Wenn Sie mal darüber im Klaren sind, welches Boot das richtige für Sie ist und Sie sitzen dem Verkäufer gegenüber, ist der Zeitpunkt nicht fern, an dem es ernst wird: Die Probefahrt. Dabei gilt: Nur nichts überstürzen. Wer zur Testfahrt unvorbereitet erscheint, macht nur einen Bootsausflug und vergeudet damit die eigene Zeit und die des Verkäufers. Er versäumt damit die beste Gelegenheit, wichtige Eindrücke zu sammeln, die Aufschluss geben, ob die Praxis auch annähernd dem Prospekt entspricht. Mit entsprechender Vorbereitung hingegen kann man gezielte Fragen stellen und Klarheit darüber schaffen, ob man mit dem betreffenden Boot einen guten Kauf tätigt oder es besser bleiben lässt. Schauen sie sich dabei etwas von den professionellen Bootstestern ab, die nach einem dreistufigen Plan vorgehen: 1) Recherchieren vor dem Test. 2) Gezielt Eigenschaften testen und 3) Nach der Ausfahrt Fragen stellen.

 

Nehmen Sie sich Zeit, das Boot Ihrer Wahl bei der Probefahrt bewusst auf verschiedene Aspekte hin zu prüfen.

Nehmen Sie sich Zeit, das Boot Ihrer Wahl bei der Probefahrt bewusst auf verschiedene Aspekte hin zu prüfen.



Gewinnen Sie Perspektive
Man kann keine faire Beurteilung eines Bootes treffen, wenn der Kontext nicht klar ist. Dazu gehören Preisgefüge, Leistungsvermögen und die Merkmale des Bootes, die durch den Verwendungszweck und die Konstruktion definiert sind. Anders ausgedrückt: Sie müssen als “Tester” in der Lage sein, einen Maßstab anzulegen, um den Wert des Bootes einigermaßen gerecht einschätzen zu können.
Recherchen im Vorfeld erklären zum Beispiel, weshalb gewisse Layout-Trends auf gewissen Booten populär sind. Potenziellen Käufern ist auch anzuraten, sich einen Moment in die Lage des Konstrukteurs zu versetzen, um zu verstehen, warum welche Kompromisse eingegangen wurden. Informieren Sie sich also nicht nur über das Modell sondern auch über die Entstehungsgeschichte des Bootstyps, damit sie am Tage der Probefahrt vor Überraschungen gefeit sind.

Wenn möglich, nehmen Sie bei der Probefahrt an verschiedenen Orten Platz, um ein besseres Bild über das Seeverhalten zu bekommen.

Wenn möglich, nehmen Sie bei der Probefahrt an verschiedenen Orten an Bord Platz, um ein besseres Bild über das Seeverhalten zu bekommen.



Der Teufel steckt im Detail
Der erste Eindruck, so heißt es immer wieder, ist der wichtigste. Achten Sie deshalb von Beginn an auch auf unscheinbare Details, die viel über die Werft bzw. den Eigner eines gebrauchten Bootes verraten. Stellen Sie Mängel an Beschlägen fest oder sehen Sie Hinweise auf unzulänglich ausgeführte Design-Ideen bzw. improvisiert wirkende Lösungen, sollten Sie Fragen über den Bau bzw. die nachträgliche Aus- und Umrüstung stellen.
Professionelle Tester kommen mit dem Phänomen öfter in Berührung, wenn zum Beispiel Prototypen eines Modells gefahren werden. Doch als potentieller Käufer sollte man sich vor Booten in Acht nehmen, die mit offensichtlichen Mängeln behaftet sind, auch wenn Verbesserungen versprochen werden. Im Gegenteil: Wenn ein Hersteller, ein Händler oder ein Voreigner es nicht schaffen, einem potenziellen Käufer bei der Testfahrt ein Boot in optimalem Zustand zu präsentieren, gibt es wenig Hoffnung, dass sich dies am Tag der Übernahme des Bootes ändern wird.

Saubere Verkabelung und Elektroinstallationen sind gute Zeichen für die Qualität und den Wartungszustand. Sehen Sie deshalb auch in weniger gut zugänglichen Stellen nach.

Saubere Verkabelung und Elektroinstallationen sind gute Zeichen für die Qualität und den Wartungszustand. Sehen Sie deshalb auch an weniger gut zugänglichen Stellen nach.



Natürlich muss man akzeptieren, dass günstige Boote auf einen Preis hin gebaut wurden, doch es besteht ein großer Unterschied, zwischen durchdachter Kostenreduktion, z. B. durch die Verwendung von alternativen Materialien (z. B. Kunststoff statt Edelstahl), wo es die Anwendung gefahrlos zulässt, und dem der Verwendung von falschen Materialien oder schlampiger Arbeit. Deshalb ist man als Käufer gut beraten, hinter die Kulissen zu gucken und in die dunklen Ecken der Stauräume zu leuchten, um festzustellen, ob solides Handwerk zugunsten des Quick-Fix aufgegeben wurde. Die Liebe zu kleinen und unscheinbaren Details ist oft ein gutes Barometer für die Bauqualität und die Wertbeständigkeit des Bootes. Wichtig: Machen Sie sich ein Bild aus Bildern. Nehmen Sie dazu ihr Telefon oder eine kleine Digitalkamera mit und knipsen sie drauflos, damit sie sich später in Ruhe die verschiedenen Details ansehen können.

Fahren sie bewusst verschiedene Kurse und beurteilen Sie währenddessen das Lenkverhalten.

Fahren Sie bewusst verschiedene Kurse und beurteilen Sie währenddessen das Lenkverhalten.



Achten Sie auf Leistung
Beim Fahren selbst macht es sich bezahlt, die Kompromisse des Konstrukteurs vor Augen zu haben, weil sich daraus Schlüsse auf die Leistung ziehen lassen. Ein langsames Boot kann sich zum Beispiel bei Schwell oder in harten, engen Kurven schwer tun, während ein breites und geräumiges Boot Problem haben kann, wenn es gegen steile Wellen gegenan geht. Sehen Sie sich die Wettervorhersage an und versuchen Sie, das Boot nicht gerade bei spiegelglattem Wasser sondern bei etwas Wind und Wellengang zu testen, so es die Bedingungen und die Sicherheit zulassen.
Spielen Sie mit dem Trimm, der Geschwindigkeit fahren Sie Wellen mit unterschiedlichen Winkeln an, um Klarheit zu gewinnen, wie trocken und beherrschbar das Boot in den verschiedenen Situationen ist. Dabei haben sie auch Gelegenheit auszuprobieren, wie gut die Kontrolle am Steuer ist. Ist die Lenkung leichtgängig und unterstützt sie die Arbeit des Rudergängers? Bewahrt man jederzeit die Kontrolle über das Fahrzeug und kann sich darauf verlassen, dass das Boot auf Steuerausschläge reagiert? Oder gibt es Eigenarten beim Handling? Ein launisches Boot mag Ihnen nicht so viel ausmachen, doch wollen sie wirklich auf der letzten Rille agieren, wenn Frau und Kinder in Angst erstarren?

Ein wichtiges Instrument: Drehzahlmesser und Durchflussmesser. sie geben Aufschluss über Leistung und  Wirtschaftlichkeit des Bootes

Ein wichtiges Instrument: Drehzahl-  und Durchflussmesser. Sie geben Aufschluss über Leistung und Wirtschaftlichkeit des Bootes



Machen sie sich auf jeden Fall Notizen zu den Fahrleistungen. Das nimmt wenig Zeit in Anspruch und erweist sich hinterher als äußerst wertvoll, weil Sie damit einen Maßstab haben, mit dessen Hilfe sich klare Aussagen treffen oder Vergleiche mit anderen Booten anstellen lassen. Fahren Sie mit verschiedenen Drehzahlen, von Standgas eingekuppelt bis Vollast. Legen Sie dabei immer um 500 Touren zu und notieren sich dabei sowohl die Geschwindigkeit, die von der Logge angezeigt wird und wenn möglich den Spritverbrauch. Aus diesen Zahlen lässt sich daheim auf der Couch bequem die optimale Reichweite kalkulieren, sofern Sie die Tankkapazität kennen und einen Taschenrechner haben. Das befriedigt die Neugier ungemein und lässt auch Schlüsse auf die langfristige Spritökonomie zu, die direkten Einfluss auf die Unterhaltskosten hat. Die Wahrheiten, die so ans Tageslicht kommen, können oft überraschen, sind aber unabdingbar für eine gut informierte Kaufentscheidung. Und die wiederum ist die Voraussetzung für glückliche Bootseigner.

Die wichtigsten Fragen:

  • Ist das Boot optimal für eine Probefahrt vorberietet?

  • Fühlen Sie sich während des Betrieb an Bord sicher?

  • Ist das Layout effektiv?

  • Ist die mitgelieferte Ausrüstung ausreichend für Ihre Zwecke?

  • Gibt es durchdachte Aufrüstungspakete, bzw. welches Zubehör liefert der Verkäufer mit (bei Privatkauf von gebrauchten Booten)?

  • Wie steht es um die Bauqualität, die sich in den weniger gut zugänglichen Stellen offenbart?

  • Wurde bei den Details gespart?

  • Welchen Eindruck macht der Hersteller oder Verkäufer?

  • Ist der Preis im Vergleich zu Booten ähnlichen Typs oder Baujahres fair?

  • Wurden Ihre Fragen offen, ehrlich und ausführlich beantwortet?

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