Ja, man kann dort richtig reich werden, im Tal nahe San Franciscos, das mal Obstgärten und kleine Farmen gehörte. Heute wächst dort anderes: Zukunftsoptimismus, Innovation und disruptive Technologien, die nicht nur das Leben verändern, sondern die Gesellschaft an sich. Manche der Lenker und Denker verdienen dabei Milliarden, die sie zum Teil bei Konstrukteuren und Schiffswerften wieder ausgeben, die ihre extravaganten Träume zuerst zu Papier und dann aufs Wasser bringen. Im Folgenden ein Überblick über die größten dieser Yachten, die sich im Besitz von Computer- und Softwaretitanen befinden oder befanden. In jedem Fall sind es Stilstudien der Macht und des Standes der Technik beim Bau von Megayachten.

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Octopus/Tatoosh
Paul Allen, neben Bill Gates der Mitbegründer von Microsoft besitzt professionelle Basketball- und Fußballteams und gründete auch das Institut für Künstliche Intelligenz, von der heute ja gerne gesprochen wird im Zusammenhang mit Robotern und Drohnen, die immer mehr Jobs übernehmen, die Menschen bisher ausübten. Allen ist auch in Superyacht-Kreisen einschlägig bekannt, und da auch dem Hamburger Publikum, das im Elbhafen an den Landungsbrücken einige Zeit Gelegenheit hatte, in einem Trockendock bei Blohm & Voss Allens Octopus zu bewundern, die dort einen Boxenstopp zur Überholung eingelegt hatte. Das 126 Meter lange Schiff wurde bei Lürssen gebaut, ist jedoch nicht das einzige, mit dem der ehemalige Microsoft-Boss über die Meere schippert.

Denn da ist auch noch Tatoosh, die nur 92 Meter lang ist und bei Nobiskrug vom Stapel gelaufen war. Die hat er für kolportierte100 Millionen US Dollar über einen Makler erstanden, wohl auch weil das Schiff in sehr gutem Zustand war und Annehmlichkeiten wie Hummeraquarium und einem Swimming Pool, dessen Boden für längere Überfahrten bündig bis Deckhöhe angehoben werden kann.

Octopus dagegen ist etwas wertiger ausgestattet mit zwei Hubschraubern, U-Boot, Musikstudio und Basketballhalle. Schwimmbecken gibt es auch, werden aber nicht gezählt. Das Schiff ist die schwimmende Partymeile an der Cote D’Azur, zum Beispiel beim Filmfestival von Cannes, währenddessen Allen hier Feste für mehrere hundert Gäste schmeißt und schon auch mal mit seiner eigenen Musikgruppe auftritt. Richtig zur See ist er damit auch unterwegs, zum Zwecke des Abenteuers und der Forschung. Angeblich hat Octopus auch eine Rolle beim Auffinden eines japanischen Kriegsschiffs gespielt, das im 2. Weltkrieg versenkt worden war.

 

Rising Sun

Rising Sun

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Rising Sun/Musashi
Ursprünglich gehörte die fast 140 Meter lange Rising Sun Oracle-Chef, America’s Cup-Sponsor und Hobbysegler Larry Ellison, der aber in der Zwischenzeit auf die mit 87 Metern deutlich kleinere Feadship Musashi umgesattelt hat. Nicht dass Ellison am Hungertuch nagt, doch kleineres Schiffe haben weniger Tiefgang und größere Wendigkeit, können also in Häfen und Buchten rein, in denen man sich mit Rising Sun beengt fühlen würde. Gebaut 2004 bei Lürssen und ausgestattet mit 82 Kajüten sowie Swimmingpool, Fitness-Center und Basketball-Halle, gehört diese Rising Sun zu den 10 größten und gleichzeitig auch faszinierendsten Megayachten, die auf den Weltmeeren unterwegs sind, nun aber im Dienste des bekannten Musik-Moguls David Geffen, der nebenher, so heißt es, auch der Eigner der 115 Meter „kleinen“ Pelorus ist, die früher mal dem russischen Oligarchen Roman Abramovich gehörte.

Fountainhead

Fountainhead



Fountainhead
Benannt nach dem philosophisch-romantischen Roman von Ayn Rand, der auf Deutsch unter dem Titel „Ewiger Quell“ erschienen war, gehört diese 87 Meter lange Feadship (Schwesterschiff der Musashiangeblich dem exzentrischen Technologie-Milliardär und Basketballverrückten Mark Cuban. Der ist zwar nur technisch in Silicon Valley angesiedelt, hat aber dort Kohle gescheffelt. Dieser Tage hält er sich hauptsächlich in Texas auf und wohnt dort oft den Spielen des NBA-Teams Dallas Mavericks bei, das er besitzt. Er ist somit auch Arbeitgeber des deutschen Basketballstars Dirk Nowitzki. Cuban, der durch die TV-Show Sharktank einem größeren Publikum bekannt ist, war schon sehr früh sehr umtriebig und verstand es seine Firmen zum rechten Zeitpunkt zu veräußern. Seine erste Computerfirma MicroSolutions veräußerte er für 6 Millionen an Compuserve. Später startete er Broadcast.com, eine Firma, die sich auf Übertragungen am Internet spezialisierte und die von Yahoo für 5,7 Millionen US Dollar gekauft wurde. Er ist weiter im High-Tech-Business unterwegs, doch wenn er mal Pause macht, dann gern auf Fountainhead, über die eigentlich wenig bekannt ist, außer dass sie 14 Gästen Platz bieten soll. Ohne Zweifel mit angemessener Opulenz.

Venus

Venus



Venus
Steve Jobs, der wohl legendärste Ritter in Silicon Valley und Mitbegründer von Apple Computer, hat den Stapellauf seiner von Philipe Stark gestylten und bei Feadship in Holland gebauten Megayacht nicht mehr erlebt. Um das mit 78 Metern Länge eher moderate Fahrzeug gab es reichlich Spekulationen und Gerüchte, von Millionen Dollars, die Jobs angeblich Stark schuldete, bis hin zur Eigenschaft nach seinem Tod. Doch all dies scheint nun geklärt, das exzentrisch anmutenden Fahrzeugs, befindet sich nach aktuellem Wissensstand noch im Besitz von Jobs’ Witwe Norene. Stark selbst soll angemerkt haben, dass die Yacht ein wenig seltsam aussehe, zumindest für ein Schiff, doch da die Form der Funktion folge, sei dies eben so gekommen. Jobs, so hiess es, bestand für seine Venus nämlich auf Perfektion und intelligentes Design, ganz so wie bei den Kreationen von Apple, wie iPhone, iPad, iPod oder iMac, die er zu verantworten hatte. Gerüchteweise hat dieses schwimmende Technologielabor eine Serie von Apple Macintosh-Bildschirmen auf der Brücke, die den „gläserne Steuerstand“ perfekt verwirklichen.

Dragonfly

Dragonfly



Dragonfly
Ehemals bekannt als Silver Zwei, entworfen von Espen Oenio und aus Alu bei Hanseatic Marine in Australien gebaut, gehört dieses „nur“ 73 meter lange Gefährt dem Google-Mitgründer Sergey Brin. Geschwindigkeit ist wichtig bei der Internetsuche und offenbar auch am Wasser, den Dragonfly läuft im Dauerspurt angeblich 22 Knoten und könnte damit auch den Atlantik Überqueren. Mit einem stündlichen Verbrauch von „nur“ 360 Litern Diesel bei einer Marschgeschwindigkeit von 18 Knoten schafft diese Yacht angeblich schlappe 4500 Meilen mit einer Tankfüllung. Zur Demonstration legte das Schiff die Strecke von Dubai nach Singapur (ca. 4000 Seemeilen) in 8 Tagen zurück, mit einem Schnitt von 20.1 Knoten. Beeindruckend, aber Unikat ist es keines, denn es gibt zwei Schwesterschiffe, Rabdan und Smeralda.

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