Als Willi Dehler 1963 begann, Boote zu bauen, wollte er nicht nur gutes Handwerk abliefern, sondern auch innovativ tätig sein. Das gelang ihm ganz ausgezeichnet und seine Schiffe wurden zum Inbegriff von Qualität und Performance. Das erste Modell, die Winnetou-Jolle, wurde in einem alten Kino gefertigt und etwa vierhundertmal verkauft. Bald schloss sich sein Bruder Heinz an und gemeinsam brachten sie den Kleinkreuzer Varianta heraus (ein E.G. van de Stadt Design), der sich mit cleveren Features wie Kielschwert und abnehmbarem Kajütdach zum Bestseller entwickelte. Das Boot wurde zwischen 1967 und 1982 in verschiedenen Versionen 4000 mal gebaut.  Es war eine Zeit, in der der Segelsport boomte, weil die Boote dank des Werkstoffs GFK kostengünstig, leicht und sehr haltbar gebaut werden konnten. Viele Variantas werden bis heute zumeist in Norddeutschland noch aktiv gesegelt. Auf die Varianta folgten bei Dehler weitere Erfolgsmodelle wie Optima, Delanta, Sprinta und Sprinta DS.

Erster Bestseller: Dehlers Varianta. Foto: WikiMedia

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Dehler war ständig bemüht, den Kunden das Segeln leichter zu machen und entwickelte Boote, auf denen sich durch das Central-Winch-System, bzw. durch deine Selbstwendefock das Manövrieren stark vereinfachte. Dehler baute auch sehr konkurrenzfähige 470er-Jollen und die Sprinta Sport, die laut Firmenangaben auch Deutschlands erste IOR-Einheitsklasse war. Später versuchte sich Dehler auch mit dem Ausbau von VW Lieferwagen.

 

Klein aber gut: Sprinta Sport, eine IOR-EInheitsklasse



Trotz der vielen Erfolge und des hohen Ansehens, das die Marke genoss, geriet der Betrieb bei schlechter Konjunkturlage unter Druck. So wurde Dehler schon 1998, drei Jahre nach dem Ausstieg von Willi aus der Firma, von einer niederländischen Investorengruppe vor dem Konkurs gerettet. Mit guter Modellpolitik wirtschaftete Dehler bis 2008 weiter, doch die Schulden und die schlechte Auftragslage während der Rezession zwangen das Unternehmen, Insolvenz zu beantragen. Ein Rettungsplan des Landes Nordrhein-Westfalen scheiterte, wie auch der Versuch einer Kooperation mit der Delphia-Werft in Polen. Ende 2008 stand Dehler praktisch vor dem Aus und riss auch Etap mit in die Tiefe, jene belgische Werft, die man ein Jahr zuvor übernommen hatte.

Im Frühjahr 2009 konnte jedoch das Schlimmste im letzten Moment vermieden werden. Unf zwar von der Hanse Group, Deutschlands zweitgrößter Werft für Sportboote, die mitlerweile an der Börse in frankfurt notierte und sich auf Expansionskurs befand. Hanse entschied sich zur Übernahme von Dehler, um das eigene Produktsortiment zu ergänzen. Gute und erfolgreiche Modelle wie die Dehler 34 und die Dehler 44 waren den Greifswaldern zu dem Zeitpunkt sehr willkommen. Dazu kam noch die Varianta 18, eine moderne Neuauflage des einstigen Verkaufsschlagers Varianta, die in stark modifizierter Form beim Publikum mit ihrem Kampfpreis von weniger als 10.000 Euro guten Anklang fand.

Frisch aufgelegt: Varianta 18



Hanse versuchte zunächst noch, den traditionellen Standort Freienohl offen zu halten, doch im Frühjahr 2012 wurde der Betrieb aus Kostengründen eingestellt und die gesamte Dehler-Produktion ins Hauptwerk nach Greifswald verlagert. Auf der Messe in Düsseldorf im Januar wird nun die neue Dehler 38 vorgestellt. Es ist ein Design von Judel/Vrolijk & Co und auch das erste Modell, das komplett in Greifswald gefertigt wird.

Neu und aus Greifswald: Dehler 38



Damit wird Dehler das 50-Jahr-Jubiläum einläuten, für das 2013 etliche Events und Feierlichkeiten geplant sind. In Düsseldorf wird am Messestand neben der 38 auch eine Zusammenfassung der Firmengeschichte gezeigt. Dazu wird auch ein Jubiläumsbuch produziert, das 2014 erscheinen soll. Wer Fotos und Anekdoten beisteuern möchte, ist aufgerufen, das Material an 50years@dehler.com  zu senden. Und gesegelt wird natürlich auch. Wie z.B. auf der Schlei, wo im Herbst ein eigenes Dehler-Treffen organisiert wird.

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