Sie wollen es also wagen und Bootseigner werden. Gratulation! Wenn Sie ihre Auswahlkriterien getroffen haben und sich sich für gewisse Bootstypen entschlossen haben, geht’s nun um die einzelnen Schritte des Kaufprozesses, die wir ihnen mit diesem Ratgeber erklären wollen. Auch wenn die schier endlose Auswahl an verschiedenen Bootstypen, Marken und Modellen manchall ein bisschen überwältigend scheint, ist der Kauf eines Bootes in vielerlei Hinsicht ähnlich wie die Anschaffung anderer Konsumgüter, die man nicht jeden Tag tätigt. Dabei gilt es, die Hausaufgaben zu machen und ein gewisses Maß an Skepsis gegenüber Marketing- und Verkaufsbroschüren zu bewahren.

INTERBOOT 2014

Boote kaufen ist das Thema auf den Messen, die im Herbst und Winter stattfinden. Gute Vorbereitung hilft dabei.



Und hier schon die erste gute Nachricht: Bootsfreunde sind eine eingeschworene Gemeinschaft und in der Regel hilfsbereit, wenn es darum geht, Neulinge in die Geheimnisse ihres Lieblingshobbys einzuweihen. Scheuen Sie sich deshalb nicht, erfahrene Bootseigner anzusprechen und sie um ihre Meinung zu bitten, besonders wenn sie keinerlei kommerzielles Interesse daran haben, welches Boot sie im Endeffekt kaufen werden. Lesen Sie dazu zum Beispiel unseren Ratgeber Welches Segelboot ist ideal für mich? Hören Sie sich um in den Yachthäfen, in den Boots- oder Segelklubs oder klappern Sie einfach die Eignerforen am Internet ab, um sich ein Bild zu machen, warum ihr Bootstyp die Leute anspricht, wie sie ihre Schiffe nutzen aber auch welche Probleme es gibt und wie diese gelöst werden.

Doch es gibt auch andere Aspekte  die beim Bootskauf einzigartig sind. Für Neueinsteiger kann es zum Beispiel schwierig sein, zu beurteilen, welche Details den Unterschied ausmachen zwischen einer glücklichen und unbeschwerten Zeit am Wasser und einem Meer von Schwierigkeiten und Frustrationen. Besonders beim Gebrauchtbootkauf macht sich Erfahrung bezahlt, denn alle Boote haben eine Art Persönlichkeit, die einem liegt - oder nicht. Zu diesem Thema bieten wir Ihnen die praktischen Ratgeber zum Thema Gebrauchtbootkauf: Was Sie wissen müssen und auch 10 Probleme bei Gebrauchtbooten.  Das alles lässt sich natürlich nicht generalisieren, deshalb unser Rat: Setzen Sie sich mit erfahrenen und hilfsbereiten Eignern oder Experten in Verbindung, die ihre Fragen ehrlich und ohne Umschweife beantworten.

Bootsverkauf

Derzeit stehen viele gebrauchte Boote zum Verkauf. Wer sich die Mühe macht zu vergleichen, hat gute Chancen auf einen gutes Geschäft. Foto: Dieter Loibner



Suchen, vergleichen, auswählen
Sind Sie bereit? Dann kann es losgehen. Am besten online auf Portalen wie de.boats.com oder www.yachtworld.de, wo Sie über eine detaillierte Suche die Bootsbörse nach Herzenslust durchstöbern können, um in Ruhe Modelle, Preise und Ausstattungen zu vergleichen. Dort können Sie sich Ihre Suchkriterien maßschneidern, z. B. nach Werft, Modell, Baujahr, Länge, Preisklasse, oder nach Land. Nutzen sie auch unseren YouTube-Kanal, auf dem wir neue Modelle in kurzen Videos vorstellen, und dabei einen Überblick über Schlüsselmerkmale und Verwendungszweck geben. Eine weitere nützliche Quelle ist die Sektion Bootstests unserer Webseite, in der Sie Besprechungen der diversen Modelle finden und ausführliche Tests mit Bildern und Spezifikationen.

Doch Vorsicht! Zu viel Klicken kann auch ermüden und am Schluss ist man dann enttäuscht , wenn die Realität nicht mit den Träumen übereinstimmt. Deshalb verraten wir ihnen ein paar Tipps, wie man die Spreu vom Weizen trennt:

  • Prüfen Sie die Fotos: Schlechte Fotos sind zumeist schon eine Warnung. Wenn ein Verkäufer sich nicht die Mühe macht, sein boot best möglich in Bildern darzustellen hat dies zumeist einen Grund. Entweder das Boot ist eine Last oder der Zustand ist weit entfernt von ideal.

  • Sehen Sie genau hin: Vergleichen Sie bei den verschiedenen Anzeigen von Booten des gleichen Modells, was zu sehen ist und was nicht.

  • Lesen Sie die Ausrüstungsliste: Vergleichen Sie was die einzelnen Verkäufer als Highlights listen. Was zahlt zur Standardausrüstung, was ist aufpreispflichtig, bzw. was wurde vom Eigner nachträglich installiert. Daraus ergeben sich zum Teil beträchtliche Unterschiede und eventuell die Erkenntnis, dass das billigste Angebot nicht unbedingt auch das günstigste ist.

  • Wenn das Boot von einem Händler inseriert wurde, gehen Sie auf seine internetseite und sehen sich die anderen boote an, die dort zum Verkauf ausgeschrieben sind. So können Sie sich einen allgemeinen Eindruck von der Geschäftsgebarung machen.

  • Seien Sie skeptisch: Besonders bei älteren Booten, auf denen über Jahre viel geschraubt wurde, sollte man einen kritischen Blick behalten, besonders wenn es um Elektronik geht, weil die Entwicklung auf diesem Sektor rapide fortschreitet. Selbst wenn sie technisch noch funktionsfähig sind, können veraltete Geräte wertlos sein, zum Beispiel wenn sie mit neuen Betriebssystemen, Kartenformaten etc. nicht vorwärtskompatibel sind. Das heißt, Sie können mit einem Haufen Elektroschrott an Bord dastehen, den sie zwar bezahlt haben, doch schon sehr bald ersetzten müssten.


Sobald Sie ihre Auswahl auf ein paar Kandidaten verdichtet haben, müssen Sie sich auf den Weg machen, um die einzelnen Boote persönlich unter die Lupe zu nehmen. Das kann Sie in einen nahegelegenen Yachthafen führen, auf den Messestand eines Händlers oder Herstellers oder in den Garten, in dem ein Privatverkäufer sein Schiff am Anhänger stehen hat. Wenn Sie anspruchsvoll sind, oder Großes auf der Einkaufsliste stehen haben, kann das auch einen Flug in ferne Länder erforderlich machen. In der Größenordnung schicken potenzielle Käufer oft auch Vertreter, die den Kauf an ihrer statt verhandeln. In jedem Fall ist es aber das Ziel, sich zu vergewissern, ob die Realität am Wasser (oder an Land) so gut aussieht, wie die Bilder der Anzeige am Computerbildschirm.

Auch am Schwarzen Brett im Yachthafen finden sich interessante Inserate. Foto: Dieter Loibner/boats.com



Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser
Wie pingelig sollte ein Käufer beim Lokalaugenschein vorgehen und ihren Blick nicht nur auf das werfen, was der Verkäufer zeigen möchte? Das hängt davon ab, ob Sie neu kaufen oder gebraucht, von der Größe und Komplexität der Yacht und ob der Verkäufer Ihnen bekannt ist, bzw. als seriös empfohlen wurde. Und ganz besonders davon, ob ein Deal zu gut scheint, um wahr zu sein, denn genau dann sind Vorsicht und ein genauere Untersuchung geboten.
Beginnen Sie mit einem Rundgang, bei dem Sie sich erstmal einen allgemeinen Eindruck von der Qualität des Gebotenen verschaffen. Dabei gilt: Der erste Eindruck, den man von dem äußerlichen Zustand gewinnt, verrät auch vieles über die inneren Werte. Wenn die Decksbeschläge solide sind und fachgerecht montiert wurden, ist das schon mal ein gutes Zeichen. Danach sollten Sie wissen, ob Sie weitere Fragen stellen sollen oder das boot von der Kandidatenliste streichen sollten.
Der nächste Schritt ist die Probefahrt, die Aufschluss liefert, wie sich das Boot in Fahrt verhält, wie es sich bei Seegang oder hoher Geschwindigkeit beträgt und ob Sie sich an Bord wohl fühlen. Achtung: Eine Probefahrt ist keinen Spazierfahrt. Legen Sie sich eine Prüfliste an, um die begrenzte Zeit an Bord bestmöglich zu nutzen. Ansonsten schaffen Sie sich schnell den Ruf eines unseriösen Käufers oder Zeitverschwenders.
Sollten Sie ernsthaftes Interesse an einem Boot Ihrer Wahl haben, es aber bis zum jetzigen Zeitpunkt nur im Wasser gesehen haben, sollten Sie mit dem Verkäufer einen Auswasserungstermin vereinbaren, um den wichtigen Unterwasserbereich inklusive Propeller, Schaft, Ruder, Kiel oder die Geber für Echolot und Logge zu inspizieren. Kein seriöser Gutachter würde eine Yacht beurteilen, ohne das Unterwasserschiff genau angesehen zu haben.

Und damit sind wir bei einem wichtigen Thema, das besonders für Käufer von Gebrauchtbooten interessant ist: Die Erstellung eines Kaufgutachtens durch einen beeideten Experten. Zum einen wird dies von Versicherungen gefordert, zum anderen ergibt sich daraus für angehende Eigner die Gelegenheit, so viel wie möglich über das neue Schiff zu erfahren.

Welches Zubehör ist inklusive?
Es ist eine beinahe beiläufige Frage, deren Beantwortung jedoch einen großen Unterschied im preis machen kann, abhängig davon, welchen Typus boot man ersteht und ob man neue oder gebrauchte Ware kauft. Der Verkäufer, egal, ob Händler oder Privatperson, sollte eine detaillierte Ausrüstungsliste vorlegen, die Ihnen exakt zeigt, was im Kaufpreis inkludiert ist. Käufer von fabriksneuen Booten werden oft mit einem attraktiven Preiszettel angelockt, müssen aber oft feststellen, dass sie noch ordentlich für aufpreispflichtiges Zubehör dazubuttern müssen, ehe sie das Schiff ihrer Träume übernehmen können.

Das Geschäft zum Abschluss bringen
Hier schließt sich der kreis des Verkaufsprozesses, der am Schluss wieder den allgemeinen Richtlinien für die Anschaffung großer Konsumgüter entspricht: Je verliebter sie sind, desto höher der Preis, den Sie zu zahlen gewillt sind. Vife Verkäufer kennen die Schlichen und werden versuchen, den Geschäftsabschluss möglichst in emotionale Bahnen zu leiten. Ihr bestes Gegenmittel ist eine kurze Auszeit zu nehmen, bis sich das Gemüt einigermaßen beruhigt hat und Sie den preis verhandeln. Das heißt nicht, dass Sie in der Zwischenzeit untätig sein müssen. Sie können sich zum Beispiel vergewissern, dass keine Gefahr des Online-Betrugs besteht und den Papierkram erledigen, der für Behörden und Versicherung anfällt. Wichtig bei Privatkäufen ist die Vergewisserung, dass der Verkäufer auch tatsächlich der eingetragene Eigner ist. Und noch etwas: Sollte das Boot in einer Marina liegen oder in einer Lagerhalle, fragen Sie im Büro nach, ob es überfällige Liegeplatzgebühren gibt oder ob vielleicht sogar eine Pfändung droht.

Egal, wo Sie in dem Prozess stecken, ob Sie noch wanken zwischen neu und gebraucht oder den Sprung ins Wasser noch nicht wagen wollen, der Ratgeber Wie mache ich ein gutes Geschäft? oder der humorvolle Beitrag Ist Bootsbesitz logisch vertretbar? werden Sie mit Sicherheit interessieren.

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