Boot sein dürfte. Ansprüche, Interessen, Einkommen, Familienstand oder -größe bzw. körperliche Fähigkeiten ändern sich mit der Zeit und damit auch Art und Größe des Bootes, das am besten zum persönlichen Gebrauch passt, vom sportlichen Einhanddingi bis zur luxuriösen Blauwasseryacht. Folgend ein paar Fragen, die sich sich stellen sollten, bevor Sie mit der Bootssuche beginnen:




  • Will ich Regatta segeln oder gemütlich, zur Entspannung?

  • Will ich auf große Fahrt gehen?

  • Sollen Kinder mitsegeln?

  • Wie lange sollen die Ausfahrten dauern?

  • Wie groß soll die Mannschaft sein, bzw. wie viele Gäste sollen mit?

  • Soll an Bord übernachtet werden?

  • Wo befindet sich der Liegeplatz, bzw. welches Revier wollen sie befahren?

  • Soll das Boot für den Straßentransport geeignet sein?

  • Körperliche Fitness, Alter?

  • Wie viel Segelerfahrung habe ich?

  • Wie wichtig ist Geschwindigkeit?


Klein aber fein: Die Xc 35 von X-Yachts ist eine knapp 11 Meter lange Fahrtenyacht der gehobenen Klasse.

Klein aber fein: Die Xc 35 von X-Yachts ist eine knapp 11 Meter lange Fahrtenyacht der gehobenen Klasse.


Fahrtenyachten
Von 6 Metern bis zu unendlich lange reicht hier das Angebot und mittlerweile ist es so vielfältig wie die Geschmäcker der Menschen, die sich aufs Wasser wagen.
Größe: Je kleiner das Boot, desto kleiner das Gewässer, so lautet die Regel. Heißt im Klartext, Seen oder geschützte Küstengewässer. Dabei muss man auch nicht viel Geld ausgeben, ganz besonders, wenn man sich am Gebrauchtbootsektor umsieht. Oftmals sind solche Boote auch trailerbar, wie zum, Beispiel die Maxus 26, ein Kleinkreuzer aus Polen, was den Vorteil hat, nicht fest an ein Revier gebunden zu sein.
Tiefgang: Boote mit aufholbarem Schwert und Innenballast sind besonders gut für seichte Gewässer geeignet oder fürs Watt, wo man damit bei Ebbe auch trockenfallen kann. Wer Ambition auf längere Törns hat, wird sich  für ein größeres Boot entscheiden und auch für eines mit einem festen Kiel, weil damit bessere Amwindeigenschaften erzielt werden und weil ein Kielboot nicht kentert.




Maxus 26: Kleiner Kreuzer  aus Polen mit Kiel und Raum für 4.

Maxus 26: Kleiner Kreuzer aus Polen mit Kiel und Raum für vier.


Wohnkomfort: je länger Sie unterwegs sind, desto mehr Augenmerk kommt diesem Aspekt zu, denn was nützt das tollste Segeln, wenn es davor und danach an Bord beengt und unbequem ist? Gemütliches Sitzen um den Salon- oder Cockpittisch gehört zu jedem Segeltörn, dazu eine praktische Kombüse mit Kochgelegenheit, Kühlschrank/Kühlbox. Es muss nicht viel sein, aber man kann sich natürlich auch für den Luxus entscheiden, den eine große Fahrtenyacht wie die Wauquiez Centurion 57 bietet.
Nassraum: WC und Dusche sind bei der Wahl eines Bootes für viele ein Zentralthema. Im Sinne der Privatsphäre und des Komforts ist eine abgetrennte Toiletten samt Duschgelegenheit empfehlenswert, doch dazu muss das Schiff eine gewisse Größe haben, die wiederum andere Kompromisse erforderlich macht.
Stauraum: Ähnlich wichtig ist der Platz für Klamotten, Ausrüstung und Verpflegung. Das sollte nach Möglichkeit in Schapps, Kästen und Fächern verschwinden. denn ein aufgeräumtes Boot ist auch ein sicheres Boot.
Schlafplätze:  Die nächste Überlegung bei der Wahl, ist die Größe der Crew. Sind Sie vornehmlich alleine, zu zweit oder mit Freunden und Familie unterwegs? Nicht alle müssen dabei in einer abgeteilten Kajüte nächtigen, aber zumindest ausreichend große und breite Kojen sollten für jeden zur Verfügung stehen.
Ausstattung: Die Anzahl der Segler, die das Boot gewöhnlich bedienen, beeinflusst auch die Ausrüstung der Yacht mit Systemen wie elektrischen Winschen, Rollreffanlagen oder Autopilot.




Alternative Katamaran: Mehr Platz, weniger Krängung, aber auch weniger hoch am Wind.

Alternative Katamaran: Mehr Platz, weniger Krängung, aber auch weniger hoch am Wind.


Platzangebot: Wer gern auf viel Platz wert legt und unterwegs nicht gern Lage schiebt, sollte Fahrtenkats in Erwägung ziehen, die über Schlafplätze in den Rümpfen verfügen und wegen ihrer großen Breite auch viel Platz im Salon bzw. an Deck. Solche Boote haben in der Regel geringen Tiefgang, womit sie weniger gut am Wind segeln dafür aber in seichten Buchten ankern können, die Einrumpfyachten mit tiefgehendem Kiel verwehrt bleiben. Hier ein Rundgang durch die Nautitech Open 40 von Bavaria.
Kids an Bord: Besonders Fahrtenschiffe können leicht für kleine Mitsegler adaptiert werden, wie z. B. mit einem Seilgeflecht an der Seereling, die ein Durchrutschen bzw. Überbordfallen verhindert. Kleinkinder schlafen auch gut in Lotsenkojen oder zu zweit in einer Erwachsenenkoje. Wichtig ist aber den Kids an Bord kurzweilige und interessante Tätigkeiten zuzuweisen. Vorschläge dazu finden Sie in unserem Ratgeber für Kinder an Bord.


Racer/Cruiser oder Regattayacht
Der Trend in diesem Segment geht eindeutig zu Mehrzweckyachten, wie z. B. der Dehler 38, die von Grund auf  für beide Einsatzbereiche konzipiert wurden. Manche dieser Racer/Cruiser können durch den schnellen Ausbau von Stauboxen im Cockpit umgerüstet werden. Das schafft Platz für eine größere Regattacrew und spart Gewicht.
Geschwindigkeit: Wer es gerne schnell hergehen lässt, wird sich in der Regel für extremere Konstruktionen entscheiden. Das bedeutete im Regelfall auch mehr Kapitaleinsatz, denn diese Boote sind teuer in der Anschaffung und Erhaltung und - vielleicht - auch weniger Auswahl bei den Mitseglern, denn schnelle Boote verlangen nach kompetenter Crew - uns solche Leute sind meist gefragt.
Innenausbau: Ihre Einrichtung ist auf Regattayachten oft nur rudimentär vorhanden, also: spartanisch.  Bei Racer/Cruisern ist das Interieur natürlich deutlich kommoder, wenn auch weniger massiv als bei reinen Fahrtenschiffen, denn Gewicht ist bekanntlich dem flotten Segeln hinderlich.
Rigg/Segel: Regattayachten sowieso, aber auch Racer Cruiser haben in der Regel höhere Riggs und mehr Segelfläche und werden in Regatten oft mit Spinnakern, Gennakern oder Code-Zero-Vorsegeln bewegt. Mehr Tuch heißt mehr Kraft, mehr Hände und eine höhere Rechnung an der Clubbar.




Racer/Cruiser vom Feinsten: Advanced A44 aus Italien. Foto: YACHT/N. Günter

Racer/Cruiser vom Feinsten: Advanced A44 aus Italien. Foto: YACHT/N. Günter


Crewgröße: Die Erfahrung lehrt, dass der anfängliche Enthusiasmus der potenziellen Mitsegler oft größer ist als ihre Verlässlichkeit. Das heißt, dass Sie mitunter Ihr Boot auch mit kleinerer oder einer weniger erfahrenen Crew beherrschen müssen. Es kann also gut sein, dass sich eine Investition in elektrisch betriebene Winschen lohnt, oder Reffsysteme, die ohne großen Kraftaufwand zu bedienen sind.
Einhand/Zweihand:  Das Wettsegeln alleine oder zu zweit hat in den letzten Jahren an Popularität zugenommen. Manche Hersteller bieten deshalb Racer/Cruiser an, die speziell für diesen Einsatz modifiziert wurden, wie etwa die J 11 SH, die als J 111schon ein paar Jahre am Markt ist, nun aber in einer Version für Ein- oder Zweihandbetrieb angeboten wird.
Bootsklasse: Segelboote die hauptsächlich bei Regatten zum Einsatz kommen, sind bekanntlich in verschiedene Klassen unterteilt, in denen sich Menschen verschiedenen Alters und mit unterschiedlichen Auffassungen vom Sport tummeln. Nicht wenige Segler wählen deshalb das Boot auch nach der Klassenkultur aus, die sie damit quasi mitkaufen.




Gib Gas.... Sportboote verlangen Können und Einsatz von der Crew. Foto: YC Monaco/Carlo Borlenghi

Gib Gas.... Sportboote verlangen Können und Einsatz von der Crew. Foto: YC Monaco/Carlo Borlenghi


Sportboote und Daysailer
Wer gerne sportlich unterwegs ist und seine Segelausflüge relativ kurz hält, wird sich in diesen Bereichen umsehen, wobei es natürlich endlos viel Variationen gibt, die den Ambitionen des jeweiligen Bootseigners entgegen kommen bzw. auch dem Revier, an dem das Boot eingesetzt werden soll.
Liegeplatz: Solche Yachten können sowohl an einer Muring oder in einer Box im Hafen liegen als auch nach jedem Segeln ausgekrant werden, um auf dem Anhänger abgestellt zu werden. Oftmals haben diese Boote auch einen Hubkiel, der sie sogar zum Ein- und Auswassern an der Rampe tauglich macht.
Leistungsvermögen: Sportboote wie die J/70 oder die Saphire 27 sind aus verschiedenen Gründen populär, weil kompakt, leicht, trailerbar und sportlich zu segeln, wobei sie unter Umständen auch spartanische Schlafgelegenheiten bieten.
Eleganz: Wer es hingegen gediegen und etwas gemütlicher angehen lassen mag, kann sich für einen sogenannten Daysailer entscheiden. Diese Boote glänzen meist durch klassische Linien und gelungene Proportionen über Wasser. Darunter sorgen moderne Anhängen (Kiel bzw. Ruder), für gehörig gute Segeleigenschaften. Elegante und sportliche Yachten modernen Zuschnitts




Essence 33: Eine Beispiel für einen eleganten Daysailer mit großem Cockpit und  guten Segelleistungen dank moderner Anhänge.

Essence 33: Eine Beispiel für einen eleganten Daysailer mit großem Cockpit und guten Segelleistungen dank moderner Anhänge.


Große Plicht: Heißt, Mitseglern finden viel Platz, um bequem zu sitzen oder sich auszustrecken. Der Wermutstropfen: Unter Deck gibt es oft nicht mehr als eine Schlupfkajüte mit etwas Stauraum und  - vielleicht - einer Chemietoilette. Diese Boote sind in der Regel für den Ein- oder Zweihandbetrieb ausgelegt. Ein Beispiel für einen modernen Daysailer mit klassischer Anmutung ist die Essence 33 aus Holland (oben im Bild), oder die  Bihan 6.50 aus Frankreich, die über einen Schwenkkiel und ein Gaffelgroßsegel (!) verfügt.




Sportboote mit Hubkiel  brauchen zum Wassern keinen Kran.

Sportboote mit Hubkiel brauchen zum Wassern keinen Kran.


Jollen
Kleine Boote, großer Sport könnte man sagen. Die Vorteile von Jollen und Einhanddingis liegen auf der Hand: Sie sind leicht, sportlich, kostengünstig, einfach zu lagern und zu transportieren, entweder auf einem kleinen Anhänger oder am Autodach und man lernt damit wirklich gut segeln. Denn wer patzt, nimmt ein Bad. Diese Boote haben keinen Kiel, sondern aufholbare Schwerter und Ruder, womit sie bis an den Strand gesegelt werden können. Aber, und das ist ihr größter Nachteil: Sie können auch kentern. Kein Problem, wenn man weiß, wie sie wieder aufzurichten sind. Schwierig, wenn man den Ernstfall nie bei Sonnenschein und ruhigem Wasser geübt hat. Auch hier gilt: Die Auswahl ist fast endlos, deshalb sollte man sich im Klaren sein, welchen Zweck das Boot zu erfüllen hat.




O'Pen BIC: Kinder und Jugendjolle., moderner als der Optimist, aber noch nicht so weit verbreitet

O'Pen BIC: Kinder und Jugendjolle, moderner als der Optimist, aber noch nicht so weit verbreitet


Einhandartisten mit Regattaplänen werden ein Dingi wie den Laser bevorzugen oder den moderneren RS Aero. Wer gern im Team segelt den wird eine Zweimannjolle wie der Pirat, oder eine Olympiajolle mit Doppeltrapez wie der 49er interessieren. Kinder lernen das Segeln zumeist auf Kleinstjollen, wie dem altehrwürdigen (und weltweit populären) Optimist, oder dem OpenBIC (siehe Bild oben). Natürlich gibt es auch noch andere Sparten wie z. B. Wanderjollen, die sich für längere Touren mit Zelt eigenen, entsprechendes Revier vorausgesetzt, oder Trainingsboote, die einfach geriggt sind und für mehrere Mitsegler Platz bieten.




RS Venture ist aus Polyethylen gefertigt und damit auch robust. Sie eignet sich sowohl für den Segelunterricht, als auch für den Einsatz als  Wanderjolle.

Die RS Venture ist aus Polyethylen gefertigt und damit auch robust. Sie eignet sich sowohl für den Segelunterricht, als auch für den Einsatz als Wanderjolle.


Gebrauchtboote
Boote verlieren zwar auch an Wert, aber nicht so rapide wie Autos. Dazu kommt, dass viele gebrauchte Boote günstig zu haben sind und dabei vielfach noch in sehr gutem Zustand sind, weil sie von ihren bisherigen Eignern wenig genutzt wurden. Besonders GFK-Boote sind robust und überdauern die Jahre meist sehr gut. Mehr dazu in unserem Ratgeber für den Gebrauchtbootkauf.


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