Dies ist der zweite und letzte Teil der Serie. Lesen Sie Teil 1.


Katamarane haben ein hervorragendes Steuerverhalten. Sie laufen wie auf Schienen gradeaus, sofern bei gegenläufigen Propellern die Ruder in der Ausgangsstellung je nach Drehrichtung jeweils um ein bis zwei Grad angestellt sind. Da gibt es kaum Gierbewegungen oder ein Ausbrechen vom Kurs. Das hat allerdings zur Folge, dass bei voller Fahrt der Drehkreis im Vergleich zum Monohull größer ausfallen wird. Ob das wirklich ein wesentlicher Nachteil ist, sei dahin gestellt.




Fountaine Pajot Cumberland 47 LC (Frankreich): Länge 13,95 m

Geradeaus wie auf Schienen: Fountaine Pajot Cumberland 47 LC (Frankreich): Länge 13,95 m


Andererseits sind Katamarane im Hafen recht manövrierfreudig und können auf dem Teller drehen. Unentbehrlich ist hierfür jedoch der Zweischraubenantrieb mit zwei Rudern. Die Anströmung von Propeller und Ruder könnte hinter dem schlanken Schwimmer nicht besser sein. Die Folge ist ein sehr schwingungsarmer Antrieb. Dabei ist Voraussetzung, dass Drehzahlen und Drehrichtung der jeweiligen Propeller getrennt von Hand geregelt werden können oder mit Hilfe eines Joysticks und entsprechender Programmsteuerung für die jeweiligen Eigenschaften eines Katamarans bestimmt werden.


Wird der Katamaran mit sehr schlanken strömungsgünstigen Rümpfen ausgestattet, ist das Platzangebot im getauchten Teil des Schwimmers wegen der fehlenden Breite sehr begrenzt. Immerhin steht genügend Raum für sämtliche Aggregate, den Propellerantrieb, Tanks und Stauräume  zur Verfügung.


Dies wird durch riesige Decksflächen kompensiert. Im allgemeinen erstrecken sich bei Kreuzer-Katamaranen die Außenseiten der Rümpfe bis auf Deckshöhe, sodass die gesamte Breite und Länge des Katamarans für Kajüten, Fahrstand und viel Freiraum genutzt werden kann. Bei einem mittleren Längen-Breiten-Verhältnis von 2,5 für Doppelrumpf-Boote ergibt sich für einen 10 Meter langen Katamaran eine Decksfläche von 40 (!) Quadratmetern. Das kann ein Monohull-Boot mit der gleichen Länge nicht annähernd bieten.




Layout der großen Lagoon, die mit ihrer segelnden Schwester vieles gemein hat.

Layout der großen Lagoon, die den Platzvergleich mit einem Einfamilienhaus nicht scheuen muss.


Stellt sich die Frage, warum werden Monohull-Boote trotz der günstigen Eigenschaften von Katamaranen bevorzugt? Da sind zunächst die Anschaffungskosten, die im Vergleich zum Monohull-Boot gleicher Länge und Qualität sicher höher ausfallen.  Der Aufwand für die Herstellung von zwei Rümpfen und den verbindenden Beams erfordert mehr Kosten. Außerdem ist der Zweischrauben-antrieb mit zwei Maschinen grundlegende Voraussetzung für einen guten Motor-Katamaran. Andererseits ist auch das Angebot des Komforts auf der großen Decksfläche ein gutes Argument für den höheren Preis. Leider sind unter diesen Voraussetzungen kleine Kreuzer-Katamarane schwer realisierbar. Ein weiterer wunder Punkt für sehr breite Katamarane  ist das Liegeplatzproblem. Nicht selten stehen in den Häfen für Kats nur Ankerplätze zur Verfügung.




Katamaranfähre Farasan. Foto: Mercator Media 2015,

Katamaranfähre Farasan Foto: Mercator Media 2015,


Die äußerliche Erscheinungsform von Katamaranen, das Gesamtbild, ist gewöhnungsbedürftig und entspricht oft nicht den Vorstellungen von Eleganz einer schnittigen Motoryacht. Vielleicht ist dies der Grund, dass Katamarane in den letzten Jahren vor allem als Arbeitsschiffe und Fähren Verbreitung gefunden haben.


Schließlich soll noch ein weiteres Argument angesprochen werden, welches für das Gleitboot spricht und nicht für den Katamaran, der stets als Verdränger unterwegs ist. Der Übergang zum Gleiten, das Herausheben des Bugbereichs, die deutlich sichtbare Bug- und danach Heckwelle, der enge Drehkreis bei Vollgas, all das sind  Erlebnisse, die vor allem schnelle Gleitboote bieten. Wunschvorstellungen, die der Katamaran nicht erfüllen kann, wobei die Energieeffizienz völlig missachtet wird. Sieht man sich die Werbung für Motoryachten an, werden viele bei maximalem Speed abgebildet. Wobei häufig trotz Tempo 30 kn Fahrtwind eine junge, leichtbekleidete Dame an Deck nicht fehlen darf. Motorbootfahren soll Spaß machen.




Deutsch-französisches Produkt: Nautitech Power Cat 40 : Länge 11,98 m. Die französische Werft gehört zum deutschen Bavaria-Konzern.

Deutsch-französisches Produkt: Nautitech Power Cat 40 : Länge 11,98 m. Die französische Werft gehört zum deutschen Bavaria-Konzern. DAs Boot ist eine Weiterentwicklung des Nautitech 40 Segelkatamarans.


Vielleicht kann die Kenntnis der Eigenheiten von Katamaranen und deren Qualitäten einen Beitrag dazu leisten, das Image von Katamaran-Motoryachten zu verbessern. Klammert man Renn- und High-Speed-Boote sowie Plattformen für Hausboote und Berufsschiffe aus, bleiben als Katamaran lediglich Motoryachten ab etwa 10 Meter Länge. Sicher sind auch Konzepte für kleinere katamaranähnliche Motorboote denkbar, die ebenfalls, wie auch der Monohull,  Fahrspaß versprechen. Wesentliche Vorteile von Katamaranen sind vor allem die Energieeffizienz, die sich auch bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar macht, die gute Seefähigkeit und das riesige Platzangebot. In der Negativbilanz müssen an erster Stelle die hohen Kosten genannt werden.


Die Eleganz einer großen Motoryacht als Monohull ist gegenwärtig unumstritten. Da sich aber Stilempfinden und Moden stetig ändern, wäre nicht auszuschließen, dass Katamarane zukünftig den Vorstellungen einer attraktiven Motoryacht entsprechen und zunehmend an Beliebtheit gewinnen.


 

Im 1. Teil der Serie geht es um die technischen Voraussetzungen für Katamaran-Mortoryachten.

Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung von Logo Boote, Europas größtem Motorboot-Magazin.

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