Eigentlich ist es unverständlich, dass auf unseren Gewässern  Zweirumpfboote als Motoryachten so selten anzutreffen sind. Katamarane sind in der Regel extrem schnell und deshalb, wenn es wie im Rennsport um höchste Geschwindigkeiten geht, häufig erste Wahl. Die Formel 2 der Union Internationale Motonautique (UIM) ist nur ein Beispiel. International durchgesetzt haben sich XCATS. Dabei handelt es sich um "Xtreme Catamarans" von 7,6 bis 10 m Länge, die in vielen Ländern Rennen bestreiten. Ein weiteres bemerkenswertes Beispiel für den Highspeed Hochseeeinsatz ist die "Adastra", ein futuristischer Trimaran (Dreirumpfboot) von 42,5 m Länge und 16 m Breite.




Sunreef 60 Power „Ocean‘s 11“ (Polen): Länge 18,90 m

Sunreef 60 Power „Ocean‘s 11“ (Polen): Länge 18,90 m


Gibt es in Deutschland einen Markt für Doppelrumpf-Motoryachten? Im Handel angebotene Katamarane haben zumeist größere Abmessungen und stammen aus dem Ausland. Auf unseren Seen und Wasserstraßen im Charterbetrieb laufende Motorkatamarane sind oft relativ schwer und mit geringer Leistung ausgestattet. Unter Vernachlässigung des sportlichen Charakters sollen sie vor allem möglichst vielen Gästen Platz bieten.


Erfolgreiche Beispiele für die Verwendung von Katamaranen sind Solarboote mit E-Antrieb für Binnengewässer, aber auch für den Einsatz auf See. Ein Muss sind hier große Paneelflächen und geringer Fahrwiderstand. Wie so etwas aussieht, wenn man's richtig macht, zeigt die 2010 gebaute "Turanor PlanetSolar" mit einer Fläche für Solarzellen von 537 Quadratmetern. Der Katamaran erreichte allein mit Elektro-Motoren-Antrieb auf großen Distanzen eine Dauergeschwindigkeit von sieben Knoten. Die "PlanetSolar" überquerte den Atlantik und die Südsee und bewies gleichzeitig die Seefähigkeit maschinengetriebener Katamarane.




Das Deck bietet sehr viel Platz – für Solarzellen.

Auch bei schlanken Rümpfen bietet das Deck eines großen kats sehr viel Platz. Auf dem Rekord-Multihull PlanetSolar zum Beispiel für Solarzellen.


Verbreitet haben sich in den letzten Jahren auf den Binnengewässern langsame, jedoch leider wenig manövrierfreudige Plattformen mit zwei Schwimmkörpern, deren Längen-Breitenverhältnis nahezu 1 zu 1 ist. Nicht nur auf der Havel sind Hausboote oder wenig attraktive Plattformen mit Unterschlupf, angetrieben von einem Außenbordmotor geringer Leistung unterwegs.


In der Berufsschifffahrt sind Katamaranfähren keine Seltenheit mehr. Sie sind bei günstigem Energieverbrauch weitaus schneller als herkömmliche Monohull-Boote. Darüber hinaus werden gegenwärtig wegen ihrer großen Krängungsstabilität und dem günstigen Seeverhalten viele Katamarane oder SWATH (Small Waterplane Area Twin Hull) als Arbeitsschiffe eingesetzt. Ein interessantes Beispiel hierfür ist das 25 m lange und 13 m breite Forschungsschiff "Estland".


Im Segelsport werden mit Katamaranen oder Trimaranen immer wieder neue Geschwindigkeitsrekorde über lange Seestrecken aufgestellt. Sie erreichen Geschwindigkeiten bis zu 50 Knoten. Als 1988 erstmalig beim America's Cup eine 90-foot-Mega-Slup der Neuseeländer gegen einen kleineren Katamaran der USA antrat, war die Unterlegenheit des Monohulls fast peinlich und erregte großes Aufsehen.




Kleiner Kat gegen großes Kielboot. Dennis Conner (vorne) ließ den Neusseländern keine Chance.  Foto: www.maritimeproductions.tv

Kleiner Kat gegen großes Kielboot. Dennis Conner (vorne) ließ den Neuseeländern keine Chance. Foto: www.maritimeproductions.tv


Wichtigster Vorteil des Katamarans  ist der geringe Strömungswiderstand der einzelnen getauchten Rümpfe mit großem Längen-Breiten-Verhältnis; und dies gilt insbesondere auch für hohe Bootsgeschwindigkeiten. Bekanntlich  ist der Wellenwiderstand maßgebend für die Rumpfgeschwindigkeit eines Bootes. Der Anteil des Wellenwiderstands in der Nähe der Rumpfgeschwindigkeit beträgt beim Monohull etwa 70 % und erreicht das Maximum beim Übergang in den Gleitzustand. Je länger, schmaler und schlanker der Einzelrumpf des Katamarans ist, desto geringer ist der Wellenwiderstand. So hätte theoretisch eine dünne durchs Wasser gezogene Platte den Wellenwiderstand Null!


Das Verhältnis der Länge zur Breite eines Gleitbootes als Monohull liegt zwischen 2,5 und 3,5. Für gute Gleiteigenschaften braucht man breite Heckspanten mit geringer Aufkimmung. Im Gegensatz hierzu werden für den einzelnen Bootsrumpf oder Schwimmer des Katamarans Werte von L : B bis zu 15 (!) erreicht, womit der Anteil des Wellenwiderstands weitgehend minimiert wird. Dabei sollte die Verdrängung der Yacht so gering wie möglich sein. Bis auf wenige Ausnahmen sind Katamarane auch hinaus über die "Rumpfgeschwindigkeit" – welche bei Kats mit sehr schlankem Unterwasserschiff von untergeordneter Bedeutung ist – als Verdränger im Einsatz.


Ein weiterer Vorteil von Katamaranen besteht darin, dass das Heck im Gegensatz zum Gleiter sehr schlank ausgebildet ist und einen widerstandsarmen Abstrom ohne, oder mit sehr geringer, Ablösung garantiert. Katamaran-Motor-Yachten dieser Art sind auch bei hohen Geschwindigkeiten äußert energieeffizient.


Selbstverständlich dürfen Einschränkungen in Hinsicht auf den Strömungswiderstand nicht unerwähnt bleiben. Die Schwimmer von Kreuzerkatamaranen sollen häufig "möbliert" werden, wobei die Wahl einer größeren Wasserlinienbreite unumgänglich ist. Obgleich sich in diesen Fällen der Wellenwiderstand im Vergleich zum Katamaran mit schlanken Schwimmern erhöht, ist das Streckungsverhältnis L : B von 8 bis 9 immer noch viel günstiger als beim Monohull.




Schlafen im Rumpf: Kajüte auf der Leopard 51 PC (Südafrika): Länge 15,50 m

Schlafen im Rumpf: Kajüte auf der Leopard 51 PC (Südafrika): Länge 15,50 m


Richtig schwere Katamarane benötigen großvolumige Schwimmkörper, die sich ebenfalls negativ auf den Widerstand auswirken. Bei gleicher Verdrängung von Katamaran und Monohull, sind beim Katamaran die vom Wasser benetzten Oberflächen und damit der Anteil des Reibungswiderstands größer. Dieses Merkmal ist allerdings besonders bei niedrigen Geschwindigkeiten von Bedeutung und hat bei einem glatten Unterwasserschiff auf die Energieeffizienz von Doppelrumpf-Motorbooten nur mäßigen Einfluss.


Wegen der großen Gesamtbreite von Katamaranen (L : B ≈ 1,7 bis 2,5 : 1), steigen die Stabilitätsmomente mit zunehmender Krängung stark an und verhindern größere Krängungswinkel und Rollbewegun-gen im Seegang. Ähnliches gilt für den Trimm. Allerdings kann es bei höheren Geschwindigkeiten an Deck richtig nass werden. Nur bei ungünstiger gegenläufiger Wellenfrequenz sind Nickbewegungen (Stampfen) nicht immer zu verhindern. Voraussetzung für gute Seefähigkeit ist, dass die Decks und die Rümpfe verbindenden Beams genügend Freiraum zur Wasseroberfläche gewährleisten. Die Hochseefähigkeit von Motorkatamaranen und Trimaranen haben nicht allein "PlanetSolar" und "Adastra", sondern auch viele Segelkatamarane auf ihren spektakulären Weltumrundungen nachhaltig unter Beweis gestellt.


Während Monohull-Motorboote nicht selten schon ab 5 bis 6 Windstärken im Hafen bleiben, da auf See heftige Roll- Stampf- und Gierbewegungen des Bootes je nach Richtung des Seegangs unvermeidlich sind und alle Accessoires durcheinanderwirbeln, liegt der Katamaran weitgehend ruhig in der See.


Im 2. Teil dieser Serie, der nächste Woche publiziert wird, geht es um Manövrierbarkeit, Stauraum und die Ästhetik von Katamaran-Motoryachten.


Zum 2. Teil der Serie


Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung von Logo Boote, Europas größtem Motorboot-Magazin.

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